Burning-Mouth-Syndrom – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
- Inspektion (Betrachtung)
- Haut und Schleimhäute [Hautausschläge, Schleimhautveränderungen, Zeichen einer systemischen (den ganzen Körper betreffenden) oder dermatologischen Erkrankung (Hauterkrankung)]
- Mundhöhle, Zunge, Lippen, Wangenschleimhaut, Gingiva (Zahnfleisch), harter und weicher Gaumen, Mundboden und Mundrachen (Pars oralis pharyngis, Oropharynx, Mesopharynx) [bei primärem Burning-Mouth-Syndrom (BMS) (Mundbrennen-Syndrom) definitionsgemäß klinisch unauffällige Mundschleimhaut; Zungenbrennen beziehungsweise Glossodynie (Zungenschmerz), Brennen der Mundschleimhaut, Dysästhesien (Missempfindungen), Parästhesien (Kribbel- oder Taubheitsgefühle), stechende oder kribbelnde Beschwerden, subjektive Xerostomie (Mundtrockenheit), Dysgeusie (Geschmacksstörung)]
- Mundschleimhaut und Zunge zur Abgrenzung sekundärer Ursachen [Erythem (Rötung), Erosionen (oberflächliche Schleimhautdefekte), Ulzerationen (Geschwüre), Leukoplakie (weißliche Schleimhautveränderung), Erythroplakie (rötliche Schleimhautveränderung), Lichen-planus-artige Veränderungen (flechtenartige Schleimhautveränderungen), aphthöse Läsionen (schmerzhafte Schleimhautstellen), Candidiasiszeichen (Hinweise auf Pilzbefall), depapillierte Areale (glatte Zungenareale), atrophische Glossitis (entzündliche Zungenveränderung mit Gewebeschwund), Lingua geographica (Landkartenzunge), Rhagaden (Einrisse), traumatische Schleimhautläsionen (verletzungsbedingte Schleimhautveränderungen), Bissspuren, Druckstellen]
- Speichelfilm und Mundfeuchtigkeit [verminderter Speichelsee, trockene Schleimhäute, zäher Speichel, Lippenrhagaden (Lippeneinrisse), Mundwinkelrhagaden (Einrisse der Mundwinkel), Zeichen einer Speicheldrüsenfunktionsstörung (Störung der Speicheldrüsenfunktion)]
- Palpation (Abtasten)
- Mundhöhle, Zunge, Mundboden und Speicheldrüsenregionen [Indurationen (Verhärtungen), Raumforderungen (Gewebeneubildungen), lokale Druckschmerzen, Schwellung der Glandula parotis (Ohrspeicheldrüse) oder Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse)]
- Zervikale Lymphknoten (Halslymphknoten) [Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung) bei entzündlicher, infektiöser oder maligner Differentialdiagnose (bösartiger abzugrenzender Erkrankung)]
- Kiefergelenke und Kaumuskulatur [Druckschmerz, Myalgie (Muskelschmerz), Zeichen einer craniomandibulären Dysfunktion (Funktionsstörung von Kiefergelenk und Kaumuskulatur) oder parafunktioneller Belastung (Fehlbelastung außerhalb normaler Kauvorgänge)]
- Orientierende neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems)
- Hirnnervenstatus (Prüfung der Hirnnerven), insbesondere Nervus trigeminus (Drillingsnerv), Nervus facialis (Gesichtsnerv), Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv), Nervus vagus (Eingeweidenerv) und Nervus hypoglossus (Zungennerv) [Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen), Allodynie (Schmerz durch normalerweise nicht schmerzhafte Reize), Hyperalgesie (verstärkte Schmerzempfindlichkeit), Hypästhesie (verminderte Berührungsempfindung), Hypalgesie (verminderte Schmerzempfindung), Geschmacksstörung, Zungenmotorikstörung (Störung der Zungenbeweglichkeit); bei typischem primärem Burning-Mouth-Syndrom meist kein fokal-neurologisches Defizit (umschriebener Ausfall des Nervensystems)]
- Orientierende Sensibilitätsprüfung (Prüfung des Gefühls) der betroffenen oralen Areale (Mundbereiche) [negative oder positive somatosensorische Veränderungen (Veränderungen der Körperwahrnehmung) als Hinweis auf neuropathische Beteiligung (Nervenbeteiligung) beziehungsweise alternative orofaziale Schmerzdiagnosen (Schmerzdiagnosen im Mund-Gesichts-Bereich)]
- Inspektion (Betrachtung)
- Ggf. zahnärztliche beziehungsweise oralmedizinische Untersuchung (Untersuchung der Mundgesundheit) [kariöse Zähne (Zähne mit Karies), Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates), scharfe Zahnkanten, insuffiziente Füllungen (nicht ausreichend dichte oder passende Füllungen), schlecht sitzende oder ungepflegte Prothesen (Zahnersatz), Prothesendruckstellen (Druckstellen durch Zahnersatz), Prothesenstomatitis (Schleimhautentzündung unter Zahnersatz), Bruxismus (Zähneknirschen), parafunktionelle Belastung, okklusale Störungen (Störungen des Zusammenbisses), Kontaktreaktionen auf Dentalmaterialien (Zahnmaterialien)]
- Ggf. hals-nasen-ohrenärztliche Untersuchung (Untersuchung durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt) [persistierende (anhaltende) oder einseitige Beschwerden, Dysphagie (Schluckstörung), Odynophagie (schmerzhaftes Schlucken), Heiserkeit, Schleimhautläsionen im Oropharynx, Verdacht auf lokale entzündliche, infektiöse oder neoplastische Ursache (tumorbedingte Ursache)]
- Ggf. dermatologische beziehungsweise allergologische Untersuchung (Haut- beziehungsweise Allergieuntersuchung) [orale Lichen-planus-artige Veränderungen, Kontaktstomatitis (kontaktbedingte Mundschleimhautentzündung), lichenoide Reaktion (flechtenartige Reaktion), Schleimhauterosionen, chronisch-rezidivierende Ulzerationen (langwierig-wiederkehrende Geschwüre), Verdacht auf allergische oder immunologisch vermittelte Ursache (durch das Immunsystem vermittelte Ursache)]
- Ggf. psychiatrische beziehungsweise psychosomatische Untersuchung (seelische beziehungsweise körperlich-seelische Untersuchung) [Angst, Depression, somatoforme Belastung (körperliche Beschwerden ohne ausreichende organische Erklärung), chronisches Schmerzsyndrom (lang anhaltende Schmerzerkrankung), Schlafstörung, erhebliche krankheitsbezogene Belastung; keine Voraussetzung für die Diagnose, aber relevant für Komorbidität (Begleiterkrankung) und Therapieplanung]
- Gesundheitscheck
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische körperliche Befunde (krankhafte Untersuchungsbefunde) hingewiesen.