Bauchtrauma (Abdominaltrauma) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Allgemeinzustand und Bewusstseinslage sowie Beurteilung der klinischen Kreislaufstabilität und peripheren Perfusion (Durchblutung)
  • Abdomen (Bauch)
    • Inspektion (Betrachtung) der vollständig entkleideten Bauchdecke einschließlich Flanken und thorakoabdominaler Übergänge (Übergangsbereiche zwischen Brustkorb und Bauch) [Abdominaldistension (Aufblähung des Bauches); Prellmarken, Hämatome (Blutergüsse) oder Schürfungen; Gurtzeichen (lineare Hämatom- bzw. Schürfmarke im Verlauf des Sicherheitsgurts); Lenkerzeichen (umschriebene Prell- bzw. Hämatommarke nach Lenkeraufprall); Riss-, Stich- oder Schusswunden; Ein- und Austrittswunden; Eviszeration (Austritt von Bauchorganen); impalierender Fremdkörper (eingedrungener und stecken gebliebener Fremdkörper)]
    • Systematische, vorsichtige Palpation (Abtastung) aller vier Quadranten (Bauchabschnitte) [lokalisierter bzw. diffuser Druckschmerz; unwillkürliche Abwehrspannung; rigide Bauchdecke (brettharte Bauchdecke); Loslassschmerz]
    • Inspektion und vorsichtige Palpation der Bauchwand [umschriebene traumatische Schwellung bzw. Hämatombildung; tastbarer Bauchwanddefekt]
    • Auskultation (Abhören) der Darmgeräusche kann ergänzend erfolgen; der Auskultationsbefund ist zum Ausschluss einer intraabdominellen Verletzung (Verletzung innerhalb der Bauchhöhle) nicht ausreichend zuverlässig.
  • Thorakoabdominaler Übergang (Übergang zwischen Brustkorb und Bauch), Rücken und Flanken – vollständige Inspektion und Palpation insbesondere bei penetrierendem Trauma (eindringender Verletzung) bzw. entsprechendem Unfallmechanismus [weitere Ein- oder Austrittswunden; traumatische Hämatome; lokalisierter Druckschmerz entlang eines möglichen Verletzungskanals]
  • Perineum (Damm) und Urogenitalregion (Harn- und Geschlechtsorgane) – gezielte Untersuchung bei Unterbauch-, Becken- oder penetrierendem Trauma [Blut am Meatus urethrae externus (äußere Harnröhrenöffnung); perineale Hämatome; traumatische äußere Verletzungen]
  • Rektale Untersuchung (Untersuchung des Enddarms) – nicht routinemäßig; gezielt bei Verdacht auf Rektum- (Enddarm-), Becken- bzw. Urethraverletzung (Harnröhrenverletzung) [Blut am Untersuchungsfinger; tastbare Rektumverletzung]
  • Serielle abdominale Untersuchung (wiederholte Untersuchung des Bauches) – bei hämodynamisch stabilen (kreislaufstabilen) und zuverlässig untersuchbaren Patienten wiederholt, möglichst durch dasselbe Behandlungsteam [neu auftretender bzw. zunehmender abdominaler Druckschmerz; zunehmende Abwehrspannung; neu auftretender Peritonismus (Zeichen einer Bauchfellreizung); zunehmende Abdominaldistension]

Ein initial unauffälliger körperlicher Untersuchungsbefund schließt eine relevante intraabdominelle Verletzung auch beim wachen Patienten nicht aus; dies gilt insbesondere für Hohlorgan-, Mesenterial- (Gekröse-) und retroperitoneale Verletzungen (Verletzungen im Raum hinter dem Bauchfell). Bei eingeschränkter klinischer Beurteilbarkeit, z. B. durch Bewusstseinsstörung, Intoxikation (Vergiftung), Analgosedierung (medikamentöse Schmerzstillung und Beruhigung), Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs) oder relevante Begleitverletzungen, ist die Aussagekraft der körperlichen Untersuchung zusätzlich vermindert.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.