Drohende Frühgeburt – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
Bei tatsächlich drohender Frühgeburt (Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche) soll eine kurze Schwangerschaftsverlängerung die antenatale Kortikosteroidgabe (Kortisonbehandlung vor der Geburt zur Förderung der kindlichen Lungenreife) und gegebenenfalls die Verlegung in ein geeignetes Perinatalzentrum (spezialisierte Klinik für die Versorgung von Frühgeborenen) ermöglichen. Die Tokolyse (medikamentöse Wehenhemmung) zielt in der Regel auf mindestens 48 Stunden; ein unmittelbarer eigenständiger Vorteil für die neonatale Morbidität (Erkrankungen des Neugeborenen) oder Mortalität (Sterblichkeit) ist für Tokolytika nicht verlässlich belegt. Bei unmittelbar bevorstehender sehr früher Geburt kommen fetale Neuroprotektion (Schutz des kindlichen Nervensystems) und die rechtzeitige neonatologische Betreuung hinzu. Die Fortsetzung einer gefährdeten Schwangerschaft darf eine indizierte Entbindung nicht verzögern [LL1].
Therapieempfehlungen und Indikationsstellung
Eine Tokolyse kommt bei spontanen regelmäßigen vorzeitigen Wehen von mindestens vier Kontraktionen (Zusammenziehungen der Gebärmutter) in 20 Minuten und gleichzeitiger transvaginal nachgewiesener Zervixverkürzung (Verkürzung des Gebärmutterhalses) und/oder Zervixöffnung (Öffnung des Muttermundes) in Betracht. Nach der deutschsprachigen S2k-Leitlinie ist sie nach Ausschluss von Kontraindikationen zwischen 22+0 und 33+6 Schwangerschaftswochen (SSW) angezeigt. Zwischen 22+0 und 23+6 SSW setzt dies ein, gemeinsam mit den Eltern und der Neonatologie festgelegten Konzept einer neonatalen Maximaltherapie voraus [LL1].
Die transvaginale Zervixlänge und gegebenenfalls ein biochemischer Test im Zervikovaginalsekret helfen, unnötige Interventionen zu vermeiden. Bei Zervixlänge über 30 mm beziehungsweise 15 bis 30 mm und negativem fetalem Fibronektin ist das kurzfristige Geburtsrisiko niedrig; bei Zervixlänge unter 15 mm oder 15 bis 30 mm und positivem Test ist es erhöht. Das Testergebnis ersetzt die klinische Beurteilung nicht [1, 2, LL1].
Die Erhaltungs- oder Dauertokolyse über 48 Stunden soll zur Senkung von Frühgeburten und neonatalen Komplikationen nicht routinemäßig eingesetzt werden. Eine Verlängerung bleibt eine begründete Einzelfallentscheidung. Eine orale Betasympathomimetika-Tokolyse und Magnesiumsulfat als Tokolytikum sind nicht empfohlen [LL1, FI2].
Kontraindikationen und Red Flags: Bei Verdacht auf intraamniale Infektion (Infektion der Fruchthöhle) (Triple I), fetale Hypoxie (Sauerstoffmangel), vorzeitige Plazentalösung (Ablösung des Mutterkuchens), hämodynamisch relevante Blutung, schwere Präeklampsie (Schwangerschaftserkrankung mit Bluthochdruck und möglichen Organschäden) oder Eklampsie (Krampfanfall bei Präeklampsie) mit Entbindungsindikation, intrauterinem Fruchttod (Tod des ungeborenen Kindes) oder letaler Fehlbildung ist die Schwangerschaftsverlängerung grundsätzlich zu unterlassen. Auch eine Zervixdilatation (Erweiterung des Muttermundes) über 4 cm und substanzspezifische Gegenanzeigen sind zu beachten. Bei PPROM erfordern Fieber, Uterusdruckschmerz, übel riechendes Fruchtwasser, pathologisches CTG oder Sepsiszeichen (Anzeichen einer schweren Infektion mit Beteiligung des ganzen Körpers) sofortige klinische Neubewertung und gegebenenfalls antibiotische Behandlung mit Entbindung [LL1].
Kalziumantagonisten
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Nifedipin | Off-Label-Use als Tokolytikum in Deutschland. Blutdruck und Puls kontrollieren, in der ersten Stunde etwa alle 30 Minuten, danach intermittierend. Keine sublinguale Gabe; hohe Tagesdosen erhöhen die Nebenwirkungen. Vorsicht bei gleichzeitiger Magnesiumsulfatgabe [LL1]. |
- Wirkweise: Blockade von L-Typ-Kalziumkanälen und Verminderung des Kalziumeinstroms in die glatte Uterusmuskulatur (Muskulatur der Gebärmutter).
- Indikation: Kurzzeitige Tokolyse bei muttermundwirksamen vorzeitigen Wehen und geeignetem Schwangerschaftsalter [LL1].
- Kontraindikationen: Relevante Hypotonie (niedriger Blutdruck), Kreislaufinstabilität und substanzspezifische Gegenanzeigen; bei kardiovaskulären Erkrankungen besonders sorgfältig abwägen [LL1].
- Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Flush, Palpitationen, Tachykardie (schneller Herzschlag), Schwindel und Hypotonie; selten Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge), insbesondere bei hoher Dosis und zusätzlichen Risikofaktoren [LL1].
Oxytocinrezeptorantagonisten
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Atosiban | In der EU für die Wehenhemmung bei 24+0 bis 33+6 SSW zugelassen. Fachinformationsgemäß bei PPROM nach 30. SSW kontraindiziert. Die APOSTEL-8-Studie zeigte zwischen 30+0 und 33+6 SSW keinen gesicherten Vorteil bei schweren neonatalen Endpunkten gegenüber Placebo [7, FI1]. |
- Wirkweise: Kompetitive Blockade von Oxytocinrezeptoren und Abschwächung oxytocinvermittelter Kontraktionen.
- Indikation: Kurzzeitige Tokolyse bei erfüllten Zulassungskriterien; insbesondere erwägenswert bei maternalen kardiovaskulären oder metabolischen Risiken, die gegen andere Wirkstoffe sprechen [LL1, FI1].
- Kontraindikationen: Unter 24+0 oder ab 34+0 SSW, PPROM nach 30. SSW sowie Situationen, in denen eine Fortsetzung der Schwangerschaft gefährlich ist; Einzelheiten gemäß Fachinformation [FI1].
- Nebenwirkungen: Vor allem Übelkeit; möglich sind Kopfschmerzen, Schwindel und Reaktionen an der Injektionsstelle. Insgesamt geringe maternale Nebenwirkungsrate im Vergleich zu Betasympathomimetika [LL1, FI1].
Cyclooxygenasehemmer
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Indometacin | Off-Label-Use zur Tokolyse. Nach Leitlinie nur vor 32. SSW einsetzen. Fruchtwassermenge vor Beginn und bei längerer Anwendung nach 48 bis 72 Stunden kontrollieren; fetale Ductuswirkung berücksichtigen [LL1]. |
- Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenase und der kontraktionsfördernden Prostaglandinsynthese.
- Indikation: Kurze Tokolyse insbesondere in frühem Gestationsalter (Schwangerschaftsalter), wenn Nifedipin oder Atosiban weniger geeignet sind [LL1].
- Kontraindikationen: Gestationsalter ab 32. SSW, fetale Nieren- oder Ductusproblematik beziehungsweise Oligohydramnion (zu wenig Fruchtwasser); außerdem relevante maternale NSAR-Gegenanzeigen wie Ulkusblutung oder NSAR-Überempfindlichkeit [LL1].
- Nebenwirkungen: Maternale gastrointestinale Beschwerden; fetal Oligohydramnion und vorzeitige Ductusverengung (Verengung einer wichtigen Gefäßverbindung des ungeborenen Kindes). Beobachtungsstudien zu neonataler Morbidität sind uneinheitlich [LL1].
Betasympathomimetika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Fenoterol | In Deutschland zugelassen, aber gegenüber den bevorzugten Wirkstoffen wegen häufiger kardiovaskulärer Nebenwirkungen nachrangig. Die kontinuierliche intravenöse Gabe wird von der S2k-Leitlinie nicht mehr empfohlen; orale Anwendung zur Tokolyse ist obsolet [LL1, FI2]. |
- Wirkweise: Aktivierung von β2-Adrenozeptoren und Relaxation der Uterusmuskulatur.
- Indikation: Allenfalls begründeter Ausnahmefall unter engmaschiger maternaler und fetaler Überwachung [LL1, FI2].
- Kontraindikationen: Insbesondere relevante Herzerkrankungen, Tachyarrhythmien und Situationen mit Entbindungsindikation; substanzspezifische Fachinformation beachten [FI2].
- Nebenwirkungen: Tachykardie, Palpitationen, Tremor, Hyperglykämie, Hypokaliämie und fetale Tachykardie; selten schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse und Lungenödem [LL1, FI2].
Antenatale Kortikosteroide zur fetalen Lungenreifung (Reifung der Lunge des ungeborenen Kindes)
Bei unmittelbar drohender Geburt vor 34+0 SSW soll eine antenatale Steroidtherapie erfolgen. Zwischen 22+0 und 23+6 SSW gilt dies, wenn eine neonatale Maximaltherapie geplant ist. Bei drohender später Frühgeburt von 34+0 bis 36+5 SSW empfiehlt die deutschsprachige S2k-Leitlinie derzeit, auf die Gabe zu verzichten; der ALPS-Trial zeigte zwar weniger respiratorische Unterstützung, zugleich aber mehr neonatale Hypoglykämien (Unterzuckerungen), und die längerfristige Entwicklung bleibt eine offene Abwägung [3, 4, 5, LL1].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Betamethason | Standardregime. Bei fortbestehend hohem Risiko nach mehr als 7 Tagen kann nach Reevaluation und nur bei Erstgabe vor 29+0 SSW einmalig ein weiterer Zyklus erwogen werden [LL1]. |
| Dexamethason | Alternative zu Betamethason; dieselbe Gesamtdosis von 24 mg [LL1]. |
- Wirkweise: Förderung der fetalen Lungenreifung und Surfactantbildung (Bildung einer Substanz, die die Lungenbläschen offen hält).
- Indikation: Hohes Risiko einer unmittelbar bevorstehenden Frühgeburt vor 34+0 SSW nach sorgfältiger zeitlicher Risikobeurteilung [LL1].
- Kontraindikationen: Keine Gabe allein aufgrund eines unspezifischen Frühgeburtsverdachts; bei Verdacht auf intraamniale Infektion vorrangig unverzügliche Infektionsbehandlung und Entbindungsentscheidung. Eine notwendige Entbindung nicht zum Abschluss des Steroidzyklus verschieben [LL1].
- Nebenwirkungen: Maternale Hyperglykämie mit Bedarf an angepasster Glukosekontrolle; bei später Frühgeburt neonatale Hypoglykämie. Beobachtete Assoziationen mit späteren Verhaltensauffälligkeiten erlauben aus Kohortendaten keine kausale Zuschreibung, unterstreichen aber die präzise Indikationsstellung [3, 5, LL1].
Magnesiumsulfat zur fetalen Neuroprotektion
Die fetale Neuroprotektion ist eine eigenständige Indikation. Sie kommt bei unmittelbar bevorstehender Geburt vor 32+0 SSW in Betracht; Magnesiumsulfat ersetzt kein Tokolytikum [LL1].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Magnesiumsulfat | Bei ausbleibender Geburt beenden und bei erneuter unmittelbar bevorstehender Frühgeburt neu beurteilen. Atemfrequenz, Reflexe, Diurese und Nierenfunktion überwachen. Gleichzeitiges Nifedipin nur unter besonderer Vorsicht [LL1]. |
- Wirkweise: Fetale Neuroprotektion über mehrere neuronale und vaskuläre Mechanismen; eine tokolytische Wirkung ist für diese Indikation nicht der therapeutische Zweck [LL1].
- Indikation: Unmittelbar drohende Geburt vor 32+0 SSW zur Verringerung des Risikos einer kindlichen Zerebralparese (dauerhafte Bewegungsstörung infolge einer frühen Hirnschädigung) [LL1].
- Kontraindikationen: Insbesondere Myasthenia gravis (Erkrankung mit belastungsabhängiger Muskelschwäche), schwere Nierenfunktionsstörung und relevante Überleitungsstörungen; bei klinischer Magnesiumtoxizität Infusion stoppen [LL1].
- Nebenwirkungen: Flush, Übelkeit, Schwitzen und Hypotonie; bei Überdosierung Reflexverlust und Atemdepression [LL1].
Antibiotikatherapie bei vorzeitiger Wehentätigkeit und bei frühem vorzeitigem Blasensprung (Riss der Fruchtblase)
Bei vorzeitiger Wehentätigkeit mit intakten Eihäuten und ohne klinische Infektionszeichen sollen Antibiotika nicht allein zur Schwangerschaftsverlängerung oder zur Senkung neonataler Morbidität gegeben werden. Nachgewiesene Infektionen werden entsprechend Befund behandelt [8, LL1].
Bei frühem vorzeitigem Blasensprung (PPROM) von 24+0 bis 33+6 SSW, beziehungsweise ab 22+0 SSW bei geplantem neonatalem Maximaltherapiekonzept, soll eine Antibiotikatherapie erfolgen. Sie senkt kurzfristige infektiöse Komplikationen und verlängert im Mittel die Latenz; ein bestimmtes Regime ist nicht allgemein als überlegen belegt. Amoxicillin/Clavulansäure soll wegen des Signals für nekrotisierende Enterokolitis (Entzündung von Dünn- und Dickdarm) vermieden werden [6, LL1].
Ohne akute Gefahr für Mutter oder Kind ist zwischen 24+0 und 33+6 SSW zunächst ein exspektatives Vorgehen möglich. Bei PPROM von 34+0 bis 36+6 SSW soll alternativ zur zeitnahen Entbindung ein überwacht abwartendes Vorgehen bis 37+0 SSW angeboten werden; Überwachung und Antibiotikatherapie erfolgen dann wie bei früherem PPROM, auf Steroide, Tokolyse und Magnesium-Neuroprotektion wird verzichtet. Triple I, vorzeitige Plazentalösung, pathologisches CTG oder Nabelschnurvorfall erfordern eine unmittelbare Entbindungsentscheidung [LL1].
Aminopenicilline bei PPROM
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ampicillin | Ein leitliniengenanntes Initialschema, gefolgt von Amoxicillin oral. Vor Therapiebeginn Allergie und mikrobiologische Befunde prüfen [LL1]. |
| Amoxicillin | Orale Fortsetzung nach 48 Stunden Ampicillin; keine Kombination mit Clavulansäure [LL1]. |
- Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
- Indikation: Ein mögliches siebentägiges Latenzantibiotika-Regime bei PPROM im Rahmen des exspektativen Managements [LL1].
- Kontraindikationen: Schwere Soforttypallergie gegen Penicilline; bei bekannter Infektion und unzureichendem Erregerspektrum Therapie anpassen.
- Nebenwirkungen: Exanthem (Hautausschlag), gastrointestinale Beschwerden, allergische Reaktionen und selten schwere Hypersensitivität.
Makrolide als Ergänzung bei PPROM
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Azithromycin | Ergänzung zum Aminopenicillin-Schema; für Dosis und Dauer bei PPROM besteht keine eindeutige leitlinienbasierte Festlegung. Eine Einzeldosis von 1 g weicht von den üblichen Fachinformationsschemata anderer Indikationen ab [LL1]. |
| Erythromycin | Alternative Makrolidkomponente, vor allem wenn Azithromycin ungeeignet ist; keine generelle Überlegenheit eines Regimes [6, LL1]. |
- Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit des Ribosoms.
- Indikation: Ergänzende antibiotische Abdeckung beim konservativen Management von PPROM [LL1].
- Kontraindikationen: Makrolidallergie und relevante QT-Verlängerung beziehungsweise gefährliche Interaktionen; Fachinformation des gewählten Präparats beachten.
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Diarrhö (Durchfall), Leberwerterhöhung und selten Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) bei QT-Verlängerung.
Subpartale Prophylaxe gegen Gruppe-B-Streptokokken
Bei Frühgeburt und positivem oder unbekanntem GBS-Status soll eine subpartale antibiotische Prophylaxe erfolgen. Eine PPROM-Latenztherapie ersetzt die gesonderte Beurteilung der Prophylaxe unter der Geburt nicht. Bei elektiver Sectio (Kaiserschnitt) vor Wehenbeginn mit intakten Eihäuten ist keine GBS-Prophylaxe (Vorbeugung einer Infektion durch Gruppe-B-Streptokokken) allein wegen des Kolonisationsstatus erforderlich [LL1, LL2].
Penicilline zur GBS-Prophylaxe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Penicillin G | Mittel der Wahl; möglichst früh unter der Geburt beginnen, eine notwendige Entbindung jedoch nicht verzögern [LL1]. |
| Ampicillin | Wirksame Alternative mit breiterem Spektrum [LL1]. |
- Wirkweise: Hemmung der Zellwandsynthese von GBS.
- Indikation: Subpartale Prophylaxe bei positiver oder unbekannter GBS-Besiedlung und drohender Frühgeburt [LL1].
- Kontraindikationen: Schwere Penicillinallergie.
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen und gastrointestinale Beschwerden; selten Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion).
Cephalosporine zur GBS-Prophylaxe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Cefazolin | Bei Penicillinallergie mit niedrigem Anaphylaxierisiko nach sorgfältiger Allergieanamnese [LL1, LL2]. |
- Wirkweise: Bakterizide Hemmung der Zellwandsynthese.
- Indikation: Subpartale GBS-Prophylaxe bei geeigneter Penicillinallergie-Konstellation [LL1, LL2].
- Kontraindikationen: Schwere Cephalosporinallergie oder hohes Risiko einer Kreuzreaktion.
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, gastrointestinale Beschwerden und selten Anaphylaxie.
Lincosamide und Glykopeptide zur GBS-Prophylaxe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Clindamycin | Nur bei hohem Anaphylaxierisiko und nachgewiesener Empfindlichkeit des GBS-Isolats einschließlich Prüfung induzierbarer Resistenz [LL2]. |
| Vancomycin | Bei hohem Anaphylaxierisiko und Clindamycinresistenz oder unbekannter Empfindlichkeit; Dosierung nach Nierenfunktion und lokalem Protokoll prüfen [LL2]. |
- Wirkweise: Clindamycin hemmt die bakterielle Proteinsynthese; Vancomycin hemmt die Zellwandsynthese.
- Indikation: Reserveoptionen für die subpartale GBS-Prophylaxe bei hohem Risiko einer schweren Betalaktamallergie [LL2].
- Kontraindikationen: Jeweilige Überempfindlichkeit; bei Vancomycin erhebliche Nierenfunktionsstörung und bei Clindamycin fehlender Empfindlichkeitsnachweis besonders beachten.
- Nebenwirkungen: Clindamycin: Diarrhö und Risiko einer Clostridioides-difficile-Infektion. Vancomycin: Infusionsreaktionen und Nephrotoxizität (Schädigung der Nieren).
Weitere Hinweise: Bei vermuteter oder bestätigter intraamnialer Infektion ist eine therapeutische, klinisch angepasste Breitspektrumantibiose mit Entbindungsplanung erforderlich. Die oben aufgeführten Latenz- und GBS-Prophylaxeschemata sind dafür nicht als vollständige Behandlung zu verstehen [LL1].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere sollten die folgenden Mikronährstoffe (Vitalstoffe) enthalten:
- Vitamine (C, E, D3, K, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, aktivierte Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Calcium, Kalium, Magnesium)
- Spurenelemente (Chrom, Eisen, Jod, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin)
- Weitere Vitalstoffe (Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesiumcitrat und Kaliumcitrat))
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- ALPS: Antenatal Late Preterm Steroids (Studie zur Kortikosteroidgabe bei später Frühgeburt).
- APOSTEL: Assessment of Perinatal Outcome with Sustained Tocolysis in Early Labour (Studienprogramm zur Tokolyse).
- CTG: Kardiotokographie (Aufzeichnung kindlicher Herzfrequenz und mütterlicher Wehen).
- EPA: Eicosapentaensäure.
- DHA: Docosahexaensäure.
- EU: Europäische Union.
- FI: Fachinformation.
- GBS: Gruppe-B-Streptokokken.
- I.E.: Internationale Einheiten.
- i.m.: intramuskulär (in einen Muskel).
- i.v.: intravenös (in eine Vene).
- LL: Leitlinie.
- NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika.
- PPROM: Preterm Prelabor Rupture of Membranes (vorzeitiger Blasensprung vor 37+0 SSW).
- QT: Abschnitt im Elektrokardiogramm, der die elektrische Erholung der Herzkammern beschreibt.
- SSW: Schwangerschaftswoche.
- Triple I: intrauterine Entzündung oder Infektion oder beides.
Literatur
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- van Baaren GJ et al.: Predictive value of cervical length measurement and fibronectin testing in threatened preterm labor. Obstet Gynecol. 2014;123(6):1185 bis 1192. doi: 10.1097/AOG.0000000000000229.
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- Gonçalves LF et al.: Intrauterine infection and prematurity. Ment Retard Dev Disabil Res Rev. 2002;8(1):3 bis 13. doi: 10.1002/mrdd.10008.
Leitlinien
- S2k-Leitlinie: Prävention und Therapie der Frühgeburt. (AWMF-Registernummer: 015-025), Version 5.0, September 2022; Gültigkeit im März 2025 bis 30. September 2026 verlängert. Langfassung [LL1]
- American College of Obstetricians and Gynecologists: Prevention of Group B Streptococcal Early-Onset Disease in Newborns. Committee Opinion No. 797, Februar 2020. Volltext [LL2]
Fachinformationen
- European Medicines Agency: Tractocile (Atosiban), Produktinformation. Fachinformation und Produktseite [FI1]
- European Medicines Agency: Short-acting beta-agonists, Referral und Anwendungsbeschränkungen zur geburtshilflichen Anwendung. Arzneimittelsicherheitsinformation [FI2]