Struma (Kropf) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Struma (Schilddrüsenvergrößerung) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Trachealkompression (Einengung der Luftröhre) bzw. Trachealstenose (Verengung der Luftröhre) – bis zur klinisch relevanten oberen Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege); insbesondere bei großer, retrosternaler bzw. substernaler Struma; eine relevante Einengung kann zu Dyspnoe (Atemnot) und inspiratorischem Stridor (pfeifendem Atemgeräusch beim Einatmen) führen [1, 2]
  • Tracheomalazie (Erweichung und Instabilität der Luftröhre) – seltene Folge einer langjährigen, ausgeprägten Kompression der Trachea (Luftröhre) durch eine große, häufig retrosternale Struma; die aktuelle Metaanalyse bestätigt, dass eine klinisch relevante Tracheomalazie insgesamt selten ist [3]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Funktionelle Schilddrüsenautonomie (selbstständige, nicht mehr regelgerecht gesteuerte Schilddrüsenfunktion) bis zur toxischen multinodulären Struma (Schilddrüsenvergrößerung mit mehreren hormonproduzierenden Knoten) – eine langjährig bestehende knotige Struma kann mit autonomen Schilddrüsenarealen und nachfolgend subklinischer oder manifester Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) einhergehen [LL1, LL3, LL4]
  • Rezidivstruma (erneute Schilddrüsenvergrößerung nach Behandlung) – insbesondere nach subtotaler bzw. organerhaltender Resektion (operativer Entfernung) einer multinodulären Struma; das Rezidivrisiko (Risiko des Wiederauftretens) ist nach partieller Thyreoidektomie (teilweiser operativer Entfernung der Schilddrüse) deutlich höher als nach totaler Thyreoidektomie (vollständiger operativer Entfernung der Schilddrüse) [4, LL2]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Vena-cava-superior-Syndrom (obere Einflussstauung) – seltene Folge einer ausgeprägten retrosternalen bzw. intrathorakalen Struma mit Kompression der Vena cava superior (oberen Hohlvene) bzw. der zentralen thorakalen Venen [5]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Horner-Syndrom (Störung bestimmter sympathischer Nervenfasern mit typischen Augen- und Hautzeichen) – sehr selten infolge einer Kompression des zervikothorakalen Sympathikus (sympathischen Nervengeflechts im Hals-Brust-Bereich) durch eine große retrosternale bzw. mediastinale Struma; charakteristisch sind Miosis (Pupillenverengung), Ptosis (Herabhängen des Oberlids) und ipsilaterale Anhidrose (verminderte Schweißbildung auf derselben Seite), ggf. mit scheinbarem Enophthalmus (Zurückliegen des Augapfels) [5]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dysphagie (Schluckstörung) – durch Verlagerung bzw. Kompression von Ösophagus (Speiseröhre) und Pharynx (Rachen); insbesondere bei großer bzw. retrosternaler Struma [1, 2]
  • Dysphonie (Stimmstörung) bzw. Heiserkeit – als lokales Kompressionssymptom bzw. infolge einer Beeinträchtigung laryngealer Strukturen (Strukturen des Kehlkopfs) [1]
  • Dyspnoe – insbesondere belastungs- oder lageabhängig bei Trachealkompression; eines der klinisch bedeutsamsten lokalen Symptome großer bzw. substernaler Strumen [1, 2]
  • Inspiratorischer Stridor – Zeichen einer fortgeschrittenen extrinsischen Einengung der oberen intrathorakalen Atemwege; bei ausgeprägter Obstruktion potentiell vital bedrohlich [2, 3, 5]

Prognosefaktoren (Einflussfaktoren auf den Krankheitsverlauf)

  • Strumavolumen (Größe der Schilddrüsenvergrößerung) bzw. Größenprogression (Größenzunahme) – mit zunehmendem Schilddrüsenvolumen steigt die Wahrscheinlichkeit lokaler Kompressionssymptome, insbesondere von Dyspnoe und Dysphagie [1, 2]
  • Retrosternale, substernale bzw. intrathorakale Ausdehnung – wesentlicher Risikofaktor für Trachealkompression, Ösophaguskompression (Einengung der Speiseröhre) und selten auch eine venöse Abflussbehinderung; substernale Strumen weisen besonders häufig objektivierbare Kompressionsbefunde auf [2, 5]
  • Ausmaß der Trachealeinengung – eine ausgeprägte anatomische Kompression bzw. Stenose (Verengung) erhöht das Risiko für Dyspnoe, Stridor und eine klinisch relevante Atemwegsobstruktion [2]
  • Lange Krankheitsdauer und ausgeprägte chronische Trachealkompression – prädisponieren bei sehr großen Strumen für eine Tracheomalazie; diese Komplikation bleibt jedoch insgesamt selten [3]
  • Funktionelle Autonomie – autonome Knoten bzw. eine toxische multinoduläre Struma erhöhen das Risiko einer subklinischen oder manifesten Hyperthyreose und der hierdurch bedingten systemischen Folgeerkrankungen [LL1, LL3, LL4]
  • Resektionsausmaß bei operativer Therapie – nach partieller bzw. subtotaler Thyreoidektomie besteht ein höheres langfristiges Rezidivrisiko als nach totaler Thyreoidektomie [4, LL2]

Literatur

  1. Yogaraj V, Sinclair CF, Tchernegovski A et al.: The Prevalence of Local Symptoms in Benign Thyroid Disease: A Systematic Review with Meta-analysis. Laryngoscope. 2025;135(5):1553-1562. doi: 10.1002/lary.31962.
  2. Cheung MH, Walker AM, Nguyen SA et al.: Surgical Management of Substernal Goiters: A Systematic Review and Meta-Analysis. Laryngoscope. 2026;136(2):575-585. doi: 10.1002/lary.70087.
  3. Ghaloo SK, Afzal SS, Abbas SA et al.: Tracheomalacia in patients undergoing thyroid surgery—What is the true estimate: a systematic review and meta-analysis. World J Otorhinolaryngol Head Neck Surg. 2025;11(1):125-137. doi: 10.1002/wjo2.182.
  4. Al-Hakami HA, Kouther DA, Alsharef JF et al.: Total Thyroidectomy Versus Partial Thyroidectomy for Non-Toxic Multinodular Goiter: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Indian J Surg Oncol. 2024;15(4):920-930. doi: 10.1007/s13193-024-02057-y.
  5. Anders HJ: Compression syndromes caused by substernal goitres. Postgrad Med J. 1998;74(872):327-329. doi: 10.1136/pgmj.74.872.327.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Schilddrüsenknoten bei Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung. (Registernummer 053-058) Dezember 2025 Langfassung [LL1].
  2. S2k-Leitlinie: Operative Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen. (Registernummer 088-007) Dezember 2021 Langfassung [LL2].
  3. Durante C, Hegedüs L, Czarniecka A et al.: 2023 European Thyroid Association Clinical Practice Guidelines for thyroid nodule management. Eur Thyroid J. 2023;12(5):e230067. doi: 10.1530/ETJ-23-0067 [LL3].
  4. Campennì A, Avram AM, Iakovou I et al.: The EANM guideline on radioiodine therapy of benign thyroid disease. Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2023;50(11):3324-3348. doi: 10.1007/s00259-023-06274-5 [LL4].