Chronische Nierenschwäche (Chronische Niereninsuffizienz) – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD; erblich bedingte Zystennieren) – genetisch bedingte Zystenbildung beider Nieren mit progredientem Funktionsverlust
  • Kongenitale Nierendysplasie (angeborene Fehlentwicklung der Niere) – Fehlentwicklung des Nierenparenchyms mit verminderter Nephronenzahl
  • Medulläre Zystennierenkrankheit (erblich bedingte Markzystenniere) – hereditäre tubulointerstitielle Nephropathie mit Salzverlust und langsamem Funktionsabfall

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Monoklonale Gammopathie mit renaler Signifikanz (bestimmte Eiweißerkrankung des Blutes mit Nierenbeteiligung) – Ablagerung monoklonaler Immunglobuline mit glomerulärer/tubulärer Schädigung
  • Multiples Myelom (Knochenmarkkrebs) – Leichtkettennephropathie, Amyloidose oder Hypercalcämie-bedingte Nierenschädigung

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 (Zuckerkrankheit) – diabetische Nephropathie mit glomerulärer Sklerose
  • Gicht (Stoffwechselerkrankung mit Harnsäureablagerungen) – chronische Uratablagerungen mit interstitieller Nephritis
  • Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen) – nephrokalzinotische Schädigung durch Calcium-Phosphat-Stoffwechselstörung
  • Oxalose (Oxalat-Stoffwechselstörung) – Ablagerung von Calciumoxalat mit tubulointerstitieller Fibrose

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) – hypertensive Nephrosklerose mit langsam progredientem Funktionsverlust
  • Chronische Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – kardiorenales Syndrom mit persistierender Nierenhypoperfusion
  • Renale Makroangiopathie (Erkrankung der großen Nierengefäße) – atherosklerotische Nierenarterienstenose

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chronische Pyelonephritis (chronische Nierenbeckenentzündung) – rezidivierende Infektionen mit narbiger Zerstörung des Nierenparenchyms
  • HIV-assoziierte Nephropathie (HIV-bedingte Nierenerkrankung) – fokal-segmentale Glomerulosklerose bei HIV-Infektion
  • Postinfektiöse Glomerulonephritis (Nierenentzündung nach Infektion) – chronischer Verlauf nach unvollständiger Ausheilung

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)

  • Hepatorenales Syndrom (nierenbedingte Komplikation bei Lebererkrankung) – funktionelles Nierenversagen bei fortgeschrittener Leberzirrhose

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Systemischer Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankung) – Lupusnephritis mit immunvermittelter Glomerulusschädigung
  • Systemische Sklerose (Sklerodermie) – vaskuläre Nephropathie mit progressiver Funktionseinschränkung
  • Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) – nekrotisierende Glomerulonephritiden bei ANCA-assoziierten Erkrankungen

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) – Parenchymverlust durch Tumorinfiltration oder Nephrektomie
  • Paraneoplastische Glomerulopathien (tumorassoziierte Nierenerkrankungen) – immunvermittelte Nierenschädigung bei soliden Tumoren

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Proteinurie (dauerhafter Eiweißverlust im Urin) – anhaltender Eiweißverlust mit sekundärer glomerulärer Progression

Urogenitalsystem (N00-N99)

  • Analgetika-Nephropathie (nierenbedingte Schädigung durch Schmerzmittel) – chronisch toxische tubulointerstitielle Schädigung
  • Chronische Glomerulonephritis (chronische Nierenkörperchenentzündung) – immunologisch bedingte progressive Glomerulusschädigung
  • Chronische interstitielle Nephritis (chronische Nierenzwischengewebsentzündung) – medikamentös, toxisch oder autoimmun vermittelt
  • Refluxnephropathie (Nierenschädigung durch Harnrückfluss) – narbige Veränderungen infolge vesikoureteralen Refluxes
  • Obstruktive Uropathie (Harnabflussstörung) – chronische Harnabflussstörung mit Druckschädigung des Parenchyms

Medikamente

  • Calcineurin-Inhibitoren (bestimmte Immunsuppressiva) – dosisabhängige vasokonstriktive Nephrotoxizität
  • Lithium (stimmungsstabilisierendes Medikament) – chronische tubulointerstitielle Nephropathie bei langjähriger Therapie mit therapeutischen Lithiumsalzen (typischerweise 600-1.200 mg Lithiumcarbonat/Tag bzw. Serumspiegel ≥ 0,8 mmol/l); Spurendosierungen im Milligramm- oder Mikrogrammbereich (z. B. 5 mg/Tag) sind nach aktueller Evidenz nicht nephrotoxisch
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel) – Prostaglandinhemmung mit chronischer Nierendurchblutungsstörung

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Cadmium-Exposition (Belastung mit Cadmium) – toxische tubuläre Schädigung mit Fibrosierung
  • Schwermetallbelastung (z. B. Blei) (Belastung mit Schwermetallen) – chronische interstitielle Nephropathie

Weiteres

  • Alterungsbedingter Nephronenverlust (altersbedingter Verlust von Nierenfunktionseinheiten) – physiologischer Funktionsrückgang mit reduzierter renaler Reserve
  • Chronische Dehydratation (anhaltender Flüssigkeitsmangel) – langfristige renale Hypoperfusion und interstitielle Fibrosierung