Knochen, Muskeln und Bindegewebe: Mikronährstoffe für Mineralisation, Muskelkontraktion und Wundheilung
Knochen, Skelettmuskulatur und Bindegewebe bilden eine funktionelle Einheit, die mechanische Stabilität, Bewegung, Kraftübertragung und Gewebereparatur ermöglicht. Der Knochen stellt ein kontinuierlich umgebautes, mineralisiertes Gewebe dar, die Skelettmuskulatur erzeugt aktive Kraft, und kollagenreiche Strukturen wie Sehnen, Bänder und Faszien übertragen und verteilen mechanische Belastungen.
Mikronährstoffe erfüllen in diesen Geweben unterschiedliche, eng miteinander verknüpfte Funktionen. Calcium und Phosphat sind wesentliche Bestandteile der Knochenmineralphase, Vitamin D reguliert die Calcium- und Phosphathomöostase (Aufrechterhaltung stabiler Calcium- und Phosphatkonzentrationen), Vitamin C, Eisen und Kupfer sind an Bildung und Reifung von Kollagen beteiligt, und Elektrolyte wie Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium ermöglichen neuromuskuläre Erregbarkeit und Muskelkontraktion. Für Wundheilung und Geweberegeneration sind darüber hinaus unter anderem Zink und Vitamin A relevant.
Für die klinische Bewertung ist dabei zwischen der physiologischen Bedeutung eines Mikronährstoffs (Vitalstoff), der Korrektur eines Mangels und einem darüber hinausgehenden therapeutischen Nutzen einer Supplementation zu unterscheiden. Die Beteiligung eines Mikronährstoffs an einem Stoffwechselweg bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine zusätzliche Zufuhr bei bereits ausreichender Versorgung einen klinischen Nutzen vermittelt.
Funktionelle Einheit von Knochen, Muskel und Bindegewebe
Knochengewebe besteht aus einer organischen Matrix, die überwiegend Kollagen Typ I enthält, und einer darin eingelagerten anorganischen Mineralphase. Osteoblasten (knochenaufbauende Zellen) bilden neue Knochenmatrix, Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) resorbieren Knochengewebe und Osteozyten (reife, in die Knochenmatrix eingebettete Knochenzellen) erfassen unter anderem mechanische Belastungen und beeinflussen den Knochenumbau.
Die Skelettmuskulatur erzeugt über das Zusammenspiel der kontraktilen Proteine Aktin und Myosin mechanische Kraft. Diese wird über Sehnen auf den Knochen übertragen. Kollagenreiche Strukturen der extrazellulären Matrix (Netzwerk aus Proteinen und anderen Stoffen außerhalb der Zellen) bestimmen dabei Zugfestigkeit, Elastizität und mechanische Belastbarkeit von Sehnen, Bändern, Haut und weiteren Geweben [1, 2].
Mechanische Belastung verbindet Knochen und Muskel zusätzlich biologisch miteinander. Muskelaktivität setzt mechanische Reize für den Knochenumbau, während Immobilisation sowohl Muskelabbau als auch Knochenverlust begünstigt. Eine ausreichende Energie-, Protein- und Mikronährstoffversorgung bildet daher zusammen mit regelmäßiger mechanischer Belastung eine wesentliche Grundlage für die Erhaltung des muskuloskelettalen Systems.
Knochenmineralisation
Die Knochenmineralisation bezeichnet die Einlagerung von Calcium- und Phosphationen in die zuvor von Osteoblasten gebildete organische Knochenmatrix. Dabei entstehen überwiegend Hydroxylapatitkristalle, die dem Knochen seine Druckfestigkeit verleihen. Das Zusammenspiel der mineralischen Phase mit der Kollagenmatrix ermöglicht zugleich Härte, Zugfestigkeit und eine begrenzte elastische Verformbarkeit.
Calcium und Phosphor stellen die wesentlichen mineralischen Substrate der Knochenmineralisation dar. Ihre Konzentrationen werden hormonell eng reguliert. Eine zentrale Rolle übernimmt Vitamin D, insbesondere sein biologisch aktiver Metabolit Calcitriol. Dieser fördert unter anderem die intestinale Aufnahme (Aufnahme über den Darm) von Calcium und Phosphat und trägt gemeinsam mit dem Parathormon und weiteren Regulationsmechanismen zur Calcium- und Phosphathomöostase bei.
Magnesium ist ebenfalls Bestandteil der Knochenmatrix und an zahlreichen enzymatischen und hormonellen Prozessen des Knochenstoffwechsels beteiligt. Beobachtungsstudien bei älteren Menschen zeigen Zusammenhänge zwischen einer höheren Magnesiumzufuhr und einer höheren Knochenmineraldichte insbesondere an Hüfte und Schenkelhals. Für andere Knochenendpunkte einschließlich des Frakturrisikos ist die Datenlage jedoch unzureichend. Ein gesicherter Nutzen einer routinemäßigen Magnesiumsupplementation zur Frakturprävention lässt sich daraus nicht ableiten [4].
Vitamin K ist Cofaktor der γ-Carboxylierung (enzymatische Anlagerung einer Carboxylgruppe) Vitamin-K-abhängiger Proteine wie Osteocalcin und damit physiologisch am Knochenstoffwechsel beteiligt. Metaanalysen zu einer zusätzlichen Vitamin-K-Supplementation zeigen zwar Hinweise auf eine Verringerung bestimmter Frakturendpunkte, jedoch keinen konsistenten Nutzen für die Knochenmineraldichte [5]. Die aktuelle S3-Leitlinie empfiehlt eine ausreichende Vitamin-K-Versorgung, spricht beim derzeitigen Evidenzstand jedoch keine Empfehlung für eine generelle Vitamin-K-Substitution bei Osteoporose aus. Vitamin K2 soll nicht als spezifische Osteoporosetherapie eingesetzt werden [LL1].
Für Personen mit Osteoporose empfiehlt die S3-Leitlinie eine ausreichende Calciumzufuhr, vorzugsweise über Lebensmittel. Eine Supplementation soll insbesondere dann erfolgen, wenn die angestrebte Zufuhr über die Ernährung nicht erreicht wird. Vitamin D soll bei unzureichender bzw. unsicherer Eigenproduktion oder Zufuhr ergänzt werden [LL1]. Eine bedarfsgerechte Versorgung ist dabei von einer hochdosierten Supplementation bei bereits ausreichendem Versorgungsstatus abzugrenzen.
Kollagensynthese
Kollagen ist das mengenmäßig wichtigste Strukturprotein der extrazellulären Matrix. Es bildet zugfeste Fasern und Fibrillen unter anderem in Haut, Knochen, Sehnen, Bändern, Knorpel und Gefäßwänden. Seine Biosynthese umfasst die Bildung der Kollagenketten, mehrere intrazelluläre Modifikationen, die Ausbildung der charakteristischen Tripelhelix, die Sekretion sowie die anschließende extrazelluläre Reifung und Vernetzung [1, 2].
Vitamin C besitzt dabei eine zentrale biochemische Funktion. Ascorbat dient als Cofaktor der kollagenmodifizierenden Prolyl- und Lysylhydroxylasen. Diese Enzyme hydroxylieren bestimmte Prolin- und Lysinreste der Kollagenketten. Die Hydroxylierungsreaktionen tragen zur thermischen Stabilität (Beständigkeit der Struktur gegenüber Wärme), korrekten Faltung und Fibrillenbildung des Kollagens bei [1].
Die Kollagenhydroxylasen gehören zu den eisenabhängigen Enzymen. Eisen ist daher funktioneller Bestandteil ihres katalytischen Zentrums. Vitamin C unterstützt die Enzymaktivität unter anderem dadurch, dass es das katalytisch benötigte Eisen in einem geeigneten Redoxzustand hält. Ein ausgeprägter Vitamin-C-Mangel führt entsprechend zu einer gestörten Kollagenreifung und kann sich klinisch unter anderem durch erhöhte Gefäßfragilität und beeinträchtigte Wundheilung manifestieren [1].
Nach der Sekretion der Kollagenmoleküle wird die extrazelluläre Matrix durch kovalente Quervernetzungen weiter stabilisiert. Hierfür sind Lysyloxidasen erforderlich. Diese kupferabhängigen Enzyme katalysieren die oxidative Umwandlung bestimmter Lysin- und Hydroxylysinreste und initiieren dadurch die enzymatische Quervernetzung von Kollagen und Elastin. Die entstehenden Vernetzungen beeinflussen wesentlich die mechanische Stabilität und Zugfestigkeit des Bindegewebes [3].
Kupfer ist damit für die normale Aktivität der Lysyloxidasen und die physiologische Reifung der extrazellulären Matrix erforderlich. Aus der biochemischen Notwendigkeit von Vitamin C, Eisen oder Kupfer folgt jedoch nicht, dass eine über den Bedarf hinausgehende Zufuhr bei bereits ausreichender Versorgung die Kollagensynthese oder Gewebefestigkeit weiter erhöht.
Muskelkontraktion
Die Kontraktion der Skelettmuskulatur beruht auf der Erregungs-Kontraktions-Kopplung (Umwandlung eines elektrischen Muskelsignals in mechanische Kraft). Nach Erregung der Muskelfasermembran breitet sich das Aktionspotential (kurzzeitige elektrische Spannungsänderung der Zellmembran) über die Zellmembran und das T-Tubulus-System in das Innere der Muskelfaser aus. Dadurch wird Calcium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum (intrazellulärer Calciumspeicher der Muskelzelle) freigesetzt [6].
Das freigesetzte Calcium bindet an Troponin C. Dadurch werden Bindungsstellen zwischen Aktin und Myosin zugänglich. Unter Verbrauch von Adenosintriphosphat (ATP; zentraler zellulärer Energieträger) entstehen zyklisch Querbrücken zwischen Aktin und Myosin, wodurch sich das Sarkomer (kleinste funktionelle Kontraktionseinheit des Muskels) verkürzt und Kraft entsteht. Die anschließende ATP-abhängige Rückführung von Calcium in das sarkoplasmatische Retikulum ermöglicht die Muskelrelaxation [6].
Magnesium ist eng mit dem Energiestoffwechsel der Muskelzelle verknüpft. ATP liegt intrazellulär überwiegend als Magnesium-ATP-Komplex vor. Die Bindung von Magnesium ist für zahlreiche ATP-abhängige enzymatische Reaktionen erforderlich. Darüber hinaus beeinflusst Magnesium Ionenkanäle, Calciumtransport und weitere Prozesse der Muskelkontraktion und Muskelhomöostase [7].
Natrium und Kalium sind wesentlich für das Membranpotential und die elektrische Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen. Die durch die Natrium-Kalium-ATPase aufrechterhaltenen Ionengradienten ermöglichen die wiederholte Entstehung und Weiterleitung von Aktionspotentialen. Während körperlicher Belastung verändern sich insbesondere Kalium-, Natrium- und Chloridgradienten an der Muskelfasermembran und beeinflussen dadurch Erregbarkeit und Kraftentwicklung [8]. Ausgeprägte Störungen der Elektrolythomöostase können dementsprechend Muskelschwäche, Krämpfe oder andere neuromuskuläre Funktionsstörungen hervorrufen.
Vitamin D besitzt darüber hinaus Funktionen im Muskelstoffwechsel. Eine Vitamin-D-Monotherapie führte in einer Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien bei selbstständig lebenden älteren Erwachsenen jedoch nicht zu einer Verbesserung von Muskelmasse, Handgriffkraft, allgemeiner Muskelkraft oder körperlicher Leistungsfähigkeit [9]. Für Personen mit ausgeprägtem Vitamin-D-Mangel lässt sich aus diesen Daten keine gleichlautende Schlussfolgerung ableiten; ein bestehender Mangel sollte unabhängig davon bedarfsgerecht behandelt werden.
Sarkopenie
Die Sarkopenie ist eine generalisierte Erkrankung der Skelettmuskulatur. Nach der konzeptionellen Konsensusdefinition der Global Leadership Initiative in Sarcopenia (GLIS) gehören verminderte Muskelmasse und verminderte Muskelkraft zu ihren zentralen Komponenten. Auch die Muskelkraft im Verhältnis zur Muskelgröße wird als Bestandteil des Konzepts berücksichtigt. Eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit wird dabei als klinisch relevante Folge der Sarkopenie eingeordnet [10].
Die Häufigkeit der Sarkopenie nimmt mit dem Alter zu, sie ist jedoch nicht ausschließlich eine Folge des physiologischen Alterns. Immobilität, chronische Erkrankungen, inflammatorische (entzündliche) Prozesse, Mangelernährung und andere katabole Zustände (Stoffwechsellagen mit verstärktem Substanzabbau) können Entwicklung und Progression beschleunigen.
Zu den beteiligten Mechanismen zählen unter anderem:
- Verminderte körperliche Aktivität und fehlende mechanische Belastungsreize
- Anabole Resistenz (verminderte Muskelproteinsynthese als Reaktion auf Nahrungsprotein und Belastung)
- Unzureichende Energie- und Proteinzufuhr
- Chronische Inflammation (anhaltende niedriggradige Entzündungsaktivität)
- Neuromuskuläre und hormonelle Veränderungen
- Mitochondriale Funktionsstörungen (Störungen der Energiegewinnung in den Zellkraftwerken)
- Veränderungen der intrazellulären Calciumregulation (gestörte Steuerung des Calciumhaushalts innerhalb der Zelle)
Für verschiedene Mineralstoffe wurden Zusammenhänge mit Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit untersucht. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit zeigt insbesondere für Magnesium und Selen Assoziationen mit günstigeren Sarkopenieparametern. Die zugrunde liegende Evidenz beruht jedoch überwiegend auf Beobachtungsstudien. Daraus lässt sich deshalb keine gesicherte Wirksamkeit einer routinemäßigen Magnesium- oder Selensupplementation zur Prävention oder Therapie einer Sarkopenie ableiten [11].
Auch bei Vitamin D muss zwischen Mangelkorrektur und einer Supplementation als spezifische Sarkopenieintervention unterschieden werden. Vitamin-D-Monotherapie verbessert bei selbstständig lebenden älteren Erwachsenen ohne weitere gezielte Intervention nach gegenwärtiger Studienlage die zentralen Sarkopenieparameter nicht konsistent [9].
Im klinischen Management stehen deshalb körperliches Training, insbesondere Krafttraining, sowie die Erkennung und Behandlung einer Mangelernährung und eine bedarfsgerechte Energie- und Proteinversorgung im Vordergrund. Die aktuelle S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung und Hydrierung im Alter berücksichtigt Sarkopenie ausdrücklich als relevantes geriatrisches und ernährungsmedizinisches Problem [LL2].
Wundheilung
Die Wundheilung ist ein dynamischer Reparaturprozess mit überlappenden Phasen aus Blutstillung, Entzündungsreaktion, Zellproliferation (Zellvermehrung), Neubildung von Gewebe und anschließendem Umbau der extrazellulären Matrix. Für diese Prozesse werden ausreichend Energie, Aminosäuren und verschiedene Mikronährstoffe benötigt. Mangelernährung und spezifische Nährstoffdefizite können insbesondere bei chronischen Wunden zu klinisch relevanten limitierenden Faktoren werden.
Vitamin C unterstützt über seine Funktion bei der Kollagenhydroxylierung die Bildung und Reifung der extrazellulären Matrix und besitzt zusätzlich antioxidative Funktionen. Eine systematische Übersichtsarbeit fand Hinweise auf günstigere Heilungsparameter unter Vitamin-C-Supplementation bei einzelnen Krankheitsbildern, insbesondere bei Dekubitalulzera (Druckgeschwüren). Die Aussagekraft wird jedoch durch kleine Studienpopulationen, teilweise kombinierte Ernährungsinterventionen und die häufig fehlende Bestimmung des Vitamin-C-Ausgangsstatus eingeschränkt [12].
Zink ist Bestandteil bzw. regulatorischer Faktor zahlreicher Enzyme und Transkriptionsfaktoren (Proteine zur Regulation der Genaktivität). Es ist an DNA-Synthese, Zellteilung, Proteinbiosynthese, Immunfunktion und Geweberegeneration beteiligt. Eine aktuelle Metaanalyse weist auf einen möglichen günstigen Effekt einer Zinkbehandlung auf die Heilung chronischer Ulzera hin. Die Aussagekraft ist jedoch durch die geringe Zahl und Größe der eingeschlossenen Studien sowie methodische Einschränkungen der teilweise älteren Primärstudien begrenzt; die Evidenz wurde insgesamt als moderat eingestuft [13].
Vitamin A ist für Zelldifferenzierung, Epithelfunktion (Funktion des oberflächlichen Deckgewebes) und Immunantwort relevant. Kupfer unterstützt über die kupferabhängigen Lysyloxidasen die Kollagenvernetzung, während Eisen unter anderem für eisenabhängige Enzyme der Kollagenreifung und für den Sauerstofftransport erforderlich ist.
Bei chronischen Wunden zeigen Untersuchungen zu oralen Ernährungssupplementen teilweise günstigere Heilungsverläufe, insbesondere bei energie- und proteinreichen Formulierungen, die zusätzlich unter anderem Zink sowie die Vitamine A, C und E enthalten. Die Studienergebnisse sind jedoch nicht durchgehend konsistent. Da überwiegend kombinierte Nährstoffformulierungen untersucht wurden, kann ein beobachteter therapeutischer Effekt einzelnen Mikronährstoffen nicht zuverlässig zugeschrieben werden [14].
Klinisch steht daher zunächst die Erfassung des Ernährungszustands, der Energie- und Proteinversorgung sowie möglicher spezifischer Defizite im Vordergrund. Eine gezielte Substitution ist insbesondere bei nachgewiesenem oder klinisch wahrscheinlichem Mangel bzw. unzureichender Zufuhr sinnvoll. Eine unselektive hochdosierte Mikronährstoffsupplementation ersetzt weder eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung noch die kausale Behandlung einer Wunde.
Übersicht: Zentrale Mikronährstoffe für Knochen, Muskel und Bindegewebe
| Mikronährstoff | Zentrale physiologische Funktion | Klinische Einordnung |
| Vitamin C | Cofaktor kollagenmodifizierender Prolyl- und Lysylhydroxylasen; Kollagenreifung | Ausreichende Versorgung besonders für Bindegewebe und Wundheilung erforderlich; Zusatznutzen einer Supplementation abhängig von Ausgangsstatus und Indikation |
| Vitamin D | Regulation der Calcium- und Phosphathomöostase; Funktionen im Muskelstoffwechsel | Mangel vermeiden bzw. behandeln; kein konsistenter Nutzen einer Vitamin-D-Monotherapie als spezifische Sarkopenieintervention belegt |
| Vitamin K | γ-Carboxylierung von Osteocalcin und weiteren Vitamin-K-abhängigen Proteinen | Ausreichende Versorgung erforderlich; keine generelle Substitution oder spezifische Therapie der Osteoporose mit Vitamin K2 empfohlen |
| Calcium | Knochenmineralisation; intrazelluläres Signal der Muskelkontraktion | Ausreichende Versorgung erforderlich; Supplementation abhängig von Zufuhr, Versorgungssituation und klinischer Indikation |
| Kalium | Membranpotential und elektrische Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen | Ausgeprägte Störungen der Kaliumhomöostase können neuromuskuläre Funktionsstörungen verursachen |
| Magnesium | Bestandteil der Knochenmatrix; Bildung des funktionellen Magnesium-ATP-Komplexes; Beteiligung an neuromuskulären Prozessen | Mangel korrigieren; routinemäßige Supplementation zur Frakturprävention oder Sarkopenietherapie nicht gesichert |
| Natrium | Membranpotential und elektrische Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen | Ausgeprägte Störungen der Natriumhomöostase können neuromuskuläre Funktionsstörungen verursachen |
| Phosphor | Bestandteil der Knochenmineralphase; Bestandteil von ATP und weiteren phosphorylierten Zellverbindungen | Mangel bei üblicher Ernährung selten; Regulation insbesondere bei Nieren- und Stoffwechselerkrankungen relevant |
| Eisen | Cofaktor eisenabhängiger Kollagenhydroxylasen; Sauerstofftransport und Energiestoffwechsel | Mangel kann mehrere für Muskel- und Gewebefunktion relevante Prozesse beeinträchtigen; Substitution indikations- und statusabhängig |
| Kupfer | Cofaktor der Lysyloxidasen; Quervernetzung von Kollagen und Elastin | Mangel kann die Reifung der extrazellulären Matrix beeinträchtigen; keine routinemäßige Zusatzsupplementation ohne Mangel |
| Zink | Zellteilung, Proteinbiosynthese, Immunfunktion und Geweberegeneration | Bei chronischen Wunden auf Mangel bzw. unzureichende Zufuhr achten; therapeutische Evidenz indikationsabhängig und begrenzt |
Klinische Einordnung
Für Knochen, Muskel und Bindegewebe ist nicht eine möglichst hohe Zufuhr einzelner Mikronährstoffe entscheidend, sondern deren bedarfsgerechte Verfügbarkeit innerhalb eines insgesamt ausreichenden Ernährungs- und Belastungsstatus. Zahlreiche Prozesse sind funktionell voneinander abhängig: Die mechanische Qualität des Knochens setzt sowohl eine regelgerechte Kollagenmatrix als auch eine kontrollierte Mineralisation voraus, Muskelkontraktion benötigt gleichzeitig elektrische Erregbarkeit, Calciumregulation und ATP-Bereitstellung, und die Wundheilung erfordert neben Mikronährstoffen vor allem ausreichend Energie, Protein, Sauerstoffversorgung und eine koordinierte Entzündungs- und Reparaturreaktion.
Aus ernährungsmedizinischer Sicht sollten daher insbesondere bei Osteoporose, Sarkopenie, Mangelernährung oder chronischen Wunden die Gesamtversorgung sowie mögliche spezifische Mikronährstoffdefizite beurteilt und gezielt korrigiert werden. Eine allein aus biochemischen Wirkmechanismen abgeleitete hochdosierte oder langfristige Supplementation ohne nachgewiesenen Bedarf ist dagegen nicht evidenzbasiert.
Fazit
Knochenmineralisation, Kollagensynthese, Muskelkontraktion und Wundheilung beruhen auf eng miteinander verknüpften strukturellen und metabolischen Prozessen. Calcium, Phosphor, Vitamin D, Vitamin K und Magnesium tragen zum Knochenstoffwechsel bei. Vitamin C, Eisen und Kupfer sind für Synthese bzw. Reifung der Kollagenmatrix relevant. Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium sind zentrale Faktoren der neuromuskulären Erregbarkeit und Muskelkontraktion.
Bei Sarkopenie und Wundheilungsstörungen können Ernährungsdefizite und Mikronährstoffmängel klinisch bedeutsam sein. Die derzeitige Evidenz spricht jedoch gegen eine undifferenzierte Supplementation einzelner Mikronährstoffe als Ersatz für körperliches Training, eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung oder die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen. Entscheidend ist die gezielte Korrektur eines nachgewiesenen oder klinisch wahrscheinlichen Mangels innerhalb eines umfassenden ernährungsmedizinischen Behandlungskonzepts.
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