Mikronährstoffversorgung im höheren Lebensalter

Die Mikronährstoffversorgung von Senioren ist durch eine ausgeprägte interindividuelle Heterogenität gekennzeichnet. Das chronologische Alter allein begründet weder einen Mikronährstoffmangel noch eine generelle Supplementationsindikation. Mit zunehmendem Alter steigt jedoch die Wahrscheinlichkeit für Mangelernährung, Multimorbidität (gleichzeitiges Bestehen mehrerer Erkrankungen), Polypharmazie (gleichzeitige Einnahme mehrerer Arzneimittel), eingeschränkte Nährstoffaufnahme und funktionelle Beeinträchtigungen [1-4].

Während der Energiebedarf infolge abnehmender fettfreier Körpermasse und körperlicher Aktivität häufig sinkt, unterscheiden sich die empfohlenen Mikronährstoffmengen für gesunde ältere Menschen nur unwesentlich von denen jüngerer Erwachsener. Damit steigt die erforderliche Nährstoffdichte (Menge an Nährstoffen bezogen auf den Energiegehalt) der Ernährung. Für sehr alte, gebrechliche oder akut oder chronisch erkrankte Menschen ist der tatsächliche Mikronährstoffbedarf dagegen nur eingeschränkt untersucht und muss individuell beurteilt werden [1-4].

Altersphysiologische Veränderungen der Mikronährstoffversorgung

Für eine eingeschränkte Mikronährstoffversorgung im höheren Lebensalter sind weniger pauschal erhöhte Bedarfswerte als vielmehr Veränderungen der Nahrungsaufnahme, Resorption, Verstoffwechselung und Ausscheidung verantwortlich.

  • Verminderte Nahrungsaufnahme: Die Anorexie des Alterns (altersbedingte Appetitminderung), ein früheres Sättigungsgefühl, eine verminderte Geruchs- und Geschmackswahrnehmung sowie eine geringe körperliche Aktivität können die Energie- und Mikronährstoffzufuhr reduzieren.
  • Veränderte gastrointestinale Funktion: Eine atrophische Gastritis (Rückbildung der Magenschleimhaut), eine verminderte Magensäureproduktion und gastrointestinale Erkrankungen können insbesondere die Bioverfügbarkeit (Anteil eines Nährstoffs, der aufgenommen und genutzt werden kann) von Vitamin B12, Eisen und Calcium beeinträchtigen.
  • Verminderte Vitamin-D-Synthese: Die Fähigkeit der Haut zur Bildung von Vitamin D nimmt mit dem Alter ab. Gleichzeitig sind immobile, pflegebedürftige oder institutionalisierte Senioren häufig nur unzureichend dem Sonnenlicht ausgesetzt.
  • Orale und funktionelle Einschränkungen: Zahnverlust, schlecht sitzende Zahnprothesen, Mundtrockenheit, eingeschränkte Handfunktion und Dysphagie (Schluckstörung) können die Lebensmittelauswahl und die aufgenommene Nahrungsmenge erheblich einschränken.
  • Krankheitsbedingte Veränderungen: Chronische Entzündungen, Infektionen sowie Herz-, Nieren-, Leber- und gastrointestinale Erkrankungen können Bedarf, Stoffwechsel, Verteilung und Ausscheidung einzelner Mikronährstoffe verändern.
  • Arzneimittelwirkungen: Metformin (blutzuckersenkendes Medikament) kann die Vitamin-B12-Versorgung beeinträchtigen. Protonenpumpenhemmer (Medikamente, die die Bildung von Magensäure stark vermindern) können bei langfristiger Anwendung die Versorgung mit Vitamin B12, Eisen und Magnesium beeinflussen. Diuretika (entwässernde Medikamente) können die renalen (nierenbedingte) Verluste unter anderem von Magnesium und Thiamin erhöhen [1-4].

Die altersassoziierten Veränderungen führen somit nicht zu einem einheitlichen Mehrbedarf an allen Mikronährstoffen. Entscheidend ist die individuelle Kombination aus verringerter Zufuhr, eingeschränkter Resorption, Erkrankungen, Arzneimittelwirkungen und erhöhten Verlusten.

Personen mit erhöhtem Risiko

Ein erhöhtes Risiko für einen Mikronährstoffmangel besteht insbesondere bei:

  • Unbeabsichtigtem Gewichtsverlust oder deutlich reduzierter Nahrungsaufnahme
  • Frailty (Altersgebrechlichkeit mit verminderter körperlicher Belastungsreserve) oder Sarkopenie (Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit)
  • Akuter Erkrankung, Krankenhausaufenthalt oder kürzlich erfolgter Operation
  • Pflegebedürftigkeit, Immobilität oder dauerhafte Versorgung in einer Pflegeeinrichtung
  • Kognitiven Einschränkungen, Demenz, Depression, Einsamkeit oder fehlender Unterstützung bei Einkauf und Nahrungszubereitung
  • Dysphagie, Kauproblemen oder dauerhaft erforderlicher konsistenzmodifizierter Ernährung
  • Sehr einseitiger Ernährung, ausgeprägten Nahrungsmittelrestriktionen oder veganer Ernährung ohne bedarfsgerechte Supplementation
  • Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Zöliakie, chronischer Diarrhoe (anhaltender Durchfall), Pankreasinsuffizienz (unzureichende Funktion der Bauchspeicheldrüse mit verminderter Bildung von Verdauungsenzymen) oder vorausgegangenen bariatrischen Eingriffen (Operationen zur Behandlung einer schweren Adipositas, beispielsweise Magenverkleinerung oder Magenbypass)
  • Chronischer Nieren- oder Leberinsuffizienz (Nieren- oder Leberschwäche)
  • Langfristiger Einnahme potentiell versorgungsrelevanter Arzneimittel
  • Alkoholabhängigkeit, anhaltendem Erbrechen oder anderen erhöhten Nährstoffverlusten [1-4]

Untersuchungen in Pflegeeinrichtungen zeigen sowohl eine häufig unzureichende Mikronährstoffzufuhr als auch suboptimale Biomarker. Betroffen waren je nach Untersuchung insbesondere Vitamin D, mehrere B-Vitamine, Vitamin E, Calcium, Magnesium, Kalium, Jod und Selen [5, 7]. In einer prospektiven Studie mit mangelernährten geriatrischen Krankenhauspatienten wiesen alle untersuchten Personen mindestens einen biochemisch feststellbaren Mikronährstoffmangel auf; bei 90 % bestanden mindestens drei Defizite. Diese Ergebnisse beziehen sich auf eine selektierte Hochrisikopopulation und sind nicht auf alle Senioren übertragbar [6].

Vitamin D und Calcium

Vitamin D und Calcium sind für den Knochenstoffwechsel und die neuromuskuläre Funktion von zentraler Bedeutung. Das Risiko einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung ist insbesondere bei immobilen, ans Haus gebundenen und institutionalisierten älteren Menschen erhöht.

Die deutsche S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung im Alter empfiehlt für immobile, ans Haus gebundene Senioren ohne ausreichende Sonnenlichtexposition eine tägliche Zufuhr von 20 µg bzw. 800 I.E. Vitamin D [1]. Nach der S3-Leitlinie zur Osteoporose soll eine ausreichende Calcium- und Vitamin-D-Versorgung sichergestellt werden. Bei Personen ohne spezifische medikamentöse Osteoporosetherapie soll die Ernährung mindestens 1.000 mg Calcium täglich enthalten. Calciumpräparate sollten nur eingesetzt werden, wenn diese Menge durch die Ernährung nicht erreicht werden kann. Für Vitamin D wird im Kontext der Osteoporose eine Tagesdosis von 800 I.E. Cholecalciferol empfohlen [12].

Eine Vitamin-D-Supplementation ist nicht als unspezifische Therapie einer Sarkopenie oder Muskelschwäche anzusehen. Eine Metaanalyse randomisierter Studien bei selbstständig lebenden älteren Menschen zeigte durch eine alleinige Vitamin-D-Gabe keine Verbesserung von Muskelmasse, Muskelkraft oder körperlicher Leistungsfähigkeit [10]. Bei Personen ab 50 Jahren, bei denen eine Vitamin-D-Supplementation indiziert ist, sind tägliche niedrigere Dosierungen gegenüber seltenen hoch dosierten Einnahmeschemata zu bevorzugen [9].

Ein generelles Screening gesunder Senioren durch Bestimmung von 25-Hydroxyvitamin D (25[OH]D; Speicherform des Vitamin D) wird nicht empfohlen [9]. Eine Bestimmung sollte auf ausgewählte klinische Situationen begrenzt werden, beispielsweise bei Verdacht auf Osteomalazie (unzureichende Mineralisierung des Knochens), ausgeprägter Malabsorption, chronischer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), sehr geringer Sonnenlichtexposition, enzyminduzierender antikonvulsiver Therapie oder anderen Hinweisen auf einen schweren Vitamin-D-Mangel. Bei Hypercalcämie (erhöhtem Calciumgehalt im Blut), Nephrolithiasis (Nierensteinen), fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder granulomatösen Erkrankungen muss eine Vitamin-D- und Calciumsupplementation besonders sorgfältig geplant und kontrolliert werden [3, 9].

Vitamin B12 und Folsäure

Das Risiko eines Vitamin-B12-Mangels steigt im höheren Lebensalter durch atrophische Gastritis, verminderte Magensäuresekretion, Autoimmungastritis, gastrointestinale Operationen, vegane Ernährung sowie die langfristige Einnahme von Metformin oder Protonenpumpenhemmern. Klinische Manifestationen umfassen eine makrozytäre Anämie (Blutarmut), Glossitis (Zungenentzündung), Polyneuropathie (Schädigung peripherer Nerven), Gangunsicherheit, sensible Ataxie (Koordinationsstörung durch beeinträchtigte Tiefensensibilität) und kognitive Veränderungen. Neurologische Symptome können auch ohne Anämie oder Makrozytose (vergrößerte rote Blutkörperchen) auftreten [3, 8].

Die alleinige Bestimmung des Gesamt-Vitamin-B12 im Serum kann bei grenzwertigen Befunden unzureichend sein. Ergänzend können Holotranscobalamin (stoffwechselaktive Transportform des Vitamin B12) und Methylmalonsäure (funktioneller Stoffwechselmarker des Vitamin-B12-Status) bestimmt werden. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann die Methylmalonsäure unabhängig vom Vitamin-B12-Status erhöhen und muss bei der Interpretation berücksichtigt werden [3, 8].

Bei nachgewiesenem Vitamin-B12-Mangel richtet sich die Wahl zwischen hochdosierter oraler und parenteraler Substitution nach Ursache, Symptomschwere, Resorptionsfähigkeit und Therapieadhärenz. Bei ausgeprägten neurologischen oder hämatologischen Manifestationen ist initial häufig eine parenterale Behandlung angezeigt [8]. Vor einer isolierten, hochdosierten Folsäuresubstitution sollte ein Vitamin-B12-Mangel ausgeschlossen werden, da sich die hämatologischen Veränderungen bessern können, während neurologische Schäden fortschreiten [3, 8].

Eisen

Eine Anämie ist auch im hohen Lebensalter kein physiologischer Normalbefund. Neben Eisenmangel kommen chronische Entzündungen, Niereninsuffizienz, Vitamin-B12- oder Folsäuremangel, hämatologische Erkrankungen und Blutverluste als Ursachen infrage.

Zur Basisdiagnostik einer vermuteten Eisenmangelanämie gehören Blutbild und Ferritin. Bei möglicher Entzündung sollten zusätzlich die Transferrinsättigung (TfS; Anteil des mit Eisen beladenen Transportproteins) und das C-reaktive Protein (CRP; Entzündungsmarker) berücksichtigt werden. Ferritin kann als Akutphaseprotein bei Entzündung trotz eingeschränkter Eisenspeicher normal oder erhöht sein. Ein erniedrigtes Ferritin spricht dagegen mit hoher Spezifität für einen absoluten Eisenmangel [3, 11].

Bei neu festgestellter Eisenmangelanämie ohne plausible Ursache muss insbesondere bei Männern und postmenopausalen Frauen eine gastrointestinale Ursache leitliniengerecht abgeklärt werden. Zu den möglichen Ursachen gehören gastrointestinale Malignome, Ulzera (Geschwüre), Angiodysplasien (Gefäßfehlbildungen der Schleimhaut), Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sowie medikamentös begünstigte gastrointestinale Blutverluste [11].

Eine Eisensubstitution sollte einen bestätigten oder klinisch hinreichend wahrscheinlichen Eisenmangel behandeln, ersetzt jedoch nicht die Ursachenklärung. Die Wahl zwischen oraler und intravenöser Gabe richtet sich unter anderem nach Ausprägung des Mangels, Verträglichkeit, Entzündungsaktivität, Resorptionsfähigkeit, fortbestehenden Verlusten und erforderlicher Geschwindigkeit der Eisenauffüllung [11].

Magnesium, Zink, Selen und weitere Mikronährstoffe

Eine unzureichende Versorgung mit Magnesium, Zink, Selen und weiteren Mikronährstoffen tritt insbesondere bei Mangelernährung, sehr geringer Nahrungsaufnahme, chronischer Diarrhoe und Malabsorption auf. Die Aussagekraft der verfügbaren Laborparameter ist jedoch stoffspezifisch unterschiedlich.

  • Magnesium: Ein Mangel kann durch gastrointestinale Verluste, Diuretika, Protonenpumpenhemmer oder Alkoholabhängigkeit begünstigt werden. Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz besteht unter hochdosierter Supplementation dagegen das Risiko einer Magnesiumakkumulation.
  • Zink: Ein Mangel kann mit Wundheilungsstörungen, Dermatitis (Hautentzündungen), Geschmacksstörungen und erhöhter Infektanfälligkeit einhergehen. Die Serumkonzentration sinkt bei Entzündungen und niedrigem Albumin, ohne zwingend eine Entleerung der Gesamtkörperspeicher anzuzeigen. Eine längerfristige hochdosierte Zinkgabe kann einen Kupfermangel verursachen.
  • Selen: Niedrige Serumkonzentrationen können sowohl durch eine unzureichende Versorgung als auch durch entzündungsbedingte Umverteilung entstehen. Wegen der relativ geringen therapeutischen Breite sollte Selen nicht ungezielt hochdosiert werden.
  • Thiamin (Vitamin B1): Ein erhöhtes Mangelrisiko besteht bei schwerer Mangelernährung, Alkoholabhängigkeit, anhaltendem Erbrechen und während eines Refeeding-Syndroms (potentiell gefährliche Stoffwechselentgleisung nach Wiederbeginn der Ernährung). Bei dringendem klinischen Verdacht darf die Behandlung nicht durch das Abwarten eines Laborbefundes verzögert werden.
  • Vitamin B6 (Pyridoxin): Eine unzureichende Versorgung kann bei geringer Nahrungsaufnahme und bestimmten Arzneimitteltherapien auftreten. Eine längerfristige, hoch dosierte Einnahme kann selbst eine sensible Neuropathie verursachen.
  • Vitamin C: Ein Mangel ist bei stark eingeschränktem Obst- und Gemüseverzehr möglich und kann sich unter anderem durch Müdigkeit, Einblutungen, Zahnfleischveränderungen und Wundheilungsstörungen äußern [3].

Bei der Bewertung von Eisen, Zink, Selen und verschiedenen Vitaminen sollte der Entzündungsstatus berücksichtigt werden. Entzündungsbedingte Veränderungen der zirkulierenden Konzentrationen dürfen nicht automatisch als tatsächliche Entleerung der Körperspeicher interpretiert werden [3].

Ernährungsmedizinische Diagnostik

Alle älteren Menschen sollten unabhängig von Diagnose, Körpergewicht, Übergewicht oder Adipositas regelmäßig mit einem validierten Instrument auf Mangelernährung untersucht werden. Für Senioren eignet sich insbesondere die Kurzform des Mini Nutritional Assessment (MNA-SF; geriatrischer Kurztest zur Erfassung des Mangelernährungsrisikos). Bei auffälligem Ergebnis müssen ein strukturiertes ernährungsmedizinisches Assessment, eine Ursachenanalyse und eine individualisierte Intervention folgen [1, 2].

Das weiterführende Assessment sollte umfassen:

  • Gewichtsverlauf, Body-Mass-Index (BMI/Körpermassen-Index), Muskelmasse, Muskelkraft und körperliche Leistungsfähigkeit
  • Essmenge, Lebensmittelauswahl, Trinkmenge und gegebenenfalls ein mehrtägiges Essprotokoll
  • Kau- und Schluckfunktion, Zahnstatus und Mundgesundheit
  • Selbstständigkeit bei Einkauf, Nahrungszubereitung und Nahrungsaufnahme
  • Kognitive, psychische und soziale Einflussfaktoren
  • Erkrankungen, Operationen, gastrointestinale Symptome und mögliche Nährstoffverluste
  • Vollständige Arzneimittel- und Supplementanamnese [1, 2, 4]

Die Labordiagnostik sollte risikoadaptiert und hypothesengeleitet erfolgen. Je nach klinischer Konstellation kommen Blutbild, Ferritin, Transferrinsättigung, CRP, Vitamin B12, Holotranscobalamin, Methylmalonsäure, Folsäure, 25(OH)D, Calcium, Magnesium, Phosphat, Nieren- und Leberparameter sowie gezielte Bestimmungen von Zink, Selen oder weiteren Mikronährstoffen infrage. Ein unspezifisches und regelmäßig wiederholtes Komplettscreening aller verfügbaren Mikronährstoffe ist weder evidenzbasiert noch aufgrund der stoffspezifischen Limitationen der Laborparameter diagnostisch zuverlässig [3].

Ernährungsmedizinische Intervention

Primäres Ziel ist eine ausreichende Energie-, Protein- und Mikronährstoffzufuhr durch eine abwechslungsreiche, nährstoffdichte und an die individuellen Fähigkeiten angepasste Ernährung. Eine isolierte Mikronährstoffgabe kann eine bestehende Energie- und Proteinmangelernährung nicht kompensieren.

Geeignete Maßnahmen sind:

  • Steigerung der Nährstoffdichte durch Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Milchprodukte oder angereicherte Alternativen, Eier, Fisch, Fleisch, Nüsse, Samen und hochwertige Pflanzenöle entsprechend der individuellen Ernährungsform
  • Anreicherung kleiner Portionen mit nährstoffreichen Lebensmitteln, wenn größere Mahlzeiten nicht toleriert werden
  • Angebot mehrerer kleiner Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten
  • Berücksichtigung individueller Vorlieben, kultureller Gewohnheiten und tageszeitlicher Schwankungen des Appetits
  • Behandlung von Mundtrockenheit, Zahnproblemen, Übelkeit, Obstipation, Schmerzen und Depression
  • Diagnostik und Therapie einer Dysphagie sowie bedarfsgerechte Anpassung der Nahrungskonsistenz
  • Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme, Bereitstellung geeigneter Hilfsmittel und ausreichende Zeit für die Mahlzeiten
  • Förderung gemeinsamer Mahlzeiten und sozialer Teilhabe
  • Vermeidung unnötig restriktiver Kostformen, sofern keine zwingende medizinische Indikation besteht [1, 2, 4]

Bei bestehender Mangelernährung oder hohem Mangelernährungsrisiko können orale bilanzierte Diäten (Trinknahrungen mit definierter Energie- und Nährstoffzusammensetzung) eingesetzt werden, wenn eine optimierte normale Ernährung den Bedarf nicht deckt. Vollständig bilanzierte Produkte liefern neben Energie und Proteinen (Eiweiß) auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente [1, 2].

Grundsätze der Supplementation

Eine Supplementation sollte sich an einer nachgewiesenen Unterversorgung, einer klar definierten Risikokonstellation oder einer leitliniengestützten präventiven Indikation orientieren.

  1. Eine Optimierung der Ernährung und die Behandlung reversibler Ursachen haben Vorrang.
  2. Einzelpräparate sollten bei einem spezifischen Mangel in einer bedarfsgerechten therapeutischen Dosierung eingesetzt werden.
  3. Kann eine ausreichende Mikronährstoffzufuhr trotz optimierter Ernährung nicht erreicht werden, kann vorübergehend ein Multivitamin-Mineralstoff-Präparat mit Dosierungen im Bereich der Referenzwerte erwogen werden.
  4. Hochdosierte Präparate ohne diagnostische oder therapeutische Indikation sind zu vermeiden.
  5. Mehrfachzufuhren aus verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln, Trinknahrungen, angereicherten Lebensmitteln und Arzneimitteln müssen berücksichtigt werden.
  6. Nieren- und Leberfunktion, Arzneimittelinteraktionen und potentielle Kontraindikationen (Gegenanzeigen) sind vor der Supplementation zu prüfen.
  7. Wirksamkeit, Verträglichkeit und Laborwerte sind abhängig vom Ausgangsbefund, der Ursache des Mangels und der eingesetzten Dosis zu kontrollieren [1-3].

Besondere Vorsicht ist bei fettlöslichen Vitaminen, hochdosiertem Vitamin B6, Calcium, Magnesium, Zink, Selen und Eisen erforderlich. Das Risiko einer Akkumulation, von Arzneimittelinteraktionen und unerwünschten Wirkungen kann bei älteren Menschen durch eingeschränkte Organfunktionen und Polypharmazie erhöht sein [3].

Fazit

Die Mikronährstoffversorgung von Senioren erfordert einen individualisierten, funktions- und risikoorientierten Ansatz. Entscheidend sind eine hohe Nährstoffdichte der Ernährung, ein regelmäßiges Screening auf Mangelernährung, die systematische Suche nach behandelbaren Ursachen und eine gezielte Labordiagnostik.

Vitamin D, Calcium, Vitamin B12 und Eisen erfordern aufgrund altersassoziierter Veränderungen und häufiger Begleiterkrankungen besondere Aufmerksamkeit.

Eine pauschale hochdosierte Supplementation ist nicht gerechtfertigt; nachgewiesene oder klinisch hinreichend wahrscheinliche Defizite müssen dagegen konsequent, ursachenbezogen und kontrolliert behandelt werden [1-4].

Literatur

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  2. Volkert D, Beck AM, Cederholm T et al.: ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr 2022;41(4):958-989. doi: 10.1016/j.clnu.2022.01.024.
  3. Berger MM, Shenkin A, Schweinlin A et al.: ESPEN micronutrient guideline. Clin Nutr 2022;41(6):1357-1424. doi: 10.1016/j.clnu.2022.02.015.
  4. Dent E, Wright ORL, Woo J et al.: Malnutrition in older adults. Lancet 2023;401(10380):951-966. doi: 10.1016/S0140-6736(22)02612-5.
  5. Borkent JW, Manders M, Nijhof A et al.: Low micronutrient intake in nursing home residents, a cross-sectional study. Appl Physiol Nutr Metab 2023;48(12):1005-1014. doi: 10.1139/apnm-2023-0182.
  6. Yilmaz K, Wirth R, Daubert D et al.: Prevalence and determinants of micronutrient deficiencies in malnourished older hospitalized patients. J Nutr Health Aging 2024;28(2):100039. doi: 10.1016/j.jnha.2024.100039.
  7. Lavriša Ž, Hristov H, Hren N et al.: Micronutrient status in nursing home residents: associations with dietary supplementation and health characteristics in the cross-sectional multicentre Nutricare study. Age Ageing 2025;54(10):afaf290. doi: 10.1093/ageing/afaf290.
  8. Obeid R, Andrès E, Češka R et al.: Diagnosis, Treatment and Long-Term Management of Vitamin B12 Deficiency in Adults: A Delphi Expert Consensus. J Clin Med 2024;13(8):2176. doi: 10.3390/jcm13082176.
  9. Demay MB, Pittas AG, Bikle DD et al.: Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 2024;109(8):1907-1947. doi: 10.1210/clinem/dgae290.
  10. Prokopidis K, Giannos P, Katsikas Triantafyllidis K et al.: Effect of vitamin D monotherapy on indices of sarcopenia in community-dwelling older adults: a systematic review and meta-analysis. J Cachexia Sarcopenia Muscle 2022;13(3):1642-1652. doi: 10.1002/jcsm.12976.
  11. Snook J, Bhala N, Beales ILP et al.: British Society of Gastroenterology guidelines for the management of iron deficiency anaemia in adults. Gut 2021;70(11):2030-2051. doi: 10.1136/gutjnl-2021-325210.
  12. Pfeil A, Lange U: Update DVO-Leitlinie 2023 „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr“ – Was ist neu für die Rheumatologie? Z Rheumatol 2024;83(5):401-406. doi: 10.1007/s00393-024-01495-x.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter (AWMF-Register-Nr. 073-019) Stand 3. Februar 2025 Langfassung.
  2. S3-Leitlinie: Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern ab dem 50. Lebensjahr (AWMF-Register-Nr. 183-001) November 2023 Langfassung.