Latente metabolische – stoffwechselbedingte – Azidose – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Beurteilung von Allgemeinzustand und Bewusstseinslage sowie Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Körpergewicht, Gewichtsverlauf und Körpergröße; des Weiteren:
- Beurteilung des Ernährungszustandes und der Muskelmasse [verminderte Muskelmasse/Muskelkraft bei chronischer klinisch relevanter metabolischer Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes), insbesondere bei chronischer Nierenkrankheit (langandauernde Nierenerkrankung); unspezifischer Befund]
- Beurteilung des Hydratations- und Volumenstatus (Flüssigkeits- und Füllungszustand) anhand von Hautturgor (Hautspannung), Schleimhäuten, Jugularvenenfüllung (Füllung der Halsvenen) und peripheren Ödemen (Wassereinlagerungen in Armen oder Beinen) [Exsikkose (Austrocknung) bei gastrointestinalem Flüssigkeits- und Bicarbonatverlust (Verlust von Hydrogencarbonat); Ödeme/Volumenüberlastung bei zugrunde liegender chronischer Nierenkrankheit]
- Beurteilung von Atemfrequenz, Atemtiefe und Atemmuster [bei latenter/subklinischer metabolischer Azidose (verborgener bzw. noch nicht klinisch ausgeprägter stoffwechselbedingter Übersäuerung) typischerweise unauffällig; Tachypnoe (beschleunigte Atmung) bzw. tiefe regelmäßige Hyperventilation (verstärkte Atmung) bis zur Kussmaul-Atmung (sehr tiefen regelmäßigen Atmung) als Hinweis auf eine manifeste bzw. höhergradige metabolische Azidose]
- Haut und Schleimhäute – Inspektion (Betrachtung) auf Zeichen einer Exsikkose sowie einer zugrunde liegenden System- oder Nierenerkrankung [trockene Schleimhäute, verminderter Hautturgor; unspezifische Befunde]
- Herz-Kreislauf-System – Auskultation (Abhören) des Herzens, Beurteilung der peripheren Perfusion (Durchblutung) und des Volumenstatus [Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und arterielle Hypotonie (niedriger Blutdruck) bei ausgeprägtem Volumenmangel bzw. schwerer manifester Azidose; periphere Ödeme bei Volumenüberlastung]
- Lunge – Auskultation und Beurteilung der Atemarbeit [Hyperventilation/Kussmaul-Atmung bei manifester metabolischer Azidose; pulmonale Rasselgeräusche (krankhafte Atemnebengeräusche der Lunge) bei Volumenüberlastung, beispielsweise im Rahmen einer fortgeschrittenen chronischen Nierenkrankheit]
- Abdomen (Bauch) – Inspektion, Auskultation, Perkussion (Abklopfen) und Palpation (Abtasten); Beachtung von Operationsnarben, Enterostoma (künstlicher Darmausgang) und Hinweisen auf gastrointestinale Erkrankungen [Hinweise auf chronische Diarrhö (anhaltenden Durchfall), Enterostoma bzw. andere Ursachen gastrointestinaler Bicarbonatverluste]
- Bewegungsapparat – orientierende Beurteilung von Muskelmasse, Muskelkraft, Gangbild und Skelett [Muskelschwäche bzw. Muskelatrophie (Muskelschwund) bei chronischer klinisch relevanter Azidose; Knochenschmerzen bzw. Druckschmerzhaftigkeit bei begleitender Störung des Knochenstoffwechsels; jeweils unspezifisch]
- Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – orientierende Prüfung von Bewusstseinslage, Orientierung, Motorik (Bewegungsfunktion) und Reflexstatus (Reflexen) [Bewusstseinsstörung, ausgeprägte Muskelschwäche oder neuromuskuläre Auffälligkeiten (Auffälligkeiten von Nerven und Muskeln) als Hinweis auf eine manifeste schwere Säure-Basen- bzw. begleitende Elektrolytstörung (Störung der Blutsalze)]
Beachte: Bei einer latenten bzw. subklinischen metabolischen Azidose bestehen definitionsgemäß in der Regel keine spezifischen körperlichen Befunde. Die körperliche Untersuchung dient daher primär dem Erkennen einer zugrunde liegenden Erkrankung und dem Ausschluss einer klinisch manifesten metabolischen Azidose. Insbesondere bei chronischer Nierenkrankheit kann eine erhöhte Säureretention (Zurückhaltung von Säuren im Körper) bereits bei noch normaler Serumbicarbonatkonzentration (Bicarbonatkonzentration im Blutserum) vorliegen; eine sichere Diagnose ist anhand der körperlichen Untersuchung nicht möglich. Eine allgemeingültige, leitlinienbasierte Definition einer „latenten metabolischen Azidose“ bei nierengesunden Personen allein aufgrund einer ernährungsbedingten Säurebelastung oder des Urin-pH-Wertes (Säuregrades des Urins) besteht nicht.
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.