Penisverkrümmung (Penisdeviation) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Penisdeviation (Krümmung des Penis) bzw. deren Behandlung mitbedingt sein können:
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Depressive Störung (Depression) bzw. depressive Symptomatik (depressive Beschwerden) [insbesondere bei erworbener Penisdeviation infolge einer Induratio penis plastica/Peyronie-Krankheit (narbige Verhärtung der Schwellkörperhülle des Penis)].
- In einer landesweiten dänischen Kohortenstudie war die Peyronie-Krankheit mit einem erhöhten Risiko für eine nachfolgende Depression assoziiert. Das 10-Jahres-Risiko betrug 12,5 % gegenüber 8,7 % bei Männern ohne Peyronie-Krankheit; die adjustierte Hazard-Ratio lag bei 1,42 (95 %-Konfidenzintervall 1,32-1,52) [1].
- Eine Scoping-Review bestätigt die Assoziation zwischen Peyronie-Krankheit und Depression. Aufgrund möglicher Selektionsverzerrungen und Confounder ist eine unmittelbare Kausalität jedoch nicht abschließend belegt [2].
- Psychosexuelle Beeinträchtigung (seelische und sexuelle Beeinträchtigung) – möglich sind eine verminderte Zufriedenheit mit dem Erscheinungsbild des Penis, psychischer Distress (starke seelische Belastung) und eine Beeinträchtigung der sexualbezogenen Lebensqualität [ausgeprägte kongenitale Penisdeviation oder erworbene Penisdeviation infolge einer Peyronie-Krankheit] [2, LL1].
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) [insbesondere bei erworbener Penisdeviation infolge einer Peyronie-Krankheit] – eine erektile Dysfunktion wird bei 30-70,6 % der Patienten mit Peyronie-Krankheit beschrieben. Sie kann durch die penile Deformität (Verformung des Penis), psychosexuelle Faktoren sowie begleitende organische Ursachen mitbedingt sein [LL1].
- Kohabitationsstörung (Beeinträchtigung des Geschlechtsverkehrs) – eine ausgeprägte kongenitale oder erworbene Penisdeviation kann die vaginale bzw. anale Intromission (Einführen des Penis) erschweren oder unmöglich machen [LL1].
- Therapieassoziierte Komplikationen (durch die Behandlung verursachte Komplikationen) nach operativer Korrektur einer Penisdeviation:
- Penisverkürzung (Verkürzung des Penis) – insbesondere nach tunikaverkürzenden Operationsverfahren (Operationen zur Verkürzung der Schwellkörperhülle); eine Verkürzung um etwa 1-1,5 cm wird bei 22-69 % der Patienten beschrieben. Eine hierdurch verursachte postoperative sexuelle Funktionsstörung (Störung der Sexualfunktion nach der Operation) ist selten [LL1].
- Residualdeviation (verbleibende Krümmung) bzw. Rezidiv der Penisdeviation (Wiederauftreten der Peniskrümmung) – nach tunikaverkürzenden Operationsverfahren bei etwa 10 % der Patienten [LL1].
- Penile Hypästhesie (verminderte Empfindlichkeit des Penis) bzw. Taubheitsgefühl – nach tunikaverkürzenden Operationsverfahren bei etwa 10 % der Patienten; das Risiko ist insbesondere bei einer Mobilisation des dorsalen neurovaskulären Bündels (Freilegung des an der Penisoberseite verlaufenden Nerven-Gefäß-Bündels) erhöht. Die Sensibilitätsstörung (Störung der Empfindungsfähigkeit) ist überwiegend vorübergehend, kann jedoch persistieren [LL1].
- Postoperative erektile Dysfunktion – das Risiko ist nach tunikaverlängernden Verfahren (Operationen zur Verlängerung der Schwellkörperhülle) mit Plaqueinzision (Einschnitt in das Narbengewebe) bzw. partieller Plaqueexzision (teilweiser Entfernung des Narbengewebes) und Graftimplantation (Einsetzen von Ersatzgewebe) höher als nach tunikaverkürzenden Verfahren. Die publizierten Häufigkeiten unterscheiden sich erheblich in Abhängigkeit von Patientenselektion, Operationstechnik, Graftmaterial und Nachbeobachtungsdauer [3, LL1].
- Residualdeformität (verbleibende Verformung) bzw. erneute komplexe Deformierung – insbesondere bei präoperativ bestehender Sanduhrdeformität (sanduhrenförmiger Einziehung), Scharnierphänomen (instabiler Abknickung), multiplanarer Penisdeviation (Peniskrümmung in mehreren Ebenen) oder Operation vor Stabilisierung der Peyronie-Krankheit [LL1].
Prognosefaktoren
- Ätiologie (Ursache) der Penisdeviation:
- Eine kongenitale Penisdeviation (angeborene Peniskrümmung) ist nach Abschluss des Peniswachstums in der Regel strukturell stabil [LL1].
- Eine erworbene Penisdeviation infolge einer aktiven Peyronie-Krankheit kann hinsichtlich Krümmungsgrad, Deformität und Penislänge progredient (fortschreitend) verlaufen [LL1].
- Ausmaß und Morphologie der Deformität (Form der Verformung) – eine stärkere Krümmung sowie komplexe Deformitäten wie Sanduhrdeformität, Scharnierphänomen, unilaterale Einkerbung (einseitige Einziehung) oder multiplanare Penisdeviation erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer funktionell relevanten Kohabitationsstörung [LL1].
- Erektile Funktion – eine präoperativ bestehende erektile Dysfunktion beeinflusst die Auswahl des Operationsverfahrens und das postoperative funktionelle Ergebnis [3, LL1].
- Penislänge – eine bereits präoperativ verminderte funktionelle Penislänge beeinflusst die Wahl zwischen tunikaverkürzenden und tunikaverlängernden Operationsverfahren [LL1].
- Krankheitsaktivität bei Peyronie-Krankheit – Erektionsschmerzen (Schmerzen bei der Erektion) sowie eine kürzlich eingetretene Veränderung der Krümmung, Deformität oder Penislänge sprechen für eine aktive Erkrankungsphase [LL1].
- Krankheitsstabilität vor einer Operation – eine Operation vor Stabilisierung der Peyronie-Krankheit erhöht das Risiko einer erneuten Penisdeviation. Eine operative Korrektur soll erst bei mindestens drei bis sechs Monate stabiler Erkrankung bzw. in der Regel frühestens 9-12 Monate nach Erkrankungsbeginn erfolgen [LL1].
- Operationsverfahren:
- Tunikaverkürzende Verfahren sind insbesondere mit einer postoperativen Penisverkürzung verbunden; das Risiko einer postoperativen erektilen Dysfunktion ist vergleichsweise gering [LL1].
- Tunikaverlängernde Verfahren weisen ein höheres Risiko für eine postoperative erektile Dysfunktion und Sensibilitätsstörungen auf [3, LL1].
Literatur
- Lindhardt-Mejlholm SL, Mortensen KS, Andersen IT et al.: Peyronie's disease and risk of depression. A nationwide 25-year cohort study. J Sex Med 2025; 22(9):1640-1646. doi: 10.1093/jsxmed/qdaf168.
- Kraglund R, Durukan E, Giraldi A et al.: The association between Peyronie's disease and depression: a scoping review. Sex Med Rev 2024; 12(2):221-229. doi: 10.1093/sxmrev/qead045.
- Natsos A, Tatanis V, Kontogiannis S et al.: Grafts in Peyronie's surgery without the use of prostheses: a systematic review and meta-analysis. Asian J Androl 2024; 26(3):250-259. doi: 10.4103/aja202358.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- European Association of Urology: EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Limited Update March 2026. Kapitel Penile Curvature; Langfassung. [LL1]