Penisverkrümmung (Penisdeviation) – Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch ist bei einer Penisdeviation (Penisverkrümmung) insbesondere zwischen kongenitalen Fehlbildungen (angeborenen Fehlbildungen) und erworbenen fibrotischen (durch Narbengewebe bedingten), posttraumatischen (nach einer Verletzung entstandenen) oder iatrogenen Ursachen (durch medizinische Maßnahmen verursachten Ursachen) zu unterscheiden:
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Hypospadie (angeborene Fehlmündung der Harnröhre) mit ventraler Penisdeviation (Penisverkrümmung zur Unterseite) – ventrale Penisverkrümmung bei ektop gelegener Harnröhrenmündung (außerhalb der normalen Position gelegener Harnröhrenöffnung); von der isolierten kongenitalen Penisdeviation mit orthotopem Meatus (regelrecht gelegener Harnröhrenöffnung) abzugrenzen
- Kongenitale Penisdeviation – angeborene Krümmung eines ansonsten normal ausgebildeten Penis mit orthotopem Meatus und ohne Harnröhrenfehlbildung; meist ventral, seltener lateral (seitlich) oder dorsal (zur Oberseite hin) und häufig erst bei Erektionen im späteren Kindesalter bzw. nach der Pubertät erkennbar; keine tastbare Plaque (Bindegewebsverhärtung)
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Induratio penis plastica (Peyronie-Krankheit; erworbene narbige Penisverkrümmung) – wichtigste Ursache einer erworbenen Penisdeviation; fibrotische Plaque der Tunica albuginea (Bindegewebshülle der Schwellkörper) mit erektiler Krümmung (Penisverkrümmung bei der Erektion), Penisverkürzung, Einziehung, Sanduhr- oder Scharnierdeformität (sanduhrenförmiger oder instabil abknickender Verformung) sowie häufig Schmerzen während der aktiven Krankheitsphase
- Schwellkörperfibrose (narbiger Umbau der Schwellkörper) nach ischämischem Priapismus (schmerzhafter Dauererektion durch gestörten Blutabfluss) – narbiger Umbau der Corpora cavernosa (Penisschwellkörper) nach prolongierter Ischämie (länger anhaltender Mangeldurchblutung) mit erworbener Penisdeviation, Verkürzung und häufig erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung)
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Iatrogene Penisdeviation – residuelle (verbleibende) oder rezidivierende Krümmung (erneut auftretende Krümmung) nach rekonstruktiven Eingriffen (wiederherstellenden Operationen) am Penis, insbesondere nach Hypospadiekorrektur (operativer Korrektur einer Harnröhrenfehlmündung) oder operativer Begradigung einer Penisdeviation; der zeitliche Zusammenhang mit dem Eingriff ist wegweisend
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Penisfraktur (Penisbruch; Schwellkörperruptur [Riss des Schwellkörpers]) bzw. narbiger Folgezustand – Ruptur (Riss) der Tunica albuginea des erigierten Penis, typischerweise mit Knackgeräusch, akutem Schmerz, sofortiger Detumeszenz (Erschlaffung des Penis) und Hämatom (Bluterguss); eine verzögerte oder konservative Versorgung kann zu Schwellkörperfibrose und persistierender Penisdeviation (dauerhaft bestehender Penisverkrümmung) führen