Hydrozele (Wasserbruch), Spermatozele – Differentialdiagnosen
Hydrozele (Wasserbruch) und Spermatozele (samenhaltige Nebenhodenzyste) sind eigenständige zystische Veränderungen (flüssigkeitsgefüllte Veränderungen) unterschiedlicher anatomischer Kompartimente (Körperbereiche). Aufgrund teilweise abweichender Leitdifferentialdiagnosen erfolgt die Darstellung getrennt.
Bei akut einsetzenden Skrotalschmerzen (Schmerzen im Hodensack) ist unabhängig von einem vermuteten zystischen Befund (flüssigkeitsgefüllten Befund) vorrangig eine Hodentorsion (Hodenverdrehung) auszuschließen. Die Duplexsonographie (Gefäßultraschalluntersuchung) ist hierbei ein wichtiges diagnostisches Zusatzverfahren, darf bei hohem klinischem Verdacht jedoch die unverzügliche operative Exploration (operative Freilegung und Untersuchung) nicht verzögern.
Differentialdiagnosen der Hydrozele
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Varikozele (Krampfaderbruch) – weiche, komprimierbare, häufig strang- oder wurmförmige Erweiterung des Plexus pampiniformis (Venengeflecht des Hodens); nimmt typischerweise im Stehen und beim Valsalva-Manöver (Pressversuch) zu, duplexsonographisch Nachweis dilatierter Venen (erweiterter Blutadern) und eines venösen Refluxes Rückflusss des Blutes)
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Inguinoskrotale Hernie (Leistenbruch mit Ausdehnung in den Hodensack) – größenvariable, teilweise reponible (zurückschiebbare) Schwellung durch Verlagerung von Darm oder Omentum (Bauchnetz) in den Leistenkanal bzw. das Skrotum (Hodensack); wichtigste Differentialdiagnose der kommunizierenden Hydrozele (mit der Bauchhöhle verbundenen Wasseransammlung)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Malignes Mesotheliom der Tunica vaginalis testis (bösartiger Tumor der Hodenhülle) – seltene maligne Erkrankung der Hodenhüllen; insbesondere bei rezidivierender (wiederkehrender) oder komplexer Hydrozele sowie bei nodulären Wandverdickungen (knotigen Verdickungen der Wand) zu berücksichtigen
- Paratestikuläre Tumoren (Tumoren neben dem Hoden) – meist solide extratestikuläre Raumforderungen (feste Gewebevermehrungen außerhalb des Hodens) des Nebenhodens, Samenstrangs oder der Hodenhüllen; bei atypischem, nicht durchleuchtbarem oder vaskularisiertem Befund (durchblutetem Befund) abzugrenzen
- Testikuläre Tumoren (Hodentumoren) – meist schmerzlose intratestikuläre Raumforderung (Gewebevermehrung innerhalb des Hodens), die durch eine begleitende reaktive Hydrozele (als Reaktionentstandenern Wasserbruch) verdeckt werden kann; insbesondere bei nicht sicher palpierbarem Hoden (nicht sicher tastbarem Hoden) sonographisch auszuschließen
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Epididymitis/Epididymoorchitis (Nebenhodenentzündung/Nebenhoden- und Hodenentzündung) – schmerzhafte entzündliche Veränderung des Nebenhodens und gegebenenfalls des Hodens mit Hypervaskularisation (verstärkter Durchblutung) und häufig begleitender reaktiver Hydrozele
- Epididymiszyste/Spermatozele (Nebenhodenzyste/samenhaltige Nebenhodenzyste) – umschriebene zystische Raumforderung des Nebenhodens, meist am Nebenhodenkopf; verdrängt den Hoden, anstatt ihn wie eine Hydrozele teilweise oder vollständig zu umgeben
- Funikulozele (Wasseransammlung am Samenstrang) (Hydrozele funiculi spermatici) – abgekapselte Flüssigkeitsansammlung entlang des Samenstrangs; insbesondere bei Kindern von einer skrotalen Hydrozele und einer Inguinalhernie (Leistenhernie) abzugrenzende Sonderform
- Hämatozele (Blutansammlung in der Hodenhülle) – Blutansammlung innerhalb der Tunica vaginalis (Hodenhülle), insbesondere nach Trauma, Operation oder unter Antikoagulation (blutgerinnungshemmender Behandlung); sonographisch meist komplexer, echogener (schallreflektierender) oder septierter Flüssigkeitsinhalt (durch Trennwände unterteilter Flüssigkeitsinhalt)
- Hodentorsion – akut einsetzende starke Skrotalschmerzen mit verminderter oder fehlender Hodenperfusion (Hodendurchblutung) und häufig begleitender reaktiver Hydrozele; urologischer Notfall
- Hydatidentorsion (Verdrehung eines Hoden- oder Nebenhodenanhangs) – insbesondere bei Kindern lokalisierter Schmerz am oberen Hodenpol mit möglicher reaktiver Hydrozele; von der Hodentorsion abzugrenzen
- Infizierte Hydrozele/Pyozele (infizierter Wasserbruch/Eiteransammlung in der Hodenhülle) – schmerzhafte, entzündlich veränderte Flüssigkeitsansammlung mit Fieber, Überwärmung oder weiteren lokalen Entzündungszeichen; sonographisch häufig komplexer oder septierter Inhalt
- Skrotalödem (Flüssigkeitseinlagerung im Hodensack) – diffuse Flüssigkeitseinlagerung und Verdickung der Skrotalwand ohne umschriebene Flüssigkeitsansammlung innerhalb der Tunica vaginalis
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Hodenruptur (Hodenriss) – traumatische Zerreißung der Tunica albuginea (festen Hodenhülle) mit Konturunterbrechung, inhomogenem Hodenparenchym (ungleichmäßig verändertem Hodengewebe) und häufig begleitender Hämatozele
- Skrotalhämatom (Bluterguss im Hodensack) – traumatisch oder postoperativ bedingte Blutansammlung in der Skrotalwand oder im extratestikulären Weichteilgewebe, die eine komplexe Hydrozele imitieren kann
- Testiskontusion (Hodenprellung) – traumatisch bedingte Hodenparenchymschädigung (Schädigung des Hodengewebes) mit Schmerzen, Schwellung und möglicher reaktiver Hydrozele
Differentialdiagnosen der Spermatozele
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Nebenhodentumoren (Tumoren des Nebenhodens) – überwiegend solide extratestikuläre Raumforderungen, insbesondere Adenomatoidtumor (meist gutartiger Drüsentumor), Leiomyom (gutartiger Muskelgewebstumor) oder papilläres Zystadenom (warzenförmig wachsender zystischer Drüsentumor); solide, irreguläre oder vaskularisierte Anteile sprechen gegen eine unkomplizierte Spermatozele
- Testikuläre Tumoren – meist solide intratestikuläre Raumforderungen; bei jeder nicht eindeutig dem Nebenhoden zuzuordnenden Läsion (Gewebeveränderung) sonographisch auszuschließen
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Epididymisabszess (Eiteransammlung im Nebenhoden) – schmerzhafte komplexe zystische Nebenhodenläsion im Rahmen einer Epididymitis, häufig mit verdickter Wand, Binnenreflexen und peripherer Hypervaskularisation (verstärkter Durchblutung am Rand)
- Epididymiszyste (Nebenhodenzyste) – klinisch und sonographisch häufig nicht sicher von einer Spermatozele zu unterscheiden; der Nachweis von Spermatozoen (Samenzellen) im Zysteninhalt ermöglicht die definitive Zuordnung, ist bei einem typischen benignen Befund (gutartigen Befund) jedoch in der Regel nicht erforderlich
- Hodentorsion – bei akut einsetzenden Skrotalschmerzen unabhängig von einer bekannten oder vermuteten Spermatozele vorrangig auszuschließen; urologischer Notfall
- Hydatidentorsion – insbesondere bei Kindern schmerzhafte Läsion am oberen Hodenpol, die eine symptomatische Nebenhodenzyste oder Spermatozele imitieren kann
- Hydrozele – Flüssigkeitsansammlung innerhalb der Tunica vaginalis, die den Hoden teilweise oder vollständig umgibt, im Gegensatz zur lokalisierten zystischen Raumforderung am Nebenhoden
- Spermagranulom (entzündlicher Samenzellknoten) – meist kleine, derbe und knotige Läsion des Nebenhodens oder Samenstrangs, insbesondere nach Vasektomie (Durchtrennung der Samenleiter), Trauma, Operation oder lokaler Entzündung
- Tubuläre Ektasie des Nebenhodens (schlauchförmige Erweiterung der Nebenhodengänge) – Erweiterung mehrerer Nebenhodengänge, häufig infolge einer Abflussbehinderung der Samenwege; sonographisch tubuläre oder multilokuläre zystische Strukturen (schlauchförmige oder mehrkammerige flüssigkeitsgefüllte Strukturen)
- Tubuläre Ektasie des Rete testis (schlauchförmige Erweiterung des Hodennetzes) – meist mehrere kleine tubuläre oder zystische Strukturen im Bereich des Mediastinum testis (zentralen Bindegewebskörpers des Hodens), häufig beidseitig und mit weiteren Zeichen einer Abflussbehinderung der Samenwege assoziiert
- Tunica-albuginea-Zyste (Zyste der festen Hodenhülle) – meist kleine, oberflächlich gelegene intratestikuläre Zyste (Zyste innerhalb des Hodens), die palpatorisch eine extratestikuläre Nebenhodenzyste oder Spermatozele imitieren kann
Diagnostischer Hinweis: Bei unklarer Lokalisation einer skrotalen Raumforderung (Raumforderung im Hodensack), nicht sicher palpierbarem Hoden, atypischem oder komplexem Zysteninhalt, soliden bzw. vaskularisierten Anteilen oder akuten Schmerzen ist eine hochauflösende Skrotalsonographie einschließlich Duplexsonographie indiziert. Sie dient insbesondere der Unterscheidung zwischen intratestikulären und extratestikulären Veränderungen sowie dem Ausschluss eines testikulären Tumors, einer Torsion (Verdrehung) oder einer traumatischen Läsion (verletzungsbedingte Gewebeveränderung).