Lungenüberblähung (Lungenemphysem) – Einleitung
Beim Lungenemphysem (krankhafte Überblähung der Lunge) – umgangssprachlich auch als Lungenüberblähung bezeichnet – handelt es sich um eine dauerhaft pathologische Erweiterung der Lufträume distal der Terminalbronchiolen (letzte feine Luftwege) mit Destruktion der Alveolarsepten (Zerstörung der Lungenbläschenwände) und Verlust der elastischen Retraktionskräfte (verminderte Rückstellkraft der Lunge). Dadurch kommt es zu Air-Trapping (Luftverhalt in der Lunge) und dynamischer Überblähung, was die Atemmechanik beeinträchtigt und häufig mit einer verminderten Diffusionskapazität (eingeschränkter Gasaustausch) bzw. reduzierter Gasaustauschfläche einhergeht.
Synonyme und ICD-10: Lungenblähung; Altersemphysem; Asthmaemphysem; atrophisches Emphysem; bullöse Riesenzyste der Lunge; bullöses Emphysem; bullöses Lungenemphysem; chronisches Emphysem; chronisches Lungenemphysem; einseitiges Emphysem; einseitig helle Lunge; Emphysem; Emphysema pulmonum; Emphysemasthma; Emphysembläschen; Emphysem im Alter; Emphysemthorax; Glasbläseremphysem; interlobuläres Emphysem; Lungenemphysem; McLeod-Syndrom; Narbenemphysem; nichtobstruktives Lungenemphysem; Obstruktion der Atemwege mit Emphysem; Obstruktion der Luftwege mit Emphysem; obstruktives Emphysem; panazinöses Emphysem; panlobuläres Emphysem; pulmonales Emphysem; rupturierte Lungenbläschen; seniles Emphysem; Syndrom der einseitig hellen Lunge; Überdehnungsemphysem; unilaterales Emphysem; vesikuläres Emphysem; zentrilobuläres Emphysem; ICD-10-GM J43.-: Emphysem
Formen des Lungenemphysems
Nach Verteilung (radiologisch/histologisch)
- Zentrilobuläres Emphysem (Emphysemform mit Schwerpunkt im Zentrum der Lungenläppchen): Häufigste Form bei Tabakrauch-assoziierter chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) (chronische Atemwegserkrankung mit dauerhafter Verengung der Bronchien), betont in den oberen Lungenabschnitten.
- Panlobuläres Emphysem (Emphysemform des gesamten Lungenläppchens): Betrifft den gesamten Azinus/Lobulus (funktionelle Lungeneinheit), typisch unter anderem bei Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (angeborener Eiweißmangel).
- Paraseptales Lungenemphysem (Emphysemform nahe der Lungengrenzflächen): Subpleural/entlang von Septen (Bindegewebsgrenzen); assoziiert mit Bullae (große luftgefüllte Hohlräume) und erhöhtem Pneumothorax-Risiko (Risiko für einen Lungenkollaps).
Nach Morphologie
- Bullöses Emphysem (Emphysem mit großen Luftblasen): Große luftgefüllte Räume (Bullae) als Ausdruck bzw. Komplikation eines Emphysems; klinisch relevant bei Kompression gesunden Parenchyms (Zusammendrücken von gesundem Lungengewebe) und Pneumothorax-Risiko (Risiko für einen Lungenkollaps).
Nach Ätiologie (klinisch)
- Tabakrauch-/Expositions-assoziiertes Emphysem (durch Rauchen oder Schadstoffe bedingt): Häufigste Ursache, meist im Rahmen einer COPD (chronische Atemwegserkrankung).
- Genetisches Emphysem (erblich bedingtes Emphysem): Insbesondere Alpha-1-Antitrypsin-Mangel (angeborener Eiweißmangel).
- Postoperative/kompensatorische Überblähung (Überblähung nach Operation): Überblähung der Restlunge nach Resektionen (operative Entfernung von Lungenanteilen); von einem strukturell destruktiven Emphysem abzugrenzen, aber klinisch als Überblähung relevant.
Mit zunehmendem Lebensalter können sich altersassoziierte Veränderungen der Lungenstruktur und eine Erweiterung der Lufträume zeigen, die nicht in jedem Fall einem destruktiven Lungenemphysem (krankhafte Zerstörung der Lungenbläschen) entsprechen.
Epidemiologie
Das Lungenemphysem tritt überwiegend im Kontext einer COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung) auf. Das Risiko steigt mit kumulativer Tabakrauch- und Schadstoffexposition sowie mit zunehmendem Alter. Männer waren historisch häufiger betroffen, Unterschiede nehmen durch veränderte Rauchgewohnheiten ab.
Verlauf und Prognose
Verlauf
Das Lungenemphysem verläuft in der Regel chronisch-progredient (langsam fortschreitend), häufig im Rahmen einer COPD (chronische Atemwegserkrankung). Akute Überblähung kann bei Asthmaexazerbationen (akuten Asthmaanfällen) vorkommen, ist jedoch vom strukturell destruktiven Emphysem zu unterscheiden. Der Verlauf hängt wesentlich von der zugrunde liegenden Ursache, dem Zeitpunkt der Diagnosestellung, der Expositionsbeendigung (insbesondere Rauchstopp) sowie von Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) ab.
- Akute Überblähung (plötzliche Überdehnung der Lunge): Kann zum Beispiel bei einer schweren Asthmaexazerbation (schwerem Asthmaanfall) auftreten und ist von einem destruktiven Emphysem abzugrenzen.
- Chronisches Emphysem (dauerhafte Überblähung der Lunge): Entwickelt sich langsam und progressiv, häufig in Verbindung mit COPD (chronische Atemwegserkrankung).
Prognose
Die Prognose hängt vom Ausmaß der strukturellen Destruktion (Zerstörung von Lungengewebe) und der funktionellen Einschränkung (unter anderem Obstruktion (Verengung der Atemwege), Überblähung, Diffusionsstörung (Störung des Gasaustauschs)), von Exazerbationen (Krankheitsverschlechterungen), Hypoxämie (niedriger Sauerstoffgehalt im Blut) sowie von kardiopulmonalen Komplikationen (Herz-Lungen-Folgeerkrankungen) ab. Rauchstopp ist die wichtigste Maßnahme zur Verlangsamung der Progression.
- Rauchstopp (Aufhören zu rauchen): Entscheidend zur Reduktion der Progression und zur Verbesserung des langfristigen Outcomes (Krankheitsverlaufs).
- FEV1-Wert* (forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde): Ein deutlich erniedrigter FEV1-Wert ist mit erhöhter Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert; für die Prognose sind zusätzlich Symptomlast, Exazerbationshäufigkeit und Gasaustauschstörung relevant.
Lebensqualität und Komplikationen
- Lebensqualität: Zunehmende Belastungsdyspnoe (Atemnot bei körperlicher Anstrengung), reduzierte Leistungsfähigkeit und bei begleitender chronischer Bronchitis/COPD häufig chronischer Husten und Auswurf.
- Komplikationen: Exazerbationen (Krankheitsverschlechterungen) und Infekte der Atemwege, Pneumothorax (Lungenkollaps), pulmonale Hypertonie (erhöhter Lungendruck) und Cor pulmonale (Rechtsherzbelastung) bis zur Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche).
Leitlinienbezug: In Deutschland orientieren sich Diagnostik und Therapie des Emphysems in der Regel an den COPD-Leitlinien, insbesondere an der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) COPD (AWMF-Register NVL-003) sowie an der AWMF-Leitlinie zur COPD (AWMF-Register 020-006).
* FEV1-Wert = forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde; darunter versteht man die Luftmenge, die der Patient mit aller Kraft und möglichst schnell innerhalb einer Sekunde ausatmen kann.
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Akuter und chronischer Husten. (AWMF-Registernummern: 053-013) Februar 2021. Kurzfassung Langfassung
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): 2021 GOLD Report. Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. www.goldcopd.org
- S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie COPD. (AWMF-Registernummer: nvl- 003). Juni 2021 Kurzfassung Langfassung