Milzvergrößerung (Splenomegalie) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:

  • Inspektion
    • Allgemeinzustand und Ernährungszustand [Fieber; Gewichtsverlust; Kachexie (starke krankheitsbedingte Abmagerung)]
    • Haut, Schleimhäute und Skleren [Blässe; Ikterus (Gelbsucht); Petechien (punktförmige Hautblutungen), Purpura (kleinfleckige Hautblutungen) oder Ekchymosen (großflächige Hautblutungen); Leberhautzeichen (sichtbare Hautzeichen bei Lebererkrankungen) wie Spider naevi (Gefäßspinnen) und Palmarerythem (Rötung der Handflächen)]
    • Abdomen [abdominelle Distension (Aufblähung des Bauches); sichtbare venöse Kollateralen (erweiterte Umgehungsvenen) bzw. Caput medusae (sichtbare erweiterte Bauchwandvenen) als Hinweis auf eine portale Hypertension (Bluthochdruck in der Pfortader)]
  • Untersuchung des Abdomens
    • Perkussion (Abklopfen)
      • Perkussion der Milzregion einschließlich des Traube-Raums [Dämpfung als Hinweis auf eine Splenomegalie (Milzvergrößerung)]
      • Prüfung auf Aszites (Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum) [Flankendämpfung (gedämpfter Klopfschall über den Flanken); lageabhängige Verschieblichkeit der Dämpfungsgrenze]
    • Palpation (Abtasten)
      • Bimanuelle Palpation (Abtasten mit beiden Händen) der Milz bei tiefer Inspiration (Einatmung), beginnend im rechten Unterbauch und schrittweise in Richtung linker Rippenbogen; bei erschwerter Beurteilbarkeit ggf. Untersuchung in rechter Seitenlage
      • Bei tastbarer Milz Dokumentation der Ausdehnung unterhalb des linken Rippenbogens sowie Beurteilung von Konsistenz, Oberfläche, Druckschmerzhaftigkeit und Milzkerbe (typische Einkerbung der Milz) [Splenomegalie; druckschmerzhafte Milz insbesondere bei akuter Kapselspannung (Spannung der Milzkapsel), Infarkt (Gewebeuntergang durch Durchblutungsstörung) oder entzündlichem Prozess (Entzündung); derbe bzw. knotige Konsistenz bei infiltrativen Erkrankungen (Erkrankungen mit Durchsetzung des Gewebes) oder neoplastischen Erkrankungen (Tumorerkrankungen) möglich]
      • Palpation und Perkussion der Leber [Hepatomegalie (Lebervergrößerung) bzw. Hepatosplenomegalie (gleichzeitige Vergrößerung von Leber und Milz)]
  • Lymphknotenstatus (Untersuchung der Lymphknoten)
    • Palpation der zervikalen (am Hals gelegenen), supraklavikulären (oberhalb des Schlüsselbeins gelegenen), axillären (in der Achselhöhle gelegenen) und inguinalen (in der Leiste gelegenen) Lymphknoten [lokalisierte oder generalisierte Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung), insbesondere bei infektiösen oder hämatologischen Erkrankungen (Erkrankungen des Blutes und des blutbildenden Systems)]
  • Herz-Kreislauf-Untersuchung
    • Auskultation (Abhören) des Herzens [neu aufgetretenes bzw. pathologisches (krankhaftes) Herzgeräusch bei Verdacht auf infektiöse Endokarditis (durch Krankheitserreger verursachte Entzündung der Herzinnenhaut)]
    • Beurteilung auf Zeichen einer kardialen (das Herz betreffenden) bzw. venösen (die Venen betreffenden) Stauung [Halsvenenstauung (sichtbar gestaute Halsvenen); periphere Ödeme (Wassereinlagerungen an den Gliedmaßen)]
  • Weitere symptomorientierte Untersuchung
    • Untersuchung von Gelenken und Haut bei klinischem Verdacht auf eine systemisch-entzündliche (den ganzen Körper betreffende entzündliche) bzw. rheumatologische (rheumatische) Erkrankung [Arthritis (Gelenkentzündung); entzündliche oder vaskulitische Hautveränderungen (durch Gefäßentzündung bedingte Hautveränderungen)]
    • Inspektion des Oropharynx (Mund-Rachen-Raum) bei klinischem Verdacht auf eine infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber) [Tonsillitis (Mandelentzündung) bzw. Pharyngitis (Rachenentzündung) in Kombination mit zervikaler Lymphadenopathie]

Eine nicht tastbare Milz schließt eine Splenomegalie nicht aus. Umgekehrt beweist eine tastbare Milz allein keine pathologische Milzvergrößerung. Ein klinischer Verdacht auf Splenomegalie ist daher sonographisch (mittels Ultraschall) zu bestätigen.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische körperliche Befunde hingewiesen.