Plattenepithelkarzinom der Haut – Einleitung

Beim Plattenepithelkarzinom der Haut (PEK; bösartiger Hauttumor aus Plattenepithelzellen) – umgangssprachlich Stachelzellkarzinom genannt – handelt es sich um eine maligne Neoplasie (bösartige Neubildung) der Haut, die vom Plattenepithel (Deckzellschicht) ausgeht. Es ist durch eine maligne Proliferation (bösartige Zellvermehrung) von Keratinozyten (hornbildenden Hautzellen) der Haut und der Hautanhangsgebilde (Haare, Nägel, Talgdrüsen und Schweißdrüsen) gekennzeichnet.

Synonyme und ICD-10: Epithelioma spinocellulare; kutanes Plattenepithelkarzinom (SCC; bösartiger Hauttumor aus Plattenepithelzellen); Spinaliom; spinozelluläres Karzinom; Stachelzellkrebs; engl.: squamous cell carcinoma of the skin (cSCC) beziehungsweise cutaneous squamous cell carcinoma (CSCC); ICD-10-GM C44.9: Bösartige Neubildung der Haut, nicht näher bezeichnet

Das spinozelluläre Karzinom, das Basalzellkarzinom (BZK; Basalzellkrebs der Haut) und aktinische Keratosen (lichtbedingte Hautkrebsvorstufen) als In-situ-Karzinome (örtlich begrenzte Krebsvorstufen ohne Einwachsen in tiefere Gewebeschichten) werden zunehmend auch als Keratinozytenkarzinome (KC; Hautkrebs aus hornbildenden Hautzellen) bezeichnet.

Plattenepithelkarzinome werden zusammen mit Basalzellkarzinomen auch als „weißer Hautkrebs“ bezeichnet.

Das PEK ist der zweithäufigste bösartige Hauttumor und für rund 20 % der Fälle von nicht melanozytärem Hautkrebs (Non-Melanoma Skin Cancer, NMSC; heller Hautkrebs ohne schwarzen Hautkrebs) verantwortlich.

Besonders häufig betroffen sind hellhäutige Menschen, insbesondere die sonnenlichtempfindlichen Hauttypen I und II nach Fitzpatrick.

Das PEK entsteht in den meisten Fällen nach Monaten bis Jahren auf der Basis aktinischer Keratosen oder eines Morbus Bowen (oberflächlicher Hautkrebs in der Oberhaut).

Es wächst lokal destruierend (örtlich gewebszerstörend) und metastasiert (bildet Tochtergeschwülste) in circa 5 % der Fälle lymphogen (über die Lymphbahnen).

Formen des Plattenepithelkarzinoms der Haut (PEK)

Histologische (feingewebliche) Formen des PEK:

  • Akantholytisches (pseudoglanduläres) Plattenepithelkarzinom der Haut: Kennzeichnet sich durch atypische Zellstrukturen.
  • Desmoplastisches Plattenepithelkarzinom: Hohe Rezidivneigung (Neigung zum Wiederauftreten der Erkrankung).
  • Lymphoepitheliomartiges Plattenepithelkarzinom der Haut: Vermehrtes lymphatisches Gewebe.
  • Plattenepithelkarzinom mit Hornbildung: Enthält Hornmaterial.
  • Spindelzelliges Plattenepithelkarzinom der Haut: Aggressives Verhalten.
  • Verruköses Plattenepithelkarzinom der Haut: Günstigere Prognose.

Alle histologischen Subtypen des Plattenepithelkarzinoms werden gleichartig therapiert.

Epidemiologie

Geschlechterverhältnis: Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Häufigkeitsgipfel: Das Maximum des Auftretens des Plattenepithelkarzinoms der Haut (PEK) liegt zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr.

Prävalenz (Krankheitshäufigkeit): Das PEK ist nach dem Basalzellkarzinom der zweithäufigste Tumor der Haut.

Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen): In Europa beträgt die Inzidenz für Männer ca. 170 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr und für Frauen ca. 93 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr [2]. Die Inzidenz ist in Australien und Neuseeland höher.

Verlauf und Prognose

Verlauf

Das PEK tritt vorwiegend an lichtexponierten Stellen wie dem Gesicht, den Händen oder Unterarmen sowie an den Schleimhäuten auf, wodurch es in der Regel früh entdeckt wird. Der Tumor wächst lokal destruierend (zerstörend) und metastasiert (bildet Tochtergeschwülste) nicht häufig. Handelt es sich um ein kleines PEK (Durchmesser < 2 cm), sind im Allgemeinen noch keine Metastasen (Tochtergeschwülste) in Lymphknoten oder Organen nachweisbar. Falls eine Metastasierung eintritt, so erfolgt diese in den meisten Fällen innerhalb der ersten beiden Jahre nach Diagnosestellung. Das PEK tritt häufig rezidivierend (wiederkehrend) auf, sodass eine konsequente Nachsorge wichtig ist.

Prognose

Die Prognose des PEK hängt stark vom Stadium bei Diagnosestellung ab.

  • Frühstadium (kleine Tumoren < 2 cm): Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei nicht metastasierten Tumoren zwischen 75-90 %. Kleine Tumoren ohne Metastasen haben eine sehr gute Prognose und können oft durch chirurgische Entfernung vollständig geheilt werden.
  • Fortgeschrittene Stadien (größere Tumoren und metastasierte Tumoren): Bei weit fortgeschrittenen metastasierten Tumoren beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 25-50 %. Die Prognose verschlechtert sich signifikant, falls bei Diagnosestellung bereits Metastasen vorliegen. Im Fall von Rezidiven (Wiederauftreten des Tumors) sinkt die 1-Jahres-Überlebensrate auf 43 % [1].
  • Rezidive: Das PEK tritt häufig rezidivierend (wiederkehrend) auf, sodass eine konsequente Nachsorge wichtig ist. Eine intensive Nachsorge ist notwendig, um Rezidive frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Mortalität: Die spezifische Mortalität (Sterberate) von PEK liegt je nach Studie und Population zwischen 1-5 %, wobei die meisten Todesfälle durch metastasierte oder unbehandelte Tumoren verursacht werden.

Literatur

  1. Sun L et al.: Association of Disease Recurrence With Survival Outcomes in Patients With Cutaneous Squamous Cell Carcinoma of the Head and Neck Treated With Multimodality Therapy. JAMA Dermatol. Published online February 27, 2019. doi:10.1001/jamadermatol.2018.5453
  2. Tokez S et al.: Incidence of Multiple vs First Cutaneous Squamous Cell Carcinoma on a Nationwide Scale and Estimation of Future Incidences of Cutaneous Squamous Cell Carcinoma. JAMA Dermatol 2020; https://doi.org/10.1001/jamadermatol.2020.3677

Leitlinien

  1. Breuninger H, Eigentler T, Bootz F, Hauschild A, Kortmann RD, Wolff K, Stockfleth E, Szeimies RM, Rompel R, Garbe C, Grabbe S: Brief S2k guidelines – Cutaneous squamous cell carcinoma. J Dtsch Dermatol Ges 2013 Jun;11 Suppl 3:37-45, 39-47. doi: 10.1111/ddg.12015_7.
  2. Patientenleitlinie: Prävention von Hautkrebs; Ratgeber für Patientinnen und Patienten. März 2016. Leitlinienprogramm Onkologie
  3. S3-Leitlinie: Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut. (AWMF-Registernummer: 032 - 022OL), Dezember 2022 Kurzfassung Langfassung