Halsknoten – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Dermoidzyste (angeborene Gewebezyste) – kongenitale (angeborene) Einschlusszyste, meist langsam wachsende, derbe, gut verschiebliche Raumforderung (Gewebevermehrung)
- Halsrippe (zusätzliche Halsrippe) – zusätzliche Rippe der Halswirbelsäule; selten als supraklavikuläre knöcherne Prominenz (Vorwölbung) tastbar, differentialdiagnostisch vor allem bei Thoracic-outlet-Symptomatik (Beschwerden durch Einengung von Nerven oder Gefäßen im Schulter-Hals-Bereich) relevant
- Laterale Halszyste (seitliche Halszyste) – branchiogene Zyste (aus Kiemengangresten entstandene Zyste), typischerweise laterale (seitliche), zervikale (den Hals betreffende), fluktuierende (weich eindrückbare) Raumforderung entlang des Musculus sternocleidomastoideus (seitlicher Halsmuskel)
- Lymphatische Malformation (Fehlbildung der Lymphgefäße)/Hygroma cysticum colli (zystische Lymphgefäßfehlbildung des Halses) – kongenitale lymphatische Gefäßfehlbildung, häufig weiche, zystische (flüssigkeitsgefüllte) Halsraumforderung im Kindesalter
- Mediane Halszyste (mittige Halszyste) – Thyreoglossusgangzyste (Zyste aus Resten des Schilddrüsengangs), meist mittige Halsraumforderung, typischerweise schluck- und zungenbeweglich
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute Pharyngitis (akute Rachenentzündung) – häufige Ursache einer reaktiven zervikalen Lymphadenopathie (Halslymphknotenvergrößerung), meist mit Halsschmerzen und entzündlichem Rachenbefund
- Akute Tonsillitis (akute Mandelentzündung) – häufige Ursache schmerzhafter zervikaler Lymphknotenschwellungen (Halslymphknotenschwellungen), insbesondere submandibulär (unter dem Unterkiefer) und jugulodigastrisch (am Kieferwinkel)
- Infektion der oberen Atemwege (Erkältungsinfekt der oberen Atemwege) – häufigste Ursache reaktiver zervikaler Lymphadenopathie im Kindesalter; die Lymphknoten können nach Infektabheilung wochenlang tastbar bleiben
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- IgG4-assoziierte Erkrankung (IgG4-vermittelte Entzündungserkrankung) – fibroinflammatorische Systemerkrankung (den ganzen Körper betreffende Bindegewebs- und Entzündungserkrankung) mit möglicher Beteiligung von Speicheldrüsen, Lymphknoten und Weichteilen des Halses
- Sarkoidose (entzündliche Knötchenerkrankung) – granulomatöse Systemerkrankung (den ganzen Körper betreffende Erkrankung mit Knötchenbildung) mit zervikaler Lymphadenopathie möglich
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Akute Thyreoiditis (akute Schilddrüsenentzündung) – seltene bakterielle Entzündung der Schilddrüse mit schmerzhafter Schwellung, Fieber und lokalen Entzündungszeichen
- Hashimoto-Thyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung) – autoimmune Schilddrüsenerkrankung (durch das Immunsystem verursachte Schilddrüsenerkrankung) mit diffuser oder knotiger Schilddrüsenvergrößerung möglich
- Noduläre Struma (knotiger Kropf) – knotige Schilddrüsenvergrößerung als häufige Ursache einer vorderen Halsraumforderung
- Parathyreoideaadenom (Nebenschilddrüsenadenom) – Nebenschilddrüsenadenom (gutartiger Tumor der Nebenschilddrüse), selten als zervikale Raumforderung tastbar; klinisch meist durch primären Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse) auffällig
- Schilddrüsenzyste (flüssigkeitsgefüllter Schilddrüsenknoten) – zystische Schilddrüsenläsion (flüssigkeitsgefüllte Schilddrüsenveränderung), meist benigne (gutartig), aber bei suspekten sonographischen Kriterien (auffälligen Ultraschallmerkmalen) weiter abklärungsbedürftig
- Subakute Thyreoiditis de Quervain (schmerzhafte Schilddrüsenentzündung nach Infekt) – schmerzhafte entzündliche Schilddrüsenerkrankung, häufig nach viralem Infekt, mit druckdolenter Schilddrüsenschwellung
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Epidermiszyste (Talgzyste) – langsam wachsende, prallelastische, hautnahe Zyste mit möglicher sekundärer Entzündung
- Furunkel (Haarbalgentzündung)/Karbunkel (mehrere verschmolzene Haarbalgentzündungen) – bakterielle Entzündung eines Haarfollikels beziehungsweise mehrerer Follikel mit schmerzhafter, geröteter, kutaner Raumforderung
- Hautabszess (Eiteransammlung in der Haut) – umschriebene eitrige Entzündung der Haut oder Subkutis (Unterhaut) mit schmerzhafter, fluktuierender Schwellung
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Aneurysma der Arteria carotis (Aussackung der Halsschlagader) – pulsatile (pulsierende) laterale Halsraumforderung; selten, aber wegen Embolie- und Rupturrisiko (Risiko für Gefäßverschluss und Gefäßriss) differentialdiagnostisch relevant
- Arteriovenöse Malformation des Halses (Gefäßfehlbildung zwischen Arterie und Vene am Hals) – vaskuläre Fehlbildung (gefäßbedingte Fehlbildung) mit weicher, komprimierbarer oder pulsatiler Raumforderung
- Jugularvenenthrombose (Blutgerinnsel in der Halsvene) – schmerzhafte zervikale Schwellung entlang der Vena jugularis (Halsvene), insbesondere bei Infektion, zentralvenösem Katheter (Venenkatheter in einer großen Körpervene), Tumorerkrankung oder Thrombophilie (erhöhte Gerinnungsneigung)
- Venöse Malformation des Halses (Fehlbildung der Venen am Hals) – komprimierbare, lageabhängige Raumforderung, häufig seit Kindheit bestehend
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Aktinomykose (Strahlenpilzkrankheit) – chronisch-granulierende bakterielle Infektion, typischerweise mit derber zervikofazialer Infiltration (Einwachsen in Hals- und Gesichtsgewebe) und Fistelbildung (Gangbildung zur Haut) möglich
- Bartonella-henselae-Infektion (Infektion mit dem Erreger Bartonella henselae)/Katzenkratzkrankheit – regionale Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung) nach Katzenkontakt, häufig subakut mit schmerzhafter Lymphknotenschwellung
- Cytomegalievirus-Infektion (Infektion mit dem Cytomegalievirus) – virale Ursache einer zervikalen Lymphadenopathie, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächtem Immunsystem) relevant
- Epstein-Barr-Virus-Infektion (Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus)/infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber) – häufige Ursache zervikaler Lymphadenopathie mit Pharyngitis, Fieber und Splenomegalie (Milzvergrößerung)
- HIV-Infektion (Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus) – akute oder chronische generalisierte Lymphadenopathie (allgemeine Lymphknotenvergrößerung) möglich
- Mykobakterielle Lymphadenitis, nichttuberkulös (Lymphknotenentzündung durch nichttuberkulöse Mykobakterien) – insbesondere bei Kindern chronisch einseitige zervikale Lymphadenitis, teils mit Hautverfärbung und Einschmelzung (Gewebeauflösung)
- Skrofuloderm (Hauttuberkulose mit Lymphknotenbeteiligung) – kutane (die Haut betreffende) beziehungsweise subkutane (die Unterhaut betreffende) Manifestation einer Tuberkulose mit Beteiligung zervikaler Lymphknoten
- Toxoplasmose (Infektion durch Toxoplasma gondii) – häufig subakute zervikale Lymphadenopathie, meist mild, differentialdiagnostisch bei persistierenden Lymphknoten relevant
- Tuberkulöse Lymphadenitis (Lymphknotentuberkulose) – chronische, meist zervikale Lymphknotenschwellung, teils verkäsend (mit käsigem Gewebezerfall), fistelnd oder konfluierend (zusammenfließend)
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Akute Sialadenitis (akute Speicheldrüsenentzündung) – bakterielle Speicheldrüsenentzündung, meist schmerzhafte Schwellung der Glandula parotis (Ohrspeicheldrüse) oder Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse)
- Chronische Sialadenitis (chronische Speicheldrüsenentzündung) – rezidivierende (wiederkehrende) oder persistierende Speicheldrüsenschwellung, häufig bei Gangstenose (Verengung des Ausführungsgangs) oder Sialolithiasis
- Odontogene Infektion (von den Zähnen ausgehende Infektion) – dentogene Entzündung (zahnbedingte Entzündung) mit submandibulärer, submentaler (unter dem Kinn gelegener) oder zervikaler Lymphadenitis beziehungsweise Abszedierung (Eiterbildung) möglich
- Ranula (Mundbodenzyste) – Retentionszyste (Rückhaltezyste) der Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse), bei plunging Ranula (in den Hals reichender Mundbodenzyste) als submandibuläre beziehungsweise laterale Halsraumforderung möglich
- Sialolithiasis (Speichelsteinleiden) – Speichelsteinleiden, typischerweise schmerzhafte, mahlzeitenabhängige Schwellung der betroffenen Speicheldrüse
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Fibromatose (Bindegewebswucherung)/desmoidartiger Tumor (lokal wachsender Bindegewebstumor) – seltene, lokal infiltrative (örtlich einwachsende) Weichteilraumforderung (Raumforderung der Weichteile) des Halses
- Noduläre Fasziitis (knotige Bindegewebsentzündung) – benigne, rasch wachsende fibroblastische Weichteilläsion (Bindegewebsveränderung), die klinisch eine maligne Raumforderung imitieren kann
- Torticollis muscularis congenitus (angeborener muskulärer Schiefhals) – fibrotische Veränderung (narbige Bindegewebsveränderung) des Musculus sternocleidomastoideus im Säuglingsalter mit tastbarer muskulärer Verdickung
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Glomus-caroticum-Tumor (Tumor des Karotiskörperchens)/Karotiskörperparagangliom (Tumor eines Nervengewebskörperchens an der Halsschlagader) – meist langsam wachsende, seitliche Halsraumforderung an der Karotisbifurkation (Aufzweigung der Halsschlagader); typischerweise horizontal besser verschieblich als vertikal
- Halslymphknotenmetastase eines Plattenepithelkarzinoms im Kopf-Hals-Bereich (Absiedlung eines Schleimhautkrebses in Halslymphknoten) – bei Erwachsenen zentrale maligne Differentialdiagnose eines persistierenden Halsknotens
- Halslymphknotenmetastase bei CUP-Syndrom (Halslymphknotenabsiedlung bei unbekanntem Ursprungstumor) – zervikale Metastase (Tochtergeschwulst) ohne initial nachweisbaren Primärtumor (Ursprungstumor), häufig aus dem oberen Aerodigestivtrakt (oberen Luft- und Speiseweg)
- Hauttumormetastase in zervikalen Lymphknoten (Absiedlung eines Hauttumors in Halslymphknoten) – insbesondere bei malignem Melanom (schwarzer Hautkrebs) oder kutanem Plattenepithelkarzinom (Hautform des Plattenepithelkrebses) im Kopf-Hals-Bereich
- Leukämie (Blutkrebs) – generalisierte oder zervikale Lymphadenopathie möglich, häufig mit Blutbildveränderungen und systemischen Symptomen
- Lipom (Fettgewebsgeschwulst) – benigne Fettgewebsneubildung (gutartige Fettgewebsneubildung), meist weich, gut verschieblich und langsam wachsend
- Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) – maligne Erkrankung des lymphatischen Systems; zervikale Lymphadenopathie häufig, B-Symptomatik (Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust) möglich
- Metastase eines extrazervikalen Primärtumors (Absiedlung eines Ursprungstumors außerhalb des Halses) – insbesondere supraklavikulär relevant, beispielsweise bei Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), Mammakarzinom (Brustkrebs) oder gastrointestinalen Tumoren (Tumoren des Magen-Darm-Trakts)
- Nasopharynxkarzinom (Nasenrachenkrebs) – kann sich primär durch zervikale Lymphknotenmetastasen (Tochtergeschwülste in Halslymphknoten) manifestieren
- Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs) – knotige Schilddrüsenläsion oder zervikale Lymphknotenmetastase; besonders suspekt (verdächtig) bei harter, fixierter Raumforderung oder pathologischen Lymphknoten (krankhaft veränderten Lymphknoten)
- Schwannom (Nervenscheidentumor)/Neurofibrom (gutartiger Nerventumor) – benigne Nervenscheidentumoren des Halses, meist langsam wachsend und gut abgrenzbar
- Speicheldrüsentumor (Tumor der Speicheldrüse) – benigne oder maligne Raumforderung der Glandula parotis, Glandula submandibularis oder kleiner Speicheldrüsen; Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung), Schmerz oder rasches Wachstum sprechen für Malignität (Bösartigkeit)
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes) – entzündliche Schwellung retroaurikulär (hinter dem Ohr) beziehungsweise zervikal möglich, vor allem bei komplizierter Otitis media (Mittelohrentzündung)
- Otogene zervikale Lymphadenitis (vom Ohr ausgehende Halslymphknotenentzündung) – reaktive oder bakterielle Lymphknotenschwellung bei Infektionen des äußeren oder mittleren Ohres
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Vagusneurinom (Nervenscheidentumor des Vagusnervs) – Nervenscheidentumor des Nervus vagus (Vagusnerv) mit lateraler Halsraumforderung
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Lymphadenopathie (Lymphknotenvergrößerung) – Lymphknotenvergrößerung als klinischer Befund; ätiologisch (ursächlich) infektiös, reaktiv, autoimmun, medikamentös oder neoplastisch (tumorbedingt) abzuklären
- Reaktive zervikale Lymphadenopathie (reaktive Halslymphknotenvergrößerung) – häufig bei Infektionen der oberen Atemwege, odontogenen Infektionen, Hautinfektionen oder lokalen Entzündungen
Weiteres
- Prominent tastbarer normaler Lymphknoten – insbesondere bei schlanken Patienten oder oberflächlicher Lage; nur nach klinischer Plausibilität und fehlenden Warnzeichen als Normvariante zu werten