Senk-Spreizfuß (Pes transversoplanus) – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
- Verminderung belastungsabhängiger Schmerzen und gegebenenfalls entzündlicher Begleitbeschwerden beim Senk-Spreizfuß (Fußfehlstellung mit abgeflachtem Längsgewölbe und verbreitertem Vorfuß).
- Unterstützung der Gehfähigkeit und der nichtmedikamentösen Behandlung. Arzneimittel korrigieren die Fußfehlstellung nicht und ersetzen weder die mechanische Entlastung noch eine gegebenenfalls erforderliche operative Behandlung [1].
Therapieempfehlungen
- Stellenwert der Pharmakotherapie: Medikamente kommen ausschließlich als zeitlich begrenzte symptomatische Begleitbehandlung bei schmerzhaftem Senk-Spreizfuß infrage. Ein beschwerdefreier Senk-Spreizfuß erfordert keine medikamentöse Behandlung. Die Auswahl richtet sich nach Schmerzursache, entzündlicher Begleitkomponente, Begleiterkrankungen und individuellen Arzneimittelrisiken.
- Behandlung der mechanischen Ursache: Im Vordergrund stehen geeignetes Schuhwerk, eine individuell angepasste Druckentlastung durch Einlagen beziehungsweise Vorfußpolsterung, Belastungsanpassung und gezielte Übungen. Bei fortschreitender Fehlstellung oder anhaltenden Beschwerden ist eine orthopädische beziehungsweise fußchirurgische Beurteilung erforderlich. Siehe auch unter „Weitere Therapie“ [1].
- Evidenzgrundlage: Die Empfehlungen zur analgetischen Begleitbehandlung werden überwiegend aus der Behandlung anderer muskuloskelettaler Schmerzen (Schmerzen des Bewegungsapparates) abgeleitet. Die ACP-/AAFP-Leitlinie betrifft akute Verletzungen des Bewegungsapparates und ist keine spezifische Leitlinie zum Senk-Spreizfuß. Ihre Empfehlungen dürfen daher nicht als Nachweis einer spezifischen Arzneimittelwirkung auf diese Fußfehlstellung verstanden werden [2, LL1].
- Topische nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Bei örtlich begrenzten schmerzhaften beziehungsweise entzündlichen Begleitbeschwerden kann ein zeitlich begrenzter Behandlungsversuch erwogen werden. Voraussetzung sind eine geeignete Schmerzursache, intakte Haut und die Beachtung der präparatespezifischen Zulassung. Die Evidenz für topische NSAR bei akuten muskuloskelettalen Verletzungen ist günstiger als diejenige für eine routinemäßige Opioidbehandlung [2, LL1, FI1].
- Orale NSAR: Bei unzureichender lokaler Behandlung oder ausgeprägteren Beschwerden kann beispielsweise Ibuprofen kurzfristig eingesetzt werden, sofern keine Kontraindikationen bestehen. Es gilt die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest mögliche Dauer. Eine regelmäßige Dauerbehandlung allein wegen der Fußfehlstellung ist nicht vorgesehen [1, LL1, FI2].
- Paracetamol: Kann bei leichten bis mäßig starken Schmerzen als kurzfristige Alternative erwogen werden, insbesondere wenn NSAR ungeeignet sind. Es besitzt keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung und ist beim Senk-Spreizfuß nicht generell als Mittel der ersten Wahl festgelegt [LL1, FI3].
- Starke oder persistierende Schmerzen: Erfordern eine erneute Prüfung der Diagnose und der Entlastung. Eine gesonderte Indikation, beispielsweise eine postoperative Schmerzbehandlung (Schmerzbehandlung nach einer Operation), ist unabhängig von der Diagnose Senk-Spreizfuß zu beurteilen und begründet keine allgemeine Opioidempfehlung für diese Fußfehlstellung.
- Glukokortikoide: Eine systemische Glukokortikoidtherapie ist keine Standardbehandlung der Fußfehlstellung. Lokale Injektionen setzen eine gesicherte, gesondert behandlungsbedürftige Diagnose voraus. Insbesondere ist eine Injektion in die Tibialis-posterior-Sehne (Sehne eines Muskels, der das Fußlängsgewölbe stützt) wegen des Risikos einer Sehnenruptur (Sehnenriss) zu vermeiden [1].
Wirkstoffe (Hauptindikation)
Die folgenden Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen ist eine eigenständige, alters- und gewichtsbezogene Indikationsstellung erforderlich. Die Wirkstoffe dienen der vorübergehenden Beschwerdelinderung; eine Korrektur der Fußfehlstellung ist durch sie nicht zu erwarten.
Topische nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Diclofenac-Natrium, Gel 10 mg/g | Präparatespezifische Zulassung beachten. Nur auf intakte Haut; kein Okklusivverband. Die Dosierung anderer Gelkonzentrationen kann abweichen [FI1]. |
- Wirkweise: Hemmung der Prostaglandinsynthese; analgetische und antiphlogistische Wirkung [FI1].
- Indikationen: Örtlich begrenzte schmerzhafte Begleiterkrankungen innerhalb der jeweiligen Zulassung, beispielsweise Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen (Entzündungen von Sehnen und ihren Gleithüllen) oder degenerative Gelenkerkrankungen (verschleißbedingte Gelenkerkrankungen); keine Behandlung der Fehlstellung selbst [FI1].
- Kontraindikationen: NSAR-Überempfindlichkeit, verletzte oder erkrankte Haut, drittes Schwangerschaftstrimenon; beim aufgeführten Präparat zusätzlich Soja- beziehungsweise Erdnussallergie und Alter unter 14 Jahren [FI1].
- Nebenwirkungen: Hautreizungen, Ekzem (entzündlicher Hautausschlag), Juckreiz; selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen. Bei großflächiger oder längerer Anwendung sind systemische Nebenwirkungen möglich [FI1].
Orale nichtsteroidale Antirheumatika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ibuprofen | Keine Kombination mehrerer oraler NSAR. Gastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken sowie Wechselwirkungen prüfen. Bei Schmerzen länger als 4 Tage ärztliche Neubewertung [FI2]. |
- Wirkweise: Reversible Cyclooxygenasehemmung; analgetisch, antiphlogistisch und antipyretisch [FI2].
- Indikationen: Kurzfristige Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen, gegebenenfalls mit entzündlicher Begleitkomponente [FI2].
- Kontraindikationen: Insbesondere NSAR-Überempfindlichkeit, aktive beziehungsweise rezidivierende peptische Ulzera (bestehende beziehungsweise wiederkehrende Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre) oder Blutungen, frühere NSAR-bedingte gastrointestinale Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt) oder Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand), schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (schwere Funktionsschwäche von Nieren, Leber oder Herz), schwere Dehydratation (ausgeprägter Flüssigkeitsmangel) und drittes Schwangerschaftstrimenon [FI2].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Ulzera (Geschwüre) und Blutungen; Nierenfunktionsverschlechterung, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung), Blutdruckanstieg und kardiovaskuläre Ereignisse; Überempfindlichkeitsreaktionen und selten schwere Hautreaktionen [FI2].
Nichtopioide Analgetika ohne relevante antiphlogistische Wirkung
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Paracetamol | Keine gleichzeitige Anwendung weiterer paracetamolhaltiger Präparate. Bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen und erhöhtem Toxizitätsrisiko individuell anpassen; keine eigenständige Dauerbehandlung [FI3]. |
- Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch; Wirkmechanismus nicht vollständig geklärt, überwiegend zentrale Wirkung. Keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung [FI3].
- Indikationen: Leichte bis mäßig starke Schmerzen; kurzfristige Alternative bei ungeeigneten NSAR [LL1, FI3].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit. Bei Leberinsuffizienz (eingeschränkter Leberfunktion), chronischem Alkoholmissbrauch, Mangelernährung oder Dehydratation strenge Nutzen-Risiko-Abwägung und Dosisanpassung [FI3].
- Nebenwirkungen: Insbesondere Leberschädigung bei Überdosierung; selten Leberenzymanstieg, sehr selten schwere Haut-, Blutbild- oder Überempfindlichkeitsreaktionen [FI3].
Beachte
- Therapiekontrolle: Eine analgetische Begleitbehandlung sollte nur fortgeführt werden, wenn sie einen nachvollziehbaren Nutzen für Schmerz und Funktion zeigt. Fehlendes Ansprechen führt zur Überprüfung von Schmerzursache, Schuhversorgung und Entlastung, nicht zur automatischen Eskalation auf Tramadol oder Morphin.
- Differenzialdiagnosen: Ausgeprägte Schmerzen dürfen nicht allein einer sichtbaren Fußfehlstellung zugeschrieben werden. Unter anderem sind Metatarsalgie (Schmerzen im Bereich der Mittelfußköpfchen), Stressfraktur (Ermüdungsbruch), Plantarplattenläsion (Schädigung der stabilisierenden Gewebeplatte unter einem Zehengrundgelenk), Morton-Neurom (schmerzhafte Verdickung eines Nervs im Vorfuß), Arthrose (Gelenkverschleiß), entzündliche Arthritis (entzündliche Gelenkerkrankung) und eine Funktionsstörung der Tibialis-posterior-Sehne zu berücksichtigen.
- NSAR-Sicherheit: Bei erhöhtem gastrointestinalem Risiko ist bei notwendiger oraler NSAR-Behandlung eine Gastroprotektion zu prüfen. Sie verhindert keine renalen oder kardiovaskulären Nebenwirkungen. Besonders relevant sind Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien sowie die Kombination mit ACE-Hemmern beziehungsweise Angiotensinrezeptorblockern und Diuretika [FI2].
- Schwangerschaft: NSAR im dritten Schwangerschaftstrimenon nicht anwenden. Orales Ibuprofen bereits ab der 20. Schwangerschaftswoche nur bei zwingender Indikation; bei mehrtägiger Anwendung können zusätzliche Kontrollen erforderlich sein [FI1, FI2].
- Paracetamol-Risikogruppen: Die allgemeine Tageshöchstdosis ist kein anzustrebendes Therapieziel. Bei Körpergewicht unter 50 kg, chronischem Alkoholismus (Alkoholabhängigkeit), Dehydratation oder chronischer Unterernährung gelten gemäß der aufgeführten Fachinformation ohne ärztliche Anweisung höchstens 60 mg/kg täglich und maximal 2 g täglich [FI3].
- Zulassungsgrenzen: Die Diagnose Senk-Spreizfuß ist keine eigenständige Zulassung für jedes aufgeführte Schmerzmittel. Maßgeblich sind die tatsächlich behandelte Schmerzursache und die Fachinformation des gewählten Präparats.
Abkürzungen
- AAFP: American Academy of Family Physicians.
- ACE: Angiotensin-Converting Enzyme.
- ACP: American College of Physicians.
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- FI: Fachinformation.
- g: Gramm.
- kg: Kilogramm.
- LL: Leitlinie.
- mg: Milligramm.
- NSAR: Nichtsteroidale Antirheumatika.
- WHO: World Health Organization; Weltgesundheitsorganisation.
Literatur
- American Academy of Orthopaedic Surgeons: Progressive Collapsing Foot Deformity (Flatfoot). OrthoInfo. Fachgesellschaftliche Information zum erworbenen Senkfuß; nicht mit einer spezifischen Leitlinie zum Senk-Spreizfuß gleichzusetzen. Volltext. Zugriff am 8. Oktober 2026.
- Busse JW, Sadeghirad B, Oparin Y et al.: Management of Acute Pain From Non-Low Back, Musculoskeletal Injuries: A Systematic Review and Network Meta-analysis of Randomized Trials. Ann Intern Med. 2020;173(9):730 bis 738. doi:10.7326/M19-3601.
Leitlinien
- Qaseem A, McLean RM, O'Gurek D et al.: Nonpharmacologic and Pharmacologic Management of Acute Pain From Non-Low Back, Musculoskeletal Injuries in Adults: A Clinical Guideline From the American College of Physicians and American Academy of Family Physicians. Ann Intern Med. 2020;173(9):739 bis 748. August 2020. Internationale Leitlinie; keine AWMF-S-Klassifikation und keine spezifische Leitlinie zum Senk-Spreizfuß. doi:10.7326/M19-3602. PubMed [LL1].
Fachinformationen
- ratiopharm GmbH: Diclo-ratiopharm Schmerzgel, 10 mg/g Gel. Stand Januar 2026, Version 6. Fachinformation [FI1].
- ratiopharm GmbH: IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. Fachinformation. Zugriff am 8. Oktober 2026 [FI2].
- ratiopharm GmbH: Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand Dezember 2024, Version 8. Fachinformation [FI3].