Schulterläsionen – Differentialdiagnosen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Adhäsive Kapsulitis (Schultergelenkkapselentzündung mit Schultersteife) (Frozen shoulder, schmerzhafte Schultersteife) – schmerzhafte globale Einschränkung der aktiven und passiven Schulterbeweglichkeit, besonders der Außenrotation (Auswärtsdrehung)
  • Akromioklavikulargelenkarthrose (Verschleiß des Schultereckgelenks) – lokalisierter Schmerz über dem Akromioklavikulargelenk (Schultereckgelenk), typischerweise verstärkt bei horizontaler Adduktion (Heranführen des Arms vor dem Körper)
  • Bizepssehnenläsion (Schädigung der Bizepssehne) der langen Bizepssehne – Tendinopathie (Sehnenerkrankung), Instabilität (mangelnde Stabilität) oder proximale Ruptur (körpernahe Zerreißung); typischerweise ventral betonter Schulterschmerz
  • Cervikale Radikulopathie (Nervenwurzelschädigung an der Halswirbelsäule) – Nacken-Schulter-Arm-Schmerz mit möglichen sensiblen oder motorischen Ausfällen; die passive Schulterbeweglichkeit ist meist erhalten
  • Glenohumerale Arthrose (Verschleiß des Schulterhauptgelenks) – belastungsabhängige Schmerzen mit zunehmender Einschränkung der aktiven und passiven Beweglichkeit
  • Humeruskopfosteonekrose (Absterben von Knochengewebe am Oberarmkopf) – progrediente Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkung; bildgebend von anderen intraartikulären Schultererkrankungen (Erkrankungen innerhalb des Schultergelenks) abzugrenzen
  • Malunion des Tuberculum majus – posttraumatische Fehlheilung mit mechanischer Behinderung, subacromialer Enge (Einengung unter dem Schulterdach) und Funktionsverlust
  • Polymyalgia rheumatica (entzündlich bedingte Muskel- und Gelenkschmerzen des Schulter- und Beckengürtels) – meist bilaterale Schultergürtelschmerzen mit ausgeprägter Morgensteifigkeit bei Patienten über 50 Jahren
  • Pseudarthrose (Falschgelenkbildung) nach proximaler Humerusfraktur (körpernaher Oberarmknochenbruch) – persistierende posttraumatische Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigung bei ausbleibender knöcherner Konsolidierung (Knochenheilung)
  • Rheumatoide Arthritis (chronisch-entzündlicher Gelenkrheumatismus) mit Schulterbeteiligung – entzündlicher Schulterschmerz mit Bewegungseinschränkung; häufig weitere Gelenke betroffen
  • Rotatorenmanschettenruptur (Riss der Sehnenmanschette der Schulter) – schmerzhafte Kraftminderung; bei akuter traumatischer Ruptur gegebenenfalls ausgeprägter Funktionsverlust bis zur Pseudoparalyse (scheinbaren Lähmung)
  • Septische Arthritis (bakterielle Gelenkentzündung) des Schultergelenks – akuter starker Schulterschmerz mit ausgeprägter Bewegungseinschränkung und gegebenenfalls systemischen Entzündungszeichen; Notfall
  • Subacromiales Schmerzsyndrom (Schmerzsyndrom unter dem Schulterdach) (Impingement-Syndrom) – belastungsabhängige Schmerzen insbesondere bei Abduktion (Seitwärtsheben des Arms) und Elevation (Anheben des Arms) bei weitgehend erhaltener passiver glenohumeraler Beweglichkeit
  • Tendinosis calcarea der Schulter (Kalkablagerung in den Schultersehnen) (Kalkschulter) – Kalkeinlagerungen überwiegend in Sehnen der Rotatorenmanschette (Sehnenmanschette der Schulter); phasenweise hochakute Schmerzen möglich

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Neuralgische Amyotrophie (entzündliche Schädigung von Schulter-Arm-Nerven) (Parsonage-Turner-Syndrom) – typischerweise abrupt einsetzende starke Schulter- und Armschmerzen mit nachfolgender fokaler Muskelschwäche und gegebenenfalls Muskelatrophie (Muskelschwund)
  • Supraskapularisneuropathie (Schädigung des Schulterblattnervs) – posterolaterale Schulterschmerzen mit Schwäche der Abduktion bzw. Außenrotation und gegebenenfalls Atrophie des Musculus supra- oder infraspinatus

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Akromioklavikulargelenkdistorsion (Verstauchung des Schultereckgelenks) bzw. Akromioklavikulargelenkluxation (Ausrenkung des Schultereckgelenks) – traumatisch bedingter lokaler Schmerz und gegebenenfalls sichtbare Fehlstellung des Akromioklavikulargelenks
  • Glenoidlabrumläsion (Schädigung der Gelenklippe der Schulter) – insbesondere Bankart- oder SLAP-Läsion nach Trauma bzw. repetitiver Überkopfbelastung; mögliche Instabilitäts-, Schnapp- oder Blockierungsphänomene
  • Mechanische Komplikation durch internes Osteosynthesematerial (eingebrachtes Material zur Knochenstabilisierung) – implantatbedingte Irritation, Impingement, Lockerung oder Migration nach operativer Versorgung einer Schulterverletzung
  • Proximale Humerusfraktur – insbesondere Fraktur des Tuberculum majus; nach Trauma wichtige Ursache akuter Schmerzen, Bewegungseinschränkung und scheinbarer Rotatorenmanschettenschwäche
  • Schulterluxation (Ausrenkung der Schulter) – akute traumatische Fehlstellung mit hochgradiger schmerzhafter Bewegungseinschränkung; begleitende Rotatorenmanschetten-, Labrum- und Nervenläsionen sind möglich