Polymyalgia rheumatica – Labordiagnostik
Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen
- Entzündungsparameter
- Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) [↑; häufig > 40 mm/1 h („Sturzsenkung“); selten normal]
- CRP (C-reaktives Protein) [↑]
- Kleines Blutbild – typische Konstellation bei Polymyalgia rheumatica (entzündlich-rheumatische Erkrankung der Muskulatur im Schulter- und Beckengürtel):
- Hb ↓ (mild-moderat) [normozytäre, normochrome Anämie (Blutarmut)]
- Thrombozyten ↑ [reaktive Thrombozytose (erhöhte Blutplättchenzahl)]
- Leukozyten meist normal (selten leicht erhöht)
- Elektrolyte – Natrium, Kalium, Calcium
- Nüchternglucose bzw. HbA1c – Basisdiagnostik und relevant für Steroidtherapie (Behandlung mit Kortisonpräparaten)
- Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase (AP) [↑ bei bis zu 30 %]
- Nierenparameter – Harnstoff, Kreatinin, ggf. Cystatin C
- Creatinkinase (CK) – nicht erhöht (wichtige Abgrenzung zur Myopathie (Muskelerkrankung)/Myositis (Muskelentzündung))
Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Rheumafaktor (RF) – negativ (positive Befunde sprechen gegen PMR, z. B. für LORA (engl. Late Onset Rheumatoid Arthritis; spät beginnende rheumatoide Arthritis))
- Antikörper gegen citrullinierte Peptide (Anti-CCP) – negativ
- Antinukleäre Antikörper (ANA) – zum Ausschluss von Kollagenosen (Bindegewebserkrankungen)
- Antineutrophile zytoplasmatische Antikörper (ANCA) – bei Verdacht auf Vaskulitiden (Gefäßentzündungen)
- Immunglobuline (IgG, IgM, IgA) – ggf. erhöht bei systemischer Entzündung
- Serumelektrophorese ggf. mit Immunfixation – Ausschluss monoklonaler Gammopathien (Erkrankungen mit krankhaft veränderten Eiweißstoffen im Blut, z. B. multiples Myelom (Knochenmarkkrebs))
- TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) – Ausschluss einer Schilddrüsenerkrankung
- Komplementfaktoren C3, C4 – bei differenzialdiagnostischem Verdacht auf immunologische Systemerkrankungen
- Tumorassoziierte Ursachen – bei atypischem Verlauf, fehlendem Ansprechen auf Glucocorticoide (Kortisonpräparate) oder systemischen „Red Flags“ (Warnzeichen) (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust):
- gezielte Tumormarker (z. B. PSA, CEA, CA 125)
- immer in Kombination mit klinischer Evaluation (ärztlicher Beurteilung) und Bildgebung
Red Flags (Warnzeichen) – laborbezogen
- Stark erhöhte Entzündungsparameter – Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) (Blutsenkung) > 40 mm in der 1. Stunde („Sturzsenkung“) und/oder CRP (C-reaktives Protein) [↑]; gleichzeitige Normalwerte von BSG und CRP sind sehr selten und sollten eine Alternativdiagnose (andere Krankheitsursache) nahelegen.
- Anämie (Blutarmut) im kleinen Blutbild – normochrome, normozytäre Anämie als Zeichen systemischer Entzündung; ausgeprägte Leukozytose (Erhöhung der weißen Blutkörperchen) oder Leukopenie (Verminderung der weißen Blutkörperchen) sind untypisch und erfordern eine differentialdiagnostische Abklärung (Infektion, Knochenmarkbeteiligung, Medikamentennebenwirkung).
- Creatinkinase (CK) nicht erhöht – entspricht dem typischen Muster; eine CK-Erhöhung wäre ein Red Flag in Richtung zusätzlicher Myositis (Muskelerkrankung).
- Persistierende Leberwert-Auffälligkeiten – insbesondere alkalische Phosphatase (AP) [↑] (bis zu 30 % der Fälle); bei deutlichen Transaminasen- (Leberenzymen) oder Gamma-Glutamyl-Transferase-(GGT)-Anstiegen ist an eine Begleiterkrankung oder Medikamententoxizität (Leberschädigung durch Medikamente) zu denken.
- Renale (die Niere betreffende) Auffälligkeiten – Harnstoff oder Kreatinin, ggf. Cystatin C [↑] → Red Flag für Nierenbeteiligung, Vaskulitis (Gefäßentzündung) oder arzneibedingte Nephropathie (Medikamentenschädigung der Niere).
- Pathologische Immunglobuline (IgG, IgM, IgA) – poly- oder monoklonale Veränderungen sprechen für alternative systemische Entzündungen oder Plasmazell- bzw. Lymphomerkrankungen (Lymphknotenkrebs).
- Autoimmunserologie (Nachweis von Autoantikörpern) – ANA-Positivität passt nicht zum typischen Muster und ist Red Flag für Kollagenose (Bindegewebserkrankung); Komplementfaktoren C3, C4 [↓] sprechen für immunkomplexvermittelte Prozesse oder Vaskulitiden (Gefäßentzündungen).
- Paraneoplastische Konstellation (tumorbedingte Begleiterscheinungen) – atypischer Verlauf, fehlendes Ansprechen auf Glucocorticoide (Kortisonpräparate) oder systemische Allgemeinsymptome (Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust) → tumorassoziierte Ursachen bedenken und gezielt (klinisch und bildgebungsgeführt) geeignete Tumormarker (z. B. PSA, CEA, CA 125) bestimmen.
Leitlinien
- S2e-Leitlinie: Behandlung der Polymyalgia rheumatica. (AWMF-Registernummer: 060 - 006), April 2025 Langfassung