Oberarmbruch (Humerusfraktur) – Weitere Therapie

Allgemeine Maßnahmen

  • Ruhigstellung/Immobilisation des betroffenen Arms (Oberarm) in funktioneller Stellung (z. B. Gilchrist-Verband (Schulter-Arm-Verband), Schulterarmbandage (Schulterstütze), Oberarmgips (Gipsverband des Oberarms) oder funktionelle Schiene (bewegungsbegrenzende Schiene)) abhängig von Frakturlokalisation (Bruchstelle) und Stabilität sowie konsequente Hochlagerung zur Ödemreduktion (Abschwellen).
  • Frühzeitige aktive Bewegungsübungen der nicht immobilisierten Gelenke (Finger, Handgelenk, ggf. Ellenbogen bzw. Schulter) zur Vermeidung von Kontrakturen (Bewegungseinschränkungen), sofern keine Kontraindikationen (Gegenanzeigen) bestehen.
  • Regelmäßige klinische Selbstkontrolle auf Warnzeichen wie zunehmende Schmerzen, Schwellung, Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen) oder Kraftverlust mit sofortiger ärztlicher Vorstellung (Arztbesuch) bei Auffälligkeiten.
  • Schmerztherapie (Schmerzbehandlung) stufenweise (nicht-opioide Analgetika (nicht-opioide Schmerzmittel), bei Bedarf kurzzeitig Opioide (starke Schmerzmittel); individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung bei nichtsteroidalen Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel)) sowie lokale Maßnahmen (Kühlung, Hochlagerung).
  • Abklärung prädisponierender Faktoren (begünstigender Faktoren) bei Niedrigenergietrauma (Sturz mit geringer Krafteinwirkung) oder höherem Lebensalter (z. B. Osteoporose-Risikostratifikation (Risikoeinschätzung für Knochenschwund), ggf. weiterführende Diagnostik und Frakturprävention (Vorbeugung weiterer Brüche)).
  • Nikotinrestriktion (Rauchverzicht), da Rauchen mit verzögerter Knochenheilung und erhöhtem Komplikationsrisiko assoziiert ist.
  • Begrenzter Alkoholkonsum (Männer: max. 25 g Alkohol pro Tag; Frauen: max. 12 g Alkohol pro Tag).
  • Überprüfung der Dauermedikation (Dauertherapie mit Medikamenten) im Hinblick auf Blutungsrisiko, Knochenstoffwechsel und Sturzrisiko (z. B. Antikoagulanzien (Blutverdünner), Sedativa (Beruhigungs- oder Schlafmittel)).
  • Vermeidung psychosozialer Belastungen (seelischer und sozialer Belastungen) (Stress, soziale Isolation), da diese den Rehabilitationsverlauf ungünstig beeinflussen können.
  • Reduktion von Umwelt- und Sturzrisiken im häuslichen Umfeld (Wohnumgebung) als Maßnahme der Sekundärprävention (Vorbeugung weiterer Ereignisse).

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Konservative Behandlung (Behandlung ohne Operation) stabiler Humerusfrakturen (Brüche des Oberarmknochens) (z. B. nicht dislozierte proximale oder Schaftfrakturen) mittels funktioneller Ruhigstellung und schrittweiser Mobilisation (Wiederbewegung).
  • Individuell angepasste Immobilisationsdauer (Dauer der Ruhigstellung) unter Berücksichtigung von Frakturtyp (Art des Bruchs), Alter, Knochenqualität und klinischem Verlauf.
  • Funktionelle Nachbehandlung mit frühzeitigem, schmerzadaptiertem Bewegungsaufbau zur Vermeidung von Schultersteife (Bewegungseinschränkung der Schulter).
  • Thromboseprophylaxe (Vorbeugung von Blutgerinnseln) nach individueller Risikokonstellation, insbesondere bei längerer Immobilisation oder zusätzlichen Risikofaktoren.
  • Strukturiertes Schmerz- und Ödemmanagement (Behandlung von Schmerzen und Schwellung) inklusive Anleitung zu Eigenübungen (Übungen zu Hause).

Operative Therapie

  • Operative Stabilisierung (Operation zur Stabilisierung des Bruchs) (z. B. Plattenosteosynthese, Marknagelosteosynthese, Schraubenosteosynthese, bei ausgewählten proximalen Frakturen endoprothetische Versorgung (künstlicher Gelenkersatz)) bei instabilen Frakturen, relevanter Dislokation (Verschiebung), neurovaskulärer Gefährdung (Gefährdung von Nerven oder Gefäßen), offenen Frakturen oder frustraner konservativer Therapie (erfolgreiche Behandlung ohne Operation).
  • Postoperative Frühmobilisation (früher Bewegungsbeginn nach Operation) nach Stabilität der Osteosynthese (operativen Knochenfixierung); intensivere physiotherapeutische Programme indikationsbezogen und abhängig vom Heilungsverlauf.

Medizinische Hilfsmittel

  • Schulterarmbandagen (Schulterstützen) oder funktionelle Oberarmschienen zur Unterstützung in der Remobilisationsphase (Phase der Wiederbewegung).
  • Ergotherapeutische Hilfsmittel (Hilfsmittel der Ergotherapie) zur Alltagsadaptation (Anpassung des Alltags) bei persistierenden Funktionseinschränkungen.

Impfungen

Bei Humerusfraktur (Oberarmbruch) bestehen keine spezifischen Impfempfehlungen über die STIKO-Standardimpfungen hinaus; der Impfstatus sollte im Rahmen der allgemeinmedizinischen Versorgung überprüft werden.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Frühzeitige orthopädisch-unfallchirurgische Verlaufskontrollen (Kontrollen beim Orthopäden/Unfallchirurgen) zur Beurteilung von Frakturstabilität und Heilungsverlauf.
  • Radiologische Verlaufskontrollen (bildgebende Kontrollen, z. B. Röntgen) gemäß Frakturlokalisation und Therapiekonzept.
  • Überwachung auf Komplikationen wie Pseudarthrose (ausbleibende Knochenheilung), sekundäre Dislokation (nachträgliche Verschiebung), Nervenläsionen (Nervenschädigungen) oder Schultersteife.

Ernährungsmedizin

  • Ernährungsberatung auf der Grundlage einer individuellen Ernährungsanalyse.
  • Ausgewogene Mischkost mit ausreichender Proteinzufuhr zur Unterstützung der Knochenheilung und Muskelmasse.
  • Ausreichende Zufuhr von Calcium und Vitamin D im Rahmen der Fraktur- und Osteoporoseprävention (Vorbeugung von Knochenbrüchen).

Sportmedizin

  • Stufenweiser Belastungsaufbau und Rückkehr zu Beruf und Sport abhängig von Frakturheilung, Stabilität und Funktion.
  • Gezieltes Kraft-, Koordinations- und Bewegungstraining der Schulter-Arm-Region nach abgeschlossener Konsolidationsphase (Phase der knöchernen Heilung).

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Frühfunktionelle Übungsbehandlung der angrenzenden Gelenke bereits während der Immobilisation.
  • Nach Freigabe: progressive Mobilisation der Schulter, Kräftigung der Rotatorenmanschette (Schultermuskulatur) und Verbesserung der Propriozeption (Tiefensensibilität).
  • Spezifische Konzepte bei Komplikationen wie Schultersteife oder komplexem regionalem Schmerzsyndrom (chronisches Schmerzsyndrom).

Psychotherapie

  • Bei chronischem Schmerzverlauf, funktioneller Einschränkung oder psychischer Belastung psychotherapeutische Mitbehandlung (psychologische Unterstützung) im Rahmen eines multimodalen Therapiekonzeptes (mehrsäulige Behandlung).

Komplementäre Behandlungsmethoden

  • Komplementäre Verfahren (ergänzende Behandlungsverfahren) können symptomlindernd eingesetzt werden, dürfen jedoch eine leitliniengerechte funktionelle Rehabilitation nicht ersetzen.

Schulungsmaßnahmen

  • Patientenschulung (Anleitung des Patienten) zu Immobilisation, Eigenübungen, Warnzeichen von Komplikationen sowie schrittweisem Belastungsaufbau.

Rehabilitation

  • Bei anhaltenden Funktionseinschränkungen strukturierte Rehabilitationsmaßnahmen (ambulant oder stationär) mit interdisziplinärem Ansatz.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300, E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de