Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Eliminierung der Erreger der bakteriellen Osteomyelitis (Knochen- und Knochenmarkentzündung).
  • Vermeidung von Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung), chronischen Infektionen und bleibenden Funktionsschäden.
  • Erhaltung von Knochenstabilität, Gelenkfunktion und belastbarer Weichteildeckung.
  • Wirksame Schmerzbehandlung bei möglichst geringer Arzneimittelbelastung.

Therapieempfehlungen

  • Interdisziplinäre Behandlung: Die Therapie erfolgt in Zusammenarbeit mit Orthopädie beziehungsweise Unfallchirurgie, Infektiologie und bei Kindern Pädiatrie. Hämatogene (über die Blutbahn entstandene), posttraumatische (nach einer Verletzung entstandene), postoperative (nach einer Operation entstandene), implantatassoziierte und diabetesassoziierte Osteomyelitiden erfordern unterschiedliche Behandlungskonzepte [LL1, LL2, LL3, LL4].
  • Erregernachweis vor Antibiotikagabe: Wenn klinisch vertretbar, zunächst Blutkulturen und geeignete Knochen- beziehungsweise tiefe Gewebeproben gewinnen. Oberflächliche Wundabstriche sind für die gezielte Behandlung einer Knocheninfektion unzureichend. Bei implantatassoziierten Infektionen mehrere getrennte tiefe Proben entnehmen [3, LL1, LL4].
  • Notfallbehandlung: Bei Sepsis (lebensbedrohlicher Organschädigung infolge einer Infektion), septischem Schock (infektionsbedingtem Kreislaufversagen), rascher klinischer Verschlechterung oder neurologischen Ausfällen (Störungen der Nervenfunktion) unverzüglich eine kalkulierte intravenöse Antibiotikatherapie und die erforderliche operative Herdsanierung (Beseitigung des Infektionsherdes durch eine Operation) einleiten. Die Behandlung darf durch die Organisation einer Knochenbiopsie (Entnahme einer Knochenprobe) nicht verzögert werden [LL2, LL3].
  • Herdsanierung: Abszesse (abgekapselte Eiteransammlungen), nekrotisches Knochengewebe (abgestorbenes Knochengewebe), Sequester (abgelöste abgestorbene Knochenstücke) und infiziertes Fremdmaterial können eine Drainage (Ableitung von Eiter oder Flüssigkeit), ein Debridement (Entfernung infizierten oder abgestorbenen Gewebes) oder eine Implantatentfernung beziehungsweise einen Implantatwechsel erforderlich machen. Bei unkomplizierter akuter hämatogener Osteomyelitis im Kindesalter ist dagegen nicht regelhaft eine Operation notwendig [1, 3, LL1, LL2].
  • Gezielte Antibiotikatherapie: Nach Vorliegen belastbarer mikrobiologischer Befunde das Regime an Erreger und Antibiogramm anpassen. Auswahl und Dosierung berücksichtigen Infektionsform, lokale Resistenzlage, Organfunktion, Allergien, Arzneimittelinteraktionen und gegebenenfalls begleitende Bakteriämie (Bakterien im Blut) oder Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut) [3, LL1, LL2, LL3].
  • Symptomatische Therapie: Analgetika nach Schmerzintensität und individuellem Risiko einsetzen. Paracetamol oder gegebenenfalls Ibuprofen kommen bei leichteren Schmerzen infrage; Metamizol bei entsprechender Indikation. Bei stärksten akuten Schmerzen kann vorübergehend ein titrierbares Opioid erforderlich sein. Ein schematisches Durchlaufen sämtlicher WHO-Stufen ist für die akute Knocheninfektion nicht erforderlich [FI9, FI10, FI11, FI12].

Antibiotikaauswahl nach Infektionsform und Erreger

Situation Bevorzugtes Vorgehen Besonderheiten
Akute hämatogene Osteomyelitis bei Kindern Primär Staphylococcus aureus abdecken; bei niedriger lokaler MRSA-Häufigkeit beispielsweise Cefazolin. Bei relevantem MRSA-Risiko Vancomycin oder bei geeigneter Resistenzlage Clindamycin. Bei jüngeren Kindern Kingella kingae berücksichtigen; Vancomycin und Clindamycin decken diesen Erreger nicht zuverlässig ab. Gegebenenfalls ein geeignetes Betalaktamantibiotikum ergänzen [LL2].
Erwachsene mit posttraumatischer oder postoperativer Infektion; Erreger noch unbekannt Nach Probenentnahme ein kalkuliertes Regime gegen grampositive und je nach Risikoprofil gramnegative Erreger wählen; beispielsweise Vancomycin plus Ceftriaxon oder Ampicillin/Sulbactam. Die Kombination richtet sich nach Vorbehandlungen, Kontamination und lokaler Resistenzlage. Ceftriaxon und Ampicillin/Sulbactam erfassen Pseudomonas aeruginosa nicht zuverlässig; bei entsprechendem Risiko ein geeignetes antipseudomonales Regime wählen [3, LL1, FI2, FI4].
Nachgewiesener methicillinsensibler Staphylococcus aureus, MSSA Cefazolin oder ein geeignetes Staphylokokkenpenicillin, beispielsweise Flucloxacillin. Ein wirksames Betalaktamantibiotikum ist bei Verträglichkeit gegenüber Vancomycin zu bevorzugen. Cefuroxim ist keine bevorzugte gezielte Standardtherapie einer MSSA-Osteomyelitis [LL2, LL3, FI1, FI3].
Nachgewiesener methicillinresistenter Staphylococcus aureus, MRSA Vancomycin mit therapeutischem Drug-Monitoring; Alternativen fachärztlich nach Antibiogramm und klinischer Situation auswählen. Linezolid kann eine Reserveoption sein. Clindamycin nur bei nachgewiesener Empfindlichkeit und Ausschluss einer relevanten induzierbaren Resistenz; bei schwerer Bakteriämie nicht als pauschale Alternative verwenden [LL2, LL3, LL5, FI5, FI6, FI8].
Empfindliche Enterobacterales oder Pseudomonas aeruginosa Erregerspezifisches Betalaktamantibiotikum; bei geeigneter Empfindlichkeit und Nutzen-Risiko-Abwägung gegebenenfalls Ciprofloxacin, insbesondere zur oralen Fortsetzung. Ciprofloxacin ist kein universelles Osteomyelitisantibiotikum und keine zuverlässige Monotherapie einer Staphylokokkeninfektion [LL3, FI7].
Staphylokokkeninfektion mit belassenem stabilem Implantat Nach ausreichendem Debridement eine Rifampicin-Kombination im Einzelfall erwägen. Nach der deutschen S2k-Leitlinie 2026 kein genereller Standard. Voraussetzung sind Rifampicinempfindlichkeit, ausreichende Weichteildeckung und fehlende relevante Wundsekretion (Flüssigkeitsaustritt aus der Wunde). Rifampicin niemals als Monotherapie einsetzen [LL1, FI8].
Polymikrobielle beziehungsweise diabetesassoziierte Osteomyelitis Therapie anhand einer Knochenprobe, des Infektionsschweregrades und der Resistenzbefunde auswählen; je nach Befund beispielsweise Ampicillin/Sulbactam. Durchblutung, Druckentlastung und operative Behandlungsbedürftigkeit mitbeurteilen. Eine breite Antibiotikatherapie ersetzt die Behandlung einer relevanten Ischämie (Minderdurchblutung) nicht [LL4, FI2].

Behandlungsdauer und orale Fortsetzung

Die Behandlungsdauer bezeichnet die gesamte wirksame Antibiotikatherapie einschließlich intravenöser und oraler Phasen. Sie wird nicht allein anhand des Lebensalters festgelegt. Eine pauschale zweiwöchige Behandlung der Osteomyelitis bei Kindern ist keine leitliniengerechte Standardempfehlung [1, LL2].

Infektionsform Orientierende Gesamtbehandlungsdauer Voraussetzungen und Einschränkungen
Unkomplizierte akute hämatogene Osteomyelitis bei Kindern, verursacht oder vermutlich verursacht durch Staphylococcus aureus In der Regel 3 bis 4 Wochen. Gutes klinisches Ansprechen und unkomplizierter Verlauf. Bei komplizierter Infektion, besonders virulenten Erregern oder unzureichendem Ansprechen länger und individuell behandeln [LL2].
Ausgewählte pädiatrische Fälle mit raschem Ansprechen Eine randomisierte Studie untersuchte 20 gegenüber 30 Tagen. Die Ergebnisse betreffen überwiegend MSSA-Infektionen mit rascher Besserung und engmaschiger Verlaufskontrolle. Sie begründen keine allgemeine Behandlung über nur 14 Tage [1].
Frakturassoziierte Infektion (Infektion im Zusammenhang mit einem Knochenbruch) nach knöcherner Heilung und vollständiger Implantatentfernung In der Regel 6 Wochen nach Implantatentfernung. Gilt für das kurative Vorgehen mit knöchernem Debridement ohne vorausgegangene Suppressionstherapie (langfristige Unterdrückung der Infektion mit Medikamenten) [LL1].
Frakturassoziierte Infektion mit verbleibendem oder gewechseltem internem Osteosynthesematerial In der Regel 12 Wochen. Eine routinemäßige Verlängerung über 12 Wochen wird nicht empfohlen. Ein erforderliches suppressives Behandlungskonzept ist gesondert zu beurteilen [LL1].
Native bakterielle vertebrale Osteomyelitis beziehungsweise Spondylodiszitis (Entzündung von Wirbelkörpern und Bandscheiben) Für die meisten Fälle 6 Wochen. Parenteral oder mit geeigneten, hoch bioverfügbaren oralen Antibiotika. Besondere Erreger und komplizierte Verläufe können abweichende Regime erfordern [LL3].
Diabetesassoziierte Osteomyelitis des Fußes ohne Knochenresektion (operative Entfernung von Knochen) oder Amputation (operative Abtrennung eines Körperteils) In der Regel 6 Wochen. Erregerspezifische Behandlung; chirurgisches und gefäßmedizinisches Vorgehen berücksichtigen [LL4].
Diabetesassoziierte Osteomyelitis nach kleiner Amputation mit positivem Knochenrandbefund Bis zu 3 Wochen. Bei vollständig reseziertem infiziertem Knochen ohne verbleibende Knochen- oder Weichteilinfektion kann eine deutlich kürzere postoperative Behandlung von 2 bis 5 Tagen ausreichen [LL4].
  • Frühe orale Fortsetzung: Bei klinischer Stabilität, ausreichender Herdkontrolle, geeignetem oralem Wirkstoff, gesicherter Resorption und zuverlässiger Einnahme ist eine frühe Umstellung möglich. Die OVIVA-Studie belegt für ausgewählte Erwachsene mit Knochen- und Gelenkinfektionen die Nichtunterlegenheit einer fachärztlich ausgewählten oralen Behandlung während der ersten sechs Behandlungswochen [2].
  • Pädiatrische Besonderheiten: Auch bei Kindern ist nach gutem Ansprechen häufig eine frühe orale Fortsetzung möglich. Eine Studie von 2024 unterstützt bei sorgfältig ausgewählten unkomplizierten Knochen- und Gelenkinfektionen sogar einen primär oralen Beginn; schwere Infektionen und mehrere Risikokonstellationen waren ausgeschlossen. Daraus folgt keine generelle Empfehlung zur primär ambulanten Behandlung [4, LL2].
  • Therapieabschluss: Klinischer Verlauf, Entzündungsparameter, Herdkontrolle und erforderliche Mindestbehandlungsdauer gemeinsam beurteilen. Eine CRP-Normalisierung allein rechtfertigt keinen vorzeitigen Therapieabbruch [1, LL2, LL3].

Unzureichendes Ansprechen und Antibiotikaversagen

  • Frühzeitige Neubewertung: Bei fehlender Besserung oder Verschlechterung trotz Behandlung Diagnose, Erregerempfindlichkeit, Dosierung, Einnahme, Resorption und gegebenenfalls Wirkstoffexposition überprüfen [3, LL2, LL3].
  • Persistierenden Infektionsherd suchen: Nicht drainierte Abszesse, Sequester, instabile oder infizierte Implantate, unzureichende Weichteildeckung und Durchblutungsstörungen können ein scheinbares Antibiotikaversagen erklären. In diesen Fällen reicht ein bloßer Antibiotikawechsel häufig nicht aus [3, LL1, LL4].
  • Erneute mikrobiologische Diagnostik: Bei anhaltender Bakteriämie, Rezidiv oder begründetem Verdacht auf Therapieversagen erneut geeignete Kulturen beziehungsweise tiefe Proben gewinnen und infektiologische sowie operative Mitbeurteilung veranlassen [3, LL3].
  • Bildgebung richtig einordnen: Persistierende knöcherne Veränderungen allein beweisen bei klinischer Besserung kein Therapieversagen. Insbesondere bei vertebraler Osteomyelitis keine routinemäßige Kontroll-MRT ausschließlich zur Bestätigung der Heilung durchführen [LL3].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Antibiotikadosierungen sind orientierende Regime für Erwachsene mit normaler Organfunktion, soweit nicht ausdrücklich eine Kinderdosierung angegeben ist. Die konkrete Verordnung richtet sich nach Infektionsschwere, Erreger, Körpergewicht, Organfunktion und verwendeter Fachinformation. Reservebehandlungen und Anwendungen außerhalb der Zulassung erfordern eine individuelle fachärztliche Begründung.

Penicilline und Aminopenicilline mit Betalaktamase-Inhibitor

Wirkstoff Besonderheiten
Flucloxacillin Gezielt bei MSSA. Leberwerte kontrollieren. Die Fachinformation von Fluclox Stragen warnt vor einer Anwendung über mehr als 2 Wochen; bei längerem Behandlungsbedarf Präparatewahl beziehungsweise Alternative prüfen [FI1].
Ampicillin/Sulbactam Für geeignete polymikrobielle Infektionen; keine zuverlässige Wirkung gegen MRSA, Pseudomonas aeruginosa oder Enterococcus faecium. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) [FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese; Sulbactam hemmt bestimmte Betalaktamasen.
  • Indikationen: Flucloxacillin bei empfindlichen Staphylokokken; Ampicillin/Sulbactam bei geeigneten empfindlichen Mischinfektionen [FI1, FI2].
  • Kontraindikationen: Relevante Betalaktamüberempfindlichkeit; Flucloxacillin zusätzlich bei früherer flucloxacillinbedingter Leberschädigung [FI1, FI2].
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Diarrhoe (Durchfall), antibiotikaassoziierte Kolitis (durch Antibiotika begünstigte Dickdarmentzündung), Blutbildveränderungen; Flucloxacillin insbesondere cholestatische Leberschädigung (Leberschädigung mit gestörtem Galleabfluss) [FI1, FI2].

Cephalosporine

Wirkstoff Besonderheiten
Cefazolin Bevorzugte Option bei MSSA; keine MRSA-Wirkung. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz [LL2, LL3, FI3].
Ceftriaxon Geeignete empfindliche gramnegative Erreger und Kingella kingae; keine Wirkung gegen MRSA, Enterokokken oder Pseudomonas aeruginosa. Bei MSSA sind Cefazolin oder Staphylokokkenpenicilline bevorzugte gezielte Optionen [LL2, FI4].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der Zellwandsynthese.
  • Indikationen: Knocheninfektionen durch empfindliche Erreger; die Spektren von Cefazolin und Ceftriaxon sind nicht austauschbar [FI3, FI4].
  • Kontraindikationen: Cephalosporinüberempfindlichkeit beziehungsweise bestimmte schwere Betalaktamreaktionen; bei Ceftriaxon zusätzliche neonatale Gegenanzeigen und Vorgaben zur gleichzeitigen Calciumgabe beachten [FI3, FI4].
  • Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen, Diarrhoe, Kolitis, Blutbildveränderungen; Ceftriaxon zusätzlich biliäre Ausfällungen (Ablagerungen in der Gallenflüssigkeit), Cefazolin bei Kumulation neurologische Nebenwirkungen [FI3, FI4].

Glykopeptide

Wirkstoff Besonderheiten
Vancomycin Bei schweren MRSA-Infektionen bevorzugt AUC-gesteuertes Monitoring; Ziel-AUC über 24 Stunden 400 bis 600 mg·h/l bei angenommener MHK von 1 mg/l. Oral gegebenes Vancomycin ist für die systemische Osteomyelitistherapie ungeeignet [LL5, FI5].
  • Wirkweise: Hemmung der Zellwandsynthese grampositiver Bakterien.
  • Indikationen: Insbesondere MRSA oder andere geeignete resistente grampositive Erreger [FI5].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; bei Nierenfunktionsstörungen individuelle Dosierung und engmaschige Überwachung erforderlich [FI5].
  • Nebenwirkungen: Nephrotoxizität (Nierenschädigung), infusionsbedingte Reaktionen, selten Ototoxizität (Schädigung des Gehörs oder Gleichgewichtsorgans) und Blutbildveränderungen [FI5].

Lincosamide

Wirkstoff Besonderheiten
Clindamycin Nur bei empfindlichen Erregern; gegebenenfalls D-Test auf induzierbare Resistenz. Gute orale Bioverfügbarkeit. Keine zuverlässige Wirkung gegen aerobe gramnegative Erreger oder Kingella kingae [LL2, FI6].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese.
  • Indikationen: Empfindliche Staphylokokken, Streptokokken und bestimmte Anaerobier; gegebenenfalls orale Fortsetzung [FI6].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Clindamycin oder Lincomycin; besondere Vorsicht bei früherer antibiotikaassoziierter Kolitis [FI6].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Clostridioides-difficile-assoziierte Diarrhoe beziehungsweise Kolitis, zusätzlich Exanthem (Hautausschlag) und Leberwertveränderungen [FI6].

Fluorchinolone

Wirkstoff Besonderheiten
Ciprofloxacin Gezielte Behandlung empfindlicher gramnegativer Erreger. Mehrwert und potenziell dauerhafte Nebenwirkungen abwägen. Bei Kindern nur in begründeten spezialisierten Behandlungssituationen; Wechselwirkungen mit mehrwertigen Kationen beachten [FI7].
  • Wirkweise: Hemmung bakterieller DNA-Gyrase und Topoisomerase IV.
  • Indikationen: Geeignete empfindliche gramnegative Knocheninfektionen, einschließlich ausgewählter Pseudomonas-Infektionen [FI7].
  • Kontraindikationen: Chinolonüberempfindlichkeit und gleichzeitige Anwendung von Tizanidin; bei früheren schwerwiegenden chinolonbedingten Nebenwirkungen vermeiden [FI7].
  • Nebenwirkungen: Tendinitis (Sehnenentzündung) und Sehnenruptur (Sehnenriss), periphere Neuropathie (Schädigung der Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark), neuropsychiatrische Beschwerden, Dysglykämien (Störungen des Blutzuckerspiegels) und QT-Verlängerung; Risiken für Aortenaneurysma (Aussackung der Hauptschlagader) beziehungsweise Aortendissektion (Einriss in der Wand der Hauptschlagader) beachten [FI7].

Oxazolidinone

Wirkstoff Besonderheiten
Linezolid Reserveoption bei geeigneten resistenten grampositiven Erregern; Osteomyelitis ist keine eigenständige zugelassene Indikation der zitierten Fachinformation. Wöchentliches Blutbild; eine Behandlung über 28 Tage überschreitet die dort empfohlene maximale Behandlungsdauer [LL3, FI8].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit.
  • Indikationen: Fachärztlich begründete Reservebehandlung empfindlicher grampositiver Erreger; keine gramnegative Abdeckung [LL3, FI8].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, bestimmte MAO-Hemmer und weitere kontraindizierte Kombinationen gemäß Fachinformation; serotonerge Begleitmedikation sorgfältig prüfen [FI8].
  • Nebenwirkungen: Myelosuppression (verminderte Blutbildung im Knochenmark), insbesondere Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen); bei längerer Behandlung periphere oder optische Neuropathie (Schädigung des Sehnervs), Laktatazidose (Übersäuerung durch Milchsäure) und Serotoninsyndrom (gefährliche Überaktivierung des Serotoninsystems) [FI8].

Rifamycine

Wirkstoff Besonderheiten
Rifampicin Kein routinemäßiger Zusatz bei jeder Osteomyelitis. Rasche Resistenzentwicklung bei Monotherapie. Zahlreiche Interaktionen durch Enzyminduktion, unter anderem mit Antikoagulanzien und hormonellen Kontrazeptiva [3, LL1, FI13].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen RNA-Polymerase.
  • Indikationen: Ausgewählte Rifampicin-empfindliche Staphylokokkeninfektionen mit belassenem Implantat; Entscheidung nach Herdsanierung und individueller Nutzen-Risiko-Abwägung [LL1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit, bestimmte schwere Lebererkrankungen und kontraindizierte Begleitmedikationen gemäß Fachinformation [FI13].
  • Nebenwirkungen: Hepatotoxizität (Leberschädigung), gastrointestinale Beschwerden, Überempfindlichkeitsreaktionen und Blutbildveränderungen; orange-rötliche Verfärbung von Körperflüssigkeiten [FI13].

Nichtopioidanalgetika: Paracetamol und Metamizol

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Analgetisch und antipyretisch, nicht antiphlogistisch. Bei niedrigem Körpergewicht, Lebererkrankung, Mangelernährung oder relevantem Alkoholkonsum geringere Tageshöchstdosis; zusätzliche paracetamolhaltige Präparate berücksichtigen [FI9].
Metamizol Bei starken Schmerzen und entsprechender Indikation. Keine pauschale orale Einzeldosis von 2,5 g. Agranulozytose (starker Mangel bestimmter weißer Blutkörperchen) kann unabhängig von der Dosis auftreten; Antibiotika können Warnsymptome abschwächen [FI10].
  • Wirkweise: Analgetisch und antipyretisch; die Wirkmechanismen sind nicht vollständig geklärt.
  • Indikationen: Symptomatische Schmerzbehandlung; Metamizol nur innerhalb seiner zugelassenen Indikationen [FI9, FI10].
  • Kontraindikationen: Paracetamol bei Überempfindlichkeit und gemäß präparatspezifischen Vorgaben bei schweren Leberfunktionsstörungen; Metamizol unter anderem bei früherer metamizolbedingter Agranulozytose, Knochenmarkfunktionsstörungen und im dritten Schwangerschaftstrimenon [FI9, FI10].
  • Nebenwirkungen: Paracetamol insbesondere dosisabhängige Hepatotoxizität bei Überdosierung; Metamizol Agranulozytose, Anaphylaxie (schwere allergische Allgemeinreaktion) und Hypotonie (niedriger Blutdruck). Bei Fieber, Halsschmerzen oder schmerzhaften Schleimhautläsionen (Schleimhautverletzungen) unter Metamizol sofort absetzen und unverzüglich ein Differenzialblutbild veranlassen [FI9, FI10].

Nichtsteroidale Antirheumatika

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Niedrigste wirksame Dosis möglichst kurz einsetzen. Bei Dehydratation (Flüssigkeitsmangel), akuter Nierenschädigung oder relevanter Blutungsgefährdung vermeiden. Acetylsalicylsäure ist keine bevorzugte Schmerztherapie; bei Kindern mit fieberhaften Erkrankungen wegen des Reye-Syndrom-Risikos (Risikos einer seltenen schweren Schädigung von Gehirn und Leber) vermeiden [FI11].
  • Wirkweise: Cyclooxygenasehemmung; analgetisch, antipyretisch und antiphlogistisch.
  • Indikationen: Kurzfristige ergänzende Schmerzbehandlung bei geeignetem Risikoprofil; keine Behandlung der Infektionsursache [FI11].
  • Kontraindikationen: Aktive oder wiederholte gastrointestinale Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) beziehungsweise Blutungen, schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (eingeschränkte Leistungsfähigkeit von Nieren, Leber oder Herz), relevante NSAR-Überempfindlichkeit und drittes Schwangerschaftstrimenon [FI11].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Blutung, Nierenschädigung, Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitseinlagerung) und kardiovaskuläre Ereignisse; Infektionssymptome können maskiert werden [FI11].

Opioidanalgetika

Wirkstoff Besonderheiten
Morphin Nur bei starken bis stärksten akuten Schmerzen; täglich Bedarf prüfen und früh reduzieren. Bei Niereninsuffizienz Gefahr der Metabolitenkumulation. Retardpräparate sind für die initiale rasche Titration ungeeignet [FI12].
  • Wirkweise: Aktivierung vorwiegend von μ-Opioidrezeptoren.
  • Indikationen: Kurzfristige Behandlung starker akuter Schmerzen, wenn eine ausreichende Analgesie anders nicht erreicht wird [FI12].
  • Kontraindikationen: Atemdepression (gefährliche Abschwächung der Atmung), Ileus (Darmverschluss) und weitere Gegenanzeigen gemäß Fachinformation; besondere Vorsicht mit sedierenden Begleitmedikamenten [FI12].
  • Nebenwirkungen: Atemdepression, Sedierung, Übelkeit, Obstipation (Verstopfung), Harnverhalt (Unfähigkeit zur Blasenentleerung) sowie Abhängigkeitsentwicklung. Bei längerem Bedarf Obstipationsprophylaxe berücksichtigen [FI12].

Beachte

  • Arzneimittelüberwachung: Während längerer Antibiotikatherapie Blutbild, Nierenfunktion und Leberwerte regelmäßig, häufig mindestens wöchentlich, kontrollieren; Umfang und Häufigkeit an Wirkstoff und Risikoprofil anpassen. Vancomycin erfordert zusätzlich ein therapeutisches Drug-Monitoring [3, LL5, FI5, FI8].
  • Rifampicin ist kein pauschales Osteomyelitisantibiotikum: Eine angenommene intrazelluläre Aktivität einzelner Wirkstoffe allein begründet keine klinische Rangfolge. Entscheidend bleiben Erregerempfindlichkeit, ausreichende Exposition, Herdsanierung und gegebenenfalls Implantatstrategie [3, LL1].
  • Suppression ist von Heilbehandlung zu unterscheiden: Wenn infiziertes Osteosynthesematerial vorübergehend nicht entfernt werden kann, kommt in ausgewählten Fällen eine längerfristige suppressive Antibiotikatherapie infrage. Nach der deutschen Leitlinie kann diese bis zur möglichen Implantatentfernung erforderlich sein und anschließend noch 2 Wochen fortgesetzt werden. Dieses Sonderkonzept darf nicht mit der regulären sechswöchigen Behandlung nach primärer Implantatentfernung verwechselt werden [LL1].
  • Spezielle Erreger: Tuberkulöse (durch Tuberkulosebakterien verursachte), nichttuberkulös-mykobakterielle, brucellöse (durch Brucella-Bakterien verursachte) und mykotische (durch Pilze verursachte) Knocheninfektionen benötigen eigene Regime und häufig deutlich längere Behandlungszeiten [LL3].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AUC: Area under the curve; Maß für die gesamte Wirkstoffexposition im Blut über einen bestimmten Zeitraum.
  • CRP: C-reaktives Protein.
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure.
  • DHA: Docosahexaensäure.
  • EPA: Eicosapentaensäure.
  • FI: Fachinformation.
  • i.v.: intravenös.
  • KG: Körpergewicht.
  • LL: Leitlinie.
  • MAO: Monoaminoxidase.
  • MHK: minimale Hemmkonzentration.
  • MRSA: methicillinresistenter Staphylococcus aureus.
  • MSSA: methicillinsensibler Staphylococcus aureus.
  • MRT: Magnetresonanztomographie.
  • NSAR: nichtsteroidale Antirheumatika.
  • OVIVA: Oral Versus Intravenous Antibiotics; Name einer klinischen Studie.
  • p.o.: per os; Einnahme über den Mund.
  • QT: Abschnitt im Elektrokardiogramm zur Beurteilung der elektrischen Erregungsdauer der Herzkammern.
  • RNA: Ribonukleinsäure.
  • WHO: World Health Organization; Weltgesundheitsorganisation.
  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
  • ASHP: American Society of Health-System Pharmacists.
  • IDSA: Infectious Diseases Society of America.
  • IWGDF: International Working Group on the Diabetic Foot.
  • PIDS: Pediatric Infectious Diseases Society.
  • SIDP: Society of Infectious Diseases Pharmacists.

Literatur

  1. Peltola H et al.: Short- versus long-term antimicrobial treatment for acute hematogenous osteomyelitis of childhood: prospective, randomized trial on 131 culture-positive cases. Pediatr Infect Dis J. 2010;29(12):1123 bis 1128. doi: 10.1097/INF.0b013e3181f55a89.
  2. Li HK et al.: Oral versus Intravenous Antibiotics for Bone and Joint Infection. N Engl J Med. 2019;380:425 bis 436. doi: 10.1056/NEJMoa1710926.
  3. Depypere M et al.: Recommendations for Systemic Antimicrobial Therapy in Fracture-Related Infection: A Consensus From an International Expert Group. J Orthop Trauma. 2020;34(1):30 bis 41. doi: 10.1097/BOT.0000000000001626.
  4. Nielsen AB et al.: Oral versus intravenous empirical antibiotics in children and adolescents with uncomplicated bone and joint infections: a nationwide, randomised, controlled, non-inferiority trial in Denmark. Lancet Child Adolesc Health. 2024;8(9):625 bis 635. doi: 10.1016/S2352-4642(24)00133-0.

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Frakturassoziierte Infektion nach Osteosynthese. (AWMF-Registernummer: 187-047). Version 1.0, Stand Februar 2026, veröffentlicht April 2026. Langfassung [LL1].
  2. PIDS/IDSA-Leitlinie: Diagnosis and Management of Acute Hematogenous Osteomyelitis in Pediatrics. August 2021. Leitlinienseite und Langfassung. doi: 10.1093/jpids/piab027 [LL2].
  3. IDSA-Leitlinie: Diagnosis and Treatment of Native Vertebral Osteomyelitis in Adults. Juli 2015. Leitlinienseite und Langfassung. doi: 10.1093/cid/civ482 [LL3].
  4. IWGDF/IDSA-Leitlinie: Diagnosis and Treatment of Diabetes-related Foot Infections. September 2023. Leitlinienseite und Langfassung. doi: 10.1093/cid/ciad527 [LL4].
  5. ASHP/IDSA/PIDS/SIDP-Konsensusleitlinie: Therapeutic Monitoring of Vancomycin for Serious Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus Infections. März 2020. Leitlinienseite und Langfassung. doi: 10.1093/ajhp/zxaa036 [LL5].

Fachinformationen

  1. Fluclox Stragen 1 g/2 g; Flucloxacillin. Fachinformation [FI1].
  2. Unacid 2.000 mg/1.000 mg; Ampicillin/Sulbactam. Fachinformation [FI2].
  3. Cefazolin-MIP Pharma 2000 mg. Fachinformation [FI3].
  4. Ceftriaxon-saar zur Infusion 1 g/2 g. Fachinformation [FI4].
  5. Vanco-saar 500 mg/1 g; Vancomycin. Fachinformation [FI5].
  6. Clindamycin-ratiopharm 600 mg Filmtabletten; ergänzend Sobelin Solubile 600 für die parenterale Anwendung. Orale Fachinformation; Parenterale Fachinformation [FI6].
  7. Ciprofloxacin-ratiopharm 250/500/750 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI7].
  8. Linezolid-ratiopharm 600 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI8].
  9. Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Fachinformation [FI9].
  10. Novalgin Filmtabletten; Metamizol. Fachinformation [FI10].
  11. EUDORLIN Extra Ibuprofen-Schmerztabletten 400 mg. Fachinformation [FI11].
  12. Morphin-ratiopharm 10 mg/ml Injektionslösung. Herstellerseite mit Fachinformation [FI12].
  13. EREMFAT 600 mg; Rifampicin. Fachinformation [FI13].