Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Septische Lungenembolien (infektionsbedingte Verschlüsse von Blutgefäßen in der Lunge) – seltene, aber schwere Komplikation (Folgeerkrankung) bei hämatogener Osteomyelitis (Knochenentzündung über den Blutweg), insbesondere bei Staphylococcus-aureus-Infektion, persistierender Bakteriämie (anhaltende Bakterien im Blut) oder septischer Thrombophlebitis (infektionsbedingte Venenentzündung mit Blutgerinnsel); klinisch relevant vor allem bei Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz), Hämoptysen (Bluthusten) oder respiratorischer Verschlechterung [2, 5, LL 2]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Septische Thrombophlebitis – kann bei akuter hämatogener Osteomyelitis, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen mit schwerem Verlauf, mitbedingt sein und das Risiko für persistierende Bakteriämie und septische Lungenembolien erhöhen [2, 5, LL 2]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakteriämie – häufige systemische Begleit- beziehungsweise Folgekonstellation der akuten hämatogenen Osteomyelitis; besonders relevant bei Staphylococcus aureus, verzögerter Fokussanierung (Beseitigung des Infektionsherdes), multiplen Infektionsherden (mehreren Entzündungsherden) oder persistierend erhöhten Entzündungsparametern [2, 5, LL 2, LL 3]
  • Sepsis (Blutvergiftung) – kann insbesondere bei akuter hämatogener Osteomyelitis, diabetesassoziierter Fußosteomyelitis (diabetesbedingter Knochenentzündung am Fuß), immunsupprimierten Patienten (Patienten mit geschwächtem Abwehrsystem), verzögerter Diagnostik (Untersuchung zur Feststellung einer Erkrankung) oder unzureichender chirurgischer/antiinfektiver Sanierung (operativer/infektionshemmender Behandlung des Infektionsherdes) auftreten [2, 5, LL 2, LL 3]
  • Septische Arthritis (infektionsbedingte Gelenkentzündung) – kann durch Ausbreitung der Infektion in ein benachbartes Gelenk entstehen; besonders relevant bei metaphysennaher Osteomyelitis (Knochenentzündung nahe der Wachstumszone) im Kindesalter, Hüft-/Schulterbeteiligung und intraartikulärer Ausbreitung (Ausbreitung in das Gelenk) [2, 5, LL 2]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Abszessbildung (Eiteransammlung) – intraossäre, subperiostale oder Weichteilabszesse (Eiteransammlungen im Knochen, unter der Knochenhaut oder im Weichteilgewebe) können den Verlauf komplizieren und sind prognostisch relevant, weil sie häufig eine chirurgische Fokussanierung erforderlich machen [2, 5, LL 2]
  • Chronische Osteomyelitis – kann aus einer akuten Osteomyelitis hervorgehen, insbesondere bei Sequesterbildung (Bildung abgestorbener Knochenanteile), inadäquater Fokussanierung, Fremdmaterial, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Beinschlagadern) oder immunsuppressiver Situation (geschwächter Abwehrlage) [1, 2, 5, LL 2, LL 3]
  • Fistel-/Sinusbildung (Gangbildung) – typische Komplikation der chronischen Osteomyelitis mit intermittierender Sekretion (zeitweiser Absonderung), Keimpersistenz (Fortbestehen von Krankheitserregern) und erhöhtem Risiko für Rezidive (Rückfälle); bei langjährigem Verlauf zusätzlich onkologisch relevant wegen möglicher maligner Transformation (bösartiger Entartung) [1, 3]
  • Knochendestruktion (Knochenzerstörung) – kann durch Nekrose (Gewebeuntergang), Sequesterbildung, kortikale Zerstörung (Zerstörung der Knochenrinde) und chronische Entzündung entstehen; klinische Folgen sind Instabilität, Deformierung (Verformung), Funktionsverlust und erhöhtes Frakturrisiko (Knochenbruchrisiko) [1, 2, 5, LL 2]
  • Osteonekrose/Sequesterbildung (Knochengewebsuntergang/Bildung abgestorbener Knochenanteile) – zentrale strukturelle Komplikation der chronischen Osteomyelitis; nekrotischer Knochen (abgestorbener Knochen) begünstigt Erregerpersistenz (Fortbestehen von Krankheitserregern), Rezidive und therapeutisches Versagen [1]
  • Pathologische Fraktur (krankheitsbedingter Knochenbruch) – seltene, aber schwere Komplikation, insbesondere bei Kindern mit akuter hämatogener Osteomyelitis langer Röhrenknochen sowie bei chronischer Osteomyelitis mit ausgeprägter Knochendestruktion [2, 4, 5, LL 2]
  • Pseudarthrose/verzögerte Frakturheilung (Falschgelenkbildung/verzögerte Knochenbruchheilung) – relevante Folge bei frakturassoziierter Infektion (knochenbruchbezogener Infektion) beziehungsweise posttraumatischer Osteomyelitis (Knochenentzündung nach Verletzung); das Risiko steigt bei ausgedehntem Knochendefekt, instabiler Osteosynthese (operativer Knochenstabilisierung), Biofilm (Schutzschicht von Bakterien), Weichteilschaden und unzureichender Infektkontrolle (Kontrolle der Infektion) [6, LL 1]
  • Rezidivierende Osteomyelitis (wiederkehrende Knochenentzündung) – kann trotz Therapie auftreten, insbesondere bei chronischer Osteomyelitis, Sequester, verbleibendem Fremdmaterial, Biofilm, schlechter Weichteildeckung, Diabetes mellitus, peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder unvollständigem Debridement (Wundreinigung) [1, 6, LL 1, LL 3]
  • Wachstumsstörung/Beinlängendifferenz (Störung des Knochenwachstums/unterschiedliche Beinlänge) – seltene, aber klinisch relevante Spätfolge bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere bei metaphysennaher Osteomyelitis, Epiphysenfugenbeteiligung (Beteiligung der Wachstumsfuge) oder kompliziertem Verlauf [5, LL 2]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Plattenepithelkarzinom in chronischer Osteomyelitisfistel/Marjolin-Ulkus (Hautkrebs in einer chronischen Knochenentzündungsfistel/bösartige Entartung einer chronischen Wunde) – seltene, späte maligne Transformation bei langjähriger chronischer Osteomyelitis mit chronischem Sinus/Fistelgang (chronischem Gang zur Hautoberfläche); die Evidenz beruht überwiegend auf systematischen Auswertungen von Fallserien und Fallberichten [3]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Epiduralabszess bei vertebraler Osteomyelitis/Spondylodiszitis (Eiteransammlung im Wirbelkanal bei Wirbelknochenentzündung/Entzündung von Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörpern) – schwere Komplikation mit Risiko für neurologische Ausfälle (Ausfälle des Nervensystems), Myelopathie (Rückenmarkschädigung), Radikulopathie (Nervenwurzelschädigung) und Querschnittssyndrom (Lähmung unterhalb einer Rückenmarkschädigung); dringlich abzuklären bei Rückenschmerz, Fieber, Bakteriämie, neurologischem Defizit (Ausfallerscheinung des Nervensystems) oder Blasen-/Mastdarmstörung [LL 4]
  • Neurologische Ausfälle bei vertebraler Osteomyelitis/Spondylodiszitis – können durch epidurale Ausbreitung (Ausbreitung in den Raum um die harte Rückenmarkshaut), Abszess, Wirbelkörperdestruktion (Zerstörung des Wirbelkörpers) oder spinale Instabilität (Instabilität der Wirbelsäule) mitbedingt sein [LL 4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronische Schmerzen (anhaltende Schmerzen) – können nach chronischer Osteomyelitis, Knochendestruktion, wiederholten Operationen, Narbenbildung, Instabilität oder verbleibendem Defekt persistieren [1]
  • Funktionseinschränkung/Mobilitätsverlust (eingeschränkte Funktion/Verlust der Beweglichkeit) – kann durch Knochendestruktion, Gelenkbeteiligung, pathologische Fraktur, Pseudarthrose, Schmerzen, Weichteildefekte oder Amputation (Abtrennung eines Körperteils) mitbedingt sein [1, 5, 6, LL 2]

Weiteres

  • Amputation – mögliche Ultima-Ratio-Folge (letzte Behandlungsmöglichkeit) bei ausgedehnter chronischer Osteomyelitis, diabetesassoziierter Fußosteomyelitis, nicht rekonstruierbarer Ischämie (nicht wiederherstellbarer Durchblutungsmangel), therapierefraktärer Infektion (nicht ausreichend behandelbarer Infektion), ausgedehntem Weichteil-/Knochendefekt oder maligner Transformation [3, LL 3]
  • Implantatlockerung (Lockerung eines eingesetzten Fremdmaterials) – kann bei implantatassoziierter Osteomyelitis (implantatbedingter Knochenentzündung) beziehungsweise frakturassoziierter Infektion durch Biofilm, Osteolyse (Knochenabbau), Instabilität und persistierende Infektion mitbedingt sein [6, LL 1]
  • Implantatversagen (Versagen eines eingesetzten Fremdmaterials) – kann bei frakturassoziierter Infektion durch persistierende Infektion, Pseudarthrose, mechanische Instabilität, Knochendefekt oder unzureichende Weichteilsituation mitbedingt sein [6, LL 1]

Prognosefaktoren

  • Diabetes mellitus – erhöht bei Osteomyelitis, insbesondere bei diabetesassoziierter Fußosteomyelitis, das Risiko für chronischen Verlauf, Rezidiv, Amputation und Mortalität (Sterblichkeit); prognostisch besonders ungünstig sind periphere arterielle Verschlusskrankheit, Neuropathie (Nervenschädigung), Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), ausgedehnte Weichteilinfektion und verzögerte Fokussanierung [LL 3]
  • Persistierende Bakteriämie – ungünstiger Prognosefaktor, insbesondere bei Staphylococcus aureus; assoziiert mit disseminierter Infektion (im Körper verstreuter Infektion), kompliziertem Verlauf und erhöhtem Risiko für septische Komplikationen [2, 5, LL 2, LL 4]
  • Sequester/Fremdmaterial/Biofilm – erhöhen das Risiko für Erregerpersistenz, chronische Osteomyelitis, Rezidive und Therapieversagen [1, 6, LL 1]
  • Späte Diagnosestellung oder verzögerte Fokussanierung – erhöht das Risiko für Abszessbildung, Knochendestruktion, chronischen Verlauf, pathologische Fraktur und funktionelle Defizite [1, 2, 5, LL 2]
  • Ungünstige Weichteilsituation oder periphere arterielle Verschlusskrankheit – verschlechtert die lokale Infektkontrolle, Antibiotikapenetration (Eindringen von Antibiotika), Wundheilung und Rekonstruktionsfähigkeit; besonders relevant bei posttraumatischer und diabetesassoziierter Osteomyelitis [1, LL 1, LL 3]

Literatur

  1. Panteli M, Giannoudis PV: Chronic osteomyelitis: what the surgeon needs to know. EFORT Open Rev 2016; 1(5): 128-135. https://doi.org/10.1302/2058-5241.1.000017 
  2. Sarmiento Clemente A, McNeil JC, Hultén KG et al.: Assessing Risk for Complications in Acute Hematogenous Osteomyelitis in Children: Validation of 2 Predictive Scores. J Pediatric Infect Dis Soc 2023; 12(12): 610-617. https://doi.org/10.1093/jpids/piad095 
  3. Corrigan RA, Barlow G, Hartley C, McNally M: Squamous cell carcinoma complicating chronic osteomyelitis: A systematic review and case series. Surgeon 2022; 20(6): e322-e337. https://doi.org/10.1016/j.surge.2021.12.003 
  4. Zargarbashi R, Vosoughi F, Shaker F et al.: Management of pathologic fracture of long bones as a complication of acute osteomyelitis: a challenging task for orthopedic surgeons. BMC Musculoskelet Disord 2025; 26: 586. https://doi.org/10.1186/s12891-025-08900-9 
  5. Disch K, Hill DA, Snow H, Dehority W: Clinical outcomes of pediatric osteomyelitis. BMC Pediatr 2023; 23(1): 54. https://doi.org/10.1186/s12887-023-03863-z 
  6. Stevenson MC, Sliepen J, Onsea J et al.: Diagnosing Fracture-Related Infections: Where Are We Now? J Clin Microbiol 2022; 60(2): e0280720. https://doi.org/10.1128/JCM.02807-20 

Leitlinien

  1. Metsemakers WJ, Morgenstern M, McNally MA et al.: Fracture-related infection: A consensus on definition from an international expert group. Injury 2018; 49(3): 505-510. https://doi.org/10.1016/j.injury.2017.08.040 
  2. Woods CR, Bradley JS, Chatterjee A et al.: Clinical Practice Guideline by the Pediatric Infectious Diseases Society and the Infectious Diseases Society of America: 2021 Guideline on Diagnosis and Management of Acute Hematogenous Osteomyelitis in Pediatrics. J Pediatric Infect Dis Soc 2021; 10(8): 801-844. https://doi.org/10.1093/jpids/piab027 
  3. Senneville É, Albalawi Z, van Asten SA et al.: IWGDF/IDSA Guidelines on the Diagnosis and Treatment of Diabetes-related Foot Infections. Clin Infect Dis 2023; ciad527. https://doi.org/10.1093/cid/ciad527 
  4. Berbari EF, Kanj SS, Kowalski TJ et al.: 2015 Infectious Diseases Society of America Clinical Practice Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Native Vertebral Osteomyelitis in Adults. Clin Infect Dis 2015; 61(6): e26-e46. https://doi.org/10.1093/cid/civ482