Impingement-Syndrom – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verminderung der Schmerzen
- Wiederherstellung beziehungsweise Verbesserung der Schulterfunktion und Bewegungsfähigkeit
- Ermöglichung einer frühzeitigen belastungsangepassten aktiven Übungstherapie
- Vermeidung einer Chronifizierung (dauerhaften Verfestigung der Beschwerden) und unnötiger invasiver Behandlungen
Therapieempfehlungen
Der traditionelle Begriff „Impingement-Syndrom (Engpasssyndrom der Schulter)“ wird zunehmend durch die Bezeichnungen subakromiales Schmerzsyndrom (Schmerzen unter dem Schulterdach) (Subacromial Pain Syndrome, SAPS) beziehungsweise rotatorenmanschettenbezogener Schulterschmerz (von den Schultersehnen ausgehender Schulterschmerz) ersetzt. Hierzu zählen insbesondere Tendinopathien der Rotatorenmanschette (Erkrankungen der Schultersehnen), die Bursitis subacromialis (Schleimbeutelentzündung unter dem Schulterdach), die Tendinosis calcarea (Kalkschulter) und partielle Rotatorenmanschettenläsionen (Teilrisse der Schultersehnen) [LL1, LL2, LL3].
- Basistherapie: Belastungsanpassung, Patienteninformation und ein aktives, individuell dosiertes Übungsprogramm bilden die Therapie der ersten Wahl. Die Pharmakotherapie ist eine zeitlich begrenzte symptomatische Begleittherapie und soll insbesondere die Durchführung der aktiven Übungstherapie ermöglichen [LL1, LL2, LL3].
- Paracetamol:
- Kann als kurzzeitige pharmakologische Option zur Schmerzreduktion erwogen werden, insbesondere wenn nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) kontraindiziert sind oder nicht vertragen werden. Die spezifische Evidenz bei Tendinopathien der Rotatorenmanschette ist begrenzt [LL1].
- Paracetamol besitzt keine klinisch relevante antiphlogistische Wirkung [FI1].
- Orale nichtsteroidale Antirheumatika:
- Können bei relevanten Schmerzen kurzzeitig in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt werden [1, LL1].
- Orale NSAR vermindern kurzfristig die Schmerzen, verbessern die Schulterfunktion jedoch nicht zuverlässig [1, LL1].
- Vor der Verordnung sind insbesondere gastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken, Alter, Komorbiditäten und Begleitmedikationen zu berücksichtigen [LL1, FI2].
- Die gleichzeitige Anwendung mehrerer NSAR einschließlich selektiver Cyclooxygenase-2-Hemmer ist zu vermeiden [FI2].
- Opioide:
- Sind keine Erstlinientherapie; eine routinemäßige Eskalation nach dem WHO-Stufenschema ist beim subakromialen Schmerzsyndrom nicht indiziert [LL1].
- Eine kurzfristige Anwendung kann nur bei außergewöhnlich starken, funktionell erheblich beeinträchtigenden Schmerzen erwogen werden, wenn andere analgetische Verfahren kontraindiziert oder trotz sachgerechter Anwendung unzureichend wirksam sind [LL1].
- Indikation und Therapiedauer sowie Sedierung (Dämpfung und Benommenheit), Schwindel, Übelkeit, Obstipation (Verstopfung), Atemdepression (Abflachung der Atmung), Überdosierungs- und Abhängigkeitsrisiko müssen regelmäßig überprüft werden [LL1].
- Subakromiale Glucocorticoid-Injektion:
- Nicht als routinemäßige Erstlinientherapie einsetzen [LL1, LL2, LL3].
- Eine subakromiale Glucocorticoid-Injektion, gegeben/parallelsfalls zusammen mit einem Lokalanästhetikum, kann nach gemeinsamer Entscheidungsfindung erwogen werden, wenn starke Schmerzen die aktive Übungstherapie wesentlich behindern [LL1, LL2, LL3].
- Die zu erwartende Schmerz- und Funktionsverbesserung ist gering bis mäßig und auf wenige Wochen begrenzt; ein langfristiger Nutzen ist nicht belegt [2, 3, LL1, LL2, LL3].
- Nach der Injektion soll die belastungsangepasste Übungstherapie wiederaufgenommen beziehungsweise fortgesetzt werden [LL2, LL3].
- Falls verfügbar, sollte die subakromiale Injektion sonographisch gesteuert erfolgen [LL1].
- Wiederholte Injektionen sind möglichst zu vermeiden; mehrere Injektionen sind einer einzelnen Injektion hinsichtlich der Schmerzlinderung nicht überlegen [3].
- Eine intratendinöse Injektion ist zu vermeiden. Bei degenerativ vorgeschädigter Rotatorenmanschette ist wegen möglicher Sehnenschäden oder Sehnenrupturen (Sehnenrissen) besondere Zurückhaltung erforderlich [LL2, LL3, FI3].
- Bei Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist auf eine vorübergehende Hyperglykämie (Erhöhung des Blutzuckers) hinzuweisen; eine intensivierte Glucosekontrolle kann für 3-10 Tage nach der Injektion erforderlich sein [LL2, LL3].
- Die Injektion muss unter streng aseptischen Bedingungen erfolgen [FI3].
- Kalktendinopathie (Erkrankung einer Schultersehne mit Kalkeinlagerungen): Bei symptomatischer Tendinosis calcarea, die auf die initiale konservative Behandlung nicht ausreichend anspricht, kann eine sonographisch gesteuerte Kalkdepot-Lavage beziehungsweise Barbotage erwogen werden; eine begleitende bursale Glucocorticoid-Injektion kann im Einzelfall erfolgen [LL1, LL3].
- Plättchenreiches Plasma: Eine Injektion mit plättchenreichem Plasma kann im Einzelfall erwogen werden, soll aber nicht als Erstlinientherapie eingesetzt werden [LL1].
- Hyaluronsäure: Eine Injektion mit Hyaluronsäure kann im Einzelfall zur kurz- bis mittelfristigen Schmerz- und Funktionsverbesserung erwogen werden, soll aber nicht als Erstlinientherapie eingesetzt werden [LL1].
- Weitere Therapie: Siehe auch unter „Weitere Therapie“.
Wirkstoffe (Hauptindikation)
| Wirkstoffgruppe | Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Nichtopioides Analgetikum | Paracetamol | Dosisreduktion beziehungsweise Verlängerung des Dosierungsintervalls bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen (eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion); bei schwerer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) Dosierungsintervall mindestens 8 Stunden [FI1] |
| NSAR | Ibuprofen | Niedrigste wirksame Dosis für den kürzest möglichen Zeitraum; gastrointestinale, renale und kardiovaskuläre Risiken sowie Wechselwirkungen und Kontraindikationen beachten [LL1, FI2] |
| Glucocorticoid zur lokalen Injektion | Triamcinolonacetonid | Keine routinemäßige Erstlinientherapie; kurzfristiger Nutzen; keine intratendinöse Injektion; streng aseptische Durchführung [3, LL1, LL2, LL3, FI3] |
Wirkweise und wesentliche Risiken
- Paracetamol: analgetische und antipyretische Wirkung ohne klinisch relevante periphere Entzündungshemmung; bei Überdosierung besteht das Risiko einer schweren Hepatotoxizität (Leberschädigung) [FI1].
- Ibuprofen: Hemmung der Cyclooxygenasen mit analgetischer, antipyretischer und antiphlogistischer Wirkung. Wesentliche Risiken sind gastrointestinale Ulzera (Magen-Darm-Geschwüre) und Blutungen, Nierenfunktionsstörungen, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung), Blutdruckanstieg, kardiovaskuläre Ereignisse und Überempfindlichkeitsreaktionen (allergische Reaktionen) [LL1, FI2].
- Triamcinolonacetonid: lokale antiphlogistische Wirkung ohne gesicherte regenerative Wirkung auf die Rotatorenmanschette. Mögliche Risiken sind vorübergehende Hyperglykämie, lokale Gewebeatrophie (Gewebeschwund), Sehnenschädigung und sehr selten eine Infektion [LL2, LL3, FI3].
Beachte
- Keine krankheitsspezifische Heilwirkung: Analgetika und Glucocorticoid-Injektionen können Schmerzen vermindern, beseitigen jedoch nicht die zugrunde liegende Tendinopathie oder Belastungsstörung [LL1, LL2, LL3].
- Keine routinemäßige Dauermedikation: Bei anhaltendem Analgetikabedarf sind Diagnose, Belastungssteuerung, Therapieadhärenz und mögliche Differentialdiagnosen erneut zu überprüfen [LL1].
- Warnzeichen: Akutes Trauma (frische Verletzung), ausgeprägter Kraftverlust, Pseudoparalyse (scheinbare Lähmung), Fieber, lokale Überwärmung, neurologische Defizite (Ausfälle des Nervensystems) oder Tumoranamnese (frühere Tumorerkrankung) erfordern eine zeitnahe weiterführende Abklärung [LL1].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Gesundheit von Sehnen, Bändern und Faszien sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Selen, Zink)
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Curcumin, Bromelain aus Ananas-Extrakt)
- Weitere Vitalstoffe (Chondroitinsulfat, Glucosaminsulfat, Kollagene)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- KG – Körpergewicht
- NSAR – nichtsteroidale Antirheumatika
- p.o. – per os
- SAPS – subakromiales Schmerzsyndrom (Subacromial Pain Syndrome)
- WHO – Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization)
Literatur
- Boudreault J, Desmeules F, Roy JS et al.: The efficacy of oral non-steroidal anti-inflammatory drugs for rotator cuff tendinopathy: a systematic review and meta-analysis. J Rehabil Med 2014;46:294-306. doi: 10.2340/16501977-1800
- Hopewell S, Keene DJ, Marian IR et al.: Progressive exercise compared with best practice advice, with or without corticosteroid injection, for the treatment of patients with rotator cuff disorders (GRASP): a multicentre, pragmatic, 2 × 2 factorial, randomised controlled trial. Lancet 2021;398:416-428. doi: 10.1016/S0140-6736(21)00846-1
- Mohamadi A, Chan JJ, Claessen FMAP et al.: Corticosteroid Injections Give Small and Transient Pain Relief in Rotator Cuff Tendinosis: A Meta-analysis. Clin Orthop Relat Res 2017;475:232-243. doi: 10.1007/s11999-016-5002-1
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Desmeules F, Roy JS, Lafrance S et al.: Rotator Cuff Tendinopathy Diagnosis, Nonsurgical Medical Care, and Rehabilitation: A Clinical Practice Guideline. J Orthop Sports Phys Ther 2025;55(4):235-274. doi: 10.2519/jospt.2025.13182 [LL1]
- Nederlandse Orthopaedische Vereniging: Subacromiaal Pijnsyndroom van de Schouder (SAPS). Richtlijn. Februar 2025. [LL2]
- Lambers Heerspink FO, Veen EJD, Dorrestijn O et al.: Update of guideline for diagnosis and treatment of subacromial pain syndrome: a multidisciplinary review by the Dutch Orthopedic Association Part 1: preventive measures, diagnostics, and non-surgical treatment of subacromial pain syndrome. Acta Orthop 2026;97:91-98. doi: 10.2340/17453674.2026.45365 [LL3]
Fachinformationen
- Fachinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. Stand Dezember 2024. [FI1]
- Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. Stand Juni 2026. [FI2]
- Fachinformation Volon A 40/A 40-5 ml. Stand Januar 2025. [FI3]