Finger- und Daumengelenkarthrose – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Finger- und Daumengelenkarthrose (Verschleiß der Finger- und Daumengelenke) mitbedingt sein können:
Die Finger- und Daumengelenkarthrose zeigt hinsichtlich Schmerz, Funktion und struktureller Progression (Fortschreiten der Gewebeveränderungen) einen heterogenen Verlauf. In einer aktuellen systematischen Übersichtsarbeit berichteten über Beobachtungszeiträume von bis zu zehn Jahren 25-29 % der Patienten über eine Zunahme der Schmerzen und 23-59 % über eine Verschlechterung der Handfunktion; für eine langfristige Abnahme von Handfunktion und Griffkraft besteht moderate Evidenz [1].
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Strukturelle Progression der Arthrose (Fortschreiten des Gelenkverschleißes) – Zunahme von Osteophyten (knöchernen Anbauten), Gelenkspaltverschmälerung (Verschmälerung des Abstands zwischen den Gelenkflächen), subchondralen Veränderungen (Veränderungen des Knochens unter dem Gelenkknorpel) und Gelenkdestruktion (Zerstörung des Gelenks); in einer aktuellen Kohorte aus der rheumatologischen Sekundärversorgung zeigten innerhalb von zwei Jahren 65 % der Patienten eine Osteophytenprogression und 32 % eine Progression der Gelenkspaltverschmälerung [2].
- Arthroseassoziierte Synovitis (Gelenkinnenhautentzündung bei Arthrose) – entzündliche Aktivierung der Synovialis (Gelenkinnenhaut) mit Gelenkschwellung und Schmerzen; sonographisch (mittels Ultraschall) nachweisbare Synovitis und Power-Doppler-Aktivität sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit nachfolgender radiographischer Progression (im Röntgenbild sichtbaren Verschlechterung) assoziiert [3, 4].
- Erosive Progression und Gelenkdestruktion – beim erosiven Phänotyp der Fingerarthrose (Form der Fingerarthrose mit knöchernen Einbrüchen) können insbesondere an distalen und proximalen Interphalangealgelenken (Fingerend- und Fingermittelgelenken) zentrale Erosionen (Knochendefekte), Gelenkflächenkollaps (Einbruch der Gelenkflächen) und nachfolgendes Remodelling (Umbau) auftreten; die erosive Handarthrose (Handarthrose mit knöchernen Einbrüchen) ist mit einer höheren strukturellen Krankheitslast und stärkeren funktionellen Einschränkungen verbunden [2, 5].
- Gelenkfehlstellungen und Achsabweichungen – fortschreitende strukturelle Veränderungen können insbesondere bei ausgeprägter Interphalangealgelenkarthrose (Arthrose der Fingergelenke) zu Deformierung, lateralen Achsabweichungen (seitlichen Fehlstellungen) und Subluxationen (Teilausrenkungen) führen [4, 5].
- Instabilität und Subluxation des Daumensattelgelenks (Teilausrenkung des Daumensattelgelenks) – bei fortgeschrittener Daumensattelgelenkarthrose (Arthrose des Daumensattelgelenks) können ligamentäre Insuffizienz (Bandschwäche) und Gelenkumbau eine zunehmende Subluxation des ersten Mittelhandknochens begünstigen [4, 6].
- Adduktionsfehlstellung des Daumens (Fehlstellung des Daumens zur Hand hin) mit kompensatorischer Hyperextension im Daumengrundgelenk (Überstreckung des Daumengrundgelenks) – bei fortgeschrittener Daumensattelgelenkarthrose kann infolge von Subluxation, Adduktionsstellung des ersten Mittelhandknochens (Stellung des ersten Mittelhandknochens zur Hand hin) und Einengung des ersten Zwischenfingerraums eine charakteristische Fehlstellung der Daumensäule entstehen [4, 6].
- Bewegungseinschränkung und Gelenksteife – zunehmende strukturelle Schäden, Osteophyten, kapsuläre Veränderungen (Veränderungen der Gelenkkapsel) und Schmerzen können den Bewegungsumfang der betroffenen Finger- und Daumengelenke reduzieren [1, 4, LL1].
- Abnahme der Griffkraft – die Griffkraft kann im Langzeitverlauf abnehmen; hierfür besteht nach aktueller systematischer Evidenz eine moderate Evidenz [1].
- Progressive Einschränkung der Handfunktion – betroffen sind insbesondere kraftabhängiges Greifen, Pinzetten- und Schlüsselgriff sowie feinmotorische Tätigkeiten; dadurch können Einschränkungen bei Aktivitäten des täglichen Lebens zunehmen [1, 4, LL1, LL2].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronische bzw. rezidivierende Handschmerzen (lang anhaltende bzw. wiederkehrende Handschmerzen) – belastungsabhängige Schmerzen können bei fortgeschrittener Erkrankung durch Ruhe- oder persistierende Schmerzen (anhaltende Schmerzen) ergänzt werden. Obwohl die mittlere Schmerzintensität populationsbezogen langfristig häufig nur geringe Veränderungen zeigt, berichten 25-29 % der Patienten innerhalb von bis zu zehn Jahren über eine Verschlechterung [1, 4].
Prognosefaktoren
- Höhere Schmerzintensität zu Beginn – moderate Evidenz für eine nachfolgende Verschlechterung der Handfunktion [1].
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) – moderate Evidenz als Prognosefaktor für eine Verschlechterung der Handschmerzen [1].
- Ausgeprägter radiographischer Strukturschaden (im Röntgenbild sichtbarer Gelenkschaden) zu Beginn – stärkere Ausgangsveränderungen sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit weiterer Osteophyten- und Gelenkspaltprogression verbunden [2].
- Erosiver Phänotyp (Form mit knöchernen Einbrüchen) – erosive Gelenkveränderungen sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit weiterer struktureller Progression, insbesondere an den Interphalangealgelenken, assoziiert [2, 5].
- Knochenmarkläsionen (Veränderungen des Knochenmarks) in der Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie) – Knochenmarkläsionen sind insbesondere an Interphalangealgelenken mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit nachfolgender struktureller Progression assoziiert [2].
- Ausgeprägte Synovitis – sonographisch nachweisbare Synovitis und Power-Doppler-Aktivität sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit radiographischer Progression verbunden [3].
Literatur
- Jansen V, Selby A, Toft S et al.: The prognosis of pain and function in people with hand and thumb base osteoarthritis: a systematic review. Ann Med. 2025;57(1):2532113. doi: 10.1080/07853890.2025.2532113.
- van der Meulen C, van de Stadt LA, Reijnierse M et al.: Factors associated with radiographic progression of hand osteoarthritis over 2 years. RMD Open. 2026;12(2):e006684. doi: 10.1136/rmdopen-2025-006684.
- Mathiessen A, Slatkowsky-Christensen B, Kvien TK et al.: Ultrasound-detected inflammation predicts radiographic progression in hand osteoarthritis after 5 years. Ann Rheum Dis. 2016;75(5):825-830. doi: 10.1136/annrheumdis-2015-207241.
- Marshall M, Watt FE, Vincent TL et al.: Hand osteoarthritis: clinical phenotypes, molecular mechanisms and disease management. Nat Rev Rheumatol. 2018;14(11):641-656. doi: 10.1038/s41584-018-0095-4.
- Bean MB, Favero M, Ramonda R et al.: Erosive Hand Osteoarthritis: Recent Advances and Future Treatments. Curr Rheumatol Rep. 2024;26(4):103-111. doi: 10.1007/s11926-023-01130-9.
- Colonna S, Borghi C: Rhizarthrosis Part I: A Literature Review. Cureus. 2024;16(1):e52932. doi: 10.7759/cureus.52932.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Kloppenburg M, Kroon FPB, Blanco FJ et al.: 2018 update of the EULAR recommendations for the management of hand osteoarthritis. Ann Rheum Dis. 2019;78(1):16-24. doi: 10.1136/annrheumdis-2018-213826. [LL1]
- Kolasinski SL, Neogi T, Hochberg MC et al.: 2019 American College of Rheumatology/Arthritis Foundation Guideline for the Management of Osteoarthritis of the Hand, Hip, and Knee. Arthritis Care Res (Hoboken). 2020;72(2):149-162. doi: 10.1002/acr.24131. [LL2]
- S3-Leitlinie: Diagnostik, Prävention und Therapie der Rhizarthrose. Bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften angemeldetes Leitlinienvorhaben; eine publizierte Langfassung liegt derzeit nicht vor. (AWMF-Registernummer 187-065). [LL3]