Hypomenorrhoe – Differentialdiagnosen
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Müller-Gang-Fehlbildungen (angeborene Fehlbildungen der inneren Geschlechtsorgane) mit partieller Abflussbehinderung (teilweiser Behinderung des Blutabflusses) – seltene Ursache einer primär seit der Menarche (ersten Regelblutung) bestehenden Hypomenorrhoe (zu schwachen Regelblutung), insbesondere bei Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), Hämatokolpos (Blutansammlung in der Scheide) oder Hämatometra (Blutansammlung in der Gebärmutter)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Funktionelle hypothalamische Zyklusstörung (funktionelle hormonelle Zyklusstörung durch das Zwischenhirn) – bei niedriger Energieverfügbarkeit, Gewichtsverlust, intensivem Sport oder chronischer Belastung; kann mit Hypomenorrhoe, Oligomenorrhoe (verlängertem Zyklus) oder Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung) einhergehen
- Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) – ovulatorische Dysfunktion (gestörte Eireifung bzw. gestörter Eisprung) mit hypoöstrogenem Endometrium (Gebärmutterschleimhaut mit Östrogenmangel); ggf. hypophysär (durch die Hirnanhangsdrüse bedingt) oder medikamentös mitbedingt
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) (Syndrom der polyzystischen Eierstöcke) – anovulatorische Zyklusstörung (Zyklusstörung ohne Eisprung) mit Oligomenorrhoe, ggf. auch reduzierter Blutungsstärke
- Prämature Ovarialinsuffizienz (POI) (vorzeitige Eierstockschwäche) – reduzierte ovarielle Estradiolproduktion (verminderte Östrogenbildung in den Eierstöcken) mit Oligomenorrhoe, Hypomenorrhoe oder Amenorrhoe
- Schilddrüsenfunktionsstörungen – Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) oder Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) mit ovulatorischer Zyklusstörung und veränderter Blutungsstärke
Medikamente
- Depot-Gestagene, Gestagenimplantat oder Gestagenmonopille – häufige iatrogene Ursache (durch medizinische Maßnahmen verursachte Ursache) einer Hypomenorrhoe bis Amenorrhoe
- Gonadotropin-Releasing-Hormon(GnRH)-Analoga oder GnRH-Antagonisten – hypoöstrogene Endometriumatrophie (Rückbildung der Gebärmutterschleimhaut durch Östrogenmangel)
- Hormonelle Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel), insbesondere kombinierte orale Kontrazeptiva und Levonorgestrel-Intrauterinsystem (LNG-IUS) (Hormonspirale) – häufige Ursache reduzierter Blutungsstärke
- Prolaktinsteigernde Medikamente, z. B. Antipsychotika, Metoclopramid oder Opioide – über Hyperprolaktinämie mit ovulatorischer Dysfunktion
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Anorexia nervosa (Magersucht) und andere Essstörungen – funktionelle hypothalamische Zyklusstörung mit reduzierter Endometriumproliferation (vermindertem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut)
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Extrauteringravidität (EUG) (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – Schmierblutung oder atypisch schwache Blutung kann als Hypomenorrhoe fehlinterpretiert werden
- Frühgravidität (frühe Schwangerschaft) – Nidationsblutung (Einnistungsblutung) oder deziduale Blutung (Blutung aus schwangerschaftsbedingter Gebärmutterschleimhaut) kann eine Hypomenorrhoe vortäuschen
- Laktationsbedingte hypothalamische Ovarialsuppression (stillbedingte hormonelle Unterdrückung der Eierstockfunktion über das Zwischenhirn) – postpartal (nach der Geburt) bzw. in der Stillzeit physiologische Ursache reduzierter oder ausbleibender Blutungen
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Asherman-Syndrom/intrauterine Synechien (Verwachsungen in der Gebärmutterhöhle) – Hypomenorrhoe bis Amenorrhoe, insbesondere nach Kürettage (Ausschabung), intrauteriner Operation (Operation in der Gebärmutter), postpartal oder nach Abort (Fehlgeburt)
- Endometriumatrophie – dünnes Endometrium mit geringer Blutungsmenge, insbesondere bei hypoöstrogener Situation oder unter Gestagenwirkung
- Genitaltuberkulose/tuberkulöse Endometritis (Tuberkulose der Geschlechtsorgane/tuberkulöse Gebärmutterschleimhautentzündung) – seltene Ursache, insbesondere bei Risikokonstellation, Infertilität (Unfruchtbarkeit) oder Herkunft aus Hochprävalenzregionen (Regionen mit häufigem Vorkommen)
- Zervixstenose (Verengung des Gebärmutterhalses) oder Obstruktion des unteren Genitaltraktes (Verschluss der unteren Geschlechtswege) – Hypomenorrhoe oder Amenorrhoe mit ggf. zyklischen Schmerzen, nach Konisation (kegelförmiger Gewebeentfernung am Gebärmutterhals), Operation, Entzündung, Radiatio (Bestrahlung) oder Tumor
Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)
- Iatrogene Endometriumschädigung (durch medizinische Maßnahmen verursachte Schädigung der Gebärmutterschleimhaut) – nach Kürettage, hysteroskopischer Operation (Gebärmutterspiegelungsoperation), Endometriumablation (Verödung der Gebärmutterschleimhaut) oder Radiatio; klinisch als erworbene Hypomenorrhoe oder Amenorrhoe