Hodenentzündung (Orchitis) – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • IgA-Vaskulitis (Purpura Schönlein-Henoch; Entzündung kleiner Blutgefäße durch Immunglobulin A) – wichtige Differentialdiagnose des akuten Skrotums (plötzlich schmerzhafter Hodensack) im Kindes- und Jugendalter bei Skrotalschwellung (Schwellung des Hodensacks), Hodenschmerz, palpabler Purpura (tastbare punktförmige Hautblutungen), Arthralgien (Gelenkschmerzen) oder abdominellen Schmerzen (Bauchschmerzen)

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Akutes idiopathisches Skrotalödem (plötzliche Schwellung des Hodensacks ohne erkennbare Ursache) – rasch auftretende Skrotalhautschwellung (Schwellung der Hodensackhaut) und Rötung, vor allem bei Kindern; Hoden und Nebenhoden sonographisch (im Ultraschall) typischerweise unauffällig
  • Erysipel (Wundrose)/Zellulitis (bakterielle Entzündung von Haut und Unterhaut) der Skrotalhaut (Hodensackhaut) – oberflächliche bakterielle Haut- und Weichteilinfektion mit Rötung, Überwärmung und Schmerzen, ohne primäre intratestikuläre Entzündung (Entzündung im Hoden)

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Inkarzerierte Leistenhernie (eingeklemmter Leistenbruch) – akute inguinoskrotale Schwellung (Schwellung von Leiste und Hodensack) mit Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Ileussymptomatik (Zeichen eines Darmverschlusses); chirurgisch-urologischer Notfall

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Hodentumor (Geschwulst des Hodens), nicht näher bezeichnet – meist schmerzlose intratestikuläre Raumforderung (Gewebevermehrung im Hoden); akute Schmerzen sind bei Einblutung, Infarzierung (Gewebeuntergang durch Durchblutungsstörung) oder begleitender Entzündungsreaktion möglich

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Epididymitis (Nebenhodenentzündung), bakteriell oder viral – häufige Differentialdiagnose bzw. Überlappungsdiagnose mit lokaler Druckdolenz (Druckschmerzhaftigkeit) und Schwellung des Nebenhodens; abhängig von Alter, Sexualanamnese, Urethritiszeichen (Zeichen einer Harnröhrenentzündung), Harnwegsinfektzeichen und Sonographie (Ultraschalluntersuchung) abzugrenzen
  • Epididymoorchitis (Nebenhoden-Hoden-Entzündung) – kombinierte Entzündung von Nebenhoden und Hoden; differentialdiagnostisch wichtig, weil sie klinisch häufig unter dem Bild einer Orchitis (Hodenentzündung) vorgestellt wird
  • Fournier-Gangrän (lebensbedrohliche Weichteilinfektion der Genital- und Dammregion) – nekrotisierende Infektion (gewebezerstörende Infektion) von Skrotum (Hodensack), Perineum (Dammregion) oder Genitalregion mit starken Schmerzen, rascher Progredienz (Fortschreiten), Hautnekrosen (Absterben von Hautgewebe), Krepitation (Knistern im Gewebe) oder septischem Krankheitsbild (schweres Infektionsbild mit Kreislaufbelastung); sofortige Notfalldiagnose
  • Harnleiterkolik (krampfartiger Schmerz durch den Harnleiter)/Ureterolithiasis (Harnleiterstein) – ausstrahlender Flanken-, Leisten- oder Hodenschmerz mit Hämaturie (Blut im Urin) oder Kolikcharakter (krampfartigem Schmerzcharakter), ohne primäre skrotale Entzündungszeichen (Entzündungszeichen am Hodensack)
  • Hodeninfarkt, segmental (umschriebener Gewebeuntergang im Hoden durch Durchblutungsstörung) – akuter fokaler Hodenschmerz (umschriebener Hodenschmerz) oder intratestikuläre Läsion (Veränderung im Hoden) mit verminderter Perfusion (Durchblutung); sonographisch von Orchitis und Hodentumor abzugrenzen
  • Hodentorsion (Hodenverdrehung) – wichtigste auszuschließende Differentialdiagnose des akuten Skrotums; plötzlich einsetzender starker Hodenschmerz, Übelkeit/Erbrechen, Hochstand oder Querstellung des Hodens und fehlender Kremasterreflex (Hodenheberreflex) sind wegweisend. Achtung: Ein höheres Alter schließt eine Hodentorsion nicht aus
    • Intermittierende Hodentorsion (zeitweise auftretende Hodenverdrehung) – rezidivierende akute Schmerzepisoden (wiederkehrende Schmerzanfälle) mit rascher Befundbesserung; nach Detorsion (Rückdrehung) kann dopplersonographisch (in der Gefäß-Ultraschalluntersuchung) eine reaktive Hyperperfusion (vermehrte Durchblutung als Reaktion) bestehen
  • Prostatitis, akut bakteriell (akute bakterielle Prostataentzündung) – Fieber, Dysurie (schmerzhaftes Wasserlassen), Pollakisurie (häufiges Wasserlassen kleiner Mengen), Becken- oder Perinealschmerz und druckdolente Prostata (druckschmerzhafte Vorsteherdrüse) können mit Hodenschmerz einhergehen und eine Orchitis imitieren
  • Torsion der Appendix testis bzw. Appendix epididymidis (Verdrehung kleiner Hoden- bzw. Nebenhodenanhängsel) – häufig bei Kindern; lokalisierter Schmerz am oberen Hodenpol, gegebenenfalls „blue-dot sign“ (bläulich sichtbarer Punkt), bei erhaltener testikulärer Perfusion (Durchblutung des Hodens)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Hämatozele (Blutansammlung in der Hodenhülle) – Blutansammlung in der Tunica vaginalis (Hodenhülle), meist nach Trauma (Verletzung) oder unter Antikoagulation (Blutverdünnung); schmerzhafte Skrotalschwellung ohne primär infektiöse Genese (infektiöse Ursache)
  • Hodenruptur (Einriss des Hodens) – traumatische Zerreißung der Tunica albuginea (feste Bindegewebshülle des Hodens) mit akutem Schmerz, Hämatom (Bluterguss) und Konturunterbrechung des Hodens; urologischer Notfall
  • Skrotalhämatom (Bluterguss des Hodensacks)/Hodenkontusion (Hodenprellung) – posttraumatische Schmerzen (Schmerzen nach Verletzung) und Schwellung mit Hämatomnachweis, bei erhaltener oder zu prüfender testikulärer Integrität (Unversehrtheit des Hodens)