Yersiniose – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Körpergewicht und Körpergröße; des Weiteren:
    • Allgemeinzustand und Bewusstseinslage – Beurteilung von Wachheit, Reaktionsfähigkeit und altersentsprechender Aktivität.
    • Hydratationszustand (Flüssigkeitsversorgung des Körpers) und periphere Durchblutung (Durchblutung der körperfernen Bereiche, insbesondere der Hände und Füße) – Beurteilung von Mundschleimhaut, Hautturgor (Spannkraft der Haut), kapillärer Füllungszeit (Zeit bis zur erneuten Durchblutung nach kurzem Druck auf Haut oder Nagelbett) und Extremitätentemperatur (Temperatur der Arme und Beine); auf trockene Schleimhäute, eingesunkene Augen, verminderte Tränenbildung bei Kindern, Tachykardie (beschleunigten Herzschlag) und Hypotonie (niedrigen Blutdruck) achten. Aktuelles Körpergewicht nach Möglichkeit mit einem verlässlichen Gewicht vor Erkrankungsbeginn vergleichen. Der Schweregrad einer Dehydratation (eines Flüssigkeitsmangels) ist anhand der Gesamtheit der Befunde zu beurteilen.
    • Inspektion
      • Haut, Schleimhäute und Skleren (weiße Augenhäute) – Hautfarbe, Hautveränderungen und Schleimhautbeschaffenheit beurteilen; bei verdächtigen Hautveränderungen zusätzlich palpieren [mögliche postinfektiöse Manifestation (Krankheitserscheinung nach einer Infektion): Erythema nodosum (Knotenrose) mit druckschmerzhaften, geröteten bis lividen (bläulich-violetten) subkutanen (unter der Haut liegenden) Knoten, bevorzugt an den Unterschenkelstreckseiten].
      • Abdomen (Bauch) – Form, Distension (Aufblähung), Atembeweglichkeit, Hautveränderungen, sichtbare Peristaltik (Darmbewegungen), Narben und Hernien (Bauchwand- oder Leistenbrüche) beurteilen.
    • Auskultation des Herzens – Herzfrequenz und Herzrhythmus beurteilen.
    • Auskultation der Lunge – Atemgeräusche beurteilen; auf auffällige Atemarbeit achten.
    • Untersuchung des Abdomens
      • Auskultation – Darmgeräusche vor der Palpation beurteilen; fehlende oder hochgestellte Darmgeräusche im Zusammenhang mit den übrigen Befunden bewerten.
      • Perkussion – auf auffälligen Klopfschall und Klopfschmerz achten.
      • Palpation – zunächst oberflächlich, anschließend vorsichtig tief palpieren; Schmerzlokalisation, Druckschmerz, Abwehrspannung (unwillkürliche Anspannung der Bauchmuskulatur) und tastbare Resistenzen (ungewöhnliche Verhärtungen oder Raumforderungen) erfassen. Auf Loslass- und Erschütterungsschmerz achten [rechtsseitiger Unterbauchdruckschmerz im Rahmen einer Pseudoappendizitis (Beschwerden ähnlich einer Blinddarmentzündung) bei terminaler Ileitis (Entzündung des letzten Dünndarmabschnitts) oder mesenterialer Lymphadenitis (Entzündung der Lymphknoten im Darmgekröse), besonders bei älteren Kindern und Jugendlichen]. Eine Appendizitis (Entzündung des Wurmfortsatzes, umgangssprachlich Blinddarmentzündung) lässt sich durch die körperliche Untersuchung allein nicht sicher von einer Yersiniose unterscheiden. Mesenteriale Lymphknotenvergrößerungen (Vergrößerungen der Lymphknoten im Darmgekröse) sind durch Palpation nicht zuverlässig nachweisbar.
    • Gelenkuntersuchung bei entsprechenden Beschwerden – Inspektion und Palpation auf Schwellung, Überwärmung, Druckschmerz und Erguss (Flüssigkeitsansammlung im Gelenk) sowie Prüfung der aktiven und passiven Beweglichkeit [mögliche postinfektiöse Manifestation: reaktive Arthritis (Gelenkentzündung als Reaktion auf eine vorausgegangene Infektion), insbesondere an Knie-, Sprung- oder Handgelenken].

Die in eckigen Klammern genannten Befunde sind für die Yersiniose charakteristische mögliche Manifestationen, jedoch nicht beweisend.

Red Flags (Warnzeichen) bei Yersiniose

  • Ausgeprägte Dehydratation, verlängerte kapilläre Füllungszeit, kalte Extremitäten, Hypotonie oder Bewusstseinsstörung – sofortige notfallmedizinische Beurteilung.
  • Zunehmender oder ausgeprägter lokalisierter Bauchschmerz, Abwehrspannung, deutlicher Loslassschmerz oder Distension mit fehlenden Darmgeräuschen – dringliche Abklärung eines akuten Abdomens (eines möglicherweise lebensbedrohlichen Krankheitsbilds mit akuten Bauchbeschwerden), insbesondere einer Appendizitis oder eines Ileus (Darmverschlusses).
  • Hohes Fieber mit deutlicher Allgemeinzustandsverschlechterung, Tachypnoe (beschleunigte Atmung) oder Kreislaufinstabilität – umgehende Abklärung einer möglichen Sepsis (lebensbedrohlichen Organschädigung durch eine fehlregulierte Reaktion des Körpers auf eine Infektion).
  • Akut stark schmerzhaftes, überwärmtes und geschwollenes Gelenk, insbesondere bei Fieber – dringlicher Ausschluss einer septischen Arthritis (Gelenkentzündung durch eine Infektion im Gelenk).