Windpocken (Varizellen) – Labordiagnostik

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Direkter Virusnachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) aus Bläscheninhalt – Methode der ersten Wahl bei klinisch unklaren Fällen oder atypischer Präsentation
  • Direkter Virusnachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) aus Liquor (Nervenwasser) – bei Verdacht auf ZNS-Beteiligung (zentrales Nervensystem) (z. B. Enzephalitis (Gehirnentzündung), Meningitis (Hirnhautentzündung))
  • Direkter Virusnachweis mittels PCR (Polymerase-Kettenreaktion) aus Fruchtwasser – bei pränataler Abklärung einer fetalen (das ungeborene Kind betreffenden) Infektion nach gesicherter mütterlicher Primärinfektion (Erstinfektion)
  • Anti-VZV-IgG – zur Bestimmung des Immunstatus (z. B. bei Schwangeren ohne sichere Varizellen-Anamnese (Windpocken-Vorgeschichte) oder nach Exposition (Kontakt mit dem Erreger))

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • IgG-Aviditätsbestimmung – zur zeitlichen Einordnung einer Primärinfektion (Erstinfektion), insbesondere in der Schwangerschaft
  • VZV-IgM – ergänzend einsetzbar, jedoch aufgrund limitierter Sensitivität (Empfindlichkeit) und Spezifität (Treffsicherheit) diagnostisch eingeschränkt
  • FAMA-Test (Fluorescent Antibody to Membrane Antigen) (spezieller Antikörpertest) – Referenzmethode zur Bestimmung neutralisierender Antikörper (Abwehrstoffe), klinisch jedoch nur in Spezialfällen relevant

Interpretation der serologischen Marker

  • IgG positiv
    • Hinweis auf durchgemachte Infektion oder Impfung
    • Persistenz (Fortbestehen) in der Regel lebenslang
  • IgM positiv
    • Kann bei Primärinfektion (Erstinfektion) auftreten, jedoch auch bei Reaktivierung (Wiederauftreten der Infektion) oder unspezifisch erhöht sein
    • Allein nicht geeignet zum sicheren Nachweis einer akuten Primärinfektion (Erstinfektion)
  • IgG-Avidität
    • Niedrige Avidität (Bindungsstärke der Antikörper) – Hinweis auf kürzlich erfolgte Primärinfektion (Erstinfektion)
    • Hohe Avidität (Bindungsstärke der Antikörper) – Hinweis auf länger zurückliegende Infektion; schließt eine frische Primärinfektion (Erstinfektion) mit hoher Wahrscheinlichkeit aus

Infektionsstatus anhand serologischer und molekularer Diagnostik

VZV-IgG VZV-IgM IgG-Avidität VZV-PCR Infektionsstatus
negativ negativ negativ empfänglich
negativ/positiv ± niedrig positiv akute Primärinfektion (Erstinfektion)
positiv ± hoch positiv Reaktivierung (Wiederauftreten der Infektion) (klinische Diagnose im Vordergrund)
positiv negativ hoch negativ zurückliegende Infektion/Immunität

Hinweis: Ein negatives VZV-IgM schließt eine akute Infektion nicht aus.

Impfstatus – Kontrolle von Impftitern

Impfung Laborparameter Bewertung
Varizellen (Varizella-Zoster-Virus) (Windpocken-Erreger) VZV-IgG Nachweis von IgG spricht für Immunität; es existieren keine standardisierten, klinisch validierten Grenzwerte für protektive Antikörpertiter (Schutzwerte)

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001), Oktober 2021 Langfassung