Toxoplasmose – Labordiagnostik

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

  • Toxoplasma gondii-IgG und Toxoplasma gondii-IgM – serologische Primärdiagnostik bei Verdacht auf akute Toxoplasmose (Infektion mit dem Parasiten Toxoplasma gondii) [1-4]
  • IgG-Aviditätstest – obligat bei positiver oder unklarer IgM-/IgG-Konstellation zur zeitlichen Einordnung einer möglichen Primärinfektion (Erstinfektion), insbesondere in der Schwangerschaft (Zeit der Kindesentwicklung im Mutterleib) [1-4]
  • Verlaufskontrolle der Serologie (Antikörperbestimmung im Blut) – bei initial unklarer Konstellation bzw. Verdacht auf Serokonversion (erstmaliges Auftreten von Antikörpern) mit Kontrollserum im Verlauf [1-3]

Schwangerschaft und Toxoplasmose

Bei Schwangeren (Frauen während der Schwangerschaft) ist ein isoliert positiver IgM-Befund nicht beweisend für eine frische Infektion. Erfordert die Befundkonstellation die Abklärung einer möglichen Primärinfektion (Erstinfektion), sollen eine Bestätigungsdiagnostik in einem erfahrenen Speziallabor (spezialisiertes medizinisches Labor), ein IgG-Aviditätstest sowie serologische Verlaufskontrollen erfolgen [1-4].

Bei Schwangeren ohne Immunität (ohne Schutz durch frühere Infektion) sind wiederholte serologische Untersuchungen im Abstand von etwa 8-12 Wochen bis zum Ende der Schwangerschaft sinnvoll, um eine Serokonversion (erstmalige Bildung von Antikörpern) während der Schwangerschaft nicht zu übersehen [1, 3].

Bei Verdacht auf eine fetale Infektion (Infektion des ungeborenen Kindes) ist der Toxoplasma gondii-DNA-Nachweis mittels PCR (Nachweis von Erbmaterial) aus Fruchtwasser die entscheidende pränatale Zusatzdiagnostik. Die Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) soll in der Regel nicht vor der 18. Schwangerschaftswoche und nicht vor Ablauf von mindestens 4 Wochen nach vermuteter maternaler Infektion (Infektion der Mutter) erfolgen [1, 4].

Interpretation [1-4]

Toxoplasma gondii-IgG Toxoplasma gondii-IgM IgG-Avidität Ergebnisse, sprechen i. d. R. für folgenden Infektionsstatus
negativ negativ nicht beurteilbar Kein serologischer Hinweis auf durchgemachte Infektion; bei klinischem Verdacht Frühphase möglich, Verlaufskontrolle erforderlich
positiv negativ nicht erforderlich Zurückliegende Infektion, inaktive/latente Infektion (ruhende Infektion), in der Regel Immunität (Schutz)
positiv positiv hoch Eher zurückliegende oder abklingende Infektion; eine frische Primärinfektion (Erstinfektion) ist dann in der Regel unwahrscheinlich
positiv positiv niedrig Mögliche kürzlich erworbene Infektion; weitere Abklärung und Verlaufskontrolle erforderlich
negativ oder niedrig positiv nicht beurteilbar Verdacht auf sehr frühe Primärinfektion (Erstinfektion) oder falsch positiver IgM-Befund; Kontrollserologie und Bestätigungsdiagnostik erforderlich

Bei Verdacht auf eine konnatale Infektion (angeborene Infektion) ist eine gezielte serologische und molekularbiologische Abklärung erforderlich. Für eine konnatale Infektion sprechen unter anderem Toxoplasma-spezifische IgM- und/oder IgA-Antikörper beim Neugeborenen, ein positiver PCR-Nachweis aus geeignetem Untersuchungsmaterial sowie eine Persistenz oder Konzentrationszunahme von IgG-Antikörpern im postnatalen Verlauf (nach der Geburt) [1-4].

Der direkte oder indirekte Nachweis von Toxoplasma gondii bei konnatalen Infektionen ist nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig [1].

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), der körperlichen Untersuchung und den obligaten Laborparametern – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Toxoplasma gondii-DNA-Nachweis mittels PCR (Nachweis von Erbmaterial) aus EDTA-Blut, Liquor (Nervenwasser), bronchoalveolärer Lavage (Spülflüssigkeit aus den Atemwegen) oder Biopsiematerial (Gewebeprobe) – bei Immunsuppression (geschwächtem Immunsystem), Verdacht auf disseminierte Infektion (im Körper verteilte Infektion) oder Organmanifestation (Beteiligung von Organen), insbesondere ZNS-Beteiligung (Gehirn und Nervensystem) [1-4]
  • Liquorpunktion (Entnahme von Nervenwasser) zur Liquordiagnostik – bei Beteiligung des zentralen Nervensystems; ergänzend PCR aus Liquor [1-3]
  • Kleines Blutbild – fakultativ, unspezifisch [1, 3]
  • Differentialblutbild – fakultativ, unspezifisch [1, 3]
  • Entzündungsparameter – CRP (C-reaktives Protein) – fakultativ, unspezifisch [1, 3]
  • Leberparameter – Alanin-Aminotransferase (ALT, GPT), Aspartat-Aminotransferase (AST, GOT), Glutamat-Dehydrogenase (GLDH), Gamma-Glutamyl-Transferase (Gamma-GT, GGT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin – fakultativ bei systemischer Infektion oder differentialdiagnostischer Abklärung [1, 3]
  • Nierenparameter – Kreatinin, Harnstoff – fakultativ im Rahmen der klinischen Einordnung und Therapieplanung [1, 3]
  • HIV-Antikörper-/Antigen-Suchtest – bei Verdacht auf Immunsuppression (geschwächtes Immunsystem) oder opportunistische ZNS-Infektion [1-3]
  • EBV-Antikörper-Test – bei Verdacht auf Epstein-Barr-Virus-Infektion als Differentialdiagnose (andere mögliche Ursache) [1, 3]
  • Röteln-Antikörper-Test – bei entsprechender klinischer oder schwangerschaftsbezogener Differentialdiagnose (andere mögliche Ursache) [1, 3]
  • Syphilis-Serologie (Bluttest auf Syphilis) – bei entsprechender differentialdiagnostischer Fragestellung [1, 3]
  • Weitere erregerbezogene Diagnostik (Untersuchung auf Krankheitserreger), z. B. auf Herpes-simplex-Virus oder Varicella-Zoster-Virus – nur indikationsgeleitet bei entsprechender Klinik [1, 3]

Nicht mehr leitliniengerecht bzw. nicht empfohlen

  • Direkter mikroskopischer Nachweis des Erregers im Blut – keine Routinediagnostik [1-3]
  • Pauschaler direkter Erregernachweis aus Blut bei immunkompetenten Patienten mittels PCR (Nachweis von Erbmaterial) als obligater Erstlinientest – nicht empfohlen; die Serologie (Antikörperbestimmung im Blut) bleibt hier Methode der Wahl [1]
  • Immunfluoreszenz (Labormethode mit fluoreszierenden Markierungen) als alleiniger Standardansatz – heute nicht mehr Standard der Primärdiagnostik; gebräuchlich sind vor allem Enzymimmunoassays, Immunoblots und Aviditätstests [2, 3]

Literatur

  1. Robert Koch-Institut (RKI): RKI-Ratgeber Toxoplasmose. Epidemiologisches Bulletin. 2018;42:451-457. https://doi.org/10.17886/EpiBull-2018-051
  2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC): Clinical Overview of Toxoplasmosis. Updated January 22, 2024. https://www.cdc.gov/toxoplasmosis/hcp/clinical-overview/index.html
  3. Robert Koch-Institut (RKI): Konsiliarlabor für Toxoplasma, Spezialdiagnostik mit IgG-/IgM-Antikörpernachweis, IgG-Aviditätsbestimmungen und Immunoblot. NRZ-/KL-Verzeichnis 2026. https://www.rki.de/DE/Themen/Forschung-und-Forschungsdaten/Nationale-Referenzzentren-und-Konsiliarlabore/nrz_liste.pdf?__blob=publicationFile&v=6
  4. Franco PS, et al. Systematic Review and Meta-Analysis of Congenital Toxoplasmosis Diagnosis: Advances and Challenges. J Trop Med. 2024;2024:1514178. https://doi.org/10.1155/2024/1514178

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001), Oktober 2021 Langfassung