Rotavirusinfektion – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Rotavirusinfektion (Infektion mit Rotaviren) mitbedingt sein können:
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) – wichtigste klinisch relevante Komplikation der Rotavirus-Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung durch Rotaviren), insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern; schwere Verläufe können zur Kreislaufdekompensation (Versagen der Kreislaufregulation) führen [1, 2, LL1]
- Elektrolytstörungen (Störungen des Salzhaushalts) – insbesondere Hyponatriämie (zu niedriger Natriumgehalt im Blut) und Hypernatriämie (zu hoher Natriumgehalt im Blut) bei schweren Verläufen [2, LL1]
- Metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes) – insbesondere bei ausgeprägter Diarrhö (Durchfall) und Dehydratation infolge gastrointestinalen Bicarbonatverlusts und gegebenenfalls zusätzlicher Gewebehypoperfusion (Minderdurchblutung des Gewebes) [1, LL1]
- Sekundäre Laktoseintoleranz (nachträglich entstandene Milchzuckerunverträglichkeit) – infolge einer vorübergehenden Schädigung der Dünndarmschleimhaut mit sekundärem Laktasemangel (Mangel des Enzyms Laktase); sie kann eine anhaltende bzw. verstärkte Diarrhö begünstigen und ist insbesondere im Kindesalter beschrieben [7, LL1]
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Hepatitis (Leberentzündung)/Cholestase (Gallenstau) – seltene extraintestinale Komplikationen; häufiger findet sich eine vorübergehende hepatische Beteiligung mit erhöhten Transaminasen, die in der Regel spontan und ohne bleibende Leberschädigung abklingt [4, 5]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Benigne Krampfanfälle bei milder Gastroenteritis (gutartige Krampfanfälle bei leichter Magen-Darm-Entzündung) (CwG; engl. convulsions with mild gastroenteritis) – vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern auftretende, meist afebrile und kurze Krampfanfälle, die teilweise in Clustern auftreten; sie stellen keine Epilepsie (Anfallsleiden) dar und weisen in der Regel eine sehr gute neurologische Langzeitprognose auf [3]
- Enzephalitis (Gehirnentzündung)/Enzephalopathie (Erkrankung des Gehirns) – seltene, potenziell schwere neurologische Komplikationen mit Bewusstseinsstörungen (Störungen des Bewusstseins), Krampfanfällen und gegebenenfalls Status epilepticus (anhaltender epileptischer Anfall); schwere Verläufe können mit bleibenden neurologischen Defiziten (bleibenden Schädigungen des Nervensystems) einhergehen oder selten letal verlaufen [2-4]
- Milde Enzephalopathie mit reversibler Spleniumläsion (milde Erkrankung des Gehirns mit rückbildungsfähiger Veränderung im hinteren Teil des Balkens) (MERS; engl. mild encephalopathy with a reversible splenial lesion) – klinisch-radiologisches Syndrom (Krankheitsbild mit typischen klinischen und bildgebenden Befunden) mit vorübergehender Diffusionsrestriktion (eingeschränkter Wasserbeweglichkeit im Gewebe) im Splenium des Corpus callosum; die neurologische Erholung ist bei Rotavirus-assoziierten Verläufen meist vollständig [3, 6]
- Zerebellitis (Entzündung des Kleinhirns)/Enzephalozerebellitis (Entzündung von Gehirn und Kleinhirn) – seltene neurologische Manifestationen mit Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) und weiteren zerebellären bzw. enzephalopathischen Symptomen; insbesondere die Enzephalozerebellitis ist mit einem erhöhten Risiko neurologischer Langzeitfolgen verbunden [3, 4]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Hypovolämischer Schock (Kreislaufschock durch schweren Flüssigkeitsmangel) – potenziell lebensbedrohliche Folge einer schweren, nicht ausreichend kompensierten Dehydratation; besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder [2, LL1]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) – insbesondere im Rahmen von Volumenmangel (Mangel an zirkulierender Flüssigkeit) und hämodynamischer Beeinträchtigung (Beeinträchtigung des Blutkreislaufs) möglich; bei hospitalisierten Erwachsenen ist sie als relevante Komplikation dokumentiert, wobei eine vorbestehende chronische Nierenerkrankung (langandauernde Nierenerkrankung) das Risiko deutlich erhöht [4, 8]
Prognosefaktoren
- Säuglingsalter – insbesondere junge Säuglinge weisen ein erhöhtes Risiko für schwere Dehydratation, ausgeprägte Elektrolytstörungen und intensivmedizinisch behandlungsbedürftige Verläufe auf [2, LL1]
- Ausgeprägte Dehydratation – erhöht das Risiko für Elektrolytstörungen, metabolische Azidose, akute Nierenschädigung und Kreislaufdekompensation [1, 2, LL1]
- Schwere Natriumstörungen – insbesondere ausgeprägte Hypernatriämie oder Hyponatriämie kennzeichnen schwere Verläufe und sind mit einem erhöhten intensivmedizinischen Behandlungsbedarf assoziiert [2, LL1]
- Angeborene oder erworbene Immundefizienz (Abwehrschwäche) – erhöht das Risiko für schwere, protrahierte oder chronische Infektionsverläufe und eine verlängerte Virusausscheidung [4, LL1]
- Chronische Nierenerkrankung – unabhängiger Risikofaktor für eine akute Nierenschädigung bei hospitalisierten erwachsenen Patienten mit Rotavirusinfektion [8]
- Höheres Lebensalter bei Erwachsenen – bei hospitalisierten Erwachsenen mit Rotavirusinfektion mit einer erhöhten Krankenhausmortalität (Sterblichkeit im Krankenhaus) assoziiert [8]
- Neurologischer Phänotyp (Art der neurologischen Krankheitsausprägung) – benigne Krampfanfälle bei milder Gastroenteritis weisen eine sehr gute Prognose auf; ein höheres Alter bei Auftreten neurologischer Komplikationen und insbesondere eine Enzephalozerebellitis sind dagegen mit einem erhöhten Risiko langfristiger neurologischer Beeinträchtigungen verbunden [3]
Literatur
- Karampatsas K, Osborne L, Seah ML et al.: Clinical characteristics and complications of rotavirus gastroenteritis in children in east London: A retrospective case-control study. PLoS One. 2018;13(3):e0194009. doi: 10.1371/journal.pone.0194009
- Shai S, Perez-Becker R, Wirsing von König CH et al.: Rotavirus disease in Germany – a prospective survey of very severe cases. Pediatr Infect Dis J. 2013;32(2):e62-e67. doi: 10.1097/INF.0b013e31826f602b
- Meyer A, Mazzara C, Lava SAG et al.: Neurological complications of rotavirus infection in children: A systematic review and meta-analysis. Acta Paediatr. 2023;112(7):1565-1573. doi: 10.1111/apa.16775
- Dian Z, Sun Y, Zhang G et al.: Rotavirus-related systemic diseases: clinical manifestation, evidence and pathogenesis. Crit Rev Microbiol. 2021;47(5):580-595. doi: 10.1080/1040841X.2021.1907738
- Akelma AZ, Kütükoğlu I, Köksal T et al.: Serum transaminase elevation in children with rotavirus gastroenteritis: seven years' experience. Scand J Infect Dis. 2013;45(5):362-367. doi: 10.3109/00365548.2012.740573
- Karampatsas K, Spyridou C, Morrison IR et al.: Rotavirus-associated mild encephalopathy with a reversible splenial lesion (MERS)-case report and review of the literature. BMC Infect Dis. 2015;15:446. doi: 10.1186/s12879-015-1192-5
- Ye Q, Zhang Z, Chen T et al.: Fecal gut microbiome alterations and its association with lactose intolerance in children with rotavirus infection-related diarrhea. Eur J Pediatr. 2025;184(9):553. doi: 10.1007/s00431-025-06398-w
- Hoffmann U, Rückner A, Nickel O et al.: Acute kidney injury and hyponatremia in hospitalized patients with rotavirus infection. PLoS One. 2026;21(2):e0326830. doi: 10.1371/journal.pone.0326830
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie: Akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter [2024-2029]. (AWMF-Registernummer 068-003). Juni 2024 Langfassung. [LL1]