Q-Fieber – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Q-Fieber (Infektionskrankheit durch Coxiella burnetii) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Pneumonie (Lungenentzündung) – charakteristische Organmanifestation des akuten Q-Fiebers; das Spektrum reicht von einer milden atypischen bzw. interstitiellen Pneumonie bis zu seltenen schweren pulmonalen Verläufen [1, 2, 11, LL1, LL2].
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Niedriges Geburtsgewicht – nach maternaler Q-Fieber-Infektion während der Schwangerschaft beschrieben; die Evidenz beruht überwiegend auf Beobachtungsstudien und Fallserien [9, LL2, LL4].
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Endokarditis (Herzinnenhautentzündung) – wichtigste kardiale Manifestation der persistierenden fokalisierten Coxiella-burnetii-Infektion (klassisch: chronisches Q-Fieber) und typischerweise blutkultur-negativ. Das Risiko ist insbesondere bei vorbestehender Herzklappenerkrankung, Herzklappenprothese (künstliche Herzklappe) bzw. vorausgegangener Herzklappenoperation erhöht. Persistierende Q-Fieber-Endokarditis ist mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden [1, 2, 12, LL3-LL5].
- Persistierende vaskuläre Infektion (anhaltende Infektion von Blutgefäßen) – insbesondere Infektion eines arteriellen Aneurysmas (Aussackung einer Schlagader) oder einer Gefäßprothese (künstlicher Gefäßersatz); neben der Endokarditis eine der klinisch wichtigsten Formen der persistierenden fokalisierten Infektion. Vaskuläre Infektionen weisen eine besonders ungünstige Prognose auf und waren in der großen französischen Referenzzentrumskohorte mit einer erhöhten Mortalität assoziiert [1, 2, 12, LL3, LL4].
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – seltene, jedoch potenziell schwere Manifestation des akuten Q-Fiebers; fulminante Verläufe mit Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und anhaltender linksventrikulärer Dysfunktion (Funktionsstörung der linken Herzkammer) sind beschrieben [3, LL2, LL4].
- Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – seltene kardiale Manifestation des Q-Fiebers; schwere Verläufe einschließlich Perikarderguss (Flüssigkeitsansammlung im Herzbeutel) bzw. Perikardtamponade (lebensbedrohliche Einengung des Herzens durch Flüssigkeit im Herzbeutel) sind beschrieben [4].
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Persistierende fokalisierte Coxiella-burnetii-Infektion (anhaltende örtlich begrenzte Infektion mit Coxiella burnetii) (klassisch: chronisches Q-Fieber) – entwickelt sich bei einer Minderheit der Infizierten und kann Monate bis Jahre nach der Primärinfektion klinisch manifest werden. Die CDC gibt für die Entwicklung eines chronischen Q-Fiebers einen Anteil von weniger als 5 % der Infizierten an. Dominierende Lokalisationen sind Herzklappen sowie arterielle Aneurysmen bzw. Gefäßprothesen; seltener bestehen osteoartikuläre oder andere Organherde [1, 2, LL2-LL4].
Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (Bauchspeicheldrüse) (K70-K77; K80-K87)
- Hepatitis (Leberentzündung) – häufige extrapulmonale Organmanifestation des akuten Q-Fiebers, meist mit erhöhten Transaminasen; histologisch kann eine granulomatöse Hepatitis vorliegen. Fulminante hepatische Verläufe sind selten [1, 2, 11, LL1, LL2, LL4].
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Osteoartikuläre Infektionen (Infektionen von Knochen und Gelenken) – seltene Form einer persistierenden fokalisierten Coxiella-burnetii-Infektion, insbesondere Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung), Arthritis (Gelenkentzündung) bzw. Spondylodiszitis (Entzündung einer Bandscheibe und angrenzender Wirbelkörper). Eine Spondylodiszitis kann mit einer vaskulären Q-Fieber-Infektion assoziiert sein [1, 2, LL4].
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Aseptische Meningitis (nicht bakterielle Hirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung) bzw. Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten) – seltene neurologische Manifestationen des akuten Q-Fiebers. Beschrieben sind u. a. Kopfschmerzen, Bewusstseins- und Verhaltensstörungen sowie fokal-neurologische Symptome [2, 5, LL2, LL4].
- Myelitis (Rückenmarksentzündung) und periphere Neuropathien (Schädigungen von Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) – sehr seltene neurologische Manifestationen; auch Guillain-Barré-Syndrom-ähnliche Verläufe wurden beschrieben [5].
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Spontanabort (Fehlgeburt) – insbesondere im Zusammenhang mit einer während der frühen Schwangerschaft erworbenen Q-Fieber-Infektion beschrieben [8-10, LL4].
- Intrauteriner Fruchttod (Tod des ungeborenen Kindes im Mutterleib) bzw. Totgeburt – insbesondere bei maternaler Infektion im späteren Schwangerschaftsverlauf beschrieben [8, 9, LL4].
- Frühgeburt (Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche) – in Beobachtungsstudien und Übersichtsarbeiten mit einer Q-Fieber-Infektion während der Schwangerschaft assoziiert [9, LL4].
Die Evidenz zu Q-Fieber in der Schwangerschaft beruht überwiegend auf Fallserien, Beobachtungsstudien und seroepidemiologischen Untersuchungen. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse von 30 Studien aus dem Jahr 2025 zeigte eine relevante Seroprävalenz von Coxiella burnetii bei Schwangeren und eine höhere Prävalenz bei Frauen mit Abortanamnese; aufgrund erheblicher epidemiologischer und methodischer Heterogenität lässt sich daraus jedoch kein präzises individuelles kausales Risiko für einen Abort oder andere Schwangerschaftskomplikationen ableiten [10].
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Q-Fieber-Fatigue-Syndrom (anhaltendes Erschöpfungssyndrom nach Q-Fieber) – postinfektiös persistierende Fatigue (anhaltende Erschöpfung) mit Einschränkung von körperlicher und kognitiver Leistungsfähigkeit sowie gesundheitsbezogener Lebensqualität. In einer systematischen Übersichtsarbeit besserte sich die Fatigue bei der Mehrzahl der Patienten innerhalb von 6-12 Monaten, während bei ungefähr 20 % längerfristige Beschwerden berichtet wurden; die zugrunde liegenden Studien waren jedoch heterogen [6]. Bei Patienten mit etabliertem Q-Fieber-Fatigue-Syndrom können Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität noch mehr als zehn Jahre nach der Infektion fortbestehen, wobei die individuellen Langzeitverläufe erheblich variieren [7].
Prognosefaktoren
- Vorbestehende Herzklappenerkrankung, Herzklappenprothese bzw. vorausgegangene Herzklappenoperation – wesentliche Risikokonstellation für die Entwicklung einer persistierenden Coxiella-burnetii-Endokarditis nach akuter Infektion [2, 12, LL3-LL5].
- Arterielles Aneurysma oder Gefäßprothese – wesentliche Risikokonstellation für eine persistierende vaskuläre Coxiella-burnetii-Infektion [1, 2, 12, LL3, LL4].
- Höheres Lebensalter und Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion) – in einer niederländischen Fall-Kontroll-Studie unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung eines persistierenden bzw. chronischen Q-Fiebers [12].
- Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Infektion – Risikokonstellation für ungünstige Schwangerschaftsausgänge und nach Beobachtungsdaten auch für eine spätere persistierende Infektion; die Quantifizierung des individuellen Risikos bleibt aufgrund der begrenzten Evidenz unsicher [9, 10, LL4].
- Persistierende Endokarditis bzw. vaskuläre Infektion – prognostisch besonders relevant. In der französischen Referenzzentrumskohorte waren persistierende Endokarditis und insbesondere vaskuläre Infektion unabhängig mit einer erhöhten Mortalität assoziiert [2].
- Verzögerter Therapiebeginn bei symptomatischem akutem Q-Fieber – eine frühzeitige Behandlung mit Doxycyclin, insbesondere innerhalb der ersten Krankheitstage, verkürzt die Erkrankungsdauer und reduziert das Risiko schwerer akuter Komplikationen [LL3, LL4].
Literatur
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- Melenotte C, Protopopescu C, Million M et al.: Clinical Features and Complications of Coxiella burnetii Infections From the French National Reference Center for Q Fever. JAMA Netw Open. 2018;1(4):e181580. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2018.1580.
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- Levy PY, Carrieri P, Raoult D: Coxiella burnetii pericarditis: report of 15 cases and review. Clin Infect Dis. 1999;29(2):393-397. doi: 10.1086/520221.
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- Stemerdink NC, Heemskerk SCM, Hartman E et al.: Health-related quality of life changes in patients with Q-fever fatigue syndrome: a four-year follow-up study, 10 years post-infection. Qual Life Res. 2026;35(7):191. doi: 10.1007/s11136-026-04295-9.
- Million M, Roblot F, Carles D et al.: Reevaluation of the risk of fetal death and malformation after Q fever. Clin Infect Dis. 2014;59(2):256-260. doi: 10.1093/cid/ciu259.
- Ghanem-Zoubi N, Paul M: Q fever during pregnancy: a narrative review. Clin Microbiol Infect. 2020;26(7):864-870. doi: 10.1016/j.cmi.2019.10.024.
- Latifian M, Bagheri Amiri F, Mostafavi E et al.: Evidence of Coxiella burnetii infection among pregnant and aborted women: A systematic review and meta-analysis. New Microbes New Infect. 2025;67:101619. doi: 10.1016/j.nmni.2025.101619.
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Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber – Q-Fieber. RKI-Ratgeber Q-Fieber. [LL1]
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Signs and Symptoms of Q fever. 30. Januar 2025. Clinical Signs and Symptoms of Q fever. [LL2]
- Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Guidance for Q fever. 5. März 2025. Clinical Guidance for Q fever. [LL3]
- Anderson A, Bijlmer H, Fournier PE et al.: Diagnosis and Management of Q Fever — United States, 2013: Recommendations from CDC and the Q Fever Working Group. MMWR Recomm Rep. 2013;62(RR-03):1-30. CDC/Q Fever Working Group Recommendations. [LL4]
- ESC-Leitlinie: 2023 ESC Guidelines for the management of endocarditis. Eur Heart J. 2023;44(39):3948-4042; Corrigendum Januar 2025. doi: 10.1093/eurheartj/ehad193. ESC-Leitlinienseite. [LL5]