Pseudomembranöse Enterokolitis – Differentialdiagnosen
Referenzdiagnose
- Clostridioides-difficile-Infektion – Leitätiologie der pseudomembranösen Enterokolitis (schwere Dickdarmentzündung mit Schleimhautbelägen); typisch nach Antibiotikatherapie, Hospitalisation (Krankenhausaufenthalt), höherem Lebensalter, Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), Protonenpumpeninhibitor-Exposition (Kontakt mit Magensäureblockern) oder vorangegangener Clostridioides-difficile-Infektion; Diagnose nur bei symptomatischen Patienten mit Diarrhoe (Durchfall) und leitliniengerechtem Stuhltestalgorithmus.
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Nekrotisierende Enterokolitis (absterbende Darmentzündung) des Neugeborenen – schwere entzündlich-ischämische Darmerkrankung (Darmerkrankung durch Entzündung und Durchblutungsstörung) bei Früh- und Neugeborenen; abzugrenzen bei blutigen Stühlen, abdomineller Distension (aufgeblähter Bauch), Sepsiszeichen (Zeichen einer Blutvergiftung) und radiologischem Nachweis (Nachweis in der Bildgebung) von Pneumatosis intestinalis (Gas in der Darmwand)
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Graft-versus-Host-Disease (Transplantat-gegen-Wirt-Erkrankung) des Darms – immunvermittelte Enterokolitis (durch das Abwehrsystem vermittelte Darm- und Dickdarmentzündung) nach allogener Stammzelltransplantation (Stammzellübertragung von einem Spender); klinisch mit Diarrhoe, Bauchschmerzen und Schleimhautschädigung; differentialdiagnostisch besonders gegenüber Clostridioides-difficile-Infektion und Cytomegalie-Kolitis (Dickdarmentzündung durch Cytomegalievirus) relevant
- Neutropenische Enterokolitis (Darmentzündung bei Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen) – nekrotisierende Entzündung vor allem von Zökum (Blinddarmabschnitt) und Colon ascendens (aufsteigendem Dickdarm) bei schwerer Neutropenie (Mangel an neutrophilen Granulozyten); typisch nach Chemotherapie (Krebsmedikamentenbehandlung), mit Fieber, abdominellen Schmerzen, Diarrhoe und Sepsisrisiko
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Ischämische Kolitis (Dickdarmentzündung durch Durchblutungsstörung) – Minderperfusion (Minderdurchblutung) des Kolons (Dickdarms), häufig bei älteren Patienten, Hypotonie (niedrigem Blutdruck), Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder vaskulären Risikofaktoren (gefäßbedingten Risikofaktoren); Leitsymptome sind akute krampfartige Bauchschmerzen, Hämatochezie (sichtbares Blut im Stuhl) und segmentale Kolitis (abschnittsweise Dickdarmentzündung)
- Mesenterialischämie (Durchblutungsstörung des Darms) – akute oder chronische Durchblutungsstörung des Darms; bei akuter Verlaufsform Notfall mit starken abdominellen Schmerzen, Lactaterhöhung, metabolischer Azidose (stoffwechselbedingter Übersäuerung) und Risiko der Darmnekrose (Absterben von Darmgewebe)
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Amöbenkolitis (Dickdarmentzündung durch Amöben) – invasive Infektion (eindringende Infektion) durch Entamoeba histolytica; abzugrenzen bei blutig-schleimiger Diarrhoe, Reiseanamnese (Angaben zu Reisen), Leberabszess-Konstellation (Eiteransammlung in der Leber) und Nachweis durch Antigen (Erregerbestandteil), Polymerase-Kettenreaktion (molekularer Erregernachweis) oder Mikroskopie
- Campylobacter-Enterokolitis (Darm- und Dickdarmentzündung durch Campylobacter) – bakterielle Enterokolitis mit Fieber, krampfartigen Bauchschmerzen und häufig blutiger Diarrhoe; wichtige Differentialdiagnose bei akuter infektiöser Kolitis
- Cytomegalie-Kolitis – opportunistische Kolitis (Dickdarmentzündung bei geschwächtem Immunsystem) insbesondere bei Immunsuppression, Humanes-Immundefizienz-Virus-Infektion (HIV-Infektion), Transplantation oder immunsuppressiver Therapie (Behandlung zur Unterdrückung des Immunsystems); endoskopisch (bei der Darmspiegelung) häufig Ulzera (Geschwüre), histologisch (feingeweblich) Einschlusskörperchen beziehungsweise molekularer Nachweis
- Enterohämorrhagische Escherichia-coli-Kolitis (Dickdarmentzündung durch blutbildende Escherichia-coli-Bakterien) – Shiga-Toxin-assoziierte hämorrhagische Kolitis (blutige Dickdarmentzündung); abzugrenzen bei blutiger Diarrhoe, fehlendem oder geringem Fieber und Risiko eines hämolytisch-urämischen Syndroms (Blutarmut-Nierenversagen-Syndrom)
- Salmonellen-Enterokolitis (Darm- und Dickdarmentzündung durch Salmonellen) – akute bakterielle Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung) mit Diarrhoe, Fieber und Bauchschmerzen; relevant bei Nahrungsmittelanamnese (Angaben zu verzehrten Lebensmitteln), Ausbruchsgeschehen, Immunsuppression oder schwerem Verlauf
- Shigellen-Kolitis (Dickdarmentzündung durch Shigellen) – invasive bakterielle Kolitis mit Fieber, Tenesmen (schmerzhaftem Stuhldrang) und blutig-schleimiger Diarrhoe; klinisch wichtige Differentialdiagnose zur schweren Clostridioides-difficile-Kolitis
- Yersinien-Enterokolitis (Darm- und Dickdarmentzündung durch Yersinien) – bakterielle Enterokolitis mit terminaler Ileitis (Entzündung des letzten Dünndarmabschnitts), mesenterialer Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung im Bauchraum) und pseudoappendizitischem Bild (scheinbarer Blinddarmentzündung); besonders bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen relevant
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung) – chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit kontinuierlicher Kolitis ab Rektum (Mastdarm); Leitsymptome sind blutig-schleimige Diarrhoe, Tenesmen und rezidivierender Verlauf (wiederkehrender Verlauf); zusätzlich kann eine Clostridioides-difficile-Infektion einen Schub (Krankheitsschub) imitieren oder aggravieren
- Divertikulitis (Entzündung von Darmausstülpungen) – entzündliche Komplikation der Divertikulose (Darmausstülpungen), meist mit linksseitigen Unterbauchschmerzen, Fieber und lokaler Kolitis; kann mit Diarrhoe, Obstipation (Verstopfung) oder Blutabgang einhergehen
- Entzündliche Strahlenkolitis (Dickdarmentzündung nach Bestrahlung) – Schleimhautschädigung nach Bestrahlung im Becken- oder Abdominalbereich (Bauchbereich); abzugrenzen bei entsprechender Strahlenanamnese (Angaben zu früherer Bestrahlung), Blutabgang, Tenesmen und chronischer Diarrhoe
- Mikroskopische Kolitis (nur feingeweblich erkennbare Dickdarmentzündung) – chronisch-wässrige, nichtblutige Diarrhoe bei makroskopisch (mit bloßem Auge) meist unauffälliger Koloskopie (Darmspiegelung); Diagnose histologisch durch lymphozytäre oder kollagene Kolitis
- Morbus Crohn (chronische Darmentzündung) – chronisch-entzündliche Darmerkrankung mit segmentalem, transmuralem Befall (abschnittsweisem Befall aller Darmwandschichten); abzugrenzen bei Ileokolitis (Entzündung von Dünndarm und Dickdarm), Fisteln (krankhaften Verbindungsgängen), Stenosen (Verengungen), perianalen Läsionen (Veränderungen am After) und extraintestinalen Manifestationen (Beschwerden außerhalb des Darms)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Kolon-/Rektumlymphom (Lymphdrüsenkrebs im Dickdarm/Mastdarm) – seltene neoplastische Ursache (tumorbedingte Ursache) von Kolitis-ähnlichen Beschwerden, Blutung, Ulzerationen, Stenosen oder systemischen Symptomen; häufiger bei Immunsuppression
- Kolorektales Karzinom (Dickdarm-/Mastdarmkrebs) – kann Diarrhoe, Blutabgang, Anämie (Blutarmut), Gewichtsverlust oder wechselnde Stuhlgewohnheiten verursachen; insbesondere bei chronischem, atypischem oder therapieresistentem Verlauf differentialdiagnostisch zu berücksichtigen
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Akute infektiöse Diarrhoe unklarer Ätiologie (Ursache) – klinische Arbeitsdiagnose bis zum Erregernachweis; wichtig bei fehlender Antibiotikaexposition oder negativer Clostridioides-difficile-Diagnostik
- Akutes Abdomen (akuter Bauch) – symptomatische Notfallkonstellation mit abdominellen Schmerzen, Abwehrspannung, Ileuszeichen (Zeichen eines Darmverschlusses) oder Kreislaufinstabilität; erfordert Ausschluss von Perforation (Durchbruch), toxischem Megakolon (krankhaft erweiterter Dickdarm mit Vergiftungszeichen), Ischämie (Durchblutungsstörung) und Sepsis (Blutvergiftung)
- Toxisches Megakolon – schwere Komplikationskonstellation mit Kolondilatation (Dickdarmerweiterung), systemischer Toxizität (Vergiftungszeichen des ganzen Körpers), Fieber, Tachykardie (Herzrasen), Leukozytose (Erhöhung der weißen Blutkörperchen) und Perforationsrisiko; kann bei schwerer Clostridioides-difficile-Kolitis, Colitis ulcerosa oder infektiöser Kolitis auftreten
Medikamente
- Antibiotika-assoziierte Diarrhoe ohne Clostridioides-difficile-Infektion – osmotische, motilitätsbedingte oder mikrobiomassoziierte Diarrhoe (Durchfall durch veränderte Darmflora) unter oder nach Antibiotikatherapie; keine Toxin-positive Clostridioides-difficile-Konstellation
- Chemotherapie-induzierte Mukositis/Kolitis (Schleimhautentzündung/Dickdarmentzündung durch Chemotherapie) – Schleimhautschädigung unter zytotoxischer Therapie (zellschädigender Behandlung); relevant bei Diarrhoe, abdominellen Schmerzen, Fieber, Neutropenie und Sepsisrisiko
- Immune-Checkpoint-Inhibitor-Kolitis (Dickdarmentzündung durch Immuntherapie) – immunvermittelte Kolitis unter PD-1-, PD-L1- oder CTLA-4-Inhibition (Hemmung bestimmter Immunbremsen); endoskopisch und klinisch häufig ähnlich einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung
- Mycophenolat-assoziierte Kolitis (Dickdarmentzündung durch Mycophenolat) – medikamentös induzierte Kolitis unter Mycophenolat-Mofetil oder Mycophenolsäure, insbesondere nach Transplantation; kann histologisch und klinisch infektiöse oder chronisch-entzündliche Kolitiden imitieren
- Nichtsteroidale-Antirheumatika-assoziierte Kolitis (Dickdarmentzündung durch entzündungshemmende Schmerzmittel) – medikamentös bedingte Schleimhautschädigung mit Ulzera, Blutung, Diarrhoe oder Kolonstrikturen (Dickdarmverengungen); Anamnese (Krankengeschichte) entscheidend
Umweltbelastungen – Intoxikationen
- Arsenintoxikation (Arsenvergiftung) – toxische Gastroenterokolitis (giftbedingte Magen-Darm-Dickdarmentzündung) mit Übelkeit, Erbrechen, wässriger Diarrhoe, Bauchschmerzen und Kreislaufbeteiligung; abzugrenzen bei Expositionsanamnese (Angaben zu Schadstoffkontakt)
- Lebensmitteltoxine (Lebensmittelgifte) – präformierte Toxine (vorgebildete Giftstoffe), z. B. durch Staphylococcus aureus oder Bacillus cereus, mit abruptem Beginn von Erbrechen und Diarrhoe; meist kurzer Verlauf ohne kolitische Pseudomembranen (Schleimhautbeläge im Dickdarm)