Pest – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Erregereradikation: Rasche Elimination von Yersinia pestis.
  • Vermeidung von Komplikationen: Verhinderung von Lungenpest (Pest mit Befall der Lunge), Sepsis (lebensbedrohliche Organschädigung durch eine fehlregulierte Reaktion des Körpers auf eine Infektion), Meningitis (Hirnhautentzündung) und Tod.
  • Unterbrechung der Transmission: Isolation bei Lungenpest sowie Identifikation, Überwachung und gegebenenfalls antibiotische Prophylaxe exponierter Kontaktpersonen.

Therapieempfehlungen

  • Sofortiger Therapiebeginn: Bereits bei begründetem klinischem Verdacht unverzüglich eine wirksame antibiotische Behandlung beginnen; mikrobiologische Untersuchungsergebnisse dürfen den Therapiebeginn nicht verzögern. Behandlung in Abstimmung mit einem infektiologischen Zentrum und dem zuständigen Gesundheitsamt [LL1, LL2].
  • Applikationsweg: Bei schwerer Erkrankung, Lungenpest, septikämischer Pest (Pest mit Ausbreitung der Erreger im Blut) oder unsicherer enteraler Resorption initial parenteral behandeln. Bei klinischer Stabilisierung und zuverlässiger Resorption ist eine orale Weiterbehandlung möglich. Bei stabiler, unkomplizierter Beulenpest (Pest mit schmerzhaft geschwollenen Lymphknoten) kann eine geeignete orale Therapie bereits initial eingesetzt werden [5, LL1, LL2].
  • Therapiedauer: Die antibiotische Behandlung dauert regulär insgesamt 10 bis 14 Tage. Parenterale und anschließende orale Behandlung werden dabei zusammengerechnet. Bei fortbestehendem Fieber, unzureichendem klinischem Ansprechen oder Komplikationen ist eine Verlängerung nach infektiologischer Beurteilung erforderlich. Eine frühe Entfieberung rechtfertigt keine Verkürzung auf „48 Stunden nach Entfieberung“ [LL1, LL2].
  • Antibiotikawahl: Gentamicin, Streptomycin, Ciprofloxacin oder Levofloxacin sind geeignete Erstlinienoptionen. Doxycyclin ist bei unkomplizierter Beulenpest ebenfalls eine Erstlinienoption; bei Lungenpest oder septikämischer Pest wird es als Alternative eingeordnet. Auswahl und gegebenenfalls Anpassung nach Erkrankungsform, Organfunktion, Verfügbarkeit und Empfindlichkeit des Erregers [1, 2, LL1, LL2, LL3].
  • Schwere Lungenpest oder septikämische Pest: Initial zwei wirksame Antibiotika aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen einsetzen, beispielsweise Gentamicin plus Ciprofloxacin oder Levofloxacin. Nach klinischer Besserung und Vorliegen der Empfindlichkeitsbefunde kann auf eine Monotherapie umgestellt werden [LL1].
  • Unkomplizierte Beulenpest: Eine Monotherapie ist bei klinisch stabilen Patienten ohne sekundäre Lungenpest oder Sepsis möglich. In der randomisierten IMASOY-Studie war eine zehntägige orale Ciprofloxacin-Monotherapie einer dreitägigen Aminoglykosidbehandlung mit anschließender siebentägiger Ciprofloxacinbehandlung nicht unterlegen. Die Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf primäre Lungenpest, Pestmeningitis (Hirnhautentzündung durch Pesterreger) oder Schwangere übertragen [5].
  • Pestmeningitis: Initial möglichst Chloramphenicol plus Levofloxacin einsetzen; eine weitere leitliniengestützte Option ist Chloramphenicol plus Moxifloxacin. Die Evidenz für Fluorchinolone bei Pestmeningitis beruht wesentlich auf ihrer Erregeraktivität und ZNS-Penetration; klinische Humandaten sind begrenzt. Bei bereits initial bestehender Meningitis beträgt die reguläre Gesamtdauer ebenfalls 10 bis 14 Tage, mit individueller Verlängerung bei unzureichendem Ansprechen. Entwickelt sich eine Meningitis erst unter laufender Pesttherapie, wird ein ZNS-gängiges Antibiotikum ergänzt und das gesamte wirksame Regime ab dieser Ergänzung weitere 10 Tage fortgeführt [4, LL1].
  • Schwangerschaft: Eine unverzügliche Behandlung ist wegen des hohen maternalen und fetalen Risikos erforderlich. Die CDC empfiehlt initial Gentamicin plus Ciprofloxacin oder Levofloxacin. Streptomycin wegen des Risikos fetaler Ototoxizität (Schädigung des Gehörs beim ungeborenen Kind) möglichst vermeiden. Die Anwendung entgegen Einschränkungen deutscher Fachinformationen erfordert eine dokumentierte individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung [3, LL1, FI2, FI3, FI4].
  • Kinder: Dosierungen nach Körpergewicht und Alter festlegen. Bei Pest können nach leitliniengestützter Nutzen-Risiko-Abwägung auch Fluorchinolone oder eine kurze Doxycyclinbehandlung erforderlich sein. Neugeborene benötigen gesonderte Dosierungsschemata [LL1, LL2].
  • Organfunktion und Monitoring: Bei Aminoglykosiden Nierenfunktion und Serumkonzentrationen überwachen; auf Hör- und Gleichgewichtsstörungen achten. Auch Ciprofloxacin, Levofloxacin und Cotrimoxazol müssen bei eingeschränkter Nierenfunktion angepasst werden. Unter Chloramphenicol sind engmaschige Blutbildkontrollen erforderlich [FI1, FI2, FI3, FI4, FI6, FI7].
  • Supportivmaßnahmen: Bedarfsgerechte Flüssigkeits- und Elektrolyttherapie, Behandlung einer Sepsis sowie gegebenenfalls respiratorische und hämodynamische Organunterstützung.

Expositionsprophylaxe

  • Indikation zur Postexpositionsprophylaxe: Enge, länger dauernde und ungeschützte Kontakte zu Menschen oder Tieren mit Lungenpest sowie relevante ungeschützte Kontakte zu infizierten Körperflüssigkeiten, Geweben oder Laborproben. Die Entscheidung erfolgt nach Expositionsbewertung in Abstimmung mit Infektiologie und Gesundheitsamt [LL1, LL2].
  • Beginn und Dauer der Postexpositionsprophylaxe: Möglichst sofort nach Erkennen der relevanten Exposition beginnen. Nach abgeschlossener Exposition wird ein wirksames Antibiotikum für 7 Tage verabreicht. Bei erneuter relevanter Exposition während der Prophylaxe muss die Dauer neu festgelegt werden; die Prophylaxe ist so fortzuführen, dass nach der letzten relevanten Exposition noch 7 Tage abgedeckt sind. Eine Beendigung bereits 48 Stunden nach der letzten Exposition ist kein Schema der Postexpositionsprophylaxe [LL1, LL2].
  • Antibiotikawahl: In der Regel orale Monotherapie mit Doxycyclin, Ciprofloxacin oder Levofloxacin; Dosierungen siehe unten. Bei Schwangeren bevorzugt Ciprofloxacin oder Levofloxacin nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung. Bei Kindern gewichtsadaptierte Dosierung [LL1, LL2].
  • Präexpositionsprophylaxe: Bei zuverlässig eingehaltenen Standard- und Tröpfchenschutzmaßnahmen für medizinisches Personal normalerweise nicht erforderlich. Falls sie wegen unzureichender Schutzmöglichkeiten ausnahmsweise eingesetzt wird, kann sie nach CDC-Empfehlung 48 Stunden nach der letzten möglichen Exposition beendet werden. Diese Regel gilt ausschließlich für die Präexpositionsprophylaxe [LL1, LL2].
  • Symptome trotz Prophylaxe: Bei Fieber oder anderen pestverdächtigen Beschwerden unverzüglich auf eine manifeste Infektion untersuchen und gegebenenfalls eine vollständige therapeutische Behandlung beginnen; die Prophylaxedosis ersetzt keine Pesttherapie [LL1].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Die folgenden Therapiedosierungen gelten für Erwachsene mit regelrechter Organfunktion. Sie sind von den Dosierungen zur Postexpositionsprophylaxe zu unterscheiden. Die Anwendung bei Pest kann je nach Präparat und Zulassungsgebiet außerhalb der zugelassenen Indikation oder Dosierung erfolgen; maßgeblich sind die krankheitsspezifischen Empfehlungen und eine dokumentierte Nutzen-Risiko-Abwägung [LL1, LL2].

Aminoglykoside

Wirkstoff Besonderheiten
Gentamicin Erstlinienoption; Dosis beziehungsweise Dosierungsintervall nach Nierenfunktion und Serumkonzentrationen anpassen. Bei schwerer Pest initial als Bestandteil einer Kombinationstherapie [LL1, LL2, FI1].
Streptomycin Erstlinienoption bei Verfügbarkeit; Nierenfunktion sowie Hör- und Gleichgewichtsfunktion überwachen. In der Schwangerschaft möglichst vermeiden [LL1, LL2, FI2].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese durch Bindung an die 30S-Untereinheit der Ribosomen [FI1, FI2].
  • Indikationen: Beulenpest, Lungenpest und septikämische Pest; bei schwerer Erkrankung initial Kombination mit einem Antibiotikum aus einer anderen Wirkstoffgruppe. Keine alleinige Standardtherapie einer Pestmeningitis [LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff beziehungsweise andere Aminoglykoside. Bei Myasthenia gravis (Erkrankung mit belastungsabhängiger Muskelschwäche), vorbestehender Innenohrschädigung oder erheblicher Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) besondere Nutzen-Risiko-Abwägung; zusätzliche nephro- oder ototoxische Arzneimittel möglichst vermeiden [FI1, FI2].
  • Nebenwirkungen: Nephrotoxizität (Schädigung der Nieren), cochleäre und vestibuläre Ototoxizität (Schädigung des Hör- und Gleichgewichtsorgans), neuromuskuläre Blockade (Störung der Signalübertragung von den Nerven auf die Muskeln) und Überempfindlichkeitsreaktionen [FI1, FI2].

Fluorchinolone

Wirkstoff Besonderheiten
Ciprofloxacin Erstlinienoption. Orale Monotherapie bei geeigneten Patienten mit unkomplizierter Beulenpest durch randomisierte Daten gestützt. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz; gleichzeitige Einnahme mit Tizanidin kontraindiziert [5, LL1, LL2, FI3].
Levofloxacin Erstlinienoption; auch Bestandteil eines Kombinationsregimes bei Pestmeningitis. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz; QT-Verlängerung und weitere Klasseneffekte beachten. Die Pestdosierung richtet sich nach CDC-Empfehlung [LL1, LL2, FI4].
  • Wirkweise: Bakterizide Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV [FI3, FI4].
  • Indikationen: Beulenpest, Lungenpest und septikämische Pest sowie Expositionsprophylaxe; Levofloxacin außerdem als Bestandteil einer Kombinationstherapie bei Pestmeningitis [LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Chinolone; für Ciprofloxacin zusätzlich gleichzeitige Anwendung von Tizanidin. Bei Levofloxacin sind unter anderem Epilepsie (Erkrankung mit wiederkehrenden Krampfanfällen) und chinolonassoziierte Sehnenschäden in der Anamnese kontraindiziert. Einschränkungen für Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder sind präparatespezifisch zu berücksichtigen; bei Pest kann eine abweichende Anwendung nach dokumentierter Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich sein [LL1, FI3, FI4].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), Tendinitis (Sehnenentzündung) und Sehnenruptur (Sehnenriss), periphere Neuropathie (Schädigung von Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark), neuropsychiatrische Reaktionen (Störungen des Nervensystems und der Psyche), Dysglykämien (Störungen des Blutzuckerspiegels) und QT-Verlängerung. Selten schwerwiegende, lang anhaltende oder irreversible Reaktionen sowie Aortenaneurysma (krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader) beziehungsweise Aortendissektion (Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader) [FI3, FI4].

Tetracycline

Wirkstoff Besonderheiten
Doxycyclin Erstlinienoption bei unkomplizierter Beulenpest; Alternative bei Lungenpest und septikämischer Pest. Meist keine Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz erforderlich [LL1, LL2, FI5].
  • Wirkweise: Überwiegend bakteriostatische Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 30S-Untereinheit der Ribosomen [FI5].
  • Indikationen: Insbesondere unkomplizierte Beulenpest und Expositionsprophylaxe; bei schwerer Pest Alternative nach infektiologischer Beurteilung [LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Tetracycline und schwere Leberfunktionsstörungen. Für das aufgeführte intravenöse Präparat sind zusätzlich unter anderem Schwangerschaft, Stillzeit und Myasthenia gravis zu beachten. Bei Kindern unter 8 Jahren kann eine kurze Behandlung bei schwerer oder lebensbedrohlicher Erkrankung nach Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich sein [LL1, FI5].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, Photosensibilisierung (erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut), Überempfindlichkeitsreaktionen, selten Hepatotoxizität (Schädigung der Leber) und intrakranielle Drucksteigerung (erhöhter Druck im Schädel); bei oraler Anwendung zusätzlich Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung) und Ösophagusulzerationen (Geschwüre der Speiseröhre) [FI5].

Amphenicole

Wirkstoff Besonderheiten
Chloramphenicol Initial möglichst zusammen mit Levofloxacin oder Moxifloxacin. Verfügbarkeit eingeschränkt; Blutbild engmaschig kontrollieren und, wenn verfügbar, Serumkonzentrationen bestimmen. Keine Expositionsprophylaxe [4, LL1, FI6].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese an der 50S-Untereinheit der Ribosomen; gute Liquorgängigkeit [4, FI6].
  • Indikationen: Insbesondere Pestmeningitis, vorzugsweise als Bestandteil einer Kombinationstherapie. Einsatz bei anderen Pestformen nur nach strenger Indikationsstellung, wenn geeignete, weniger toxische Optionen nicht eingesetzt werden können [LL1, FI6].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit sowie frühere chloramphenicolbedingte toxische Reaktionen. Gleichzeitige myelosuppressive Arzneimittel möglichst vermeiden; bei Leber- oder Nierenfunktionsstörung und bei Neugeborenen besondere Vorsicht und individuelle Dosierung [FI6].
  • Nebenwirkungen: Dosisabhängige reversible Knochenmarkdepression (vorübergehend verminderte Bildung von Blutzellen im Knochenmark) und selten irreversible aplastische Anämie (dauerhafte schwere Störung der Blutzellbildung im Knochenmark); außerdem gastrointestinale Beschwerden, periphere beziehungsweise optische Neuropathie (Schädigung des Sehnervs) und Gray-Syndrom (schwere Arzneimittelvergiftung mit grauer Hautverfärbung und Kreislaufversagen), insbesondere bei Neugeborenen. Regelmäßige Blutbildkontrollen schließen eine später auftretende aplastische Anämie nicht sicher aus [FI6].

Folsäureantagonisten: Sulfonamid-Trimethoprim-Kombination

Wirkstoff Besonderheiten
Trimethoprim/Sulfamethoxazol (Cotrimoxazol) Alternative, wenn bevorzugte Wirkstoffe nicht geeignet sind; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Die Pestdosierung ist nicht mit der üblichen Standarddosis von 160/800 mg zweimal täglich gleichzusetzen [LL1, FI7].
  • Wirkweise: Sequentielle Hemmung der bakteriellen Folsäuresynthese durch Sulfamethoxazol und Trimethoprim [FI7].
  • Indikationen: Alternative zur Pesttherapie und gegebenenfalls zur Expositionsprophylaxe, wenn Erstlinienoptionen nicht eingesetzt werden können; möglichst nach Empfindlichkeitsprüfung und infektiologischer Rücksprache [LL1].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Trimethoprim oder Sulfonamide, schwere Leberparenchymschäden (Schädigungen des Lebergewebes), relevante Blutbildveränderungen und schwere Niereninsuffizienz entsprechend den präparatespezifischen Vorgaben. Altersbeschränkungen und Risiken bei Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (angeborenem Enzymmangel mit erhöhter Anfälligkeit roter Blutkörperchen für Schäden) beachten [FI7].
  • Nebenwirkungen: Exantheme (Hautausschläge) bis zu schweren kutanen Arzneimittelreaktionen (Hautreaktionen durch Arzneimittel), Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel im Blut), Blutbildveränderungen, gastrointestinale Beschwerden, Leber- und Nierenschädigung sowie Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen) bei entsprechender Prädisposition. Blutbild, Nierenfunktion und Kalium kontrollieren [FI7].

Postexpositionsprophylaxe: Dosierungsschemata

Es wird ein geeigneter Wirkstoff ausgewählt. Alle nachfolgenden Standardschemata werden für 7 Tage verabreicht; bei erneuter relevanter Exposition ist die Dauer entsprechend neu festzulegen. Die Dosierungen gelten bei regelrechter Organfunktion [LL1, LL2].

Wirkstoff Besonderheiten
Doxycyclin Erstlinienoption der PEP; bei Kindern individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung. Keine Aufsättigungsdosis für die PEP erforderlich [LL1, LL2].
Ciprofloxacin Erstlinienoption; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Anwendung in Schwangerschaft und bei Kindern nach dokumentierter Nutzen-Risiko-Abwägung [LL1, LL2, FI3].
Levofloxacin Erstlinienoption; Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz. Anwendung in Schwangerschaft und bei Kindern nach dokumentierter Nutzen-Risiko-Abwägung [LL1, LL2, FI4].
  • Wirkweise: Antibakterielle Wirkung der jeweiligen Wirkstoffgruppe; siehe die entsprechenden Abschnitte.
  • Indikationen: Relevante Exposition gegenüber Yersinia pestis bei noch asymptomatischen Personen [LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Wirkstoff- und präparatespezifische Gegenanzeigen sowie Interaktionen berücksichtigen; bei Hochrisikoexposition individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung [LL1, FI3, FI4, FI5].
  • Nebenwirkungen: Entsprechend dem gewählten Wirkstoff; siehe die jeweiligen Wirkstoffgruppen.

Beachte

  • Dauerangaben eindeutig unterscheiden: Pesttherapie regulär insgesamt 10 bis 14 Tage; Postexpositionsprophylaxe 7 Tage; ausnahmsweise eingesetzte Präexpositionsprophylaxe nach CDC bis 48 Stunden nach der letzten möglichen Exposition. Diese Zeitangaben sind nicht austauschbar [LL1, LL2].
  • Isolation bei Lungenpest: Standard- und Tröpfchenschutzmaßnahmen aufrechterhalten, bis mindestens 48 Stunden wirksame Antibiotikatherapie erfolgt sind und eine klinische Besserung eingetreten ist. Die Aufhebung der Isolation bedeutet nicht das Ende der antibiotischen Behandlung [LL1].

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • CDC: Centers for Disease Control and Prevention (US-amerikanische Behörde für Krankheitskontrolle und Prävention).
  • DHA: Docosahexaensäure.
  • DNA: Desoxyribonukleinsäure, Träger der Erbinformation.
  • EPA: Eicosapentaensäure.
  • IMASOY: Studienname der randomisierten Untersuchung zu Ciprofloxacin im Vergleich mit einer Aminoglykosid-Ciprofloxacin-Behandlung bei Beulenpest.
  • KG: Körpergewicht.
  • LL: Leitlinie beziehungsweise klinische Empfehlung.
  • PEP: Postexpositionsprophylaxe, vorbeugende Behandlung nach einem möglichen Erregerkontakt.
  • QT: Zeitabschnitt zwischen Beginn der Q-Zacke und Ende der T-Welle in der elektrischen Aufzeichnung der Herzaktivität.
  • US: United States, Vereinigte Staaten von Amerika.
  • USP: United States Pharmacopeia, US-amerikanisches Arzneibuch.
  • WHO: World Health Organization, Weltgesundheitsorganisation.
  • ZNS: Zentrales Nervensystem, Gehirn und Rückenmark.

Literatur

  1. Godfred-Cato S, Cooley KM, Fleck-Derderian S et al.: Treatment of Human Plague: A Systematic Review of Published Aggregate Data on Antimicrobial Efficacy, 1939-2019. Clin Infect Dis. 2020;70(Suppl 1):S11-S19. doi: 10.1093/cid/ciz1230.
  2. Sebbane F, Lemaître N: Antibiotic Therapy of Plague: A Review. Biomolecules. 2021;11(5):724. doi: 10.3390/biom11050724.
  3. Fleck-Derderian S, Nelson CA, Cooley KM et al.: Plague During Pregnancy: A Systematic Review. Clin Infect Dis. 2020;70(Suppl 1):S30-S36. doi: 10.1093/cid/ciz1228.
  4. Cooley KM, Fleck-Derderian S, McCormick DW, Nelson CA: Plague Meningitis: A Systematic Review of Clinical Course, Antimicrobial Treatment, and Outcomes. Health Secur. 2023;21(1):22-33. doi: 10.1089/hs.2022.0081.
  5. Randremanana RV, Raberahona M, Bourner J et al.: Ciprofloxacin versus Aminoglycoside-Ciprofloxacin for Bubonic Plague. N Engl J Med. 2025;393(6):544-555. doi: 10.1056/NEJMoa2413772.

Leitlinien

  1. CDC-Empfehlungen: Nelson CA, Meaney-Delman D, Fleck-Derderian S et al.: Antimicrobial Treatment and Prophylaxis of Plague: Recommendations for Naturally Acquired Infections and Bioterrorism Response. MMWR Recomm Rep. 2021;70(3):1-27. Juli 2021. doi: 10.15585/mmwr.rr7003a1. Langfassung [LL1].
  2. Centers for Disease Control and Prevention: Clinical Care of Plague. Aktualisierung vom 15. Mai 2024. Aktuelle klinische Empfehlungen einschließlich Therapie- und Prophylaxedosierungen [LL2].
  3. WHO-Leitlinie: WHO guidelines for plague management: revised recommendations for the use of rapid diagnostic tests, fluoroquinolones for case management and personal protective equipment for prevention of post-mortem transmission. Genf: World Health Organization; 2021. Publikationsseite. Langfassung [LL3].

Fachinformationen

  1. ratiopharm GmbH: Gentamicin-ratiopharm SF. Stand: Juni 2025. Fachinformation [FI1].
  2. XGen Pharmaceuticals DJB, Inc.: Streptomycin for Injection, USP, 1 gram/vial. US-amerikanische Produktinformation. Prescribing Information, DailyMed [FI2].
  3. ratiopharm GmbH: Ciprofloxacin-ratiopharm 250/500/750 mg Filmtabletten. Stand: August 2026. Fachinformation [FI3].
  4. ratiopharm GmbH: Levofloxacin-ratiopharm Filmtabletten. Stand: Mai 2026. Fachinformation [FI4].
  5. ratiopharm GmbH: Doxycyclin-ratiopharm SF, 100 mg/5 ml Injektionslösung. Stand: Juli 2026. Fachinformation [FI5].
  6. Chloramphenicol Sodium Succinate for Injection, USP. US-amerikanische Produktinformation. Prescribing Information, DailyMed [FI6].
  7. ratiopharm GmbH: Cotrim-ratiopharm 400 mg/80 mg Tabletten und Cotrim forte-ratiopharm 800 mg/160 mg Tabletten. Stand: Juli 2026. Fachinformation [FI7].