Lepra – Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostischer Fokus: Lepra (Aussatz) ist vor allem von Erkrankungen (Krankheiten) abzugrenzen, die hypopigmentierte (hell verfärbte) oder erythematöse (gerötete) Hautläsionen (Hautveränderungen), Plaques (flächige Hautveränderungen), Knoten (Gewebeverdickungen), Granulome (Entzündungsknötchen), periphere Neuropathie (Nervenschädigung außerhalb von Gehirn und Rückenmark), Sensibilitätsverlust (Gefühlsverlust) oder verdickte periphere Nerven (Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark) verursachen können. Leitdiagnostisch maßgeblich sind hypopigmentierte oder rötliche Hautläsionen mit Sensibilitätsverlust, verdickte/vergrößerte periphere Nerven mit Sensibilitätsverlust und/oder Muskelschwäche sowie der Nachweis säurefester Stäbchen (säurefester Bakterien) im Hautabstrich oder in der Biopsie (Gewebeprobe).
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Sarkoidose (Synonyme: Morbus Boeck; Morbus Schaumann-Besnier) – systemische granulomatöse Erkrankung mit möglicher kutaner (die Haut betreffender), nervaler (die Nerven betreffender) und lymphatischer (die Lymphbahnen betreffender) Beteiligung; differenzialdiagnostisch relevant bei Plaques, Papeln (Knötchen), Knoten und granulomatöser Histologie (Gewebeuntersuchung)
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Diabetische Polyneuropathie (diabetesbedingte Nervenschädigung) – häufige Ursache einer distal-symmetrischen (körperfern beidseits gleichförmigen) sensiblen (das Gefühl betreffenden), sensomotorischen (Gefühl und Bewegung betreffenden) oder autonomen (unwillkürliche Körperfunktionen betreffenden) Neuropathie; differenzialdiagnostisch relevant bei Sensibilitätsstörungen (Gefühlsstörungen) ohne typische lepraassoziierte Hautläsionen
- Vitamin-B12-Mangel – Ursache einer sensiblen Polyneuropathie (Nervenschädigung mehrerer Nerven) und funikulären Myelose (Rückenmarkschädigung); differenzialdiagnostisch relevant bei Parästhesien (Missempfindungen), Hypästhesien (verminderter Empfindung) und Gangunsicherheit
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Dermatophytose/Tinea corporis (Hautpilzerkrankung/Ringelflechte) – oberflächliche Pilzinfektion mit randbetonten, schuppenden, anulären (ringförmigen) Plaques; differenzialdiagnostisch relevant bei hypopigmentierten oder erythematösen Hautarealen
- Granuloma anulare (ringförmige Knötchenflechte) – gutartige granulomatöse Dermatose (Hauterkrankung) mit anulären Papeln oder Plaques; differenzialdiagnostisch relevant bei ringförmigen Hautläsionen
- Morphea (zirkumskripte Sklerodermie) – umschriebene sklerosierende (verhärtende) Hauterkrankung mit indurierten (verhärteten) Plaques; differenzialdiagnostisch relevant bei hypopigmentierten oder atrophen (gewebegeschwundenen) Arealen
- Pityriasis alba (helle Kleieflechte) – hypopigmentierte, leicht schuppende Hautareale, vor allem bei Kindern und Jugendlichen; keine Sensibilitätsstörung
- Pityriasis versicolor (Kleienpilzflechte) – oberflächliche Malassezia-Infektion (Hefepilzinfektion) mit hypo- oder hyperpigmentierten (heller oder dunkler verfärbten), fein schuppenden Makulae (Flecken); keine Nervenverdickung und keine Anästhesie (Gefühllosigkeit)
- Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) – erworbene Depigmentierung (Entfärbung) durch Melanozytenverlust (Verlust pigmentbildender Hautzellen); keine Sensibilitätsstörung, keine Infiltration (Gewebedurchsetzung) und keine Nervenverdickung
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Buruli-Ulkus (Buruli-Geschwür) – Infektion durch Mycobacterium ulcerans mit schmerzarmen Knoten, Plaques, Ödem (Schwellung) oder Ulzeration (Geschwürbildung); differenzialdiagnostisch relevant bei tropenmedizinischer Exposition (Kontakt mit tropenmedizinisch relevanten Erregern)
- Frambösie (tropische Haut- und Knocheninfektion) – nichtvenerische tropische Treponematose (Treponemeninfektion) mit papulösen, papillomatösen (warzenartigen) oder ulzerierenden Hautläsionen
- Hauttuberkulose (Tuberkulose der Haut) – kutane Manifestation (Hautausprägung) einer Mykobakteriose (Infektion durch Mykobakterien) mit variablen Plaques, Knoten oder Ulzera (Geschwüren); differenzialdiagnostisch relevant bei granulomatöser Histologie
- Herpes zoster (Gürtelrose) – reaktivierte Varizella-Zoster-Virus-Infektion (Windpockenvirus-Infektion) mit segmentalen Schmerzen und vesikulären (bläschenförmigen) Hautveränderungen; differenzialdiagnostisch relevant bei akuter Neuritis (Nervenentzündung)
- Leishmaniose, kutane (Haut-Leishmaniose) – tropische Protozoeninfektion (Einzellerinfektion) mit papulösen, nodulären (knotigen) oder ulzerierenden Hautläsionen; wichtige Differenzialdiagnose bei entsprechender Reise- oder Expositionsanamnese (Erhebung der Kontaktvorgeschichte)
- Leishmaniose, post-Kala-Azar dermale (Hautveränderungen nach viszeraler Leishmaniose) – kutane Folgeerkrankung nach viszeraler Leishmaniose (Leishmaniose der inneren Organe) mit hypopigmentierten Makulae, Papeln, Plaques oder Knoten; wichtige Lepra-Differenzialdiagnose in Endemiegebieten (Gebieten mit gehäuftem Vorkommen)
- Nichttuberkulöse Mykobakteriosen der Haut (Hautinfektionen durch atypische Mykobakterien) – kutane Infektionen durch atypische Mykobakterien mit Knoten, Plaques, Abszessen (Eiteransammlungen) oder Ulzerationen
- Skabies (Krätze) – parasitäre Hauterkrankung mit stark pruritischen (juckenden) Papeln, Exkoriationen (Kratzspuren) und typischer Prädilektion (bevorzugtem Auftreten) an Interdigitalräumen (Fingerzwischenräumen), Handgelenken und Genitalregion; differenzialdiagnostisch relevant bei papulösen Läsionen und Gemeinschafts-/Endemiekontext
- Syphilis (Lues) – sexuell übertragbare Treponematosis mit polymorphen (vielgestaltigen) Haut- und Schleimhautmanifestationen (Schleimhautausprägungen); differenzialdiagnostisch relevant insbesondere im Sekundärstadium (zweiten Krankheitsstadium)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Erythema nodosum (Knotenrose) – septale Pannikulitis (Entzündung des Unterhautfettgewebes) mit schmerzhaften erythematösen Knoten, vor allem prätibial (vor dem Schienbein); differenzialdiagnostisch relevant gegenüber Erythema nodosum leprosum (Leprareaktion mit Knotenrose) beziehungsweise nodulären Entzündungsreaktionen
- Kutaner Lupus erythematodes (Hautlupus) – autoimmune Hauterkrankung mit erythematösen, schuppenden oder atrophen Läsionen; differenzialdiagnostisch relevant bei photosensitiven (lichtempfindlichen) Plaques und Narbenbildung
- Systemische Vaskulitiden (Gefäßentzündungen) – können kutane Läsionen, Mononeuritis multiplex (Entzündung mehrerer einzelner Nerven) und sensible oder motorische (die Bewegung betreffenden) Ausfälle verursachen; differenzialdiagnostisch relevant bei akuter oder subakuter (weniger plötzlich auftretender) Neuropathie
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Kutanes T-Zell-Lymphom/Mycosis fungoides (Hautlymphom) – maligne lymphoproliferative Erkrankung (bösartige Erkrankung lymphatischer Zellen) der Haut mit ekzematösen (ekzemartigen), plaqueartigen oder tumorösen (tumorartigen) Läsionen; differenzialdiagnostisch relevant bei chronischen therapieresistenten Plaques
- Lymphome mit Hautbeteiligung (Lymphdrüsenkrebs mit Hautbeteiligung) – maligne lymphatische Erkrankungen mit kutanen Infiltraten (Hautinfiltraten), Plaques oder Knoten; differenzialdiagnostisch relevant bei knotigen oder infiltrierten Hautveränderungen
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (chronisch entzündliche Nervenerkrankung) – immunvermittelte (durch das Immunsystem vermittelte), chronisch progrediente (fortschreitende) oder schubförmige sensomotorische Polyneuropathie; differenzialdiagnostisch relevant bei symmetrischer Schwäche und Sensibilitätsstörung ohne lepraassoziierte Hautläsionen
- Entrapment-Neuropathien (Engpasssyndrome der Nerven) – fokale Kompressionsneuropathien (örtlich begrenzte Druckschädigungen von Nerven), z. B. Karpaltunnelsyndrom (Nervenengpass am Handgelenk) oder Ulnarisneuropathie (Schädigung des Ellennervs); differenzialdiagnostisch relevant bei lokal begrenzten sensiblen oder motorischen Ausfällen
- Mononeuritis multiplex – multifokale (an mehreren Stellen auftretende), meist schmerzhafte periphere Neuropathie; differenzialdiagnostisch relevant insbesondere bei Vaskulitiden, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Infektionen
Medikamente
- Amiodaron – mögliche Ursache einer medikamentös induzierten peripheren Neuropathie
- Chemotherapeutika, insbesondere Platinverbindungen, Taxane, Bortezomib und Vinca-Alkaloide – häufige Ursachen einer toxischen Polyneuropathie
- Isoniazid – mögliche Ursache einer peripheren Neuropathie, insbesondere bei Pyridoxinmangel oder fehlender Pyridoxinsubstitution
- Linezolid – mögliche Ursache einer peripheren und optischen Neuropathie bei längerer Anwendung
- Metronidazol – mögliche Ursache einer sensiblen Neuropathie bei längerer oder hochdosierter Anwendung
- Nitrofurantoin – seltene Ursache einer peripheren Neuropathie, insbesondere bei Nierenfunktionsstörung
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Arsenintoxikation (Arsenvergiftung) – kann Hyperpigmentierungen (Dunkelfärbungen der Haut), Hyperkeratosen (Hornhautverdickungen) und periphere Neuropathie verursachen; differenzialdiagnostisch relevant bei passender Expositionsanamnese
- Bleiexposition (Bleibelastung) – mögliche Ursache einer motorisch betonten toxischen Neuropathie (giftbedingte Nervenschädigung); differenzialdiagnostisch relevant bei beruflicher oder umweltbedingter Exposition
- Quecksilberexposition (Quecksilberbelastung) – mögliche Ursache neurologischer Symptome (Beschwerden des Nervensystems) einschließlich peripherer Sensib