Kopflausbefall (Pediculosis capitis) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Pediculosis capitis (Kopflausbefall) mitbedingt sein können:

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – sehr seltene Komplikation bei massivem, chronischem und unbehandeltem Kopflausbefall; die Evidenz beruht im Wesentlichen auf Kasuistiken (Fallberichte), insbesondere bei schwerer Infestation (Befall) und begleitender sekundärer bakterieller Infektion (Zweitinfektion durch Bakterien) [4]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Exkoriationen (Kratzverletzungen) der Kopfhaut – durch intensives Kratzen bei Pruritus (Juckreiz), typischerweise okzipital (am Hinterkopf), retroaurikulär (hinter dem Ohr) und nuchal (im Nacken) [2]
  • Impetiginisierung (bakterielle Verkrustung)/Impetigo contagiosa (Borkenflechte) – sekundäre bakterielle Infektion exkoriierter Hautareale, vor allem durch Staphylococcus aureus und Streptococcus pyogenes [2, 4]
  • Pediculid (Läuseausschlag) – seltene id-Reaktion (Fernreaktion der Haut) mit disseminierten (verstreuten) ekzematösen Hautveränderungen (entzündlichen Hautveränderungen) als immunologische Reaktion (Abwehrreaktion) auf Pediculosis capitis; keine direkte Läusebesiedlung der betroffenen Hautareale [2]
  • Plica polonica (Weichselzopf) – seltene Haarverfilzung bei massivem, chronischem Befall, Exsudation (Austritt von Entzündungsflüssigkeit), bakterieller Superinfektion (zusätzlicher bakterieller Infektion) und unzureichender mechanischer Haarpflege [2]
  • Sekundäre bakterielle Weichteilinfektion (bakterielle Infektion des Weichgewebes) – selten als Cellulitis (flächenhafte Entzündung der Haut und Unterhaut), Phlegmone (diffuse eitrige Weichteilentzündung) oder Abszess (Eiteransammlung) nach Kratzexkoriationen; Risiko erhöht bei massivem Befall, verzögerter Therapie (Behandlung), Immunsuppression (geschwächter Immunabwehr) oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) [2, 4]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sekundäre bakterielle Superinfektion der Kratzwunden – vor allem am Hinterkopf, im Nacken und hinter den Ohren; wichtigste Erreger sind Staphylokokken und Streptokokken [2, 4]
  • Nachweis bakterieller Erreger in Kopfläusen – nicht gleichzusetzen mit einer gesicherten natürlichen Transmission (Übertragung) durch Pediculosis capitis. Die Kopflaus ist nicht der klassische gesicherte Vektor (Überträger) für Bartonella quintana, Borrelia recurrentis oder Rickettsia prowazekii; diese Rolle wird primär der Kleiderlaus zugeschrieben. Die folgenden Erregernachweise sind daher als potenzielle, epidemiologisch kontextabhängige Vektorfrage und nicht als regelhafte Komplikation der Pediculosis capitis zu bewerten [1, 3]:
    • Bartonella quintana – Erreger des Fünf-Tage-Fiebers; DNA-Nachweise in Kopfläusen wurden beschrieben, eine klinisch gesicherte natürliche Transmission durch Kopfläuse ist jedoch nicht belegt; relevant vor allem bei Armut, Obdachlosigkeit, Flucht-/Krisensituationen und möglicher Koinfestation (gleichzeitiger Befall) mit Kleiderläusen [1, 3]
    • Borrelia recurrentis – Erreger des Läuserückfallfiebers; Nachweise in Kopfläusen wurden in Endemie- und Krisensituationen beschrieben, die sichere natürliche Vektorrolle der Kopflaus ist jedoch nicht belegt; in Mitteleuropa sehr selten, vor allem importiert beziehungsweise in besonderen epidemiologischen Kontexten [1, 3]
    • Rickettsia prowazekii – Erreger des klassischen Fleckfiebers; experimentelle Hinweise und Erregernachweise begründen keine regelhafte natürliche Transmission durch Kopfläuse; klassische Vektorrolle: Kleiderlaus [1, 3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Zervikale/okzipitale Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung am Hals/Hinterkopf) – reaktiv bei entzündlicher Kopfhautreaktion oder sekundärer bakterieller Superinfektion, insbesondere bei impetiginisierten Kratzläsionen [2]

Literatur

  1. Houhamdi L et al.: Les poux et les maladies transmises à l'homme Médecine Tropicale 2005; 65: 1-11
  2. Leung AKC, Lam JM, Leong KF, Barankin B, Hon KL. Paediatrics: how to manage pediculosis capitis. Drugs Context. 2022;11:2021-11-3. https://doi.org/10.7573/dic.2021-11-3
  3. Feldmeier H. Head lice as vectors of pathogenic microorganisms. Trop Med Health. 2023;51:53. https://doi.org/10.1186/s41182-023-00545-5
  4. Prakasita KA, Murtiastutik D, Rahmi AM, Kumalasari DN. A Case of Pediculosis Capitis Complicated by Secondary Infection and Anemia. Journal of Mycology and Infection. 2024;29(1):15-18. https://doi.org/10.17966/JMI.2024.29.1.15