Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch die Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge), neurogenes bzw. pulmonale Hämorrhagie (Lungenblutung) – sehr seltene, lebensbedrohliche Komplikation schwerer Verläufe, insbesondere bei Enterovirus A71 (EV-A71; bestimmter Enterovirus-Typ)-assoziierter Hirnstammbeteiligung (Beteiligung des unteren Gehirnabschnitts) bzw. Rhombenzephalitis (Entzündung des Rautenhirns) [1, 2, 7, 10, 12].
- Akute respiratorische Insuffizienz (plötzlich auftretende unzureichende Atmung) – meistens sekundär im Rahmen schwerer neurologischer (das Nervensystem betreffender) bzw. kardiozirkulatorischer (Herz und Kreislauf betreffender) EV-A71-Verläufe [1, 2, 4, 10, 12].
Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)
- Systemische neonatale Enterovirusinfektion (den ganzen Körper betreffende Enterovirusinfektion beim Neugeborenen) – sehr selten nach peripartaler Transmission (Übertragung um die Geburt herum); das Risiko schwerer Verläufe ist bei Neugeborenen in den ersten beiden Lebenswochen am höchsten [10].
- Fulminante neonatale Organbeteiligung (sehr rasch verlaufende Beteiligung innerer Organe beim Neugeborenen) – sehr seltene Verlaufsform mit möglicher Leber- bzw. Herzbeteiligung nach peripartaler Enterovirusinfektion [10].
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Exsikkose (Austrocknung) bzw. Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) – durch schmerzhafte orale Ulzera (Geschwüre im Mund) mit reduzierter Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern [7, 11].
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Onychomadese (Ablösung des Nagels von der Wachstumszone) bzw. Onycholyse (Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett) – verzögerter Nagelmatrixarrest (vorübergehender Wachstumsstopp der Nagelwurzel) mit partieller (teilweiser) oder vollständiger Ablösung von Finger- bzw. Zehennägeln, typischerweise einige Wochen nach der Infektion; besonders beschrieben bei atypischen Verläufen, unter anderem durch Coxsackievirus A6 (CVA6; bestimmter Coxsackievirus-Typ) [6, 8, 10].
- Beau-Linien (querverlaufende Rillen der Nägel) – querverlaufende Nagelwachstumsstörungen nach vorübergehendem Nagelmatrixarrest; können gemeinsam mit Onychomadese auftreten [6].
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – sehr seltene schwere Komplikation, vor allem im Kontext schwerer Enterovirus-Verläufe [1, 2, 4, 12].
- Kardiozirkulatorisches Versagen (Versagen von Herz und Kreislauf) – sehr selten; bei fatalen Verläufen meistens im Zusammenhang mit myokardialer Dysfunktion (gestörter Herzmuskelfunktion), Hirnstammbeteiligung bzw. neurogenem Lungenödem [2, 4, 12].
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Aseptische Meningitis (nicht-eitrige Hirnhautentzündung) – seltene bis sehr seltene neurologische Komplikation, insbesondere bei EV-A71-assoziierter HFMK [1, 2, 4, 10, 12].
- Enzephalitis (Gehirnentzündung) bzw. Hirnstammenzephalitis (Entzündung des Hirnstamms)/Rhombenzephalitis – sehr selten, aber prognostisch relevant; kann mit vegetativer Dysregulation (Störung der unwillkürlichen Körperfunktionen), Lungenödem, respiratorischer Insuffizienz und kardiozirkulatorischem Versagen einhergehen [1, 2, 4, 5, 10, 12].
- Akute schlaffe Parese (plötzlich auftretende schlaffe Lähmung) bzw. polioartige Parese (kinderlähmungsähnliche Lähmung) – sehr seltene neurologische Komplikation schwerer Enterovirus-Verläufe [1, 2, 4, 10, 12].
- Akute zerebelläre Ataxie (plötzlich auftretende Koordinationsstörung durch Beteiligung des Kleinhirns) – seltene neurologische Komplikation im Rahmen enteroviraler HFMK [4, 7].
- Neurologische Langzeitfolgen (langfristige Folgen am Nervensystem) – vor allem nach schwerer HFMK mit neurologischer Beteiligung; in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Metaanalyse (zusammenfassende statistische Auswertung mehrerer Studien) lag die gepoolte kumulative Inzidenz (zusammengefasste Häufigkeit über einen Zeitraum) von Tod oder neurologischen Folgeschäden bei schweren Verläufen bei 19,8 % [5, 9].
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Peripartale Enterovirus-Transmission – bei symptomatischer Enterovirusinfektion der Mutter um den Geburtstermin möglich; die meisten neonatalen Verläufe sind mild, schwere systemische Verläufe sind sehr selten [10].
Prognosefaktoren
- Erregertyp – EV-A71 ist im Vergleich zu Coxsackievirus A16 und vielen anderen Enteroviren deutlicher mit schweren neurologischen und kardiozirkulatorischen Verläufen assoziiert [1, 2, 4, 5, 12].
- Atypischer HFMK-Phänotyp (ungewöhnliches Erscheinungsbild der Hand-Fuß-Mund-Krankheit) – CVA6 ist gehäuft mit atypischen Exanthemen (ungewöhnlichen Hautausschlägen) und verzögerten Nagelveränderungen wie Onychomadese assoziiert [6, 8, 10].
- Klinische Warnzeichen – Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit), Lethargie (starke Teilnahmslosigkeit), Erbrechen, Myoklonien (unwillkürliche Muskelzuckungen), Tremor (Zittern) bzw. Extremitätenzuckungen (Zuckungen an Armen oder Beinen), Krampfanfälle, Dyspnoe (Atemnot), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und Zyanose (Blaufärbung von Haut oder Schleimhäuten) sprechen für ein erhöhtes Risiko eines schweren Verlaufs bzw. für Mortalität (Sterblichkeit) [3, 4, 7, 12].
- Laborchemische Risikokonstellation (auffällige Kombination von Laborwerten mit erhöhtem Risiko) – Leukozytose (Vermehrung weißer Blutkörperchen), Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), veränderte Lymphozytenwerte (veränderte Werte bestimmter weißer Blutkörperchen), erhöhte Entzündungsmediatoren (erhöhte Botenstoffe der Entzündung) und erhöhte Kreatinkinase-MB-Werte (erhöhte Werte eines Herzmuskel-Enzyms) wurden in Metaanalysen mit höherer Schwere assoziiert; die Laborbefunde sind ergänzend zur klinischen Einschätzung zu interpretieren [4, 7].
- Schweregrad der Akutphase – der akute klinische Schweregrad ist ein starker Prädiktor (Vorhersagefaktor) für neurologische Folgeschäden bzw. Tod nach schwerer HFMK [5].
- Alter und perinatale Situation (Situation um die Geburt herum) – Säuglinge, Kleinkinder und insbesondere Neugeborene in den ersten beiden Lebenswochen haben bei systemischer Enterovirusinfektion ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe [10].
Literatur
- Zhu P, Ji W, Li D et al.: Current status of hand-foot-and-mouth disease. J Biomed Sci. 2023;30(1):15. doi: 10.1186/s12929-023-00908-4.
- Huang CY, Su SB, Chen KT: A review of enterovirus-associated hand-foot and mouth disease: preventive strategies and the need for a global enterovirus surveillance network. Pathog Glob Health. 2024;118(7-8):538-548. doi: 10.1080/20477724.2024.2400424.
- Yi Z, Pei S, Suo W et al.: Epidemiological characteristics, routine laboratory diagnosis, clinical signs and risk factors for hand, -foot -and -mouth disease: A systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. 2022;17(4):e0267716. doi: 10.1371/journal.pone.0267716.
- Li P, Huang Y, Zhu D et al.: Risk Factors for Severe Hand-Foot-Mouth Disease in China: A Systematic Review and Meta-Analysis. Front Pediatr. 2021;9:716039. doi: 10.3389/fped.2021.716039.
- Jones E, Pillay TD, Liu F et al.: Outcomes following severe hand foot and mouth disease: A systematic review and meta-analysis. Eur J Paediatr Neurol. 2018;22(5):763-773. doi: 10.1016/j.ejpn.2018.04.007.
- Kim BR, Yu DA, Lee SR et al.: Beau’s Lines and Onychomadesis: A Systematic Review of Characteristics and Aetiology. Acta Derm Venereol. 2023;103:adv18251. doi: 10.2340/actadv.v103.18251.
- Xie Y, Hu Q, Jiang W et al.: Laboratory Indicators for Identifying Hand, Foot, and Mouth Disease Severity: A Systematic Review and Meta-Analysis. Vaccines. 2022;10(11):1829. doi: 10.3390/vaccines10111829.
- Chen Y, Dai B, Han S et al.: Arising Concerns of Atypical Manifestations in Patients with Hand, Foot, and Mouth Disease. Vaccines. 2023;11(2):405. doi: 10.3390/vaccines11020405.
- Chen Y, Ji W, Duan G et al.: Childhood hand, foot and mouth disease sequelae cohort study in Henan, China: cohort profile. BMJ Open. 2025;15(1):e083958. doi: 10.1136/bmjopen-2024-083958.
Leitlinien
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Hand-Fuß-Mund-Krankheit (HFMK). Epidemiologisches Bulletin 2025;11:3-6. doi: 10.25646/13064.
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC): HFMD Symptoms and Complications. Stand: 7. Mai 2024.
- World Health Organization, Regional Office for the Western Pacific: A guide to clinical management and public health response for hand, foot and mouth disease (HFMD). 2011.
- Li XW, Ni X, Qian SY et al.: Chinese guidelines for the diagnosis and treatment of hand, foot and mouth disease (2018 edition). World J Pediatr. 2018;14(5):437-447. doi: 10.1007/s12519-018-0189-8.