Cytomegalie – Prävention

Zur Prävention der Infektion mit dem Cytomegalievirus (CMV; bestimmtes Herpesvirus) muss auf eine Reduktion der Risikofaktoren geachtet werden.

Ziel der Prävention (Vorbeugung) ist vor allem die Vermeidung einer mütterlichen Primärinfektion (Erstinfektion) in der ersten Schwangerschaftshälfte, da diese mit dem höchsten Risiko für eine konnatale Cytomegalievirus-Infektion (angeborene Infektion mit dem Cytomegalievirus) und relevante fetale (das ungeborene Kind betreffende) beziehungsweise kindliche Folgeschäden verbunden ist [1-4, LL1]. Der wichtigste Infektionsweg für seronegative (ohne nachweisbare spezifische Antikörper) Schwangere ist der enge Kontakt zu Kleinkindern, insbesondere über Speichel, Tränen, Nasensekret, Urin und kontaminierte (verunreinigte) Gegenstände [1-4, LL1].

Beachte: Falls eine Schwangere IgG- und IgM-negativ ist, ist sie suszeptibel (empfänglich). Die wichtigste Maßnahme ist die Expositionsprophylaxe (Vermeidung eines Ansteckungskontakts); eine IgG- und IgM-Kontrolle sollte im nächsten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) erfolgen [LL1, LL2].

Verhaltensbedingte Risikofaktoren

  • Enger persönlicher Kontakt zu Kleinkindern
    • Direkter Kontakt mit Speichel, Tränen, Nasensekret oder Urin erhöht das Infektionsrisiko.
    • Besonders relevant ist der Kontakt zu Kindern unter 3 Jahren in der Familie oder in Betreuungssituationen.
  • Intimer Körperkontakt mit Kleinkindern
    • Küssen auf den Mund sollte in der Schwangerschaft vermieden werden.
    • Küsse auf Stirn oder Wange sowie Umarmungen sind unter Beachtung der Händehygiene (Händereinigung) möglich.
  • Gemeinsame Nutzung kontaminationsnaher Alltagsgegenstände
    • Kein gemeinsamer Gebrauch von Zahnbürsten, Essgeschirr, Besteck, Trinkgefäßen, Schnullern oder Handtüchern.
    • Kein Kosten vom Löffel oder Fläschchen des Kindes.
    • Keine Reste einer Kindermahlzeit essen.
  • Unzureichende persönliche Hygiene
    • Fehlende Händehygiene nach Windelwechsel, Toilettenhilfe, Füttern, Baden, Naseputzen oder Kontakt mit Spielzeug erhöht das Infektionsrisiko.
    • Kontaminierte Gegenstände oder Textilien sollten nicht ohne Handschuhe gereinigt werden.
  • Ungeschützter Sexualverkehr
    • Bei Cytomegalie-seropositivem (mit nachweisbaren spezifischen Antikörpern gegen Cytomegalievirus) Partner kann ungeschützter Sexualverkehr ein zusätzliches Transmissionsrisiko (Übertragungsrisiko) darstellen.

Weitere Risikofaktoren

  • Blutprodukte
    • Eine Übertragung durch Blutprodukte ist bei vulnerablen (besonders gefährdeten) Patienten relevant; risikoadaptierte Transfusionsstrategien (Strategien zur Blutübertragung), insbesondere leukozytendepletierte (von weißen Blutkörperchen weitgehend befreite) beziehungsweise CMV-negative Blutprodukte, sind bei definierten Hochrisikokonstellationen (Situationen mit besonders hohem Risiko) zu berücksichtigen.
  • Organ- und Stammzelltransplantation (Übertragung von Organen und Blutstammzellen)
    • Bei immunsupprimierten (abwehrgeschwächten) Patienten besteht ein relevantes Risiko durch Primärinfektion, Reaktivierung (Wiederaktivierung) oder Übertragung über Spenderorgane beziehungsweise Spenderzellen.
  • Muttermilch einer CMV-seropositiven Mutter
    • Bei reifen Neugeborenen ist eine postnatale (nach der Geburt auftretende) Cytomegalievirus-Übertragung über Muttermilch in der Regel klinisch (medizinisch) unproblematisch.
    • Bei sehr unreifen Frühgeborenen beziehungsweise sehr niedrigem Geburtsgewicht ist eine risikoadaptierte neonatologische (neugeborenenmedizinische) Bewertung erforderlich; Kolostrum (Vormilch) wird gemäß Leitlinie nativ (unbehandelt) gegeben, eine CMV-Inaktivierung (Unschädlichmachung von Cytomegalievirus) von Muttermilch kann bei sehr kleinen und unreifen Frühgeborenen relevant sein [LL1].

Primärprävention (Schutzfaktoren)

  • Aufklärung vor und während der Schwangerschaft
    • Seronegative Frauen mit Kinderwunsch oder in der Frühschwangerschaft sollten über den Hauptübertragungsweg über Kleinkinder und über konkrete Hygienemaßnahmen informiert werden [1-4, LL1].
    • Die Beratung sollte besonders bei engem Kontakt zu Kindern unter 3 Jahren erfolgen, beispielsweise bei eigenen Kleinkindern, beruflicher Kinderbetreuung oder regelmäßiger Betreuung von Kleinkindern im familiären Umfeld.
  • Konsequente Händehygiene
    • Händewaschen mit Wasser und Seife nach Windelwechsel, Toilettenhilfe, Kontakt mit Urin, Speichel, Tränen, Nasensekret, Spielzeug, Schnuller, Essgeschirr oder Textilien.
    • Händehygiene nach Füttern, Baden, Naseputzen oder Abwischen von Tränen und Speichel.
  • Vermeidung von Speichel- und Urinkontakt
    • Kleinkinder nicht auf den Mund küssen.
    • Schnuller nicht in den eigenen Mund nehmen.
    • Nicht vom Löffel oder Fläschchen des Kindes kosten.
    • Keine Essensreste von Kindern essen.
    • Kontaminierte Gegenstände oder Textilien nur mit Handschuhen reinigen.
  • Vermeidung gemeinsamer Nutzung von Gegenständen
    • Kein gemeinsamer Gebrauch von Zahnbürsten, Essgeschirr, Besteck, Trinkgefäßen, Handtüchern oder Waschlappen.
  • Sexualhygienische Prävention
    • Bei bekannt CMV-seropositivem Partner beziehungsweise unklarem Status (Zustand) und relevantem Risiko sollte in der Frühschwangerschaft Kondomgebrauch erwogen werden.
  • Impfung
    • Eine zugelassene Impfung gegen das Cytomegalievirus steht derzeit nicht zur Verfügung [LL1].

Sekundärprävention

  • Serostatusbasierte Risikoeinordnung
    • Bei IgG- und IgM-negativen Schwangeren besteht Suszeptibilität (Empfänglichkeit); hier steht die Expositionsprophylaxe im Vordergrund.
    • Eine erneute IgG- und IgM-Kontrolle im nächsten Trimenon ist sinnvoll, insbesondere bei fortbestehendem Expositionsrisiko [LL1, LL2].
  • Früherkennung einer mütterlichen Infektion
    • Bei Verdacht auf Primärinfektion sollte eine gezielte Serologie (Antikörperuntersuchung im Blut) mit IgG, IgM und IgG-Avidität erfolgen.
    • Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) dient dem direkten Nachweis von CMV-DNA in geeigneten Materialien und ist insbesondere für die pränatale (vorgeburtliche) beziehungsweise neonatale (das Neugeborene betreffende) Abklärung relevant [LL1, LL2].
  • Pränatale Abklärung bei gesicherter oder wahrscheinlicher mütterlicher Primärinfektion
    • Die weitere Diagnostik (Untersuchungen zur Abklärung) richtet sich nach Gestationsalter (Schwangerschaftsalter), Infektionszeitpunkt, serologischer Konstellation (Antikörperbefund-Konstellation), sonographischem Befund (Ultraschallbefund) und individueller Risikokonstellation.
    • Die fetale Diagnostik sollte leitliniengerecht in einem spezialisierten Zentrum erfolgen [LL1].
  • Keine unspezifische Isolierung im Alltag
    • Eine generelle Isolierung (Absonderung) von CMV-ausscheidenden Kleinkindern ist im Alltag nicht praktikabel und nicht Ziel der Prävention.
    • Entscheidend sind gezielte Expositionsprophylaxe, Händehygiene und Vermeidung direkter Speichel- und Urinkontakte.

Tertiärprävention

  • Therapieoptimierung bei konnataler CMV-Infektion
    • Bei symptomatischer (mit Krankheitszeichen einhergehender) konnataler CMV-Infektion ist eine frühzeitige spezialisierte pädiatrische (kinderärztliche) beziehungsweise neonatologische Bewertung erforderlich.
    • Eine antivirale Therapie (Behandlung gegen Viren), insbesondere mit Ganciclovir beziehungsweise Valganciclovir, kommt bei definierten symptomatischen Verläufen zur Reduktion krankheitsbezogener Langzeitfolgen in Betracht [LL1].
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Regelmäßiges Hörscreening (Hörtest zur Früherkennung) beziehungsweise audiologische Verlaufskontrollen (Hörkontrollen) sind erforderlich, da eine sensorineurale Hörstörung (Innenohr-Hörstörung) auch verzögert auftreten oder progredient (fortschreitend) verlaufen kann [LL1].
    • Neuropädiatrische Verlaufskontrollen (kinderneurologische Verlaufskontrollen) dienen der Erfassung von Entwicklungsstörungen, motorischen Auffälligkeiten (Auffälligkeiten der Bewegung), Sehbeeinträchtigungen, epileptischen Anfällen (Krampfanfällen) und weiteren neurologischen Komplikationen (Komplikationen des Nervensystems).
  • Psychosoziale Unterstützung
    • Eltern betroffener Kinder sollten strukturiert über Verlauf, Prognose (Krankheitsvorhersage), Fördermöglichkeiten, Hördiagnostik, Frühförderung und notwendige Kontrolluntersuchungen informiert werden.
    • Bei nachgewiesener konnataler CMV-Infektion sollte eine koordinierte interdisziplinäre (fachübergreifende) Betreuung erfolgen.

Empfehlung zur Expositionsprophylaxe gegen das Cytomegalievirus in der Schwangerschaft

Von den nachfolgend genannten Präventionsmaßnahmen profitieren insbesondere Cytomegalie-seronegative Schwangere mit Kontakt zu Kindern unter 3 Jahren [1-4, LL1].

  • Konsequente persönliche Hygiene
    • Händewaschen nach Windelwechseln.
    • Händewaschen nach Abwischen von Tränen, Nasensekret oder Speichel.
    • Händewaschen nach Berührung von Spielsachen.
    • Händewaschen nach Fütterung oder Baden des Kindes.
    • Händewaschen nach Kontakt mit Urin, Speichel, Tränen oder kontaminierten Textilien.
  • Vermeidung bestimmter Handlungen
    • Kein Küssen des Kindes auf den Mund.
    • Keinen Schnuller in den Mund nehmen.
    • Nicht vom Löffel oder Fläschchen des Kindes kosten.
    • Keine Reste einer Kindermahlzeit essen.
    • Kein gemeinsamer Gebrauch von Zahnbürsten, Essgeschirr, Trinkgefäßen und Handtüchern.
    • Kein Berühren oder Reinigen von Gegenständen oder Textilien, die mit Speichel, Tränen oder Urin benetzt sind, ohne Tragen von Handschuhen.
    • Kein ungeschützter Sexualverkehr mit einem Cytomegalie-seropositiven Partner bei relevanter Risikokonstellation.

Literatur

  1. Cannon MJ, Davis KF. Washing our hands of the congenital cytomegalovirus disease epidemic. BMC Public Health. 2005;5:70. https://doi.org/10.1186/1471-2458-5-70
  2. Revello MG, Tibaldi C, Masuelli G, Frisina V, Sacchi A, Furione M et al.: Prevention of primary cytomegalovirus infection in pregnancy. EBioMedicine. 2015;2(9):1205-1210. https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2015.08.003
  3. Rodríguez-Muñoz MF, Martín-Martín C, Kovacheva K, Olivares ME, Izquierdo N, Pérez-Romero P et al.: Hygiene-based measures for the prevention of cytomegalovirus infection in pregnant women: a systematic review. BMC Pregnancy Childbirth. 2024;24:172. https://doi.org/10.1186/s12884-024-06367-5
  4. Rawlinson WD, Boppana SB, Fowler KB, Kimberlin DW, Lazzarotto T, Alain S et al.: Congenital cytomegalovirus infection in pregnancy and the neonate: consensus recommendations for prevention, diagnosis, and therapy. Lancet Infect Dis. 2017;17(6):e177-e188. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(17)30143-3

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Prävention, Diagnostik und Therapie der CMV-Infektion bei Schwangeren und der konnatalen CMV-Infektion bei Neugeborenen und Kindern. (AWMF-Registernummer: 093-003) November 2024. Langfassung
  2. S2k-Leitlinie: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen. (AWMF-Registernummer: 093-001https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/093-001) Oktober 2021. Langfassung