Cytomegalie – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Verbesserung der Symptomatik
  • Vermeidung einer CMV-Organerkrankung (Organerkrankung durch das Cytomegalievirus) und CMV-bedingter Komplikationen
  • Bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) bzw. nach Transplantation: Verhinderung beziehungsweise frühzeitige Behandlung einer CMV-Reaktivierung (erneutes Aktivwerden des Cytomegalievirus) und CMV-Erkrankung
  • Bei CMV-Primärinfektion (erstmalige Infektion mit dem Cytomegalievirus) in der Schwangerschaft: Senkung des Risikos einer materno-fetalen Transmission (Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind) in definierten Risikokonstellationen
  • Bei konnataler CMV-Infektion (bei Geburt bestehende Infektion mit dem Cytomegalievirus): Vermeidung beziehungsweise Reduktion von Spätfolgen, insbesondere Hörstörungen und neurologischen Entwicklungsstörungen (Entwicklungsstörungen des Nervensystems)

Therapieempfehlungen

  • Immunkompetente Patienten:
    • Eine asymptomatische (ohne Beschwerden verlaufende) CMV-Infektion beziehungsweise eine unkomplizierte CMV-Mononukleose (durch CMV verursachtes mononukleoseähnliches Krankheitsbild) bedarf im Regelfall keiner antiviralen Therapie; die Behandlung erfolgt symptomatisch, gegebenenfalls mit Analgetika und Antipyretika.
    • Bei schwerer CMV-Organerkrankung, z. B. Pneumonie (Lungenentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung), Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Hepatitis (Leberentzündung) oder Kolitis (Dickdarmentzündung), kann nach infektiologischer Mitbeurteilung eine antivirale Therapie mit Ganciclovir beziehungsweise Valganciclovir erforderlich sein; aufgrund der begrenzten Evidenz ist die Entscheidung individuell zu treffen.
  • Schwangerschaft – CMV-Primärinfektion im perikonzeptionellen Zeitraum (Zeitraum um die Empfängnis) beziehungsweise bis einschließlich SSW 13+6:
    • Off-Label-Use: Bei gesicherter CMV-Primärinfektion kann Valaciclovir 8 g/Tag p.o. zur Senkung der materno-fetalen Transmissionsrate eingesetzt werden. Die Therapie sollte möglichst zeitnah nach Diagnosesicherung begonnen und bis zur Amniozentese fortgeführt werden [2, LL1].
    • Die Tagesdosis von 8 g sollte in mehreren Einzeldosen verteilt werden, z. B. 4 x 2 g in sechsstündigen Abständen oder 8 x 1 g über den Tag verteilt [LL1].
    • Unter der hochdosierten Valaciclovir-Therapie sollen etwa alle zwei Wochen Nierenfunktion einschließlich Kreatinin beziehungsweise glomerulärer Filtrationsrate sowie Blutbild kontrolliert werden [LL1].
    • Da die Anwendung außerhalb der Zulassung erfolgt, sollte die Patientin über Nutzen, Risiken und die begrenzte Langzeiterfahrung aufgeklärt und die Behandlung dokumentiert werden; wenn möglich sollte die Therapie im Rahmen einer Studie beziehungsweise eines strukturierten Registers erfolgen [LL1, FI1].
    • Bei einer erst ab SSW 14+0 diagnostizierten CMV-Primärinfektion wird eine generelle prophylaktische (vorbeugende) Valaciclovir-Therapie zur Verhinderung der materno-fetalen Transmission nicht empfohlen; Übergangssituationen sind individuell zu beurteilen [LL1].
    • Ist Valaciclovir kontraindiziert, z. B. bei relevanter Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion), kann bei bis SSW 13+6 nachgewiesener CMV-Primärinfektion im Ausnahmefall als individueller Heilversuch und Off-Label-Use CMV-Hyperimmunglobulin 200 I.E./kg KG i.v. alle zwei Wochen bis zur Amniozentese erwogen werden [1, LL1]. Die randomisierten kontrollierten Studien konnten jedoch keinen signifikanten prophylaktischen Nutzen nachweisen; CMV-Hyperimmunglobulin ist daher keine Routinetherapie [3, 9, LL1].
  • Schwangerschaft – nachgewiesene fetale CMV-Infektion:
    • Bei asymptomatisch CMV-infiziertem Fetus (ungeborenem Kind) ohne CMV-spezifische Auffälligkeiten kann eine Fortführung von Valaciclovir 8 g/Tag bis zum Ende der Schwangerschaft als individueller Heilversuch und Off-Label-Use erwogen werden [LL1].
    • Bei symptomatisch (mit Beschwerden beziehungsweise Krankheitszeichen) CMV-infiziertem Fetus ohne schwerwiegende ZNS-Befunde (Befunde des zentralen Nervensystems) sollte eine Therapie mit Valaciclovir 8 g/Tag als individueller Heilversuch und Off-Label-Use angeboten und bei Entscheidung für die Therapie im Regelfall bis zur Geburt fortgeführt werden [LL1].
    • Bei symptomatisch CMV-infiziertem Fetus mit schwerwiegenden ZNS-Befunden kann bei Fortführung der Schwangerschaft Valganciclovir als individueller Heilversuch und Off-Label-Use erwogen werden. In der Leitlinie werden 900 bis 1.800 mg/Tag beschrieben; eine eindeutige Dosierungsempfehlung kann aufgrund der begrenzten Datenlage nicht gegeben werden. Regelmäßige Kontrollen von Blutbild, Leber- und Nierenfunktion sind erforderlich [LL1].
    • Diese pränatalen Therapien (Behandlungen vor der Geburt) sollen in einem hierfür erfahrenen Perinatalzentrum interdisziplinär indiziert und dokumentiert werden [LL1].
  • Konnatale CMV-Infektion bei Neugeborenen:
    • Asymptomatisch cCMV-infizierte Neugeborene sollen keine antivirale Therapie erhalten [LL1].
    • Auch Neugeborene mit ausschließlich leichten, transienten Befunden (vorübergehenden Befunden), z. B. niedrigem Geburtsgewicht, isolierter leichter Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) und/oder leichter Transaminasenerhöhung, sollen nicht routinemäßig antiviral behandelt werden [LL1].
    • Bei symptomatischer cCMV-Infektion soll die antivirale Therapie möglichst frühzeitig und innerhalb der ersten 30 Lebenstage begonnen werden [4, LL1].
    • Off-Label-Use: Mittel der ersten Wahl ist Valganciclovir p.o. mit 16 mg/kg KG pro Einzeldosis zweimal täglich [4, LL1].
    • Off-Label-Use: Bei schwer erkrankten Neugeborenen, bei denen eine ausreichende enterale Resorption (Aufnahme des Wirkstoffs über den Darm) nicht gewährleistet ist, soll initial Ganciclovir 6 mg/kg KG i.v. zweimal täglich eingesetzt und bei ausreichender enteraler Resorption auf Valganciclovir umgestellt werden [LL1].
    • Die antivirale Behandlung symptomatisch cCMV-infizierter Neugeborener sollte im Regelfall sechs Monate dauern. Bei isolierter Hepatitis, isolierter Thrombozytopenie und gegebenenfalls isolierter Hörstörung ohne weitere Befunde kann eine Verkürzung auf sechs Wochen erwogen werden [4, LL1].
    • Unter Ganciclovir beziehungsweise Valganciclovir sind Blutbild einschließlich Differenzialblutbild, Leberwerte, Nierenfunktion und die CMV-DNA-Last regelmäßig zu kontrollieren. Bei fehlendem deutlichem Abfall oder erneutem Anstieg der CMV-DNA-Last unter korrekt dosierter Therapie soll eine Resistenzdiagnostik erfolgen [LL1].
  • Empfänger solider Organtransplantate beziehungsweise allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantationen (Stammzellübertragungen von einem genetisch anderen Spender):
    • Abhängig von Transplantationsart, CMV-Serostatus von Spender und Empfänger sowie individuellem Risiko erfolgt eine medikamentöse Prophylaxe oder ein engmaschiges virologisches Monitoring mit präemptiver Therapie (frühzeitiger Behandlung vor Auftreten einer Erkrankung) [LL2, LL3, 8].
    • Bei präemptiver Strategie wird bei asymptomatischer CMV-DNAämie oberhalb des zentrums- und assayspezifischen Schwellenwertes eine antivirale Therapie eingeleitet. Valganciclovir ist bei ausreichender enteraler Resorption die bevorzugte orale Therapie; Ganciclovir i.v. ist insbesondere bei schwerer Erkrankung beziehungsweise unsicherer enteraler Resorption einzusetzen [8].
    • Bei leichter bis mittelschwerer CMV-Erkrankung nach solider Organtransplantation wird bei normaler Nierenfunktion Valganciclovir 900 mg p.o. alle 12 Stunden empfohlen [8]. Für die Behandlung einer CMV-Erkrankung nach Transplantation liegt für Valganciclovir in Deutschland außerhalb der zugelassenen CMV-Retinitis (Entzündung der Netzhaut durch CMV) eine leitliniengestützte Anwendung außerhalb der Zulassung vor (Off-Label-Use) [FI2].
    • Bei schwerer, lebensbedrohlicher oder das Sehvermögen bedrohender CMV-Erkrankung ist Ganciclovir 5 mg/kg KG i.v. alle 12 Stunden bei normaler Nierenfunktion Mittel der ersten Wahl [8, FI3]. Nach klinischer Stabilisierung kann bei zuverlässiger enteraler Resorption auf Valganciclovir umgestellt werden.
    • Die Dosierung von Ganciclovir und Valganciclovir muss strikt an die Nierenfunktion angepasst werden. Eine Unterdosierung erhöht das Risiko für Therapieversagen und Resistenzentwicklung [8, FI2, FI3].
    • Die CMV-DNA-Last soll während der Therapie mindestens wöchentlich bestimmt werden. Die Behandlung erfolgt für mindestens zwei Wochen und bis zur klinischen Besserung sowie Absenkung der CMV-DNA-Last unter den labor- beziehungsweise assayspezifischen Zielwert [8].
    • Eine Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) allein ist kein Grund für eine empirische Dosisreduktion von Ganciclovir beziehungsweise Valganciclovir. Soweit möglich sollen andere myelosuppressive Medikamente (die Blutbildung im Knochenmark hemmende Medikamente) angepasst beziehungsweise pausiert und bei Bedarf hämatopoetische Wachstumsfaktoren erwogen werden [8].
    • Bei schwerer CMV-Erkrankung, hoher Viruslast oder inadäquatem Therapieansprechen sollte die Intensität der Immunsuppression soweit klinisch vertretbar reduziert werden [8, LL2].
  • Prophylaxe nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation:
    • Letermovir ist zur Prophylaxe einer CMV-Reaktivierung und CMV-Erkrankung bei CMV-seropositiven Empfängern [R+] einer allogenen hämatopoetischen Stammzelltransplantation zugelassen [5, FI4].
    • Bei Erwachsenen beziehungsweise geeigneten pädiatrischen Patienten mit einem Körpergewicht von mindestens 30 kg beträgt die Standarddosis 480 mg einmal täglich; bei gleichzeitiger oraler Anwendung von Ciclosporin wird die Letermovir-Dosis auf 240 mg einmal täglich reduziert [FI4].
    • Die Prophylaxe kann am Tag der HSCT begonnen werden und soll spätestens 28 Tage nach HSCT begonnen sein. Sie wird regelhaft bis Tag 100 fortgeführt. Bei erhöhtem Risiko für eine späte CMV-Reaktivierung kann eine Verlängerung bis Tag 200 erwogen werden [FI4].
    • Für pädiatrische Patienten unterhalb der genannten Gewichtsgrenzen gelten formulations- und gewichtsspezifische Dosierungen gemäß aktueller Fachinformation [FI4].
  • Prophylaxe nach solider Organtransplantation:
    • Valganciclovir ist zur Prophylaxe einer CMV-Erkrankung bei CMV-seronegativen Empfängern eines Organs von einem CMV-seropositiven Spender [D+/R-] zugelassen. Bei Erwachsenen mit normaler Nierenfunktion beträgt die prophylaktische Dosis 900 mg einmal täglich; eine Anpassung an die Nierenfunktion ist obligat [FI2].
    • Bei D+/R--Nierentransplantation ist Letermovir eine zugelassene Alternative zur CMV-Prophylaxe. Die Standarddosis beträgt 480 mg einmal täglich beziehungsweise 240 mg einmal täglich bei gleichzeitiger Ciclosporin-Anwendung. Die Prophylaxe soll am Tag der Transplantation beziehungsweise spätestens sieben Tage danach begonnen und bis Tag 200 fortgesetzt werden [6, FI4].
    • Die Dauer und Auswahl der prophylaktischen Strategie nach anderen Organtransplantationen richtet sich nach Organ, Serostatus und individuellem CMV-Risiko [8, LL2].
    • CMV-Hyperimmunglobulin wird nicht routinemäßig als alleinige CMV-Prophylaxe empfohlen. Es kann in ausgewählten Hochrisikosituationen, insbesondere bei thorakalen Organtransplantationen (Transplantationen von Organen im Brustkorb) oder ausgeprägter Hypogammaglobulinämie (verminderter Konzentration von Immunglobulinen im Blut), ergänzend zu einer antiviralen Strategie erwogen werden [8, FI6].
  • Therapierefraktäre (auf die Behandlung nicht ansprechende) beziehungsweise resistente CMV-Infektion:
    • Bei unzureichendem Therapieansprechen sind zunächst Dosierung, Nierenfunktionsanpassung, Adhärenz und bei oraler Therapie die enterale Resorption zu überprüfen.
    • Bei Verdacht auf antivirale Resistenz soll eine genotypische Resistenzanalyse, insbesondere der CMV-Gene UL97 und UL54 und in Abhängigkeit von der Vorbehandlung weiterer relevanter Resistenzgene, erfolgen [8, LL2].
    • Maribavir ist bei Erwachsenen nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation oder solider Organtransplantation zur Behandlung einer gegenüber einer oder mehreren vorausgegangenen Therapien refraktären CMV-Infektion beziehungsweise CMV-Erkrankung mit oder ohne nachgewiesene Resistenz zugelassen [7, FI5].
    • Maribavir wird mit 400 mg p.o. zweimal täglich über acht Wochen angewendet; die Therapiedauer kann entsprechend der klinischen Situation individualisiert werden [7, FI5].
    • Maribavir darf nicht gleichzeitig mit Ganciclovir oder Valganciclovir angewendet werden, da die UL97-Hemmung durch Maribavir deren antivirale Aktivierung antagonisieren kann [FI5].
    • Bei CMV-ZNS-Erkrankung ist Maribavir aufgrund der voraussichtlich geringen ZNS-Penetration (Übertritt in das zentrale Nervensystem) keine bevorzugte Therapie [FI5].
    • Unter Maribavir sind relevante Arzneimittelinteraktionen zu beachten; insbesondere sollten die Konzentrationen von Tacrolimus, Ciclosporin, Sirolimus und Everolimus engmaschig überwacht werden [FI5].
    • Foscarnet ist eine wichtige Alternative bei Ganciclovir-/Valganciclovir-Intoleranz oder -Resistenz, insbesondere wenn eine rasche antivirale Wirkung erforderlich ist. Die erhebliche Nephrotoxizität (Nierenschädlichkeit) sowie Elektrolytstörungen (Störungen der Mineralsalzkonzentrationen im Blut) begrenzen die Anwendung; intensive Hydratation, Kontrolle der Nierenfunktion und engmaschige Elektrolytkontrollen sind erforderlich [8, FI7].
    • Cidofovir besitzt aufgrund seiner ausgeprägten Nephrotoxizität und des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nur noch Reservecharakter bei ausgewählten multiresistenten beziehungsweise therapierefraktären CMV-Infektionen. Anwendung und Verfügbarkeit sind produktspezifisch zu prüfen.
    • Letermovir soll aufgrund der niedrigen Resistenzbarriere und unzureichenden Evidenz nicht als Monotherapie einer manifesten CMV-Infektion oder CMV-Erkrankung eingesetzt werden [8].

Beachte: Die frühere pauschale Empfehlung einer mindestens 20-wöchigen Therapie einer invasiven CMV-Erkrankung ist nicht mehr leitliniengerecht. Die Therapiedauer wird klinisch und virologisch gesteuert und beträgt bei posttransplantärer CMV-Erkrankung mindestens zwei Wochen; längere Therapiezeiten können insbesondere bei Pneumonitis (Entzündung des Lungengewebes), gastrointestinaler Organerkrankung, ZNS-Beteiligung oder Retinitis erforderlich sein [8].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Therapie

Wirkstoff Besonderheiten
Valaciclovir Off-Label-Use. Möglichst früher Therapiebeginn; etwa zweiwöchentliche Kontrolle von Blutbild und Nierenfunktion. Bei nachgewiesener fetaler CMV-Infektion gegebenenfalls Fortführung bis zur Geburt als individueller Heilversuch [LL1, FI1].
Ganciclovir Obligate Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung. Regelmäßige Blutbild- und Nierenfunktionskontrollen. Bei Neugeborenen Off-Label-Use [LL1, FI3].
Valganciclovir Obligate Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung. Behandlung der posttransplantären CMV-Erkrankung außerhalb der zugelassenen CMV-Retinitis sowie Therapie der cCMV-Infektion sind Off-Label-Use. Myelotoxizität (Schädigung des Knochenmarks) beachten [4, 8, LL1, FI2].
Foscarnet Reserve-/Zweitlinientherapie bei Resistenz oder Intoleranz gegenüber Ganciclovir/Valganciclovir. Ausgeprägte Nephrotoxizität und Elektrolytstörungen; Hydratation und engmaschiges Monitoring erforderlich [8, FI7].
Maribavir Zugelassen bei Erwachsenen nach HSCT oder SOT mit refraktärer CMV-Infektion beziehungsweise -Erkrankung mit oder ohne Resistenz. Nicht mit Ganciclovir oder Valganciclovir kombinieren. Nicht bevorzugt bei ZNS-CMV-Erkrankung. Relevante Interaktionen mit Immunsuppressiva [7, FI5].
Cidofovir Nur Reserve bei ausgewählten therapierefraktären beziehungsweise multiresistenten CMV-Infektionen. Ausgeprägte dosislimitierende Nephrotoxizität; Zulassungs- und Verfügbarkeitsstatus des verwendeten Präparats beachten.
  • Wirkweise: Valaciclovir ist das Prodrug von Aciclovir. Ganciclovir beziehungsweise dessen Prodrug Valganciclovir hemmen nach intrazellulärer Aktivierung die virale DNA-Polymerase. Foscarnet hemmt als Pyrophosphatanalogon die virale DNA-Polymerase direkt. Maribavir hemmt die virale UL97-Proteinkinase. Cidofovir ist ein Nukleotidanalogon und hemmt die virale DNA-Polymerase.
  • Indikationen: Abhängig vom Wirkstoff CMV-Organerkrankung, präemptive Therapie nach Transplantation, symptomatische konnatale CMV-Infektion, definierte maternale beziehungsweise fetale CMV-Konstellationen sowie refraktäre oder resistente CMV-Infektion.
  • Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Kontraindikationen und Nierenfunktion beachten. Maribavir darf nicht gleichzeitig mit Ganciclovir beziehungsweise Valganciclovir angewendet werden. Foscarnet und Cidofovir sind bei relevanter Nierenfunktionsstörung besonders kritisch beziehungsweise je nach Präparat kontraindiziert.
  • Nebenwirkungen: Ganciclovir/Valganciclovir insbesondere Knochenmarksuppression (Unterdrückung der Blutbildung im Knochenmark) mit Neutropenie (Mangel an neutrophilen weißen Blutkörperchen), Leukopenie und Thrombozytopenie sowie potenzielle Reproduktions-, Mutagenitäts- und Karzinogenitätsrisiken (Risiken für Fortpflanzung, Erbgutveränderungen und Krebsentstehung); Foscarnet insbesondere Nephrotoxizität, Elektrolytstörungen und neurotoxische Effekte (schädliche Wirkungen auf das Nervensystem); Maribavir insbesondere Geschmacksstörungen, gastrointestinale Beschwerden und Arzneimittelinteraktionen; Cidofovir insbesondere ausgeprägte Nephrotoxizität und Knochenmarktoxizität.

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Prophylaxe

Wirkstoff Besonderheiten
Letermovir HSCT: Beginn Tag 0 bis spätestens Tag 28; regelhaft bis Tag 100, bei hohem Risiko gegebenenfalls bis Tag 200. D+/R--Nierentransplantation: Beginn Tag 0 bis spätestens Tag 7; Fortführung bis Tag 200. Pädiatrische Dosierungen gewichtsspezifisch gemäß Fachinformation [5, 6, FI4].
Valganciclovir Zugelassene CMV-Prophylaxe bei CMV-seronegativen Empfängern eines Organs eines CMV-seropositiven Spenders [D+/R-]. Strikte Dosisanpassung an die Nierenfunktion. Prophylaxedauer organ- und risikoadaptiert [8, FI2].
CMV-Hyperimmunglobulin Zugelassen zur Prophylaxe klinischer CMV-Manifestationen bei Patienten unter immunsuppressiver Therapie, insbesondere Transplantatempfängern. Geeignete antivirale Begleitprophylaxe sollte erwogen werden. Nicht als routinemäßiger Ersatz für leitliniengerechte antivirale Prophylaxe [FI6].
  • Wirkweise: Letermovir hemmt selektiv den viralen CMV-Terminasekomplex und verhindert die Bildung reifer viraler DNA-haltiger Partikel. Valganciclovir wird zu Ganciclovir metabolisiert und hemmt die virale DNA-Polymerase. CMV-Hyperimmunglobulin vermittelt passive CMV-spezifische Antikörper.
  • Indikationen: Letermovir zur CMV-Prophylaxe bei CMV-seropositiven allo-HSCT-Empfängern sowie bei D+/R--Nierentransplantation entsprechend Fachinformation; Valganciclovir zur Prophylaxe nach D+/R--Organtransplantation; CMV-Hyperimmunglobulin in ausgewählten transplantationsmedizinischen Situationen.
  • Kontraindikationen: Wirkstoffspezifische Gegenanzeigen und Arzneimittelinteraktionen beachten. Letermovir weist klinisch relevante Interaktionen insbesondere über CYP3A, OATP1B1/3 und Transportproteine auf; bei Ciclosporin ist die angegebene Dosisreduktion erforderlich. CMV-Hyperimmunglobulin ist bei Überempfindlichkeit sowie bei selektivem IgA-Mangel (Mangel an Immunglobulin A) mit Anti-IgA-Antikörpern kontraindiziert.
  • Nebenwirkungen: Letermovir insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Kopfschmerzen und Arzneimittelinteraktionen; Valganciclovir insbesondere Myelotoxizität; CMV-Hyperimmunglobulin insbesondere infusionsassoziierte Reaktionen (Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion), selten thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel), Nierenfunktionsstörungen oder anaphylaktische Reaktionen (schwere allergische Reaktionen).

Weitere Hinweise

  • Fomivirsen besitzt in der aktuellen CMV-Therapie keinen Stellenwert mehr und wurde aus der Wirkstoffübersicht entfernt.
  • CMV-Hyperimmunglobulin ist trotz positiver Beobachtungsdaten [1] aufgrund der nicht bestätigten Wirksamkeit in randomisierten kontrollierten Studien keine Standardmaßnahme zur Verhinderung der materno-fetalen Transmission [3, 9, LL1].
  • Bei ausbleibendem Therapieerfolg muss zwischen unzureichender Wirkstoffexposition, fortbestehender Immunsuppression und antiviraler Resistenz unterschieden werden. Bei entsprechendem Verdacht ist eine genotypische CMV-Resistenztestung erforderlich [8, LL2].
  • Die Therapie mit Ganciclovir, Valganciclovir, Foscarnet, Maribavir und Cidofovir sollte bei schwerer beziehungsweise komplexer Erkrankung in Zusammenarbeit mit Infektiologie, Virologie und gegebenenfalls Transplantationsmedizin erfolgen.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (Probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Abkürzungen

  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • cCMV – konnatale Cytomegalievirus-Infektion
  • CMV – Cytomegalievirus
  • CYP3A – Cytochrom-P450-3A-Enzymsystem
  • D+/R- – CMV-seropositiver Spender/CMV-seronegativer Empfänger
  • DNA – Desoxyribonukleinsäure
  • FI – Fachinformation
  • HSCT – hämatopoetische Stammzelltransplantation
  • I.E. – Internationale Einheiten
  • IgA – Immunglobulin A
  • i.v. – intravenös
  • KG – Körpergewicht
  • LL – Leitlinie
  • OATP1B1/3 – Organic Anion Transporting Polypeptide 1B1/1B3
  • p.o. – per os
  • R+ – CMV-seropositiver Empfänger
  • SOT – solide Organtransplantation
  • SSW – Schwangerschaftswoche
  • UL54 – CMV-Gen für die virale DNA-Polymerase
  • UL97 – CMV-Gen für die virale Proteinkinase UL97
  • ZNS – zentrales Nervensystem

Literatur

  1. Kagan KO et al.: Outcome of pregnancies with recent primary cytomegalovirus infection in first trimester treated with hyperimmunoglobulin: observational study. Ultrasound Obstet Gynecol. 2021;57(4):560-567. doi: 10.1002/uog.23596 [1]
  2. Shahar-Nissan K et al.: Valaciclovir to prevent vertical transmission of cytomegalovirus after maternal primary infection during pregnancy: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet. 2020;396(10253):779-785. doi: 10.1016/S0140-6736(20)31868-7 [2]
  3. Hughes BL et al.: A Trial of Hyperimmune Globulin to Prevent Congenital Cytomegalovirus Infection. N Engl J Med. 2021;385(5):436-444. doi: 10.1056/NEJMoa1913569 [3]
  4. Kimberlin DW et al.: Valganciclovir for symptomatic congenital cytomegalovirus disease. N Engl J Med. 2015;372(10):933-943. doi: 10.1056/NEJMoa1404599 [4]
  5. Marty FM et al.: Letermovir Prophylaxis for Cytomegalovirus in Hematopoietic-Cell Transplantation. N Engl J Med. 2017;377(25):2433-2444. doi: 10.1056/NEJMoa1706640 [5]
  6. Limaye AP et al.: Letermovir vs Valganciclovir for Prophylaxis of Cytomegalovirus in High-Risk Kidney Transplant Recipients: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2023;330(1):33-42. doi: 10.1001/jama.2023.9106 [6]
  7. Avery RK et al.: Maribavir for Refractory Cytomegalovirus Infections With or Without Resistance Post-Transplant: Results From a Phase 3 Randomized Clinical Trial. Clin Infect Dis. 2022;75(4):690-701. doi: 10.1093/cid/ciab988 [7]
  8. Kotton CN et al.: The Fourth International Consensus Guidelines on the Management of Cytomegalovirus in Solid Organ Transplantation. Transplantation. 2025;109(7):1066-1110. doi: 10.1097/TP.0000000000005374 [8]
  9. Revello MG et al.: A randomized trial of hyperimmune globulin to prevent congenital cytomegalovirus. N Engl J Med. 2014;370(14):1316-1326. doi: 10.1056/NEJMoa1310214 [9]

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Prävention, Diagnostik und Therapie der CMV-Infektion bei Schwangeren und der konnatalen CMV-Infektion bei Neugeborenen und Kindern. (AWMF-Registernummer: 093-003), Version 1.0, Stand November 2024, publiziert April 2025. Langfassung [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Virusinfektionen bei Organ- und allogen Stammzell-Transplantierten: Diagnostik, Prävention und Therapie. (AWMF-Registernummer: 093-002), Version 2.0, Stand September 2024, publiziert Dezember 2024. Langfassung [LL2]
  3. Ljungman P et al.: Recommendations from the 10th European Conference on Infections in Leukaemia for the management of cytomegalovirus in patients after allogeneic haematopoietic cell transplantation and other T-cell-engaging therapies. Lancet Infect Dis. 2025;25(8):e451-e462. doi: 10.1016/S1473-3099(25)00069-6 [LL3]

Fachinformationen

  1. Valtrex, Valaciclovir. Fachinformation, Stand April 2026. Fachinformation [FI1]
  2. Valganciclovir Mylan 450 mg Filmtabletten. Fachinformation, Stand Mai 2026. Fachinformation [FI2]
  3. Cymeven, Ganciclovir. Fachinformation. Fachinformation [FI3]
  4. PREVYMIS 240 mg/-480 mg Filmtabletten, Letermovir. Fachinformation, Stand April 2025. Fachinformation [FI4]
  5. LIVTENCITY 200 mg Filmtabletten, Maribavir. Fachinformation, Stand Mai 2025. Fachinformation [FI5]
  6. Cytotect CP Biotest 100 E/ml Infusionslösung, Cytomegalievirus-Immunglobulin vom Menschen. Fachinformation, Stand März 2026. Fachinformation [FI6]
  7. Foscarnet Kabi 24 mg/ml Infusionslösung, Foscarnet. Fachinformation. Fachinformation [FI7]