Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Körpertemperatur, Blutdruck, Puls und Atemfrequenz; des Weiteren:
    • Beurteilung des Allgemein- und Bewusstseinszustands [Fieber; deutlich reduzierter Allgemeinzustand; Bewusstseinsstörung bis hin zu Stupor (tiefe Bewusstseinsstörung) oder Koma (tiefe Bewusstlosigkeit)]
    • Beurteilung von Atmung und Kreislauf, insbesondere bei schwerem neurologischem Verlauf [Atemstörung bei Hirnstamm- (Teil des Gehirns, der lebenswichtige Funktionen steuert) oder Atemmuskulaturbeteiligung; selten autonome Regulationsstörungen (Störungen der unwillkürlichen Körpersteuerung)]
  • Neurologische Untersuchung
    • Prüfung auf Meningismus (Nackensteifigkeit durch Reizung der Hirnhäute) [Nackensteifigkeit bzw. meningeale Reizzeichen (Zeichen einer Hirnhautreizung)]
    • Prüfung von Bewusstseinslage, Orientierung, Aufmerksamkeit und kognitiven Funktionen (geistigen Funktionen) [Somnolenz (Schläfrigkeit); Sopor (tiefer Schlafzustand mit erschwerter Weckbarkeit); Stupor; Koma; Verwirrtheit bzw. kognitive Dysfunktion (Störung geistiger Leistungen)]
    • Hirnnervenstatus (Untersuchung der Hirnnerven) [Hirnnervenparesen (Lähmungen von Hirnnerven); Paresen (Lähmungen) der Gesichts- und Halsmuskulatur; Dysarthrie (Sprechstörung); Dysphagie (Schluckstörung) bei Hirnstammbeteiligung]
    • Prüfung der Motorik (Bewegungsfunktion) mit Beurteilung von Muskelkraft, Muskeltonus (Muskelspannung) und Seitenvergleich [Extremitätenparesen (Lähmungen der Arme oder Beine); bei Meningoenzephalomyelitis (Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Rückenmark) charakteristisch schlaffe, teilweise asymmetrische Paresen, insbesondere bei Beteiligung der Vorderhörner (motorische Nervenzellbereiche im Rückenmark); bei schwerem Verlauf Paresen der Atemmuskulatur]
    • Prüfung der Muskeleigenreflexe (körpereigenen Muskelreflexe) [bei myelitischer (das Rückenmark betreffender) bzw. radikulärer (Nervenwurzeln betreffender) Beteiligung abgeschwächte oder fehlende Muskeleigenreflexe]
    • Koordinationsprüfung sowie Stand- und Gangprüfung, sofern klinisch durchführbar [Ataxie (Störung der Bewegungskoordination); Gangunsicherheit; Tremor (Zittern)]
    • Beurteilung auf Bewegungsstörungen [Tremor; Rigor (Muskelsteifigkeit)]
    • Beurteilung auf epileptische Anfallsaktivität [fokale (auf einen Bereich begrenzte) oder generalisierte epileptische Anfälle (Krampfanfälle)]

Red Flags (Warnzeichen) bei Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

  • Rasch progrediente (fortschreitende) Bewusstseinsstörung
  • Neu auftretende oder rasch zunehmende Paresen, insbesondere schlaffe Paresen
  • Hirnstammzeichen (Zeichen einer Störung des Hirnstamms) wie Dysphagie, Dysarthrie oder ausgeprägte Hirnnervenparesen
  • Zeichen einer Atemmuskelschwäche bzw. respiratorischen Insuffizienz (unzureichende Atmung)
  • Epileptische Anfälle bzw. Status epilepticus (anhaltender oder wiederholter epileptischer Anfall ohne ausreichende Erholung)
  • Akute autonome bzw. kardiorespiratorische Instabilität (Störung von Kreislauf und Atmung)

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.