Supraventrikuläre Tachykardie – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch supraventrikuläre Tachykardie (Herzrasen mit Ursprung oberhalb der Herzkammern) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akute Dyspnoe (Atemnot) bei hämodynamisch relevanter Tachykardie
  • Kardiogenes Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge durch Herzschwäche) bei tachykardiebedingter akuter Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

Bestimmte Zustände, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode haben (P00-P96)

  • Niedriges Geburtsgewicht bei maternaler supraventrikulärer Tachykardie in der Schwangerschaft [5]
  • Perinatale Komplikationen bei maternaler hämodynamischer Instabilität (Kreislaufinstabilität) beziehungsweise therapiepflichtiger supraventrikulärer Tachykardie in der Schwangerschaft [5, LL3]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akute Herzinsuffizienz – vor allem bei anhaltender hoher Herzfrequenz, vorbestehender struktureller Herzerkrankung (Erkrankung mit krankhafter Veränderung des Herzens) oder eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (Funktion der linken Herzkammer) [1, LL1, LL2]
  • Angina pectoris (Brustenge) – durch verminderten diastolischen Koronarfluss (Blutfluss in den Herzkranzgefäßen während der Entspannungsphase des Herzens) und gesteigerten myokardialen Sauerstoffbedarf (Sauerstoffbedarf des Herzmuskels) während der Tachykardie [LL1, LL2]
  • Arrhythmieinduzierte Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung durch Herzrhythmusstörung) – potenziell reversible systolische Dysfunktion (Störung der Pumpfunktion) bei persistierender oder häufig rezidivierender supraventrikulärer Tachykardie [1]
  • Hämodynamische Instabilität – insbesondere bei sehr schneller Tachykardie, struktureller Herzerkrankung, eingeschränkter linksventrikulärer Funktion oder Präexzitation (vorzeitige elektrische Erregung der Herzkammern) [LL1, LL2]
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck) – durch verkürzte diastolische Füllungszeit (verkürzte Füllungszeit des Herzens) und vermindertes Schlagvolumen (Blutmenge pro Herzschlag) bei schneller Tachykardie [LL1, LL2]
  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt durch Minderdurchblutung) – bei paroxysmaler supraventrikulärer Tachykardie (anfallsartig auftretendes Herzrasen mit Ursprung oberhalb der Herzkammern) epidemiologisch assoziiert; die Kausalität und daraus folgende antithrombotische Konsequenzen sind nicht abschließend gesichert [2, 3]
  • Myokardiale Ischämie (Minderdurchblutung des Herzmuskels) – insbesondere bei koronarer Herzkrankheit (Erkrankung der Herzkranzgefäße), schwerer Tachykardie oder langdauerndem Anfall [LL1, LL2]
  • Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht) und Synkope (Ohnmacht) – durch transient vermindertes Herzzeitvolumen (vorübergehend verminderte Blutmenge, die das Herz pro Minute auswirft); gehäuft bei sehr schneller Tachykardie, struktureller Herzerkrankung oder autonomer Fehlregulation (Fehlsteuerung des unwillkürlichen Nervensystems) [LL1, LL2]
  • Tachykardiebedingte Dekompensation (Entgleisung) einer vorbestehenden Herzinsuffizienz [1, LL1, LL2]
  • Ventrikuläre Fibrillation (Kammerflimmern) und plötzlicher Herztod – selten, vor allem bei Präexzitation/Wolff-Parkinson-White-Syndrom (Herzrhythmusstörung durch zusätzliche elektrische Leitungsbahn) mit sehr schneller antegrader Überleitung (Vorwärtsleitung) über eine akzessorische Leitungsbahn (zusätzliche elektrische Leitungsbahn), insbesondere bei Vorhofflimmern [4, LL1, LL2]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörung beziehungsweise Panikattacken – insbesondere bei rezidivierenden, plötzlich einsetzenden Tachykardieepisoden (Anfälle mit Herzrasen) mit Palpitationen (Herzklopfen), Dyspnoe und thorakalem Druckgefühl (Druckgefühl im Brustkorb)
  • Depressive Symptomatik und reduzierte Lebensqualität – vor allem bei häufigen symptomatischen Episoden, diagnostischer Verzögerung oder wiederholten Notfallvorstellungen
  • Schwindel – durch vorübergehend vermindertes Herzzeitvolumen während tachykarder Episoden [LL1, LL2]
  • Synkope – bei relevanter zerebraler Minderperfusion (verminderte Durchblutung des Gehirns) während schneller supraventrikulärer Tachykardie [LL1, LL2]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Erhöhtes Risiko für Kaiserschnittentbindung bei supraventrikulärer Tachykardie in der Schwangerschaft [5]
  • Hämodynamische Dekompensation der Mutter – insbesondere bei anhaltender Tachykardie, struktureller Herzerkrankung oder eingeschränkter kardialer Reserve (Belastungsreserve des Herzens) [LL3]
  • Rezidivierende supraventrikuläre Tachykardie in der Schwangerschaft – durch hämodynamische, hormonelle und autonome Schwangerschaftsadaptationen (Anpassungsvorgänge in der Schwangerschaft) begünstigt [5, LL3]
  • Vorzeitige Wehentätigkeit – in Kohortendaten (Daten aus Beobachtungsstudien) mit maternaler supraventrikulärer Tachykardie assoziiert [5]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Brustschmerz – häufig anfallsassoziiert, insbesondere bei hoher Herzfrequenz oder koronarer Vorerkrankung [LL1, LL2]
  • Leistungsminderung und Belastungsintoleranz – vor allem bei häufigen oder langdauernden Tachykardieepisoden
  • Palpitationen – Leitsymptom der supraventrikulären Tachykardie [LL1, LL2]
  • Thorakales Druckgefühl – meist anfallsassoziiert, differentialdiagnostisch von akuter Koronarischämie (akute Minderdurchblutung des Herzens) abzugrenzen [LL1, LL2]

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Sturzereignisse und Unfallfolgen bei tachykardiebedingter Präsynkope oder Synkope

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Frakturen (Knochenbrüche), Schädel-Hirn-Trauma (Kopfverletzung mit Beteiligung des Gehirns) oder Weichteilverletzungen infolge synkopaler Stürze

Prognosefaktoren

  • Art der supraventrikulären Tachykardie – atrioventrikuläre Knoten-Reentry-Tachykardie (Herzrasen durch kreisende Erregung im Bereich des AV-Knotens), atrioventrikuläre Reentry-Tachykardie (Herzrasen durch kreisende Erregung zwischen Vorhof und Herzkammer), fokale atriale Tachykardie (Herzrasen aus einem umschriebenen Herd im Vorhof), atriales Flattern (Vorhofflattern) und Präexzitationssyndrome (Krankheitsbilder mit vorzeitiger elektrischer Erregung der Herzkammern) unterscheiden sich hinsichtlich Rezidivrisiko, hämodynamischer Relevanz und Komplikationsrisiko [LL1, LL2]
  • Anfallsdauer und Frequenzhöhe – langdauernde und sehr schnelle Episoden erhöhen das Risiko für Hypotonie, Synkope, myokardiale Ischämie und tachykardieinduzierte Kardiomyopathie [1, LL1, LL2]
  • Häufigkeit der Rezidive (Wiederauftreten) – häufige oder persistierende Tachykardien begünstigen eine arrhythmieinduzierte Kardiomyopathie und beeinträchtigen Lebensqualität und Leistungsfähigkeit [1]
  • Vorliegen einer strukturellen Herzerkrankung – erhöht das Risiko für hämodynamische Instabilität, Herzinsuffizienzdekompensation und relevante Ischämie [LL1, LL2]
  • Linksventrikuläre Funktion – eine eingeschränkte linksventrikuläre Ejektionsfraktion (Auswurffraktion der linken Herzkammer) ist ein zentraler Risikofaktor für Dekompensation und ungünstigen Verlauf [1, LL1, LL2]
  • Präexzitation/Wolff-Parkinson-White-Syndrom – akzessorische Leitungsbahnen mit schneller antegrader Leitung erhöhen das Risiko für gefährliche ventrikuläre Frequenzen (Herzkammerfrequenzen) bei Vorhofflimmern und selten für plötzlichen Herztod [4, LL1, LL2]
  • Alter und Komorbidität (Begleiterkrankungen) – höheres Alter, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Klappenvitien (Herzklappenfehler), Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), Anämie (Blutarmut) und Elektrolytstörungen erhöhen die klinische Relevanz tachykarder Episoden [LL1, LL2]
  • Schwangerschaft – supraventrikuläre Tachykardien können rezidivieren oder erstmals auftreten und sind in Kohortendaten mit erhöhtem Risiko für Kaiserschnittentbindung und vorzeitige Wehentätigkeit assoziiert [5, LL3]
  • Therapiezugang und definitive Rhythmustherapie – erfolgreiche Katheterablation (Verödung von Herzrhythmusstörungsgewebe mittels Katheter) senkt bei geeigneter Indikation das Rezidivrisiko und kann tachykardieinduzierte linksventrikuläre Dysfunktion reversibel machen [1, LL1, LL2]

Literatur

  1. Shoureshi P, Tan AY, Koneru J et al.: Arrhythmia-Induced Cardiomyopathy: JACC State-of-the-Art Review. Journal of the American College of Cardiology. 2024;83(22):2214-2232. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2024.03.416
  2. Rujirachun P, Panjawatanan P, Kewcharoen J et al.: Paroxysmal supraventricular tachycardia and risk of ischemic stroke: A systematic review and meta-analysis. Journal of Arrhythmia. 2019;35(4):672-677. https://doi.org/10.1002/joa3.12187
  3. Kamel H, Elkind MSV, Bhave PD et al.: Paroxysmal supraventricular tachycardia and the risk of ischemic stroke. Stroke. 2013;44(6):1550-1554. https://doi.org/10.1161/STROKEAHA.113.001118
  4. Obeyesekere MN, Leong-Sit P, Massel D et al.: Risk of Arrhythmia and Sudden Death in Patients With Asymptomatic Preexcitation: A Meta-Analysis. Circulation. 2012;125(19):2308-2315. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.111.055350
  5. Bekiaridou A, Coleman KM, Sharma N et al.: Clinical Significance of Supraventricular Tachycardia During Pregnancy in Healthy Women. JACC: Clinical Electrophysiology. 2024;10(7 Pt 1):1304-1312. https://doi.org/10.1016/j.jacep.2024.03.014

Leitlinien

  1. Brugada J, Katritsis DG, Arbelo E et al.: 2019 ESC Guidelines for the management of patients with supraventricular tachycardia. European Heart Journal. 2020;41(5):655-720. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehz467
  2. Page RL, Joglar JA, Caldwell MA et al.: 2015 ACC/AHA/HRS Guideline for the Management of Adult Patients With Supraventricular Tachycardia: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines and the Heart Rhythm Society. Journal of the American College of Cardiology. 2016;67(13):e27-e115. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2015.08.856
  3. Joglar JA, Kapa S, Saarel EV et al.: 2023 HRS expert consensus statement on the management of arrhythmias during pregnancy. Heart Rhythm. 2023;20(10):e175-e264. https://doi.org/10.1016/j.hrthm.2023.05.017