Supraventrikuläre Tachykardie – Differentialdiagnosen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Angeborene Herzfehler – strukturelle kardiale Substrate (Herzgrundlagen) mit atrialer Dilatation (Erweiterung des Vorhofs), Narbenbildung nach Operation oder hämodynamischer Belastung (Belastung des Blutflusses); begünstigen supraventrikuläre Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge aus dem Bereich oberhalb der Herzkammern) und supraventrikuläre Tachyarrhythmien (schnelle Herzrhythmusstörungen oberhalb der Herzkammern)
  • Ebstein-Anomalie (angeborene Fehlbildung der Trikuspidalklappe) – angeborene Trikuspidalklappenfehlbildung (Fehlbildung der Herzklappe zwischen rechtem Vorhof und rechter Herzkammer) mit rechtsatrialer Dilatation (Erweiterung des rechten Vorhofs) und erhöhter Prädisposition (Veranlagung) für akzessorische Leitungsbahnen (zusätzliche elektrische Leitungsbahnen) und supraventrikuläre Rhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen oberhalb der Herzkammern)
  • Vorhofseptumdefekt (Loch in der Scheidewand der Herzvorhöfe) – Volumenbelastung des rechten Vorhofs und rechten Ventrikels (rechter Herzkammer) mit möglicher supraventrikulärer Extrasystolie (zusätzliche Herzschläge oberhalb der Herzkammern), Vorhofflattern (schnelle regelmäßige Vorhoferregung) oder Vorhofflimmern (unregelmäßige Vorhoferregung)

Atmungssystem (J00-J99)

  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (dauerhafte verengende Lungenerkrankung) – Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), pulmonale Hypertonie (Bluthochdruck im Lungenkreislauf), Rechtsherzbelastung (Belastung der rechten Herzhälfte) und Beta-2-Sympathomimetika (bronchienerweiternde Medikamente) können supraventrikuläre Extrasystolen begünstigen
  • Hypoxämie bei akuter oder chronischer Lungenerkrankung – adrenerge Aktivierung (Stresshormonaktivierung) und kardiale Belastung (Herzbelastung) als Trigger (Auslöser) supraventrikulärer Extrasystolen
  • Obstruktive Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) – intermittierende Hypoxie (wiederkehrender Sauerstoffmangel), sympathische Aktivierung (Aktivierung des Stressnervensystems) und atriale Druck-/Volumenbelastung (Druck-/Volumenbelastung der Herzvorhöfe) mit vermehrter atrialer Ektopie (zusätzlicher Vorhoferregung) und erhöhtem Risiko für Vorhofflimmern
  • Pneumonie (Lungenentzündung) – systemische Entzündung (Entzündung des ganzen Körpers), Fieber, Hypoxämie und Elektrolytverschiebungen (Verschiebungen der Blutsalze) als reversible Auslöser supraventrikulärer Extrasystolen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut) – kompensatorische Tachykardie (ausgleichend erhöhte Herzfrequenz), gesteigerte sympathische Aktivität (erhöhte Aktivität des Stressnervensystems) und myokardiale Sauerstoffangebotsminderung (verminderte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels) können supraventrikuläre Extrasystolen triggern
  • Systemische Entzündungsreaktion – inflammatorische und adrenerge Aktivierung als unspezifischer Trigger supraventrikulärer Extrasystolen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze) – insbesondere Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut) und Hypomagnesiämie (Magnesiummangel im Blut) als reversible Trigger atrialer und ventrikulärer Extrasystolie (zusätzliche Herzschläge aus dem Bereich der Herzkammern)
  • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – klassische reversible Ursache supraventrikulärer Extrasystolen, Sinustachykardie (beschleunigter normaler Herzrhythmus), Vorhofflimmern und Vorhofflattern
  • Hypoglykämie (Unterzuckerung) – adrenerge Gegenregulation (Gegensteuerung durch Stresshormone) mit Palpitationen (Herzklopfen), Sinustachykardie und möglicher Zunahme supraventrikulärer Extrasystolen
  • Phäochromozytom (katecholaminbildender Nebennierentumor) – Katecholaminexzess (Stresshormonüberschuss) mit paroxysmaler Hypertonie (anfallsartigem Bluthochdruck), Palpitationen, Sinustachykardie und supraventrikulären Extrasystolen

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens) – myokardiale Ischämie (Durchblutungsmangel des Herzmuskels) als möglicher Trigger supraventrikulärer Extrasystolen und anderer Rhythmusstörungen
  • Atriale Tachykardie (schneller Herzrhythmus aus dem Vorhof) – regelmäßige supraventrikuläre Tachykardie (schneller Herzrhythmus oberhalb der Herzkammern), die bei kurzen Salven oder häufigen atrialen Extrasystolen (zusätzlichen Herzschlägen aus dem Vorhof) rhythmologisch abgegrenzt werden muss
  • Atrioventrikuläre Reentrytachykardie (kreisende Erregung zwischen Vorhof und Herzkammer) – paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie (anfallsartiger schneller Herzrhythmus oberhalb der Herzkammern) bei akzessorischer Leitungsbahn; kann klinisch als Palpitationen fehlinterpretiert werden
  • Atrioventrikuläre nodale Reentrytachykardie (kreisende Erregung im Bereich des atrioventrikulären Knotens) – häufige paroxysmale supraventrikuläre Tachykardie mit abruptem Beginn und Ende; Differenzialdiagnose bei Palpitationen und schmalem QRS-Komplex (schmaler Kammerkomplex im Elektrokardiogramm)
  • Bradykardie-Tachykardie-Syndrom (Wechsel aus zu langsamem und zu schnellem Herzschlag) – Sinusknotenerkrankung (Erkrankung des natürlichen Taktgebers des Herzens) mit Wechsel aus Bradyarrhythmien (langsamen Herzrhythmusstörungen) und atrialen Tachyarrhythmien (schnellen Herzrhythmusstörungen aus dem Vorhof); supraventrikuläre Extrasystolen können Vorhofflimmern initiieren
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – atriale Dehnung (Dehnung der Herzvorhöfe), neurohumorale Aktivierung (Aktivierung hormoneller und nervlicher Regulationssysteme) und strukturelles Remodeling (Umbau des Herzgewebes) begünstigen supraventrikuläre Extrasystolen
  • Hypertensive Herzerkrankung (Herzerkrankung durch Bluthochdruck) – linksventrikuläre Hypertrophie (Verdickung der linken Herzkammer), diastolische Dysfunktion (Füllungsstörung des Herzens) und linksatriale Vergrößerung (Vergrößerung des linken Vorhofs) als Substrat (Grundlage) atrialer Extrasystolie
  • Kardiomyopathien (Herzmuskelerkrankungen) – strukturelles myokardiales Remodeling mit erhöhter atrialer Ektopie und Risiko für supraventrikuläre Tachyarrhythmien
  • Klappenvitien (Herzklappenfehler) – insbesondere Mitralklappenerkrankungen (Erkrankungen der Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer) mit linksatrialer Dilatation als Substrat supraventrikulärer Extrasystolen und Vorhofflimmern
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung) – entzündliche Myokardbeteiligung (Beteiligung des Herzmuskels) mit supraventrikulären und ventrikulären Rhythmusstörungen (Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern); relevant bei Infektanamnese (Vorgeschichte einer Infektion), Thoraxschmerz (Brustschmerz) oder Troponinerhöhung
  • Perikarditis (Herzbeutelentzündung) – entzündliche kardiale Reizung (Reizung des Herzens) mit möglicher supraventrikulärer Extrasystolie, Sinustachykardie oder Vorhofflimmern
  • Sinusarrhythmie (unregelmäßiger normaler Herzrhythmus) – physiologische oder respiratorisch modulierte Rhythmusvariation (atemabhängige Rhythmusschwankung); wichtige elektrokardiographische Abgrenzung (Abgrenzung im Elektrokardiogramm) zu Extrasystolie
  • Sinustachykardie – häufige Differenzialdiagnose bei Palpitationen; meist sekundär durch Fieber, Schmerz, Anämie, Hyperthyreose, Hypovolämie (vermindertes Blutvolumen) oder adrenerge Aktivierung
  • Ventrikuläre Extrasystolen – häufige rhythmologische Differenzialdiagnose; Abgrenzung über QRS-Breite (Breite des Kammerkomplexes im Elektrokardiogramm), Kopplungsintervall (Abstand zum vorherigen Herzschlag), P-Wellen-Beziehung (Beziehung zur Vorhoferregung) und gegebenenfalls Langzeit-Elektrokardiographie (Langzeit-Herzstromkurve)
  • Vorhofflattern – regelmäßige atriale Makro-Reentrytachykardie (großkreisige kreisende Vorhoferregung); kann bei variabler Überleitung (wechselnder Weiterleitung auf die Herzkammern) irregulär erscheinen und muss von gehäufter supraventrikulärer Extrasystolie abgegrenzt werden
  • Vorhofflimmern – wichtigste Differenzialdiagnose bei unregelmäßigem Puls und Palpitationen; häufige supraventrikuläre Extrasystolen können Vorhofflimmern triggern oder ankündigen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Akute Virusinfektion (akute Infektion durch Viren) – Fieber, Entzündung, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) und sympathische Aktivierung können supraventrikuläre Extrasystolen auslösen
  • Sepsis (Blutvergiftung) – systemische Entzündung, Katecholaminexposition (Belastung durch Stresshormone), Hypoxämie, Hypovolämie und Elektrolytstörungen als starke Trigger supraventrikulärer Rhythmusstörungen

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Alkoholassoziierte Lebererkrankung (durch Alkohol mitbedingte Lebererkrankung) – Hinweis auf chronischen Alkoholkonsum als Trigger atrialer Extrasystolie und supraventrikulärer Tachyarrhythmien
  • Akute Pankreatitis (akute Bauchspeicheldrüsenentzündung) – systemische Entzündung, Schmerz, Volumenverschiebung (Verschiebung von Körperflüssigkeit) und Elektrolytstörungen können supraventrikuläre Extrasystolen begünstigen

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Dehydratation bei gastrointestinalem Flüssigkeitsverlust (Flüssigkeitsverlust über Magen und Darm) – Hypovolämie, Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und Elektrolytstörungen als reversible Trigger supraventrikulärer Extrasystolen
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Sodbrennen-Krankheit) – kann Palpitationen subjektiv verstärken; kausale Relevanz für supraventrikuläre Extrasystolen nur im Einzelfall zu bewerten

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Kardiale Tumoren (Tumoren des Herzens) – seltene strukturelle Ursache supraventrikulärer Extrasystolen bei atrialer Raumforderung (Raumforderung im Vorhof), Infiltration (Einwachsen) oder hämodynamischer Beeinträchtigung (Beeinträchtigung des Blutflusses)
  • Phäochromozytom/Paragangliom (katecholaminbildender Tumor) – katecholaminproduzierende Neubildung mit Palpitationen, Hypertoniekrisen (Bluthochdruckkrisen) und supraventrikulären Rhythmusstörungen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörung/Panikattacke (Angsterkrankung/Angstanfall) – häufige klinische Differenzialdiagnose bei Palpitationen; kann Sinustachykardie und subjektive Wahrnehmung vereinzelter Extrasystolen verstärken
  • Autonome Dysregulation (Fehlregulation des vegetativen Nervensystems) – vegetative Fehlregulation mit Palpitationen, Sinustachykardie und subjektiver Arrhythmiewahrnehmung (Wahrnehmung von Herzrhythmusstörungen)

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaft – physiologische Zunahme von Blutvolumen, Herzfrequenz und adrenerger Empfindlichkeit; supraventrikuläre Extrasystolen sind häufig benign (gutartig), müssen aber bei Synkope (Ohnmacht), struktureller Herzerkrankung oder anhaltender Tachyarrhythmie abgegrenzt werden
  • Postpartale Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung nach der Geburt) – relevante Differenzialdiagnose bei Palpitationen, Dyspnoe (Atemnot), Ödemen (Wassereinlagerungen) oder Leistungsknick im späten Schwangerschaftsverlauf oder Wochenbett

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Fieber – Sinustachykardie und adrenerge Aktivierung mit möglicher Zunahme supraventrikulärer Extrasystolen
  • Palpitationen – Leitsymptom, das supraventrikulären Extrasystolen, ventrikulären Extrasystolen, Sinustachykardie, Vorhofflimmern, Vorhofflattern oder paroxysmalen supraventrikulären Tachykardien entsprechen kann
  • Synkope/Präsynkope (Ohnmacht/Beinahe-Ohnmacht) – Warnsymptom; spricht nicht für banale isolierte supraventrikuläre Extrasystolen und erfordert Abklärung auf relevante Brady- oder Tachyarrhythmien, strukturelle Herzerkrankung und hämodynamische Ursachen

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Nierenkrankheit (dauerhafte Nierenerkrankung) – Elektrolytstörungen, Volumenbelastung, Hypertonie und strukturelle Herzerkrankung als indirekte Auslöser supraventrikulärer Extrasystolie
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) mit Hyperkaliämie (erhöhtem Kalium im Blut) oder Hypokaliämie – relevante reversible Ursache von Rhythmusstörungen; Abgrenzung zu ventrikulärer Extrasystolie und Leitungsstörungen erforderlich

Medikamente

  • Beta-2-Sympathomimetika – dosisabhängige adrenerge Stimulation (Stresshormonwirkung) mit Palpitationen, Sinustachykardie und möglicher supraventrikulärer Extrasystolie
  • Dekongestiva (abschwellende Medikamente) mit Sympathomimetika (stresshormonähnlichen Wirkstoffen) – adrenerge Trigger für Palpitationen und supraventrikuläre Extrasystolen
  • Digitalisintoxikation (Vergiftung durch Digitalis) – klassische medikamentöse Ursache atrialer Extrasystolen, atrialer Tachykardien und atrioventrikulärer Leitungsstörungen (Leitungsstörungen zwischen Vorhof und Herzkammer)
  • Katecholamine/Vasopressoren (Stresshormone/gefäßverengende Medikamente) – iatrogene adrenerge Trigger supraventrikulärer Extrasystolen und Tachyarrhythmien
  • Levothyroxin-Überdosierung (Schilddrüsenhormon-Überdosierung) – iatrogene Hyperthyreose (durch medizinische Maßnahmen verursachte Schilddrüsenüberfunktion) mit Sinustachykardie, supraventrikulären Extrasystolen und erhöhtem Risiko für Vorhofflimmern
  • Methylxanthine (theophyllinähnliche Wirkstoffe) – Theophyllin und verwandte Substanzen können dosisabhängig supraventrikuläre und ventrikuläre Rhythmusstörungen auslösen
  • Stimulanzien (anregende Arzneimittel) – Amphetaminähnliche Arzneimittel und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung-Medikation können Palpitationen und Tachykardien begünstigen
  • Trizyklische Antidepressiva (bestimmte Medikamente gegen Depressionen) – potenziell proarrhythmisch (Herzrhythmusstörungen begünstigend), insbesondere bei Überdosierung, kardialer Vorerkrankung oder Elektrolytstörungen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholkonsum – akuter oder chronischer Konsum kann atriale Extrasystolie, Vorhofflimmern und Vorhofflattern begünstigen
  • Cannabis – kann über sympathische Aktivierung Palpitationen und Tachykardien auslösen; rhythmologische Relevanz individuell zu bewerten
  • Koffein – kein genereller gesicherter Auslöser bei allen Patienten; individuell kann Koffein Palpitationen und Extrasystolen verstärken
  • Kokain – starker sympathomimetischer Trigger (stresshormonähnlicher Auslöser) für supraventrikuläre und ventrikuläre Rhythmusstörungen sowie Myokardischämie
  • Nikotin – sympathische Aktivierung mit möglicher Zunahme von Palpitationen und supraventrikulärer Extrasystolie