Lungenembolie – Klassifikation

Stadieneinteilung der Lungenembolie (LE) nach Grosser [1]

  Schweregrad I
mäßig schwere LE

Schweregrad II
schwere LE

Schweregrad III
massive LE

Schweregrad IV
fulminante LE
Klinische Symptomatik
diskret (plötzliches, kurzfristiges Auftreten von Dyspnoe (Atemnot), Hyperventilation, Angstgefühl und Schwindel), in 80 % klinisch stumm Akute Dyspnoe, Tachypnoe (Atemfrequenz: > 20/min), Tachykardie (Herzschläge: > 100 Schläge/min), Thoraxschmerz/ Brustschmerzen (Pleurareiben), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit)
zusätzlich zu Schweregrad II: Zyanose, Rasselgeräusche (RGs) über dem betroffenen Lungenabschnitt als Hinweis auf eine beginnende Infarzierung (lokale Mangelversorgung mit Blut – und infolgedessen auch mit Sauerstoff – durch einen venösen Gefäßverschluss) – zunehmend EKG-Veränderungen; Schocksymptomatik
kardiogener Schock (Schock durch Pumpversagen des Herzens); Gefahr des Herz-Kreislauf-Stillstands
Arterieller Blutdruck
normal
evtl. leicht ↓
 ↓ RR (syst) < 100 mmHg
Gefäßverschluss
periphere Äste
Segmentarterien Pulmonalarterienast Pulmonalishauptstamm oder mehrere
Lappenarterien
Letalität (Sterblichkeit)
 normal  < 25 %
 > 25 %
 > 50 %


Risikoklassifikation von Patienten mit Lungenembolie [2].
 

Legende

  • aTroponin I/T oder natriuretische Peptide.
  • PESI = Pulmonary Embolism Severity Index, sPESI=simplifizierter PESI,
  • RV = rechtsventrikulär, CT = Computertomographie, TTE = transthorakale Echokardiographie.
  • + positiv, vorliegend, zutreffend;
  • (+) nicht notwendig für Definition, jedoch bei Berechnung, Bestimmung positiv, vorliegend, zutreffend.

Rezidivrisiko (Risiko des Wiederauftretens) im Langzeitverlauf (Modifiziert nach [3])

Geschätztes 
Risiko für ein 
Langzeitrezidiv
Risikofaktor Kategorie bei Index-LE Beispiele
Niedrig (< 3 % pro Jahr)


Transienter (vorübergehender) oder reversibler Faktor, der mit einer > 10-fachen Erhöhung des Risikos für LE verbunden ist ("Major-Faktor")


Stattgehabte trat auf im Krankenhaus
Trauma mit Frakturen (Knochenbrüchen)
Operation mit Vollnarkose > 30 min
Mittel (3-8 % pro Jahr)       Transienter oder reversibler Faktor, der mit einer < 10--fachen Erhöhung des Risikos für LE verbunden ist ("Minor-Faktor") Kontrazeption (Schwangerschaftsverhütung)
Schwangerschaft
Langstreckenflug
Nicht maligne persistierende Faktoren
 
Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED)
Aktive Autoimmunerkrankung
Kein auslösender Faktor erkennbar -
Hoch (> 8 % pro Jahr) - Aktive Krebserkrankung
Mindestens eine frühere thromboembolische Erkrankungen Abwesenheit eines eindeutigen Auslöser
Antiphospholipid-Syndrom (APS)

Literatur

  1. Grosser KD: Akute Lungenembolie. Behandlung nach Schweregraden. Dtsch. Ärztebl. 85: (1988) 587-594
  2. Konstantinides SV, Torbicki A, Agnelli G et al.: 2014 ESC Guidelines on the diagnosis and management of acute pulmonary embolism: The Task Force for the Diagnosis and Management of Acute Pulmonary Embolism of the European Society of Cardiology (ESC). Eur Heart J 35:3033–3080 
  3. Konstantinides SM, Meyer G, Becattini C: 2019 ESC Guidelines for the diagnosis and management of acute pulmonary embolism developed in collaboration with the European Respiratory Society (ERS). Eur Heart J. 2019 Nov 1;40(42):3453-3455. doi: 10.1093/eurheartj/ehz726.