Kammerflimmern – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Wiederherstellung eines suffizienten Kreislaufs (ausreichender Blutkreislauf)

Therapieempfehlungen

  • Kardiopulmonale Reanimation (Wiederbelebung) (Herzdruckmassage : Beatmung = 30 : 2) mit frühzeitiger Defibrillation (elektrischer Stromstoß) bei Kammerflimmern (chaotische Herzrhythmusstörung) oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (sehr schneller Herzrhythmus ohne Puls)
  • Defibrillation (elektrischer Stromstoß) als zentrale Maßnahme (unabhängig von der zugrunde liegenden elektrischen Aktivität)
  • Adrenalin (s. u.; Beginn nach der dritten erfolglosen Defibrillation)
  • Amiodaron (300 mg i.v. oder intraossär nach dritter erfolgloser Defibrillation; evidenzgesichert) oder Lidocain (100 mg i.v.)
  • Bei persistierendem Kammerflimmern (anhaltendes chaotisches Herzflimmern) ggf. Eskalationstherapie (Therapieausweitung) (z. B. Betablocker bei therapierefraktärem Verlauf (nicht auf Therapie ansprechend))
  • ICD-Implantation (implantierbarer Defibrillator) (sekundärprophylaktisch, zeitnah nach Stabilisierung)

Weitere Hinweise

  • Bei Herzstillstand (Kreislaufstillstand) infolge therapierefraktären Kammerflimmerns (nicht behandelbares Herzflimmern) oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie (sehr schneller Herzrhythmus ohne Puls) zeigen Patienten unter Betablockade (Behandlung mit Betablockern) (z. B. Esmolol) eine höhere Rate an ROSC (Wiederkehr des Spontankreislaufs) und ein besseres neurologisches Outcome (Ergebnis der Hirnfunktion) als Patienten ohne Betablockertherapie [1].
  • Die Gabe von Betablockern erfolgt ausschließlich als Eskalationstherapie (Therapieausweitung) im intensivmedizinischen Setting (Behandlung auf der Intensivstation).

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Wirkstoffgruppe Wirkstoff Besonderheiten
Sympathomimetika Adrenalin Steigert koronare (Herzkranzgefäße betreffend) und zerebrale (Gehirn betreffend) Perfusion (Durchblutung); kein Nachweis eines verbesserten Langzeit-Überlebens mit gutem neurologischem Outcome (Erhalt der Hirnfunktion)
Antiarrhythmika (Klasse III) Amiodaron Verbessert ROSC (Wiederkehr des Spontankreislaufs) und Hospitalaufnahme (Aufnahme ins Krankenhaus), kein gesicherter Vorteil für Langzeitüberleben
Antiarrhythmika (Klasse Ib) Lidocain Alternative zu Amiodaron bei Kontraindikationen (Gegenanzeigen) oder Nichtverfügbarkeit
  • Wirkweise: Adrenalin stimuliert α- und β-adrenerge Rezeptoren (Bindungsstellen für Stresshormone) mit Erhöhung des systemischen Gefäßwiderstands (Widerstand der Blutgefäße) und der koronaren Perfusion (Durchblutung des Herzmuskels)
  • Nebenwirkungen: Tachykardie (Herzrasen), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte myokardiale Sauerstoffaufnahme (Sauerstoffbedarf des Herzmuskels), Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker)

Literatur

  1. Gottlieb M, Long B, Koyfman A. Beta-blockade for the treatment of cardiac arrest due to ventricular fibrillation or pulseless ventricular tachycardia: A systematic review and meta-analysis. Resuscitation. 2019;140:114-121. https://doi.org/10.1016/j.resuscitation.2019.11.019