Intraventrikulärer Block – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch einen intraventrikulären Block mitbedingt sein können:

Die klinische Bedeutung eines intraventrikulären Blocks hängt wesentlich von Blockmorphologie, Ausmaß der His-Purkinje-Leitungsstörung (Störung der elektrischen Erregungsleitung im herzeigenen Reizleitungssystem) und einer zugrunde liegenden strukturellen Herzerkrankung (Herzerkrankung mit Veränderungen des Herzgewebes bzw. der Herzstruktur) ab. Insbesondere ein Linksschenkelblock (Blockierung des linken Erregungsleitungsschenkels des Herzens) und eine unspezifische intraventrikuläre Leitungsverzögerung (verzögerte Erregungsleitung innerhalb der Herzkammern) können über elektrische und mechanische Dyssynchronie (unzeitgleiche Erregung und Bewegung der Herzkammern) zur linksventrikulären Funktionsverschlechterung (Verschlechterung der Funktion der linken Herzkammer) beitragen. Ein isolierter Rechtsschenkelblock (Blockierung des rechten Erregungsleitungsschenkels des Herzens) ist demgegenüber häufig prognostisch günstiger; beobachtete Mortalitätsassoziationen sind nicht mit einem kausalen Effekt des Blocks gleichzusetzen [1-6].

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Atrioventrikulärer Block II. oder III. Grades (höhergradige Überleitungsstörung zwischen Herzvorhöfen und Herzkammern) – bei fortschreitender Erkrankung des His-Purkinje-Systems kann ein bifaszikulärer bzw. alternierender Schenkelblock (wechselnde Blockierung verschiedener Erregungsleitungsschenkel des Herzens) in einen intermittierenden oder persistierenden höhergradigen atrioventrikulären Block übergehen. Bei asymptomatischem Schenkelblock ist eine Progression zum höhergradigen atrioventrikulären Block insgesamt selten; ein alternierender Schenkelblock weist dagegen auf eine fortgeschrittene Erkrankung des His-Purkinje-Systems mit hohem Progressionsrisiko hin [LL1].
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – insbesondere ein Linksschenkelblock sowie eine unspezifische intraventrikuläre Leitungsverzögerung sind mit einem erhöhten Risiko einer neu auftretenden Herzinsuffizienz assoziiert. Pathophysiologisch können die gestörte ventrikuläre Aktivierungssequenz, mechanische Dyssynchronie, verminderte Kontraktionseffizienz und ein nachfolgendes ungünstiges linksventrikuläres Remodeling hierzu beitragen [1, 2, 5, 6, LL2, LL3].
  • Kardiomyopathie (Erkrankung des Herzmuskels) bzw. linksventrikuläre systolische Dysfunktion (verminderte Pumpfunktion der linken Herzkammer) – ein chronischer Linksschenkelblock kann bei einem Teil der Betroffenen über anhaltende elektrische und mechanische Dyssynchronie zu einer dyssynchronieassoziierten Kardiomyopathie beitragen oder eine bereits bestehende Kardiomyopathie verschlechtern. Auch bei initial strukturell unauffälligem Herzen ist ein Linksschenkelblock mit einer späteren Abnahme der linksventrikulären Ejektionsfraktion (Auswurfleistung der linken Herzkammer) assoziiert. Bei chronischem Linksschenkelblock wird deshalb eine periodische Beurteilung der ventrikulären Funktion empfohlen [2, 5, 6, LL2].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) – insbesondere bei bifaszikulärem Block (Blockierung von zwei Anteilen des Erregungsleitungssystems der Herzkammern) kann ein intermittierender höhergradiger atrioventrikulärer Block Ursache rezidivierender Synkopen sein. Bei bifaszikulärem Block und ungeklärter Synkope besteht daher der Verdacht auf eine intermittierende fortgeschrittene His-Purkinje-Leitungsstörung; auch nach negativer elektrophysiologischer Untersuchung (Messung der elektrischen Erregungsleitung im Herzen) kann im weiteren Verlauf ein paroxysmaler atrioventrikulärer Block nachgewiesen werden [LL1].

Prognosefaktoren

  • Blockmorphologie: Ein Linksschenkelblock und eine unspezifische intraventrikuläre Leitungsverzögerung sind insbesondere hinsichtlich linksventrikulärer Dysfunktion und neu auftretender Herzinsuffizienz prognostisch ungünstiger als ein isolierter Rechtsschenkelblock [1, 2, 5, 6].
  • Ausmaß der QRS-Verbreiterung: Eine ausgeprägte QRS-Verbreiterung weist auf eine stärkere elektrische Dyssynchronie hin. Bei Herzinsuffizienz und Linksschenkelblock besitzt insbesondere eine QRS-Dauer ≥ 150 ms hohe klinische Relevanz und kennzeichnet die Patientengruppe mit besonders gut belegtem Nutzen einer kardialen Resynchronisationstherapie (Herzschrittmachertherapie zur zeitgleichen Aktivierung der Herzkammern) [LL1, LL2].
  • Linksventrikuläre Funktion: Eine reduzierte linksventrikuläre Ejektionsfraktion bzw. deren Abnahme im Verlauf ist ein wesentlicher ungünstiger Prognosefaktor. Ein chronischer Linksschenkelblock kann auch bei initial erhaltener linksventrikulärer Funktion mit einem späteren Funktionsabfall und einem erhöhten Herzinsuffizienzrisiko assoziiert sein [1, 5].
  • Strukturelle Herzerkrankung: Das Vorliegen einer Kardiomyopathie, koronaren Herzkrankheit (Durchblutungsstörung des Herzmuskels durch verengte Herzkranzgefäße), Herzklappenerkrankung (Erkrankung einer oder mehrerer Herzklappen) oder einer anderen strukturellen Herzpathologie beeinflusst die Prognose wesentlich. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz sind Schenkelblock bzw. verbreiterter QRS-Komplex mit einer ungünstigeren Prognose assoziiert [4].
  • Synkope bei bifaszikulärem Block: Eine ungeklärte Synkope erhöht den Verdacht auf einen intermittierenden höhergradigen atrioventrikulären Block. Ein His-Ventrikel-Intervall ≥ 70 ms oder der Nachweis eines höhergradigen atrioventrikulären Blocks während einer elektrophysiologischen Untersuchung kennzeichnet eine fortgeschrittene infranodale Leitungsstörung (Störung der Erregungsleitung unterhalb des AV-Knotens) und ist für die Indikationsstellung zur Schrittmachertherapie (Behandlung mit einem Herzschrittmacher) relevant [LL1].
  • Alternierender Schenkelblock: Der wechselnde Nachweis eines Rechts- und Linksschenkelblocks bzw. alternierender Leitungsblockierungen unterschiedlicher Schenkel zeigt eine fortgeschrittene Erkrankung des His-Purkinje-Systems an und gilt als Hochrisikokonstellation für die Entwicklung eines kompletten atrioventrikulären Blocks (vollständige Unterbrechung der Erregungsüberleitung von den Herzvorhöfen auf die Herzkammern) [LL1].
  • Isolierter Rechtsschenkelblock: Bei fehlender struktureller Herzerkrankung ist die Prognose häufig günstiger als bei Linksschenkelblock oder unspezifischer intraventrikulärer Leitungsverzögerung. Metaanalytisch bestehen zwar Assoziationen mit Gesamt- und kardiovaskulärer Mortalität; diese Beobachtungen belegen jedoch keine eigenständige Kausalität des Rechtsschenkelblocks und können teilweise zugrunde liegende kardiovaskuläre Erkrankungen bzw. Risikokonstellationen widerspiegeln [3].

Abkürzungen

APHRS = Asia Pacific Heart Rhythm Society; ESC = European Society of Cardiology; EHRA = European Heart Rhythm Association; HRS = Heart Rhythm Society; LAHRS = Latin American Heart Rhythm Society.

Literatur

  1. Lee A, He Z, Harb A: Left Bundle Branch Block as a Risk Factor for New-Onset Heart Failure: A Systematic Review and Meta-Analysis. Eur J Prev Cardiol. 2026;zwag414. doi:10.1093/eurjpc/zwag414
  2. Rankinen J, Haataja P, Lyytikäinen LP et al.: Relation of intraventricular conduction delay to risk of new-onset heart failure and structural heart disease in the general population. IJC Heart Vasc. 2020;31:100639. doi:10.1016/j.ijcha.2020.100639
  3. Xiong Y, Wang L, Liu W et al.: The Prognostic Significance of Right Bundle Branch Block: A Meta-analysis of Prospective Cohort Studies. Clin Cardiol. 2015;38(10):604-613. doi:10.1002/clc.22454
  4. Aguiló O, Castells X, Miró Ò et al.: The prognostic significance of bundle branch block in acute heart failure: a systematic review and meta-analysis. Clin Res Cardiol. 2023;112(8):1020-1043. doi:10.1007/s00392-022-02105-z
  5. Thein AS, Dixit S, Soliman EZ et al.: Left Bundle Branch Block as a Risk Factor for Heart Failure. JAMA Netw Open. 2025;8(8):e2525801. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.25801
  6. Sonaglioni A, Lombardo M, Gramaglia GF et al.: Impact of Left and Right Bundle Branch Block on Left Ventricular Systolic Function and Myocardial Mechanics Assessed by Speckle-Tracking Echocardiography and Cardiac Magnetic Resonance Feature Tracking: A Systematic Review and Meta-Analysis. Echocardiography. 2026;43(8):e70565. doi:10.1111/echo.70565

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Glikson M, Nielsen JC, Kronborg MB et al.: 2021 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy. Eur Heart J. 2021;42(35):3427-3520. doi:10.1093/eurheartj/ehab364. ESC-Leitlinienseite. [LL1]
  2. Chung MK, Patton KK, Lau CP et al.: 2023 HRS/APHRS/LAHRS guideline on cardiac physiologic pacing for the avoidance and mitigation of heart failure. Heart Rhythm. 2023;20(9):e17-e91. doi:10.1016/j.hrthm.2023.03.1538. [LL2]
  3. Glikson M, Burri H, Abdin A et al.: European Society of Cardiology (ESC) clinical consensus statement on indications for conduction system pacing, with special contribution of the European Heart Rhythm Association of the ESC and endorsed by the Asia Pacific Heart Rhythm Society, the Canadian Heart Rhythm Society, the Heart Rhythm Society, and the Latin American Heart Rhythm Society. Europace. 2025;27(4):euaf050. doi:10.1093/europace/euaf050. [LL3]