Isolierte HDL-Erniedrigung (Hypercholesterinämie) – Medizingerätediagnostik
Obligate Medizingerätediagnostik
- Keine obligate Medizingerätediagnostik – bei isolierter HDL-Erniedrigung (erniedrigtes „gutes“ Cholesterin) besteht keine eigenständige leitlinienbasierte Indikation für eine routinemäßige apparative Diagnostik; die Indikationsstellung für weiterführende bildgebende Verfahren (Untersuchungen mit Geräten) erfolgt risikobasiert und nur bei unklarer kardiovaskulärer Risikokonstellation (Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen) bzw. bei Verdacht auf subklinische Atherosklerose (noch symptomlose Gefäßverkalkung) [Leitlinien: 1, 2]
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte), körperlichen Untersuchung (körperliche Untersuchung), Labordiagnostik (Laboruntersuchungen) und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Koronare Calcium-Score-Bestimmung (Messung der Kalkmenge in den Herzkranzgefäßen) mittels nativer, nicht kontrastverstärkter Kardio-Computertomographie (Kardio-CT; spezielle Röntgenuntersuchung des Herzens) – kann zur Verfeinerung der kardiovaskulären Risikostratifizierung (Einteilung des Herz-Kreislauf-Risikos) erwogen werden, wenn die Entscheidung über Intensität der Prävention bzw. lipidsenkenden Therapie anhand der Basisdiagnostik (grundlegende Untersuchungen) nicht eindeutig ist; insbesondere bei Patienten mit grenzwertigem oder intermediärem Risiko (mittleres Risiko) [Leitlinien: 1]
- Gefäßsonographie (Ultraschalluntersuchung der Blutgefäße) zur Plaqueerfassung (Nachweis von Gefäßablagerungen), z. B. Carotis-Duplexsonographie (Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern), ggf. femorale Gefäßsonographie (Ultraschalluntersuchung der Oberschenkelarterien) – kann im Einzelfall zur Erfassung subklinischer Atherosklerose (noch symptomlose Gefäßverkalkung) als Risikomodifikator (Faktor zur Veränderung des individuellen Risikos) erwogen werden; bildgebend nachgewiesene Atherosklerose (Gefäßverkalkung) bzw. ein erhöhter Coronary Artery Calcium (CAC) Score (Kalkwert der Herzkranzgefäße) gelten als Risikomodifikatoren (Einflussfaktoren auf das Risiko) [Leitlinien: 2]
- Doppler-/Duplexsonographie der Carotiden (Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern) zum Screening (Reihenuntersuchung) auf asymptomatische Carotisstenose (Verengung der Halsschlagadern) – nicht als routinemäßige Screening-Untersuchung empfohlen; bei asymptomatischen Erwachsenen überwiegt aufgrund falsch-positiver Befunde (scheinbar krankhafte Befunde ohne tatsächliche Erkrankung) der potenzielle Schaden den Nutzen [1]
- Intima-Media-Dicke-Messung (Messung der Gefäßwanddicke) – nicht zur routinemäßigen kardiovaskulären Risikoabschätzung (Bewertung des Herz-Kreislauf-Risikos) empfohlen; gegenüber Plaquenachweis (Nachweis von Gefäßablagerungen) bzw. Coronary Artery Calcium (CAC) Score (Kalkwert der Herzkranzgefäße) besteht kein gesicherter Zusatznutzen [Leitlinien: 1, 2]
Literatur
- Davidson KW, Barry MJ, Mangione CM, Cabana M, Caughey AB, Davis EM, et al. Screening for asymptomatic carotid artery stenosis: US Preventive Services Task Force recommendation statement. JAMA. 2021;325(5):476-481. https://doi.org/10.1001/jama.2020.26988
Leitlinien
- Blumenthal RS, Morris PB, Gaudino M, et al. 2026 ACC/AHA/AACVPR/ABC/ACPM/ADA/AGS/APhA/ASPC/NLA/PCNA Guideline on the Management of Dyslipidemia: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Joint Committee on Clinical Practice Guidelines. J Am Coll Cardiol. 2026. https://doi.org/10.1016/j.jacc.2025.11.016
- Mach F, Koskinas KC, Roeters van Lennep JE, Tokgözoğlu L, Badimon L, Baigent C, et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2025;46(39):4359-4378. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehaf190