Kopfhautjucken (Pruritus capitis) – Differentialdiagnosen

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Allergisches Kontaktekzem (allergische Hautentzündung durch Kontaktstoffe) – insbesondere durch Haarfärbemittel, Duftstoffe, Konservierungsmittel oder andere Bestandteile von Haarpflegeprodukten; häufig mit Erythem (Hautrötung), Schuppung und gegebenenfalls Ausbreitung auf Stirn, Ohren, Augenlider oder Nacken
  • Atopische Dermatitis (Neurodermitis) – insbesondere bei entsprechender Atopieanamnese und weiteren typischen Ekzemlokalisationen
  • Diskoider Lupus erythematodes (scheibenförmige entzündliche Hauterkrankung) – bei umschriebenen erythematös-schuppenden, später atrophischen Herden und möglicher narbiger Alopezie (Haarausfall)
  • Exsikkationsekzem (Austrocknungsekzem) – bei ausgeprägt trockener, fein schuppender Kopfhaut, insbesondere bei häufigem Waschen, entfettenden Pflegeprodukten oder im höheren Lebensalter
  • Irritatives Kontaktekzem (Hautentzündung durch reizende Kontaktstoffe) – insbesondere nach häufiger oder intensiver Anwendung von Shampoos, Haarpflege-, Styling- oder Färbeprodukten
  • Lichen planopilaris (entzündliche Erkrankung der Haarwurzeln mit Vernarbung) – bei perifollikulärem Erythem und perifollikulärer Schuppung sowie beginnender narbiger Alopezie; Pruritus (Juckreiz) und Brennen können frühe Leitsymptome sein
  • Lichen simplex chronicus (chronisches Kratzekzem) (Neurodermitis circumscripta) – umschriebene lichenifizierte Plaques infolge eines chronischen Juckreiz-Kratz-Zyklus
  • Psoriasis capitis (Schuppenflechte der Kopfhaut) – häufig scharf begrenzte erythematöse Plaques mit fest haftender Schuppung; Übergreifen über die Haargrenze und weitere Psoriasismanifestationen unterstützen die Abgrenzung
  • Seborrhoisches Ekzem (fettig-schuppende Hautentzündung) – sehr häufige Ursache mit erythematöser, meist gelblich-fettiger oder feinlamellärer Schuppung der Kopfhaut und gegebenenfalls weiterer seborrhoischer Areale

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Pediculosis capitis (Kopflausbefall) – charakteristisch ist ausgeprägter Pruritus, insbesondere okzipital und retroaurikulär; Nachweis lebender Läuse oder kopfhautnaher Nissen
  • Skabies (Krätze) – Kopfhautbefall vor allem bei Säuglingen, Hochbetagten, Immunsupprimierten oder bei Scabies crustosa (Borkenkrätze); bei immunkompetenten Erwachsenen ist die behaarte Kopfhaut meist ausgespart
  • Tinea capitis (Pilzinfektion der Kopfhaut) – insbesondere bei Kindern, aber auch bei immunsupprimierten oder älteren Erwachsenen; Schuppung, abgebrochene Haare, umschriebene Alopezie oder entzündliches Kerion (stark entzündlicher Pilzherd) weisen auf eine Dermatophytose (Hautpilzerkrankung) hin

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Psychogener Pruritus (seelisch mitbedingter Juckreiz) – als Ausschlussdiagnose bei chronischem Pruritus ohne ausreichendes dermatologisches oder neurologisches Korrelat

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Skalp-Dysästhesie (Missempfindungen der Kopfhaut) – Pruritus, Brennen, Stechen oder andere Missempfindungen ohne primäre dermatologische Läsionen; insbesondere bei unauffälligem Kopfhautbefund an eine neuropathische Genese denken