Insektenstiche – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Rasche Behandlung einer Anaphylaxie (schweren, potenziell lebensbedrohlichen allergischen Reaktion) und Vermeidung eines Atemwegs- oder Kreislaufversagens.
  • Linderung lokaler Schmerzen, Schwellung und Juckreiz.
  • Prävention erneuter systemischer allergischer Stichreaktionen (allergischer Stichreaktionen, die den ganzen Körper betreffen) durch Notfallvorsorge und bei entsprechender Indikation eine Insektengift-Allergen-Immuntherapie.

Therapieempfehlungen

Die nachfolgenden Empfehlungen betreffen insbesondere Bienen- und Wespenstiche. Eine lokale Stichreaktion, eine systemische allergische Reaktion und eine toxische Reaktion (giftbedingte Reaktion) nach zahlreichen Stichen erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Eine rasch auftretende Atemwegs-, Atmungs- oder Kreislaufstörung nach einem Stich ist als Anaphylaxie zu behandeln; Hautsymptome können fehlen [LL1, LL3].

Anaphylaxie: vorrangiger Notfallalgorithmus

  1. Anaphylaxie klinisch erkennen: Warnzeichen sind insbesondere Zungen-/Rachenschwellung, Heiserkeit, Stridor (pfeifendes oder ziehendes Atemgeräusch), Dyspnoe (Atemnot), Bronchospasmus (krampfartige Verengung der Bronchien), Hypotonie (zu niedriger Blutdruck) oder Kollaps (Kreislaufzusammenbruch). Auch generalisierte Haut-/Schleimhautsymptome (über den Körper verbreitete Beschwerden an Haut oder Schleimhäuten) zusammen mit ausgeprägten Bauchkrämpfen oder wiederholtem Erbrechen nach einem Insektenstich sprechen für eine Anaphylaxie. Nicht auf einen Schock (lebensbedrohliches Kreislaufversagen), Hautzeichen oder Laborbefunde warten [LL1, LL3].
  2. Sofort Hilfe anfordern, Rettungsdienst über 112 alarmieren und Adrenalin intramuskulär in die anterolaterale Mitte des Oberschenkels geben. Für die ärztliche Injektion aus der Ampulle die eindeutig beschriftete Konzentration 1 mg/ml verwenden; dies entspricht 1:1.000. Erwachsene: 0,5 mg = 0,5 ml. Kinder: 0,01 mg/kg Körpergewicht = 0,01 ml/kg, maximal 0,5 mg pro Einzeldosis. Bei fortbestehenden Atemwegs-, Atmungs- oder Kreislaufproblemen nach 5 Minuten wiederholen; anschließend nach klinischem Verlauf erneut alle 5 Minuten bis zur wirksamen Stabilisierung bzw. zum Beginn einer spezialisierten Infusionstherapie [LL1, LL2, LL4].
  3. Parallel geeignete Lagerung: bei Kreislaufbeteiligung flach mit angehobenen Beinen; bei vorherrschender Atemnot ohne Kreislaufinstabilität Oberkörper vorsichtig anheben, Beine ausgestreckt lassen. Bewusstlose mit erhaltener Atmung in stabiler Seitenlage; Schwangere bevorzugt linksseitig lagern. Patienten nicht aufstehen oder gehen lassen; Säuglinge nicht plötzlich aufrecht halten [LL2, LL3].
  4. Sauerstoff geben, Atemwege beurteilen und frühzeitig Unterstützung zur Atemwegssicherung hinzuziehen. Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Herzfrequenz und EKG überwachen. Bei Hypotonie oder Schock rasch einen intravenösen, nötigenfalls intraossären Zugang schaffen und kristalloide Flüssigkeit verabreichen. Diese Maßnahmen dürfen die erste Adrenalingabe nicht verzögern [LL1, LL2].
  5. Bei fortbestehender Bronchialobstruktion (Verengung der unteren Atemwege) Salbutamol inhalativ ergänzen. Bei oberer Atemwegsobstruktion (Verengung der oberen Atemwege) kann vernebeltes Adrenalin zusätzlich eingesetzt werden. Beide Maßnahmen ersetzen intramuskuläres Adrenalin nicht [LL2].
  6. Bei fortbestehenden respiratorischen (die Atmung betreffenden) oder kardiovaskulären (Herz und Kreislauf betreffenden) Symptomen trotz zwei angemessener intramuskulärer Adrenalindosen liegt eine refraktäre Anaphylaxie (trotz Behandlung fortbestehende schwere allergische Reaktion) vor: unverzüglich intensivmedizinische Unterstützung, weitere Volumentherapie und eine titrierte intravenöse Adrenalininfusion durch erfahrenes Personal unter kontinuierlichem Monitoring. Intravenöse Adrenalinboli gehören nicht zur routinemäßigen initialen Behandlung. Bei Kreislaufstillstand gelten die Reanimationsalgorithmen mit intravenöser bzw. intraossärer Adrenalingabe [LL2, LL5].
  7. H1-Antihistaminika erst ergänzend, insbesondere gegen persistierende Hautsymptome nach Stabilisierung. Systemische Glukokortikoide werden nach ERC 2025 nicht routinemäßig zur Anaphylaxiebehandlung empfohlen; eine verlässliche Prävention biphasischer Reaktionen (erneut auftretender allergischer Reaktionen nach zwischenzeitlicher Besserung) ist nicht belegt. Bei zusätzlicher eigenständiger Indikation, z. B. einer schweren Asthmaexazerbation (akuten Verschlechterung einer Asthmaerkrankung), können sie ergänzend eingesetzt werden. Weder Steroide noch Antihistaminika dürfen Adrenalin oder Volumentherapie verzögern [1, LL1].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Sympathomimetika: Adrenalin bei Anaphylaxie

Wirkstoff Besonderheiten
Adrenalin, intramuskuläre Injektion aus der Ampulle Erste Wahl. Injektion in die anterolaterale Mitte des Oberschenkels. Kleine pädiatrische Volumina mit geeigneter graduierter Spritze genau abmessen. Die Konzentration 0,1 mg/ml = 1:10.000 ist nicht die hier verwendete intramuskuläre Standardlösung. Keine Übertragung dieses Schemas auf die intravenöse Gabe [LL1, LL4].
Adrenalin-Autoinjektor Den verfügbaren verordneten Autoinjektor sofort anwenden; keine Verzögerung zur Beschaffung einer Ampulle. Unter 15 kg ist die Verordnung individuell allergologisch festzulegen; Empfehlungen ab 7,5 kg können vom Zulassungsrahmen des jeweiligen Präparats abweichen. Bei größeren Jugendlichen und Erwachsenen ist die ärztliche Ampullendosis von der festen Autoinjektordosis zu unterscheiden. Geräteanwendung und Haltezeit sind präparatespezifisch [LL3, FI1].
  • Wirkweise: α-adrenerg vermittelte Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) sowie β-adrenerge kardiale Stimulation und Bronchodilatation (Erweiterung der Bronchien); Verminderung von Schleimhautödem (Schwellung der Schleimhäute) und Mediatorfreisetzung.
  • Indikation: Anaphylaxie; frühzeitig bei drohender Atemwegs-, Atmungs- oder Kreislaufbeteiligung einsetzen.
  • Kontraindikationen: Bei lebensbedrohlicher Anaphylaxie keine absolute Kontraindikation gegen intramuskuläres Adrenalin; dies gilt auch bei Schwangerschaft und kardiovaskulären Erkrankungen.
  • Nebenwirkungen: Tremor (Zittern), Palpitationen (Herzklopfen), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Unruhe; schwere Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) und Myokardischämie (unzureichende Durchblutung des Herzmuskels) insbesondere bei Überdosierung oder fehlerhafter intravenöser Anwendung [LL2, FI1].

Volumentherapie: kristalloide Lösungen

Wirkstoff Besonderheiten
Isotone kristalloide Infusionslösung, vorzugsweise balancierte Elektrolytlösung Bei Hypotonie oder Schock zusätzlich zu Adrenalin. Weitere Flüssigkeit nach Perfusion (Durchblutung), Blutdruck, Atmung und Begleiterkrankungen titrieren; größere Gesamtmengen können erforderlich sein. Bei Herz-/Niereninsuffizienz (eingeschränkter Funktion von Herz oder Nieren) engmaschige Kontrolle [LL1, LL2].
  • Wirkweise: Ausgleich der relativen und absoluten intravasalen Hypovolämie (Verminderung des wirksamen Blutvolumens innerhalb der Blutgefäße) durch Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße) und kapillären Flüssigkeitsverlust.
  • Indikation: Anaphylaxie mit Kreislaufinstabilität bzw. Schock.
  • Kontraindikationen: Keine pauschale Kontraindikation beim hypovolämischen Schock (Kreislaufversagen durch zu wenig wirksames Blutvolumen); individuelle Anpassung bei eingeschränkter kardialer oder renaler Belastbarkeit.
  • Nebenwirkungen: Volumenüberlastung, Lungenödem (Flüssigkeitsansammlung in der Lunge) und Elektrolytstörungen (Störungen des Salzhaushalts) [LL2].

β2-Sympathomimetika: ergänzende Behandlung der Bronchialobstruktion

Wirkstoff Besonderheiten
Salbutamol Nur ergänzend bei Bronchospasmus; bei pädiatrischer Anaphylaxie mit Asthma (Erkrankung mit anfallsweiser Verengung der Atemwege) ebenfalls zuerst Adrenalin. Alterszulassung, Lösungskonzentration und Verdünnung des Präparats beachten; für die hier referenzierte Inhalationslösung unter 4 Jahren keine allgemeine Dosierungsempfehlung [LL2, LL4, FI2].
  • Wirkweise: β2-Rezeptor-vermittelte Relaxation der Bronchialmuskulatur.
  • Indikation: Persistierender Bronchospasmus trotz initialer Anaphylaxiebehandlung.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; besondere Vorsicht bei Tachyarrhythmien (Herzrhythmusstörungen mit zu schnellem Herzschlag).
  • Nebenwirkungen: Tremor, Tachykardie, Hypokaliämie (zu niedriger Kaliumgehalt im Blut); bei hohen kumulativen Dosen Lactatanstieg [FI2].

H1-Antihistaminika: lokale Beschwerden und ergänzende Behandlung von Hautsymptomen

Wirkstoff Besonderheiten
Cetirizin Bevorzugt gegenüber sedierenden H1-Antihistaminika. Bei Niereninsuffizienz (eingeschränkter Nierenfunktion) Dosisanpassung; bei Kindern zusätzlich Gewicht berücksichtigen. Unter 2 Jahren keine pauschale Dosierung. Bei Anaphylaxie nur nach initialer Stabilisierung und bei sicherem Schlucken. Anwendung gegen Stichreaktionen bzw. als Anaphylaxie-Begleitmedikation nach präparatespezifischer Zulassung ggf. Off-Label-Use [LL2, FI3].
  • Wirkweise: Blockade von H1-Rezeptoren.
  • Indikation: Juckreiz und Urtikaria (Nesselsucht); symptomatische Behandlung ausgeprägter Lokalreaktionen.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; schwere Niereninsuffizienz entsprechend Fachinformation. Keine orale Gabe bei unsicherem Schlucken oder Bewusstseinsstörung.
  • Nebenwirkungen: Somnolenz (ausgeprägte Schläfrigkeit), Müdigkeit, Kopfschmerzen und Mundtrockenheit. Sedierende parenterale H1-Antihistaminika können die Beurteilung erschweren und bei rascher intravenöser Gabe Hypotonie auslösen [LL1, FI3].

H1-Antihistaminika behandeln weder Schock noch lebensbedrohliche Atemwegsprobleme. H2-Rezeptorblocker sind kein Bestandteil der Standardbehandlung; Ranitidin wird nicht empfohlen [1, LL2].

Glukokortikoide: ausgewählte lokale bzw. zusätzliche Indikationen

Wirkstoff Besonderheiten
Topisches Glukokortikoid, z. B. Hydrocortison Bei entzündlicher lokaler Stichreaktion erwägbar; vergleichende Wirksamkeitsstudien fehlen. Altersgrenze, Hautregion und Präparat beachten; keine routinemäßigen lokalen Antihistaminika [LL3].
Prednisolon Keine routinemäßige systemische Behandlung kleiner Lokalreaktionen. Diese Dosierung gilt für die gesteigerte Lokalreaktion, nicht als Anaphylaxie-Ersttherapie. Keine pauschale pädiatrische Empfehlung eines 100-mg-Suppositoriums. Bei zusätzlicher Asthmaindikation separate alters- und gewichtsadaptierte Behandlung [LL3].
  • Wirkweise: Hemmung entzündlicher Genexpression; verzögerter Wirkungseintritt.
  • Indikation: Topisch bei ausgewählten lokalen Beschwerden, systemisch bei stark ausgeprägter Lokalreaktion mit relevanter Beeinträchtigung; in der Anaphylaxie nur bei zusätzlicher eigenständiger Indikation.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; systemisch Infektionen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und weitere Begleiterkrankungen berücksichtigen. Topisch keine Anwendung auf unbehandelten infizierten Hautarealen.
  • Nebenwirkungen: Systemisch unter anderem Hyperglykämie (zu hoher Blutzuckerspiegel), Schlaf-/Stimmungsstörungen und Blutdruckanstieg; topisch bei längerer Anwendung Hautatrophie (Verdünnung der Haut). Keine gesicherte Verhinderung biphasischer Anaphylaxie [1, LL1].

Lokale Stichreaktion und besondere Situationen

  • Unkomplizierte Lokalreaktion: Bei Bienenstich verbliebenen Stachel rasch entfernen, kühlen und betroffene Extremität (Arm oder Bein) gegebenenfalls hochlagern. Medikamente nur nach Beschwerden; bei geringer Reaktion meist entbehrlich.
  • Gesteigerte Lokalreaktion: Ausgedehnte, über länger als 24 Stunden anhaltende Schwellung ist allein kein anaphylaktischer Schock (Kreislaufversagen durch eine schwere allergische Reaktion). Nicht sedierendes H1-Antihistaminikum, gegebenenfalls kurzzeitiges systemisches Glukokortikoid; klinisch eine Infektion abgrenzen. Antibiotika nur bei tatsächlicher bakterieller Infektion, nicht bei steriler Rötung oder nicht infektiöser Lymphangitis (Entzündung der Lymphgefäße).
  • Stich in Mund oder Rachen: Dringliche ärztliche Beurteilung und Überwachung wegen möglicher mechanischer Atemwegsverlegung auch ohne systemische Allergie. Antiallergische Begleittherapie und gegebenenfalls Atemwegssicherung; bei Anaphylaxiezeichen sofort intramuskuläres Adrenalin.
  • Zahlreiche Stiche: Bei Verdacht auf toxische Systemreaktion stationäre Beurteilung, insbesondere hinsichtlich Hämolyse (Zerfall roter Blutkörperchen), Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe) und Nierenschädigung; gleichzeitig mögliche Anaphylaxie behandeln [LL3].

Überwachung und Nachsorge nach Anaphylaxie

Nach behandelter Anaphylaxie erfolgt eine medizinische Überwachung wegen möglicher erneuter Symptome. Dauer nach Schweregrad, Adrenalinbedarf, Begleiterkrankungen und Erreichbarkeit weiterer Hilfe festlegen. Bei mehreren Adrenalindosen, schwerer Atemwegs-/Kreislaufbeteiligung oder anderen Risikofaktoren ist eine verlängerte, gegebenenfalls über Nacht erfolgende stationäre Überwachung erforderlich. Vor Entlassung Notfallmedikation, schriftlichen Notfallplan, Anwendungsschulung und allergologische Abklärung sicherstellen [1, LL2].

Langfristige Therapie und Notfallset

Nach systemischer allergischer Stichreaktion erfolgt eine allergologische Risikobewertung. Ein Adrenalin-Autoinjektor ist insbesondere nach Reaktionen mit Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung angezeigt. Bei isolierten Hautreaktionen hängt die Verordnung von zusätzlichen Risiken und individueller Situation ab. Zwei Geräte sind insbesondere bei hohem Risiko, früher notwendiger mehrfacher Adrenalingabe oder eingeschränktem Zugang zum Rettungsdienst wichtig. Antihistaminikum und gegebenenfalls ein individuell verordnetes Glukokortikoid sind ergänzende Bestandteile; ihre Einnahme darf bei Anaphylaxie den Autoinjektor nicht verzögern [LL3, FI1].

Nach ausschließlich gesteigerter Lokalreaktion ist eine Bedarfsmedikation möglich; ein Adrenalin-Autoinjektor und eine Insektengift-Immuntherapie sind deswegen allein im Regelfall nicht erforderlich. Eltern, Betreuungspersonen und altersentsprechend Kinder müssen den schriftlichen Notfallplan und die Geräteanwendung beherrschen. Alters- und Gewichtsangaben sowie Haltbarkeit regelmäßig überprüfen [LL3].

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Allergenpräparate: Insektengift-Allergen-Immuntherapie

Wirkstoff Besonderheiten
Standardisierte Bienen- bzw. Wespengift-Allergenpräparate Nach systemischer Stichreaktion und nachgewiesener relevanter Sensibilisierung (allergischer Überempfindlichkeit), insbesondere bei Beteiligung über die Haut hinaus. Bei Erwachsenen auch bei rein kutanen Reaktionen (auf die Haut beschränkten Reaktionen) mit Risikofaktoren bzw. erheblicher Lebensqualitätsbeeinträchtigung. Bei Kindern mit ausschließlich kutaner Systemreaktion meist keine regelhafte Indikation. Bei Mastozytose (Erkrankung mit vermehrten Mastzellen) oder sehr hohem Risiko gegebenenfalls verlängerte bzw. dauerhafte Therapie [LL3].
  • Wirkweise: Induktion einer allergenspezifischen immunologischen Toleranz.
  • Indikation: Prävention erneuter systemischer allergischer Stichreaktionen bei entsprechender Anamnese (Krankengeschichte) und nachgewiesener relevanter Sensibilisierung.
  • Kontraindikationen: Präparate- und situationsbezogen prüfen; insbesondere unkontrolliertes Asthma vor Immuntherapie stabilisieren. Betablocker und ACE-Hemmer sind keine pauschalen Kontraindikationen. Eine notwendige kardiovaskuläre Therapie nicht eigenständig absetzen; individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und gegebenenfalls Umstellung.
  • Nebenwirkungen: Lokale und systemische allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie. Durchführung und Nachbeobachtung im entsprechend ausgerüsteten Zentrum [LL3].

Anti-IgE-Antikörper: ausgewählte Begleittherapie

Wirkstoff Besonderheiten
Omalizumab Off-Label-Use als Begleittherapie bei wiederholten systemischen Reaktionen auf die Insektengift-Immuntherapie trotz Optimierung von Risikofaktoren und H1-Prämedikation. Keine routinemäßige Stichprophylaxe und keine Anaphylaxie-Akuttherapie [LL3].
  • Wirkweise: Bindung von freiem IgE.
  • Indikation: In ausgewählten Fällen zur Ermöglichung einer verträglichen Insektengift-Allergen-Immuntherapie; Off-Label-Use.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile; individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung im spezialisierten Zentrum.
  • Nebenwirkungen: Unter anderem Reaktionen an der Injektionsstelle und selten Anaphylaxie. Durchführung und Nachbeobachtung im entsprechend ausgerüsteten Zentrum [LL3].

Abkürzungen

  • ACE: Angiotensin-Converting-Enzyme.
  • EKG: Elektrokardiogramm.
  • H1: Histaminrezeptor vom Typ 1.
  • H2: Histaminrezeptor vom Typ 2.
  • IgE: Immunglobulin E.
  • i. m.: intramuskulär.
  • i. o.: intraossär.
  • i. v.: intravenös.
  • p. o.: per os.
  • s. c.: subkutan.

Literatur

  1. Dodd A, Hughes A, Sargant N et al.: Evidence update for the treatment of anaphylaxis. Resuscitation. 2021;163:86-96. doi:10.1016/j.resuscitation.2021.04.010.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Lott C, Karageorgos V, Abelairas-Gómez C et al.: European Resuscitation Council Guidelines 2025 Special Circumstances in Resuscitation. Resuscitation. 2025;215(Suppl 1):110753. doi:10.1016/j.resuscitation.2025.110753. Langfassung [LL1]
  2. Resuscitation Council UK: Emergency treatment of anaphylaxis. Guidelines for healthcare providers. Mai 2021; im Anaphylaxieabschnitt der Empfehlungen 2025 weiterhin als ausführliches Behandlungsprotokoll referenziert. Langfassung [LL2]
  3. S2k-Leitlinie: Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie. (AWMF-Registernummer: 061-020), Juli 2023. Langfassung [LL3]
  4. Royal Children's Hospital Melbourne: Clinical Practice Guidelines: Anaphylaxis. Onlinefassung, abgerufen am 14. Oktober 2026. Pädiatrisches Behandlungsprotokoll [LL4]
  5. Resuscitation Council UK: Refractory anaphylaxis algorithm. 2021. Behandlungsalgorithmus [LL5]

Produktinformationen

  1. ALK-Abelló Arzneimittel GmbH: Jext 150 Mikrogramm, Injektionslösung in einem Fertigpen. Fachinformation, August 2024. Fachinformation [FI1]
  2. ratiopharm GmbH: Salbutamol-ratiopharm Inhalationslösung, 5 mg/ml Lösung für einen Vernebler. Fachinformation, März 2024, Version 6. Fachinformation [FI2]
  3. European Medicines Agency: Zyrtec and associated names; harmonisierte Produktinformation für Cetirizin, einschließlich oraler Tropfen und Lösung. Artikel-30-Verfahren, 2008. Harmonisierte Produktinformation; aktuelle nationale Fachinformation des verwendeten Präparats zusätzlich beachten [FI3]