Basalzellkarzinom (Basaliom) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Basalzellkarzinom (weißer Hautkrebs) (BZK; Basaliom) mitbedingt sein können:
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Periokuläre Infiltration (Einwachsen in Gewebe um das Auge) mit Lid-, Tränenwegs- oder Orbitabeteiligung (Beteiligung der Augenhöhle) – bei Basalzellkarzinomen an Lidern, medialem Kanthus (innerem Augenwinkel), periorbitaler Haut (Haut um das Auge herum) oder Nase kann es bei verzögerter Diagnostik (Untersuchung zur Feststellung einer Krankheit), Rezidiven (Rückfällen) oder aggressiven histologischen Subtypen (Gewebe-Unterformen) zur Infiltration funktionell kritischer okulärer Strukturen (Strukturen des Auges) kommen; mögliche Folgen sind Lagophthalmus (unvollständiger Lidschluss), chronische Oberflächenstörung der Hornhaut (dauerhafte Schädigung der Hornhautoberfläche), Tränenabflussstörung, Diplopie (Doppeltsehen), Visusminderung (Sehminderung) und in seltenen fortgeschrittenen Fällen eine orbitale Exenteration (Entfernung des Augenhöhleninhalts) [LL1-2].
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Chronische Ulzeration (dauerhafte Geschwürbildung) des Tumors (Geschwulst) – typische Komplikation unbehandelter oder lokal fortgeschrittener Basalzellkarzinome; klinisch relevant sind Nässen, Krustenbildung, rezidivierende Blutung (wiederkehrende Blutung), Schmerzen, Foetor (übelriechender Geruch) und eine sekundäre bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion), insbesondere bei ulzerierenden Tumoren im Kopf-Hals-Bereich [LL1-2].
- Lokal destruierendes Wachstum (örtlich gewebezerstörendes Wachstum) in angrenzende Weichteile (weiche Körpergewebe) – charakteristische Komplikation fortgeschrittener Basalzellkarzinome; das Wachstum ist meistens langsam, kann aber bei Vernachlässigung, Rezidiven oder aggressiven Subtypen zu erheblicher Gewebedestruktion (Gewebezerstörung) mit funktioneller und rekonstruktiver Morbidität (Krankheitsbelastung) führen [LL1-2].
- Lokalrezidiv (örtlicher Rückfall) nach Therapie (Behandlung) – klinisch relevante Komplikation insbesondere nach inkompletter Exzision (unvollständiger operativer Entfernung), bei knappem Sicherheitsabstand, vorbestehendem Rezidiv, unscharfer klinischer Begrenzung, aggressivem histologischem Subtyp oder Lokalisation (Lage) in der H-Zone des Gesichtes; Rezidive sind therapeutisch aufwendiger und erhöhen das Risiko weiterer lokaler Destruktion (örtlicher Zerstörung) [LL1-2].
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Destruktion von Knorpel- und Knochenstrukturen – seltene, aber klinisch bedeutsame Komplikation lokal fortgeschrittener Basalzellkarzinome, insbesondere an Nase, Ohr, periokulärer Region (Region um das Auge) und anderen anatomisch kritischen Lokalisationen; möglich sind Knorpeldefekte (Schäden am Knorpel), ossäre Arrosion (Knochenangriff), Schädelbasisnähe und erhebliche funktionell-rekonstruktive Einschränkungen [LL1-2].
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Metastasiertes Basalzellkarzinom (Basalzellkarzinom mit Absiedlungen) – extrem seltene Komplikation; die Metastasierungsrate (Rate der Absiedlungsbildung) wird in der Literatur ungefähr mit 0,0028-0,55 % angegeben, wobei höhere Werte meistens aus selektierten historischen oder fortgeschrittenen Kollektiven stammen. Metastasen (Absiedlungen) betreffen vor allem Lymphknoten, Lunge, Knochen und Leber; klinisch relevant sind große, lange bestehende, rezidivierende, infiltrative, basosquamöse oder perineural invasive Tumoren (Tumoren mit Einwachsen entlang von Nerven) sowie Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) [LL1-2].
- Weitere Keratinozytenkarzinome (Hautkrebsformen aus hornbildenden Hautzellen) der Haut als Zweittumoren – nach einem Basalzellkarzinom ist das Risiko für weitere Basalzellkarzinome und für kutane Plattenepithelkarzinome (Haut-Plattenepithelkarzinome) erhöht; dies ist am ehesten Ausdruck gemeinsamer Risikofaktoren wie chronischer ultravioletter Exposition (dauerhafter UV-Belastung), Feldkanzerisierung (flächiger Krebsvorstufenbildung), Alter, Hauttyp und genetischer Suszeptibilität (erblicher Anfälligkeit), nicht eine direkte monokausale Folge des Ersttumors [1-2].
- Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs) als weiterer kutaner Zweittumor – nach einem Basalzellkarzinom ist auch das Risiko für ein späteres Melanom moderat erhöht; dies begründet eine strukturierte dermatologische Nachsorge (hautärztliche Nachsorge) und Patientenschulung zur Selbstinspektion (Selbstuntersuchung) [1-2, LL1-2].
- Andere maligne Tumoren (bösartige Geschwülste) bei multiplen Basalzellkarzinomen (mehreren Basalzellkarzinomen) – Personen mit mindestens 6 Basalzellkarzinomen zeigten in einer Kohorte (beobachteten Personengruppe) beziehungsweise Versicherungsdatenanalyse ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko für andere maligne Tumoren; wahrscheinlich handelt es sich teilweise um einen klinischen Marker (Hinweiszeichen) für eine erhöhte Prävalenz (Häufigkeit) pathogener Varianten (krankheitsverursachender Veränderungen) in Desoxyribonukleinsäure (DNA)-Reparaturgenen und nicht um eine direkte Folge einzelner Basalzellkarzinome [3].
- Interne Malignome (bösartige Tumoren innerer Organe) nach Nicht-Melanom-Hautkrebs (NMSC; non-melanoma skin cancer) – populationsbasierte und systematische Daten zeigen eine Assoziation (Zusammenhang) zwischen Nicht-Melanom-Hautkrebs und späteren nicht-kutanen Tumoren (Tumoren außerhalb der Haut). In einer koreanischen NMSC-Kohorte war das Gesamtrisiko interner Malignome erhöht; besonders hohe Hazard Ratios (HR) wurden für maligne Knochentumoren, Tumoren der Nasenhöhle/des Larynx (Kehlkopfs), der Mundhöhle/des Pharynx (Rachens), des Anus/Analkanals und der Cervix (Gebärmutterhals) berichtet, zudem erhöhte Risiken für Thorax- (Brustkorb-), Ösophagus- (Speiseröhren-), Mamma- (Brustdrüsen-), Schilddrüsen-, Bronchial- und Magenkarzinome sowie Non-Hodgkin-Lymphome (bösartige Erkrankungen des Lymphsystems). Diese Daten sind als Marker-/Assoziationsbefund zu werten und nicht als gesicherte direkte Folge eines Basalzellkarzinoms [4-5].
Prognosefaktoren (Einflussfaktoren auf den Krankheitsverlauf)
- Lokalisation in der H-Zone des Gesichtes – insbesondere Augenlider, periorbital, Nase, Lippenregion, prä-/postaurikulär (vor/hinter dem Ohr), Ohr und Schläfenregion; diese Lokalisationen sind mit höherem Rezidivrisiko (Rückfallrisiko), höherer funktioneller Morbidität und häufigerem Bedarf an mikroskopisch kontrollierter Chirurgie (Operation mit mikroskopischer Randkontrolle) verbunden [LL1-2].
- Großer maximaler Tumordurchmesser und Tiefeninfiltration (Einwachsen in tiefere Gewebeschichten) – erhöhen das Risiko für inkomplette Exzision, Lokalrezidiv, funktionell relevante Defekte und Einstufung als lokal fortgeschrittenes Basalzellkarzinom [LL1-2].
- Histologischer Subtyp – infiltrative, sklerodermiforme/morpheaforme, mikronoduläre und basosquamöse Subtypen gelten als prognostisch ungünstiger als superfizielle oder noduläre Niedrigrisikoformen [LL1-2].
- Perineurale Invasion (Einwachsen entlang von Nerven) – selten, aber prognostisch relevant; sie ist mit subklinischer Ausbreitung (nicht direkt sichtbarer Ausbreitung), höherem Rezidivrisiko und komplexerer Therapieplanung assoziiert [LL1-2].
- Rezidivtumor (wiedergekehrter Tumor) oder inkomplette Vorbehandlung (unvollständige Vorbehandlung) – frühere Rezidive, positive histologische Ränder (tumorbefallene Geweberänder), vorangegangene Radiotherapie (Strahlentherapie) und wiederholte unvollständige Exzisionen erhöhen das Risiko weiterer Rezidive und lokaler Destruktion [LL1-2].
- Immunsuppression und genetische Prädisposition (erbliche Veranlagung) – Organtransplantation, iatrogene Immunsuppression (behandlungsbedingte Unterdrückung des Immunsystems), Xeroderma pigmentosum (Mondscheinkrankheit), Basalzellkarzinomsyndrom und zahlreiche oder frühe Basalzellkarzinome erhöhen das Risiko multipler Tumoren, aggressiver Verläufe und weiterer Hauttumoren [3, LL1-2].
- Verzögerte Diagnostik oder fehlende Therapie – begünstigt Ulzeration, Blutung, Weichteil-, Knorpel-, Knochen- und Orbitainfiltration; dies ist der wichtigste vermeidbare Faktor für lokal fortgeschrittene Verläufe [LL1-2].
Literatur
- Flohil SC, van der Leest RJT, Arends LR et al.: Risk of subsequent cutaneous malignancy in patients with prior keratinocyte carcinoma: a systematic review and meta-analysis. European Journal of Cancer. 2013;49(10):2365-2375. https://doi.org/10.1016/j.ejca.2013.03.010
- van der Leest RJT, Hollestein LM, Liu L et al.: Risks of different skin tumour combinations after a first melanoma, squamous cell carcinoma and basal cell carcinoma in Dutch population-based cohorts: 1989-2009. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2018;32(3):382-389. https://doi.org/10.1111/jdv.14587
- Cho HG, Kuo KY, Li S et al.: Frequent basal cell cancer development is a clinical marker for inherited cancer susceptibility. JCI Insight. 2018;3(15):e122744. https://doi.org/10.1172/jci.insight.122744
- Yun SJ, Bae JM, Kim H et al.: Non-melanoma skin cancer as a clinical marker for internal malignancies: a nationwide population-based cohort study. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2020;34(4):746-753. https://doi.org/10.1111/jdv.15936
- Wheless L, Black J, Alberg AJ: Nonmelanoma Skin Cancer and the Risk of Second Primary Cancers: a Systematic Review. Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention. 2010;19(7):1686-1695. https://doi.org/10.1158/1055-9965.EPI-10-0243
Leitlinien
- Peris K, Fargnoli MC, Kaufmann R et al.: European consensus-based interdisciplinary guideline for diagnosis and treatment of basal cell carcinoma-update 2023. European Journal of Cancer. 2023;192:113254. https://doi.org/10.1016/j.ejca.2023.113254
- S2k-Leitlinie: Basalzellkarzinom der Haut (AWMF-Register-Nr. 032-021) Januar 2024 Langfassung