Schnupfen (Rhinitis) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Akute Rhinosinusitis (akute Entzündung der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen) – insbesondere bei viraler infektiöser Rhinitis im Rahmen eines oberen Atemwegsinfekts (Infektion der oberen Atemwege); meist viral/postviral (virusbedingt/nach einer Virusinfektion), bakterielle Verläufe (durch Bakterien bedingte Krankheitsverläufe) nur in einer Minderheit der Fälle [3, LL3]
- Asthma bronchiale (chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege mit anfallsartiger Atemnot) – allergische und nichtallergische Rhinitis sind mit einer erhöhten Asthmainzidenz (Häufigkeit von Asthma-Neuerkrankungen) assoziiert; besonders relevant bei persistierender oder schwerer Rhinitis sowie bei zusätzlicher Atopie (allergische Veranlagung) [1, 2, LL1, LL2]
- Exazerbation (akute Verschlechterung) eines vorbestehenden Asthma bronchiale oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (dauerhaft verengende Lungenerkrankung) – vor allem bei infektiöser Rhinitis/viral bedingtem oberen Atemwegsinfekt; die Rhinitis ist dabei Teil des oberen Atemwegsinfekts und nicht als isolierte Ursache zu werten [3, 4]
- Chronische Rhinosinusitis (dauerhafte Entzündung der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen) – als entzündlich gekoppelte Komorbidität (Begleiterkrankung) beziehungsweise assoziierte Folgekonstellation der oberen Atemwege bei persistierender allergischer oder nichtallergischer Rhinitis möglich; die Evidenz spricht nicht für eine monokausale Folgebeziehung (einzige Ursache-Wirkungs-Beziehung) [1, LL1, LL3]
- Rhinitis medicamentosa (medikamentenbedingte Nasenschleimhautentzündung) – therapieassoziierte Komplikation bei längerfristiger Anwendung topischer nasaler Dekongestiva (in der Nase angewendeter abschwellender Arzneimittel); daher sollen abschwellende Nasensprays nur kurzfristig eingesetzt werden [LL1]
Ohren – Warzenfortsatz (H60-H95)
- Akute Otitis media (akute Mittelohrentzündung) – vor allem bei Kindern nach viraler infektiöser Rhinitis/oberem Atemwegsinfekt durch Schleimhautödem (Schwellung der Schleimhaut), Tubenventilationsstörung (Belüftungsstörung der Ohrtrompete) und sekundäre bakterielle Mitbeteiligung (nachfolgende Beteiligung von Bakterien) [4]
- Otitis media mit Erguss (Mittelohrentzündung mit Flüssigkeitsansammlung) beziehungsweise Paukenerguss (Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr) – insbesondere bei Kindern mit allergischer Rhinitis; mögliche Folge ist eine konduktive Hörminderung (Schallleitungsschwerhörigkeit) beziehungsweise Mittelohrschwerhörigkeit (Hörminderung durch Störung im Mittelohr) [5, LL4]
- Tubenventilationsstörung – durch nasale/nasopharyngeale Schleimhautschwellung (Schwellung der Nasenschleimhaut/des Nasenrachenraums) bei infektiöser oder allergischer Rhinitis; klinisch relevant als pathogenetischer Zwischenschritt (krankheitsentstehender Zwischenschritt) für Paukenerguss und Otitis media [4, 5, LL4]
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Schlafstörungen (Störungen des Schlafs) – bei moderater bis schwerer persistierender Rhinitis durch nasale Obstruktion (verstopfte Nase), Rhinorrhoe (laufende Nase), Niesreiz und Juckreiz; relevant für Tagesmüdigkeit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität [1, LL1, LL2]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronischer Husten (dauerhafter Husten) beziehungsweise Upper-Airway-Cough-Syndrom (Syndrom des Hustens durch Erkrankungen der oberen Atemwege) – insbesondere bei postnasalem Sekretfluss (Sekretabfluss in den Rachen), nasaler Obstruktion und chronischer Rhinitis; die Rhinitis ist dabei als obere Atemwegsursache eines chronischen Hustens zu berücksichtigen [1, LL1]
- Hyposmie/Anosmie (vermindertes/fehlendes Riechvermögen) – bei akuter viraler, allergischer oder chronischer Rhinitis meist durch Schleimhautödem und entzündliche Beteiligung der Riechregion (Bereich der Riechschleimhaut); bei allergischer Rhinitis nimmt die Häufigkeit olfaktorischer Dysfunktion (Störung des Riechvermögens) mit Dauer und Schwere der Erkrankung zu [6]
Prognosefaktoren (Einflussgrößen für den Krankheitsverlauf)
- Rhinitis-Phänotyp (Ausprägungsform der Nasenschleimhautentzündung): Allergische, nichtallergische, infektiöse, beruflich bedingte und medikamentös induzierte Rhinitis unterscheiden sich deutlich hinsichtlich Persistenz, Rezidivneigung und Folgekomplikationen [LL1, LL2]
- Dauer und Schweregrad der Rhinitis: Persistierende und moderate bis schwere Verläufe erhöhen das Risiko für Asthmaassoziation, Schlafstörungen, Riechstörung (Störung des Riechvermögens) und chronische Beschwerden [1, 2, 6, LL1, LL2]
- Atopie und Allergenexposition (Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen): Sensibilisierung (allergische Reaktionsbereitschaft), hohe Allergenlast (Menge allergieauslösender Stoffe) und unzureichende Expositionskontrolle (Verringerung des Kontakts mit Auslösern) begünstigen persistierende Symptomatik (Beschwerdebild) und Komorbidität mit Asthma bronchiale beziehungsweise Otitis media mit Erguss [1, 2, 5, LL1, LL2]
- Vorbestehende untere Atemwegserkrankung (bereits bestehende Erkrankung der unteren Atemwege): Bestehendes Asthma bronchiale oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung erhöht die klinische Relevanz infektiöser Rhinitis/oberer Atemwegsinfekte für Exazerbationen [3, 4]
- Alter: Kinder haben ein höheres Risiko für akute Otitis media, Paukenerguss und tubenbedingte Hörminderung nach infektiöser oder allergischer Rhinitis; ältere oder multimorbide Patienten (Patienten mit mehreren Erkrankungen) haben ein höheres Risiko für klinisch relevante Atemwegsexazerbationen (akute Verschlechterungen von Atemwegserkrankungen) [4, 5, LL4]
- Therapieadhärenz (Einhaltung der Therapie) und korrekte Arzneimittelanwendung (Anwendung von Medikamenten): Unzureichende antientzündliche Therapie (entzündungshemmende Behandlung) begünstigt persistierende Beschwerden; längerfristige Anwendung topischer nasaler Dekongestiva erhöht das Risiko einer Rhinitis medicamentosa [LL1, LL2]
Literatur
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Leitlinien
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- Sousa-Pinto B, Bousquet J, Ansotegui IJ et al.: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA)-EAACI Guidelines-2024-2025 Revision: Part I-Guidelines on Intranasal Treatments. Allergy. 2026;81(4):954-976. https://doi.org/10.1111/all.70131
- Fokkens WJ, Lund VJ, Hopkins C et al.: European Position Paper on Rhinosinusitis and Nasal Polyps 2020. Rhinology. 2020;58(Suppl S29):1-464. https://doi.org/10.4193/Rhin20.600
- Rosenfeld RM, Shin JJ, Schwartz SR et al.: Clinical Practice Guideline: Otitis Media with Effusion (Update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2016;154(1 Suppl):S1-S41. https://doi.org/10.1177/0194599815623467