Schnupfen (Rhinitis) – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akute infektiöse Rhinitis (akuter infektiöser Schnupfen) – meist viral (durch Viren bedingt); typische Differentialdiagnose (Unterscheidungsdiagnose) bei akutem Niesen, Rhinorrhoe (laufende Nase), Nasenobstruktion (verstopfte Nase) und Allgemeinsymptomen
  • Akute Rhinosinusitis (akute Entzündung der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen) – bei zusätzlichem Gesichtsschmerz/Gesichtsdruck, Hyposmie (vermindertes Riechvermögen)/Anosmie (Riechverlust) oder purulenter Sekretion (eitriger Absonderung)
  • Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) – Immunglobulin-E (Abwehrstoff vom Typ E)-vermittelte Rhinitis bei saisonaler oder perennialer Allergenexposition (ganzjähriger Allergenaussetzung); typisch mit Niesreiz, Rhinorrhoe, Juckreiz und okulären Begleitsymptomen (Begleitsymptomen an den Augen)
  • Berufsbedingte Rhinitis (berufsbedingter Schnupfen) – allergisch oder irritativ (reizbedingt) bedingte Rhinitis bei zeitlichem Zusammenhang mit Arbeitsplatzexposition (Belastung am Arbeitsplatz)
  • Chronische Rhinosinusitis (chronische Entzündung der Nasenschleimhaut und Nasennebenhöhlen) mit nasalen Polypen (Schleimhautwucherungen der Nase) – bei persistierender Nasenobstruktion, Hyposmie/Anosmie und endoskopischem Nachweis (Nachweis durch Spiegelung) von Polypen
  • Chronische Rhinosinusitis ohne nasale Polypen – bei über 12 Wochen bestehender nasaler Obstruktion (nasaler Verlegung), Sekretion, Gesichtsdruck oder Geruchsstörung
  • Gustatorische Rhinitis (Schnupfen nach Nahrungsaufnahme) – nichtallergische Rhinitis mit wässriger Rhinorrhoe nach Nahrungsaufnahme, insbesondere nach scharfen Speisen
  • Idiopathische Rhinitis (Schnupfen unklarer Ursache) beziehungsweise vasomotorische Rhinitis (durch Gefäßregulation bedingter Schnupfen) – nichtallergische, nichtinfektiöse Rhinitis bei unspezifischen Triggern (Auslösern) wie Temperaturwechsel, Gerüchen, Rauch, Alkohol oder Luftschadstoffen
  • Lokale allergische Rhinitis (örtlicher allergischer Schnupfen) – rhinitische Symptomatik (Schnupfenbeschwerden) bei negativer systemischer Allergiediagnostik (Allergieuntersuchung des Körpers), aber lokaler nasaler allergischer Reaktion
  • Nichtallergische Rhinitis mit Eosinophilie-Syndrom (NARES) (nichtallergischer Schnupfen mit vermehrten eosinophilen Entzündungszellen) – chronische Rhinorrhoe, Niesen und Nasenobstruktion ohne systemische Allergiesensibilisierung (Allergiebereitschaft des Körpers)
  • Nichtsteroidale-Antirheumatika-exazerbierte Atemwegserkrankung (durch bestimmte Schmerz- und Entzündungshemmer verschlechterte Atemwegserkrankung) – bei chronischer Rhinosinusitis mit nasalen Polypen, Asthma bronchiale (Asthma) und Unverträglichkeit gegenüber Acetylsalicylsäure beziehungsweise nichtsteroidalen Antirheumatika (kortisonfreien Schmerz- und Entzündungshemmern)
  • Postinfektiöse Rhinitis (Schnupfen nach Infektion) – persistierende rhinitische Beschwerden nach akuter viraler oder bakterieller Infektion (Ansteckung)
  • Rhinitis atrophicans (Schwund-Schnupfen) – chronische atrophische Rhinitis (Schnupfen mit Schleimhautschwund) mit weiter Nasenhöhle, Borkenbildung, Trockenheit und gegebenenfalls Foetor (übelriechender Geruch)
  • Rhinitis sicca anterior (trockener vorderer Schnupfen) – trockene vordere Rhinitis mit Krustenbildung, Epistaxisneigung (Neigung zu Nasenbluten) und Schleimhautirritation
  • Rhinolith (Nasenstein) – nasaler Fremdkörperstein mit einseitiger Obstruktion (Verlegung), Foetor und Sekretion
  • Schwangerschaftsrhinitis (Schwangerschaftsschnupfen) – hormonell mitbedingte nichtallergische Rhinitis mit Nasenobstruktion während der Schwangerschaft ohne infektiöse oder allergische Ursache
  • Septumdeviation (Nasenscheidewandverkrümmung) – keine Rhinitis, sondern strukturelle Differentialdiagnose bei persistierender oder einseitig betonter Nasenobstruktion
  • Turbinalhyperplasie (Vergrößerung der Nasenmuscheln) – keine Rhinitis, sondern strukturelle Differentialdiagnose bei Nasenobstruktion durch Schleimhaut- beziehungsweise Nasenmuschelvergrößerung

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Immunglobulin-G4 (IgG4)-assoziierte Erkrankung (mit dem Abwehrstoff Immunglobulin G4 verbundene Erkrankung) – seltene systemisch-entzündliche Differentialdiagnose bei chronischer nasaler, sinusaler oder orbitaler Beteiligung (Beteiligung der Nase, Nasennebenhöhlen oder Augenhöhle)
  • Sarkoidose (entzündliche Knötchenerkrankung) – granulomatöse Systemerkrankung (knötchenbildende Erkrankung des ganzen Körpers) mit möglicher nasaler Schleimhautbeteiligung, Krustenbildung, Obstruktion oder chronischer Rhinosinusitis-ähnlicher Symptomatik

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – kann durch Schleimhautschwellung und muköse Sekretion (schleimige Absonderung) rhinitische Beschwerden beziehungsweise Nasenobstruktion mitbedingen

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • COVID-19 (Coronavirus disease 2019; Coronavirus-Erkrankung 2019) – akute virale Infektion mit möglicher Rhinorrhoe, Nasenobstruktion, Riechstörung und Allgemeinsymptomen
  • Leishmaniose, mukokutane (Infektionskrankheit mit Befall von Haut und Schleimhäuten) – seltene Differentialdiagnose bei chronisch-ulzerierender (dauerhaft geschwürbildender) oder destruktiver nasaler Schleimhautbeteiligung, insbesondere nach entsprechender Reise- oder Expositionsanamnese (Vorgeschichte zu Kontakt oder Belastung)
  • Lepra (chronische bakterielle Infektionskrankheit) – seltene chronische infektiöse Ursache nasaler Schleimhautdestruktion (Zerstörung der Nasenschleimhaut), Krustenbildung und Obstruktion bei entsprechender epidemiologischer Anamnese (Vorgeschichte zu Verbreitungsgebiet oder Kontakt)
  • Rhinosklerom (chronische bakterielle Nasenerkrankung) – chronische granulomatöse bakterielle Infektion der Nase und oberen Atemwege; relevant bei chronischer, granulomatöser oder obstruierender nasaler Symptomatik
  • Syphilis (Lues) – seltene Ursache chronischer nasaler Schleimhautläsionen (Schleimhautschäden), Ulzerationen (Geschwüre) oder destruktiver Veränderungen
  • Tuberkulose (Schwindsucht) – seltene granulomatöse Differentialdiagnose bei chronischer Rhinitis, Ulzerationen, Krustenbildung oder systemischen Symptomen

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (entzündliche Gefäßerkrankung mit eosinophilen Entzündungszellen) – systemische Vaskulitis (Gefäßentzündung) mit Asthma bronchiale, chronischer Rhinosinusitis, nasalen Polypen und Eosinophilie (Vermehrung eosinophiler Entzündungszellen)
  • Granulomatose mit Polyangiitis (entzündliche Gefäßerkrankung mit Knötchenbildung) – nekrotisierende granulomatöse Vaskulitis (Gefäßentzündung mit Gewebeuntergang und Knötchenbildung) mit chronischer Rhinitis, Krustenbildung, Epistaxis (Nasenbluten), Septumperforation (Loch in der Nasenscheidewand) oder Sattelnase
  • Rezidivierende Polychondritis (wiederkehrende Knorpelentzündung) – entzündliche Knorpelerkrankung mit möglicher nasaler Knorpelbeteiligung und Sattelnasendeformität (Sattelnasenverformung)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Invertiertes Papillom (umgekehrt wachsender gutartiger Schleimhauttumor) – benigne (gutartige), lokal aggressive sinonasale Neoplasie (Neubildung der Nase und Nasennebenhöhlen); Differentialdiagnose bei einseitiger Nasenobstruktion, Sekretion oder Epistaxis
  • Nasopharynxkarzinom (Krebs des Nasenrachenraums) – Differentialdiagnose bei einseitiger nasaler Obstruktion, blutig-seröser Sekretion (blutig-wässriger Absonderung), Tubenbelüftungsstörung (Belüftungsstörung der Ohrtrompete) oder Halslymphknoten
  • Sinonasal malignes Melanom (bösartiger schwarzer Hautkrebs der Nase und Nasennebenhöhlen) – seltene maligne Differentialdiagnose bei einseitiger Obstruktion, Epistaxis oder pigmentierter Schleimhautläsion
  • Sinonasal Plattenepithelkarzinom (Plattenepithelkrebs der Nase und Nasennebenhöhlen) – maligne Differentialdiagnose bei einseitiger Nasenobstruktion, Epistaxis, Schmerzen, Foetor oder orbitalen beziehungsweise neurologischen Zeichen (Zeichen an der Augenhöhle beziehungsweise am Nervensystem)

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Anosmie beziehungsweise Hyposmie – Leitsymptom, das bei Rhinitis, Rhinosinusitis, viralen Infekten, nasalen Polypen, Tumoren oder neurogenen Ursachen (vom Nervensystem ausgehenden Ursachen) auftreten kann
  • Einseitige Nasenobstruktion – Red Flag (Warnzeichen) für strukturelle Läsion (Gewebeschaden), Fremdkörper, Rhinolith, chronische Rhinosinusitis, Polyp, invertiertes Papillom oder Malignom (bösartiger Tumor)
  • Epistaxis – Warnsymptom bei trockener Rhinitis, Traumata (Verletzungen), Antikoagulation (Blutverdünnung), Vaskulitiden (Gefäßentzündungen), Fremdkörpern oder Tumoren
  • Foetor ex naso (übelriechender Geruch aus der Nase) – Hinweis auf Fremdkörper, Rhinolith, atrophische Rhinitis, bakterielle Infektion oder Tumornekrose (Absterben von Tumorgewebe)

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Postoperative beziehungsweise iatrogene Rhinitis sicca (trockener Schnupfen nach Operation beziehungsweise medizinischer Maßnahme) – nach nasaler oder nasennebenhöhlenchirurgischer Intervention (Eingriff an Nase oder Nasennebenhöhlen) mit Schleimhauttrockenheit, Krustenbildung und Obstruktionsgefühl

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Fremdkörper der Nase – insbesondere bei Kindern; typisch einseitige, übelriechende, purulente oder blutige Rhinorrhoe
  • Nasenfraktur (Nasenbruch) beziehungsweise posttraumatische Septumdeviation (Nasenscheidewandverkrümmung nach Verletzung) – strukturelle Ursache einseitiger oder persistierender Nasenobstruktion
  • Septumhämatom (Bluterguss der Nasenscheidewand) – akute posttraumatische Nasenobstruktion; dringlich abklärungsbedürftig wegen Gefahr von Knorpelnekrose (Absterben von Knorpelgewebe) und Septumabszess (Eiteransammlung der Nasenscheidewand)

Medikamente

  • Acetylsalicylsäure und nichtsteroidale Antirheumatika – können bei nichtsteroidaler-Antirheumatika-exazerbierter Atemwegserkrankung nasale Symptome, chronische Rhinosinusitis mit nasalen Polypen und Asthma bronchiale verstärken
  • Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente) – insbesondere Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer (ACE-Hemmer; Blutdruckmedikamente), Betablocker (Medikamente zur Senkung von Herzfrequenz und Blutdruck), Alphablocker (Medikamente zur Gefäßerweiterung), Calciumantagonisten (Calciumkanalblocker) und Vasodilatatoren (Gefäßerweiterer) können Rhinitis- beziehungsweise Nasenobstruktionssymptome mitbedingen
  • Hormonpräparate – Östrogene (weibliche Geschlechtshormone) beziehungsweise hormonelle Kontrazeptiva (hormonelle Verhütungsmittel) können eine hormonell mitbedingte Rhinitis begünstigen
  • Intranasale Dekongestiva (abschwellende Nasenmittel) – bei längerem Gebrauch Risiko einer Rhinitis medicamentosa (medikamentös ausgelöster Schnupfen), insbesondere durch Xylometazolin, Oxymetazolin, Naphazolin oder Phenylephrin
  • Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer; gefäßerweiternde Medikamente) – können nasale Kongestion (vermehrte Nasenschleimhautschwellung) beziehungsweise Rhinitis-ähnliche Beschwerden verursachen
  • Psychopharmaka (Medikamente zur Behandlung psychischer Erkrankungen) – trizyklische Antidepressiva (ältere Medikamente gegen Depressionen) und andere anticholinerg wirksame Substanzen (Medikamente mit hemmender Wirkung auf bestimmte Nervenbotenstoffe) können Schleimhauttrockenheit, Krustenbildung oder subjektive Nasenobstruktion begünstigen

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Berufliche beziehungsweise häusliche Allergenexposition (Kontakt mit Allergieauslösern) – Pollen, Hausstaubmilben, Tierepithelien (Hautschuppen von Tieren), Schimmelpilze oder berufliche Hochmolekularallergene (große allergieauslösende Moleküle) als Auslöser allergischer Rhinitis
  • Chlor, Formaldehyd, Lösungsmittel, Reinigungsmittel und andere Reizgase – toxisch-irritative Rhinitis (giftig-reizbedingter Schnupfen) mit Brennen, Sekretion, Nasenobstruktion oder Schleimhautschädigung
  • Kokainkonsum, intranasal (Kokainkonsum über die Nase) – toxisch-ischämische Schleimhautschädigung (giftig-durchblutungsbedingte Schleimhautschädigung) mit Krustenbildung, Epistaxis, Septumperforation oder destruktiver Mittellinienläsion (zerstörende Schädigung der Gesichtsmitte)
  • Tabakrauch, Feinstaub und Luftschadstoffe – irritative Trigger nichtallergischer Rhinitis und Verstärker allergischer oder chronisch-entzündlicher nasaler Beschwerden