Zwangsstörungen – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpertemperatur, Körpergewicht und Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung) von Haut, Händen und Nägeln [irritative bzw. traumatische Hautveränderungen bei ausgeprägten Wasch-, Reinigungs- oder Manipulationszwängen: Erythem (Hautrötung), Rhagaden (Hautrisse), Exkoriationen (oberflächliche Hautverletzungen), Dermatitis (Hautentzündung); Onychophagie (Nägelkauen) bzw. Onychotillomanie (zwanghaftes Manipulieren an den Nägeln)]
    • Inspektion der Behaarung [umschriebene Alopezie (Haarausfall) bei Trichotillomanie (zwanghaftem Haareausreißen)]
    • Auskultation (Abhören) von Herz und Lunge
    • Palpation (Abtasten) des Abdomens (Bauches)
  • Neurologische Untersuchung – orientierend, insbesondere bei atypischem bzw. akutem Symptombeginn, neurologischen Begleitsymptomen oder Verdacht auf eine sekundäre Zwangssymptomatik:
    • Bewusstseinslage und Orientierung
    • Hirnnervenstatus (Untersuchung der Hirnnerven)
    • Motorik (Bewegungsfunktion), Muskeltonus (Muskelspannung), Reflexstatus (Prüfung der Reflexe), Koordination und Gangbild [Tics (unwillkürliche, wiederholte Bewegungen oder Lautäußerungen), choreatische (unwillkürlich schleudernde) bzw. andere unwillkürliche Bewegungen, fokal-neurologische Defizite (umschriebene Ausfälle des Nervensystems)]
    • Sensibilität (Empfindungsvermögen)
    • Kognitive Funktionen (geistige Funktionen) [kognitive Beeinträchtigung]
  • Psychiatrische Untersuchung – Erhebung des psychopathologischen Befundes (Befund des seelischen Zustandes) und Beurteilung psychischer Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) sowie relevanter Differentialdiagnosen (Abgrenzung zu anderen Erkrankungen):
    • Äußeres Erscheinungsbild, Kontaktverhalten und Psychomotorik (Bewegungsverhalten) [sichtbare Zwangsrituale, Vermeidungsverhalten, Tics, psychomotorische Unruhe bzw. Verlangsamung]
    • Bewusstsein, Orientierung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis [kognitive Störungen]
    • Formales Denken [Grübeln, umständliches bzw. eingeengtes Denken]
    • Inhaltliches Denken [Zwangsgedanken (sich aufdrängende unerwünschte Gedanken), Zwangsimpulse (sich aufdrängende Handlungsimpulse), überwertige Ideen (übermäßig bedeutsame Vorstellungen), wahnhafte Überzeugungen (unerschütterliche, realitätsferne Überzeugungen)]
    • Wahrnehmung [Halluzinationen (Sinnestäuschungen) als Hinweis auf eine psychotische Störung (Erkrankung mit gestörtem Realitätsbezug)]
    • Affektivität (Gefühlslage) und Antrieb [Angst, depressive Stimmung, Anhedonie (Verlust der Freude und des Interesses), Antriebsstörung]
    • Ich-Störungen (Störungen des Erlebens der eigenen Person) [Hinweis auf eine psychotische Störung]
    • Krankheitseinsicht und Distanzierungsfähigkeit gegenüber Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen [verminderte oder fehlende Einsicht]
    • Erfassung von Zwangsgedanken und Zwangshandlungen hinsichtlich Inhalt, Häufigkeit, Zeitaufwand, Vermeidungsverhalten und funktioneller Beeinträchtigung
    • Beurteilung psychischer Komorbiditäten, insbesondere depressive Störungen, Angststörungen, bipolare Störungen, Essstörungen, Ticstörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Persönlichkeitsstörungen, körperdysmorphe Störung (Störung mit übermäßiger Beschäftigung mit vermeintlichen körperlichen Makeln) sowie Substanzkonsumstörungen (Störungen durch den Konsum psychoaktiver Substanzen)
    • Beurteilung der Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung) und anderer Eigen- bzw. Fremdgefährdung; intrusive (sich aufdrängende) aggressive, sexuelle oder todbezogene Zwangsgedanken sind dabei von tatsächlicher Handlungsabsicht abzugrenzen [Suizidgedanken, Suizidpläne bzw. akute Eigen- oder Fremdgefährdung]
  • Gesundheitscheck

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.